Sony KD-65XF9005 (Test)

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In die Höhe gewachsen: Anders als beim Vorgänger ragen die Tasten des neuen Sony-Signalgebers aus dem Gehäuse heraus. Die Druckpunkte sind ein wenig schwammig, was uns in der Praxis aber nicht stört.

2.500 Euro: Der Sony KD-65XF9005 präsentiert sich im frischen Design und hat neueste Technik an Bord, die ihn von der Mittelklasse abhebt. Die Preise für das in 49, 55, 65 und 75 Zoll erhältliche Modell liegen im bezahlbaren Bereich.

Sony startet mit dem KD-65XF9005 vor allen anderen TV-Herstellern ins Modelljahr 2018. Die Optik sowie das Innenleben wurden gegenüber dem Vorgänger XE9005 (siehe audiovision 6-2017) konsequent aufpoliert. Ob sich ein Umstieg wirklich lohnt und ob er auch seinen (älteren) Konkurrenten überlegen ist, zeigt unser Test.

Ausstattung und Praxis

Das Design bleibt natürlich Geschmackssache. Aus unserer Sicht wirkt das Gehäuse des neuen Modells etwas schnittiger, während sich die stark nach außen gedrehten Standfüße in manchen Wohnungen als eher unpraktisch erweisen. Reichte für den Vorgänger nämlich eine 50 Zentimeter breite Stellfläche aus, sollten es beim 65-Zöller mindestens 110 Zentimeter sein. Andererseits verspricht Sony dadurch eine höhere Stabilität und schafft zudem Platz für eine Soundbar (siehe Foto unten). Schade jedoch, dass der XF90 nicht über das gleiche ausgeklügelte Kabelmanagement verfügt wie die Flaggschiffe. Immerhin lassen sich die Strippen unauffällig hinter den Füßen verlegen.

Die nach außen gerichteten Füße sorgen nicht bloß für bombenfesten Stand, sie schaffen auch Platz für die optionale Dolby-Atmos-Soundbar HT-XF9000 (500 Euro).

Dafür hat der Mittelklässler den „X1 Extreme“-Prozessor von seinen teureren Brüdern geerbt. Tatsächlich sind im Vergleich zum XE90 einige Verbesserungen auszumachen, worauf wir später genauer eingehen. Ein entscheidender Vorteil ist die Dolby-Vision-Unterstützung, die allerdings erst mit einem Firmware-Update nachgerüstet wird. Bis die (längst überfällige) Aktualisierung erscheint, gibt der XF90 nur HDR-10- sowie HLG-Signale in entsprechender Qualität wieder.

Bei aktuellen Fernsehern der Spitzenklasse sind die Qualitätsunterschiede zwischen SDR und HDR nicht zu übersehen: Dynamikreiche Videos erscheinen weitaus heller, plastischer und brillanter. Ähnlich wie Samsung mit dem „HDR+“-Spezialmodus lässt auch Sony die Grenzen immer mehr verschwimmen – zumindest bei HDMI-Signalen. Aktiviert man nämlich in den erweiterten Bildeinstellungen unter „Videooptionen“ den HDR-Modus „HLG“, steigert der XF90 seine Leuchtkraft von maximal 510 auf rund 960 Candela und begegnet damit den echten HDR-Presets auf Augenhöhe. Hier erstrahlen Spitzlichter (zwei Prozent APL) mit bis zu 1.070 Candela. Selbst im vollflächigen Weiß ist der Sony mit 670 Candela den anderen Vergleichskandidaten klar überlegen. Im gleichen Menü findet sich die Funktion „HDMI-Video­bereich“, die zur Vermeidung von Problemen bei der HDR-Wiedergabe auf „Voll“ getellt werden sollte.

Die Farbbrillanz lässt sich über den entsprechenden Regler in drei Stufen erhöhen. Manche Motive können dadurch allerdings überzogen und unnatürlich wirken.

Ungeachtet der üppigen Helligkeitsreserven besticht das Display durch einen sehr niedrigen Schwarzwert von 0,009 Candela. Auch die Farben erscheinen äußerst knackig, obgleich keiner der Bildmodi das für HDR maßgebliche DCI-P3-Spektrum vollständig abdeckt. Wer in dieser Disziplin das Maximum aus dem Triluminos-Display kitzeln möchte, dem empfehlen wir statt „Cinema pro“ das etwas farbintensivere Preset „Cinema home“. Alternativ erfüllt der Farbbrillanz-Regler auf höchster Stufe den gleichen Zweck. Ein detailliertes Farbmanagement sucht man nach wie vor vergeblich.

Mehr Punch: Der Bildmodus „Cinema home“ kommt näher an den DCI-P3-Standard heran als „Cinema pro“, allerdings driftet Magenta noch stärker in Richtung Rot.

Langeweile kommt mit ihm bestimmt nicht auf, bietet er doch zum einen eine üppige TV-Ausstattung inklusive Twin-Tuner und zum anderen ein reichhaltiges App-Angebot mit allen relevanten Online-Diensten (Android sei Dank). Leider verbirgt sich hinter der „Apps“-Taste auf der Fernbedienung nicht das gesamte Repertoire, sondern eine kleine und unspektakuläre Auswahl von Sony. Einzig die Streaming-Portale Google Play Filme sowie Netflix sind direkt über den Signalgeber abrufbar. Den Hauptknotenpunkt der Bedienung bildet der Home-Screen, über den man auch in sämtliche Menüs gelangt.

Vertraute Oberfläche: Das Android-Betriebssystem hat in puncto Smart-TV eine Vorreiterrolle eingenommen. Die zahlreichen Bildelemente verlängern aber die Ladezeiten.

Bei den Ladezeiten scheinen die Japaner nachgebessert zu haben: Kam das Android-Betriebssystem der zuletzt getesteten Sony-TVs eher zögerlich auf Touren, ist der KD-65XF9005 bereits nach rund zwölf Sekunden betriebsbereit und reagiert subjektiv schneller auf Befehle. Trotzdem könnte die Navigation noch flüssiger von der Hand gehen.

Aufgeräumt: Der Sony XF90 verfügt über alle wichtigen Anschlüsse. Sie sind zwar nicht abgedeckt, dafür können die Kabel aber hinter den Standfüßen versteckt werden.

Wie beim Vorgänger kümmern sich zwei 10-Watt-Lautsprecher um die Beschallung. Sie bringen Stimmen sauber zu Gehör, schwächeln aller-dings in Sachen Dynamik und Basswiedergabe.

Bildqualität

Auf den ersten Blick ist alles beim Alten geblieben: Nach wie vor hat der Zuschauer die Qual der Wahl zwischen acht (Tuner-Betrieb) oder zwölf Bildmodi (HDMI-Zuspielung), wobei unter dem Strich wieder „Cinema pro“ das Rennen macht.

Langwieriges Memory-Spiel: Leider lädt der via USB und Netzwerk fütterbare Media­player die Vorschaubilder von Videos extrem langsam – manche auch gar nicht.

Dieses Mal läuft Sonys Triluminos-Display aber zu Höchstform auf – zumindest in puncto Farbreproduktion: Lagen die Delta-E-Abweichungen bereits beim Vorgänger mit durchschnittlich 2,3 auf sehr gutem Niveau, gehört der KD-65XF9005 mit Werten um 1,0 eindeutig der Referenzklasse an. Bei Grautönen bewegen sie sich sogar im Bereich von nur 0,8. Folg-lich lassen Schwarz-Weiß-Filme à la „Casablanca“ keinerlei Einfärbungen erkennen. Wer ein krachend buntes Bild bevorzugt, kann die Farbbrillanz – wie von Sony gewohnt – über das gleichnamige Menü in drei Stufen erhöhen.

Über das Action-Menü gelangt man deutlich schneller zu den Bild- und Tonreglern. Der Fußball-Modus, der hier früher zur Auswahl stand, wurde offensichtlich entfernt.

Das Spektrum schrumpft ab einem Blickwinkel von 30 Grad zwar zunehmend, doch bleibt die Neutralität erhalten. Generell punktet der 65-Zöller aus seitlicher Perspektive mit einem für LCD-TVs überdurchschnittlich brillanten Bild. Allerdings leuchtet das Full-LED-Backlight weniger gleichmäßig als bei den anderen Probanden mit Edge-Hintergrundlicht. Dafür zeichnet der XF90 helle Details in düsteren Szenen wie zu Beginn von „Gravity“ besser durch.

Der Testbericht Sony KD-65XF9005 (Gesamtwertung: 80, Preis/UVP: 2500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 4-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

80 sehr gut

Sony hat mit dem KD-65XF9005 einen Volltreffer gelandet. Das Modell erreicht bei der Farbwiedergabe und der Leuchtkraft Top-Niveau – und holt sich damit sowohl unser Highlight-Logo als auch den Testsieg. Für ein Full-LED-Panel könnte die Ausleuchtung aber gleichmäßiger sein. Dolby Vision wird per Firmware-Update nachgerüstet.

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