Sony UBP-X1000ES (Test)

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Alte Bekannte: Die Fernbedienung wurde vom kleinen Bruder UBP-X800 übernommen. Sie ist angenehm leicht, übersichtlich gegliedert und verfügt über die wichtigsten Schnellwahl-Tasten. Auch zum Streaming-Dienst Netflix gelangt man mit nur einem Druck.

Mit einem Preis von 800 Euro muss sich Sonys neues UHD-Blu-ray-Flaggschiff mit den Playern von Oppo und Cambridge messen.
Kann das gut gehen?

Ein Jahr nach Samsung und Panasonic brachte Sony im letzten Sommer mit dem 400 Euro teuren UBP-X800 seinen ersten UHD-Blu-ray-Player auf den Markt (Test in audiovision 7-2017). Nun legen die Japaner nach. Der neue UBP-X1000ES, der in erster Linie über Fachhändler vertrieben wird, kostet das Doppelte. Da stellt sich die Frage, welchen Mehrwert man für die zusätzlichen Euro bekommt?

In das Kunststoff-Gehäuse scheint Sony nur bedingt investiert zu haben. Von vorne ist zumindest kein Unter-schied zum halb so teuren Bruder festzustellen, auch wiegt er mit 3,9 Kilo genauso viel. Die Oberseite mit dezenter Sandstrahl-Textur wirkt elegant, ebenso die durchgehende schwarze Frontblende. Im Gegensatz zum UBP-X800 verbirgt sich dahinter ein Display, das den Zuschauer mit Informatio-nen versorgt. Es lässt sich auf Wunsch abdunkeln oder ganz ausschalten.

Apropos ausschalten, der Player verfügt über eine Abschalt-Automatik, die ihn nach 20 Minuten in den Standby-Modus versetzt, der 0,35 Watt aus der Steckdose zieht. Das ist erstaunlich, kommt die ausreichend gelagerte Disc-Lade bei Betätigung der Auswurf-Taste doch sofort zum Vorschein, so als wäre der Player gar nicht aus gewesen. Auch in Sachen Einlesezeiten ist der Sony flott, auch wenn hier noch Luft nach oben ist. Mit den von uns getesteten Discs war das Laufwerk meist leise. Auch ein Lüfter stört die Ruhe nicht, denn wie der kleine Bruder kommt der UBP-X1000ES ohne einen aus.

Zur Minderung von Vibrationen ist das Gehäuse des UBP-X1000ES mit Metallschienen verstrebt.

Beim Haptik-Check macht der UBP-X1000ES eine gute Figur. Die Front wie die Seitenteile haben eine verstärkte Polymer-Verkleidung mit einem Mix aus Hochglanz und Matt. Ferner wurde das Gehäuse zur Minderung von Vibratio-nen innen mit Metall-schienen verstrebt – so wie man es von hochwertigen AV-Receivern kennt.

Mehr Audio-Anschlüsse: Verfügte der UBP-X800 lediglich über zwei HDMI- und einen koaxialen Ausgang zur Tonübertragung, bringt der UBP-X1000ES zusätzlich einen optischen Digital-Ausgang und analoge Cinch-Stereo-Buchsen mit. Als Alternative zum eingebauten WLAN (2,4/5 GHz) steht eine Ethernetbuchse zur Verfügung.

Die abgesetzten Isolierfüße dämpfen die Wirkung von Luftschwingungen und mechanischen Vibrationen zusätzlich. Nichts wackelt, nichts scheppert, alles wirkt robust – auch wenn das Gehäuse wie beim kleinen Bruder offenbar aus Kunststoff besteht. Die ähnlich teuren Modelle von Oppo und Cambrigde Audio haben in Bezug auf Gehäusewertigkeit die Nase vorn.

Um einen USB-Stick anzuschließen muss man erst die Abdeckung der USB-Buche wenig elegant lösen.

Auch bei der Bedienung hat sich im Vergleich zum UBP-X800 nichts getan. Mehr als Tasten zum Ein-/Ausschalten sowie zum Auswurf der Disc findet sich nichts am Gerät und die Fernbedienung ist dieselbe.     

Vor dem Test haben wir die Firmware auf den aktuellen Stand gebracht.

Hochwertige Audio-Sektion

Hier schlägt die Stunde des UBP-X1000ES, denn Sonys neuer Premium-Player verfügt im Gegensatz zum kleinen Bruder über eine hochwertige Analog-Audio-Sektion inklusive 32-Bit-D/A-Wandler. Daher auch der „ES“-Zusatz im Nahmen, denn so kennzeichnet Sony seine Produkte mit außergewöhnlichen Audio-Fähigkeiten. An entsprechenden Analog-Ausgängen steht allerdings nur ein 2.0-Cinch-Paar bereit.    

Bezüglich der Audio-Wiedergabe bietet der UBP-X1000ES zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten.

In Sachen mediale Vielfalt macht dem UBP-X1000ES keiner was vor. Er kann nicht nur Ultra-HD-Blu-rays, normale Blu-rays (2D und 3D), DVDs und CDs wiedergeben, sondern spielt auch DVD-Audio-Discs und SACDs ab. High-Resolution-Ton gibt der Sony aber nicht nur von runder Scheibe wieder, sondern auch aus dem Netz oder per USB-Stick. Die dazugehörige Frontbuchse muss man leider wie beim kleinen Bruder wenig elegant frei-friemeln – für ein Gerät dieser Preisklasse ist das nicht gerade ein Ruhmesblatt.

Auf Wunsch gibt der Sony die Disc-Auflösung aus und lässt das Display die Skalierung übernehmen.

An Losless-Codecs werden DSD (bis 11,2 MHz), FLAC, ALAC und WAV abgespielt, an verlustbehafteten Formaten stehen AAC, WAV und MP3 zur Verfügung. Für das klangliche Aufpäppeln von Letzteren wurde die „DSEE HX“-Technologie integriert. Bei ihrer Aktivierung im Menü „Toneinstellungen“ klangen MP3-Songs in unserem Hardware-Setup in der Tat etwas voller und frischer. Dank Gracenote-Integration liefert der Sony eine Informationsanzeige zu den Songs.

Vorbildlich informiert der UBP-X1000ES über die AV-Codecs samt den entsprechenden Bitraten.

Ausstattung und Technik

An Digital-Anschlüssen verfügt der 43 cm breite und 5,4 cm hohe Scheibendreher über 2 HDMI-Ausgänge (Nummer 2 ist nur für den Ton) sowie eine koaxiale und optische Buchse – Letztere fehlt dem UBP-X800. Ferner sendet der X1000ES über sein Bluetooth-Modul Sound an kompatible Empfänger wie einen Kopfhörer, wobei Sony auf den eigens entwickelten LDAC-Codec für eine verlustfreie Audioübertragung setzt. Zur leichten Bedienung kann man in Nebenräumen Sonys „SongPal“-App für Smartphones und Co. nutzen, mit deren Hilfe sich auch ein Multiroom-System einrichten lässt.

Tausende Filme, Serien und Dokus auf Knopfdruck – Internet und Online-Videotheken machen es möglich. Das Entertainment-Angebot des Sony umfasst allerdings nur rund 12 Apps, darunter findet man die wichtigsten Bezahl-Videotheken wie Netflix, Maxdome und Amazon Video.

Vom Home-Menü aus lassen sich alle Funktionen des Players inklusive einiger Internet-Apps aufrufen.

Mediatheken von Fernsehsendern fehlen dagegen, für das Musik-Streaming ist nur Spotify zuständig. Immerhin ist YouTube an Bord, Clips werden jedoch nativ mit fester 60-Hertz-Framerate ausgegeben, was je nach Bildquelle zu Rucklern führen kann. SD- und HD-Clips skaliert der Player automatisch auf 4K-Auflösung, HDR-Videos werden unterstützt.

4K-HDR-Clip von YouTube werden auch in HDR an den TV gereicht, wie die Einblendung belegt.

Die klassische Bedienung sowie die Einrichtung des Players erfolgt dank übersichtlicher Menüs meist selbsterklärend. Die Fernbedienung liegt gut in der Hand und verfügt über die wichtigsten Schnellwahltasten (Audio, Untertitel). Sehr gut gefällt das flotte Vorspulen, ebenfalls lobenswert ist die detaillierte Informationsanzeige über Audio- und Video-Codecs. Zum Farbraum macht der UBP-X1000ES allerdings keine detaillierten Angaben.

Ein für Amerikaner wichtiges Verkaufsargument und Alleinstellungsmerkmal des UBP-X1000ES dürfte für die meisten deutschen Kunden keine Rolle spielen.

Für eine bestmögliche Integration in komplexe Heimkino-Systeme wurde der Player von führenden Anbietern im Bereich Automatisierungssysteme zertifiziert – darunter Control4, Crestron und Savant. Der X1000ES kann praktisch jede Konnektivitäts­option bedienen, einschließlich IP-Kontrolle über CAT5-Kabel oder WLAN-Netzwerke, Zweiwege-RS-232C-Steuerung und IR-IN. Das Gerät bietet zudem eine Webbrowser-Schnittstelle sowie eine cloudbasierte Remote-Management-Lösung.

Bildqualität

Die wichtigste Disziplin für einen UHD-Blu-ray-Player ist natürlich die Wiedergabe von UHD-Blu-rays. Hier liefert der UBP-X1000ES hervorragende Ergebnisse. Vorzeige-Videos wie „Postcards from Stockholm“ von der „Best of 4K“-Disc sehen gestochen scharf und feinauflösend aus. Auch eher düsteres Material wie in „Batman v Superman“ meistert der Sony bravourös. Auf Wunsch wird die 4:2:0-Farbauflösung des 4K-Disc-Formats auf bis zu YCbCr 4:4:4 konvertiert. Apropos konvertiert, laut Bedienungsanleitung wird die HDR-Konvertierung je nach Art des ausgewählten Display-Typs (Fernseher, Projektor) angepasst.

Bei der Wiedergabe von HDR-Inhalten auf SDR-Displays lässt sich die Helligkeit anpassen.

Ein eigens entwickelter Algorithmus soll zudem für beste Bildqualität auf Geräten ohne HDR sorgen. Über eine Dynamikbereichanpassung für lichtschwache HDR-Fernseher oder Projektoren, wie sie unter anderem die Panasonic-Modelle bieten, verfügt der UBP-X1000ES allerdings nicht. Auch wird das HDR-Format Dolby Vision derzeit nicht unterstützt.

In Sachen Bildqualität gibt es derzeit zwischen dem UBP-X800 und dem UBP-X1000ES keine Unterschiede. Das könnte sich im Laufe des Jahres aber ändern. Denn angeblich prüft Sony beim UBP-X1000ES die Möglichkeiten eines Updates zur Dolby-Vision-Unterstützung – dieses Gerücht machte zumindest bei der Produktvorstellung im Herbst die Runde.

Auf unsere Nachfrage bezüglich einer möglichen Dolby-Vision-Wiedergabe per Firmware-Update teilte Sony uns Mitte Dezember Folgendes mit: „Derzeit gibt es noch keine weiteren Informationen dazu.“ Dass Sony bei ihrem 4K-Blu-ray-Flaggschiff das HDR10-Konkurrenzformat nicht ab Werk anbietet, verwundert aus vielerlei Hinsicht. Zum einen verfügen die gleich­ teuren Konkurrenten von Oppo und Cambridge über genau dieses bei Heimkino-Fans begehrte Feature. Zum anderen unterstützen auch zahlreiche Sony-Fernseher (unter anderem die OLED-Modelle) den dynamischen HDR-Standard, auch wenn die Firmware-Updates zur Aktivierung auf sich warten lassen.

Unter anderem sind diese Titel mit einer HDR-Encodierung im Dolby-Vision-Format erhältlich. Auf diesen Umstand wird, wenn überhaupt, nur auf der Cover-Rückseite mittels eines Mini-Logos hingewiesen.

Und dann wäre da noch die hauseigene Film­sparte, die das Format ebenfalls einsetzt. Zwar waren die Starttitel mit den für den Videomarkt produzierten Streifen „Resident Evil“ und „Starship Troopers: Traitor of Mars“ nicht gerade publikumswirksam, doch legte man mit „Spiderman: Homecoming“ und „Der dunkle Turm“ nach. Neben Sony unterstützen auch Universal, Warner, Paramount und Disney Dolby Vision, wobei die Auswahl an UHD-Blu-rays noch beschränkt ist und das Mäuse-Imperium bislang Streaming-Kunden bevorzugt.

Jenseits von HDR-Einstellungen bietet der zum UBP-X800 identische Video-Equalizer einige Justage-Möglichkeiten. Neben den drei Rauschfiltern FNR (Frame Noise Reduction), BNR (Blockrauschfilter) und MNR (Moskitorauschfilter) lassen sich Kontrast, Helligkeit, Farbe und Farbton regeln. Das ist ordentlich, aber der hauseigene UHP-H1 (Test in audiovision 9-2016) und die 4K-Konkurrenz von Panasonic, Oppo und Cambridge Audio haben hier ausgefeiltere Video-Filter zu bieten.

Bei HDR-Material auf HDR-Displays stehen die Modi „Heller Raum“ und „Dunkler Raum“ nicht zur Verfügung.

Blu-rays und DVDs können sauber auf bis zu 4K/60p-Auflösung skaliert werden – in unserer Geräte-Konstellation war das Ergebnis minimal besser, als wenn wir den Fernseher die Skalierung vornehmen ließen. Aber auch hier gilt wie so oft: Probieren geht über Studieren. Wer will, kann stets die anliegende Originalauflösung an das Display schicken – eine Option, die wir uns bei jedem Player wünschen würden.                

                          

Der Testbericht Sony UBP-X1000ES (Gesamtwertung: 86, Preis/UVP: 800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

86 sehr gut

Mit seinem Universal-Laufwerk und der sehr guten Bild- und Tonqualität sowie allen wichtigen Video-Apps ist der UBP-X1000ES ein toller UHD-Blu-ray-Player. Allerdings fällt der Mehrwert ohne Dolby Vision gegenüber dem halb so teuren UBP-X800 gering aus. Dass er nicht mehr Punkte bekommt als der kleine Bruder, liegt an unseren zu Jahresbeginn verschärften Testkriterien.
Christoph Steinecke

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