Sony KD-65AF9 (Test)

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Gutes Gefühl: Die Sony-Fernbedienung liegt angenehm in der Hand, auch die Druckpunkte sind ordentlich. Für Anhänger von Netflix und Google Play gibt es separate Tasten. Sprachbefehle lassen sich über die Mikrofon-Taste realisieren.

Satter Sound aus dem Display und eine mächtige Stütze mit enormer Anschlussvielfalt: Der Sony -KD-65AF9 ist ein OLED mit -ganz besonderem Charakter.

Respekt, im mittlerweile optischen Einheitsbrei der superdünnen OLED-Fernseher ist Sony mit dem 4.000 Euro teuren KD-65AF9 eine innovative Alternative gelungen. Von vorne begeistert der Apparat durch seinen puristischen Look: Man sieht nur das Display, einen hauchdünnen Rahmen, und sonst nichts. Warum der leicht nach hinten geneigte 65-Zöller so sicher steht und nicht umkippt, erkennt man erst von der Seite: Hier sorgt eine mächtige, ausklappbare Stütze dafür, dass der Bildschirm scheinbar wie von Geisterhand gehalten wird. Ist diese eingeklappt, kann der AF9 auch an einer Wand befestigt werden (VESA-Lochabstand 40 x 20 Zentimeter). Alle Anschlüsse sind im so-genannten Table-Stop-Stand untergebracht, zudem fungiert das komplette Panel als 3.2-Soundsystem (dazu später mehr). Die gesamte Konstruktion wirkt ausgesprochen massiv und stabil.

Ausstattung & Bedienbarkeit

Zum Preis von 4.000 Euro will man bei der Ausstattung keine Kompromisse eingehen – abgesehen von einem Minuspunkt ist hier auch nichts zu bemängeln. Den gibt es für das fehlende Time-Shift, um das laufende Programm kurz anzuhalten, während man ein Telefonat führt oder den Kühlschrank plündert. TV-Programme empfängt der Sony über doppelt verbaute Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2 HD. So ist man während einer Aufnahme auf eine USB-Festplatte bei der Programmauswahl nicht eingeschränkt. Ins Internet wird der 65-Zöller per Ethernetkabel oder via WLAN eingebunden, die Kommunikation mit Smartphones oder Lautsprechern gelingt mittels Bluetooth, und wer gerne Musik oder Filme aus zahlreichen Streaming-Portalen von einem Mobilgerät aus auf den Fernseher transportiert, freut sich über das integrierte Chromecast.

Alles im Griff: Über die App „Video & TV Sideview“ kann man den Fernseher nicht nur klassisch steuern, sondern auch Apps bequem auf dem Bildschirm öffnen. Auch das Aufnahme-Menü bleibt dem Zuschauer per App nicht verwehrt. Zudem ist eine Mirroring-Funktion für Fotos und Videos integriert.

Der leistungsstarke Sony-Prozessor X1 Ultimate und das Betriebssystem Android 8.0 tun dem KD-65AF9 sehr gut. Im Gegensatz zu früheren An-droid-Versionen arbeitet der Flachmann abgesehen von Senderwechseln und dem Start von Aufnahmen flott. Egal, ob man Menüs öffnet oder Apps wechselt, der Sony ist hier ungemein auf Zack. Die Menüstruktur gefällt und erleichtert es, sich im Dschungel aus TV- und Internetangeboten zurechtzufinden. Etwas Eingewöhnungszeit erfordert nach wie vor die Fernbedienung – schnell vergisst man, was sich hinter den Tastenbelegungen „Action Menu“ und „Home“ verbirgt.

 

Aufgezeichnet: Abgesehen vom fehlenden Vorschaubild ist das Aufnahme-Archiv des KD-65AF9 auskunftsfreudig und schnell zu durchforsten.

Üppig fällt das App-Angebot aus. Zu Google Play und Netflix gelangt man über separate Tasten. Als Option zum Signal-geber eignet sich die für iOS- und Android kostenlos erhältliche App „Video & TV Sideview“. Sie fungiert einerseits als vollwertige Fernbedienung, um Sender und Lautstärke zu verändern, die Quelle auszuwählen, im Menü Anpassungen vorzunehmen oder Sprachbefehle abzusetzen. Andererseits hat man direkt Zugriff auf Apps sowie Aufnahmen und kann Fotos, Videos und Musik vom Mobilgerät auf den Fernseher spiegeln.

Verkleidet: Die mitgelieferten Kunststoffblenden schaffen eine plane Oberfläche. Im rückseitigen Ständer verschwinden alle Anschlüsse, die Kabel lassen sich problemlos verstecken und sauber verlegen.

Bild- und Tonqualität

Dass der AF9 organische Leuchtdioden und kein Backlight zur Darstellung bewegter Bilder verwendet, erkennt man schon nach wenigen Sekunden. In der auf Amazon Prime in UHD-Auflösung erhältlichen Doku „Unsere Erde 2“ mit Günther Jauch als Sprecher werden direkt zu Beginn Aufnahmen aus dem Weltall präsentiert. Die sonnenabgewandte Seite der Erde ist naturgemäß dunkel. Daraus macht der Sony keinen Hehl. Für ihn ist brutal tiefes Schwarz kein Problem, egal, ob punktuell oder bildschirmfüllend. Hinterleuchtungen oder ungleichmäßige Stellen kennt der 65-Zöller nicht. Dunkle Flächen sind deswegen aber nicht automatisch tot und strukturlos. „Van Helsing“ mit seinen düsteren Anfangssequenzen (abrufbar bei Netflix) ist das beste Beispiel. In den Baumstämmen im Wald, in dicken Tauen oder Kleidungsstücken kitzelt der OLED feinste Maserungen und Falten heraus.

Der KD-65AF9 ruht förmlich in sich selbst. Er verzichtet auf einen klassischen Fuß, thront vielmehr fast rahmenlos auf seinem Display und wird durch eine wuchtige, ausklappbare Stütze gehalten. Das Panel ist leicht nach hinten geneigt, der Winkel fest vorgegeben. Alle Anschlüsse sind in die Stütze integriert und verschwinden bei Bedarf hinter Abdeckungen aus Kunststoff ebenfalls unter einer Blende. Der komplette Bildschirm dient als Lautsprecher und wird dazu in minimale Schwingungen versetzt. Über zwei klassische Lautsprecheranschlüsse kann der Flat-TV im Heimkino-Setup als reiner Center-Speaker verwendet werden.

Spendabel: Neben Twin-Tunern bietet der AF9 im Geräterücken unter anderem vier HDMI-Buchsen und einen digitalen Audioausgang. Dank der Lautsprecherklemmen kann der Sony auch als Center-Speaker aufspielen.

Der „Schwarzwert“ sollte dabei im „Kino“-Modus auf 45 stehen. So profitiert man vom perfekten Kompromiss aus sattem Schwarz und Detailreichtum. Den „Erw. Kontrastverstärker“ sollte man auf „Mittel“ oder sogar auf „Hoch“ stellen, den „Schwarzabgleich“ auf „Niedrig“ und „Gamma“ auf -2. Ist die „Spitzenluminanz“ auf „Mittel“ justiert, steht dem perfekt abgestimmten Bild nichts mehr im Weg.

Bei Rot, Grün und Blau reizt der Sony das Farbsegel im SDR-Bereich bis ans Limit aus.

Der AF9 begeistert durch einen hohen ANSI-Kontrast von 1.700:1. Im HDR-Modus „Brillant“ schafft er in Spitzlichtern eine Helligkeit von 890 Candela, doch die natürlichsten Ergebnisse werden im „Kino“-Modus erzielt. 690 Candela genügen hier, um leuchtstarke und kontrastreiche Bilder zu genießen. Bei vollflächigem Weiß saust die Helligkeit jedoch OLED-typisch auf 185 Candela herab, 310 Candela sind es bei einem Anteil von 50 Prozent. Nicht perfekt voreingestellt ist die Farbtemperatur. Das beste Ergebnis liefert „Experte 1“ mit 6.834 Kelvin, von „Warm“ mit 8.344 Kelvin ist abzuraten.

HDR-Darstellungen wirken auf dem 65-Zöller sehr natürlich – unsere Messungen belegen das eindrucksvoll.

Wer sich gerne Netflix-Filme zu Gemüte führt, findet im Menü mit „Netflix-kalibriert“ einen Modus, der den Streifen nach den Idealvorstellungen des Regisseurs abspielt. Die Farbdarstellung gelingt auf diese Weise sehr natürlich, der gesamte Look ist realistisch – das Kino lässt grüßen.

Auch wenn man bei seitlicher Betrachtung dem Geheimnis des versteckten Ständers auf die Schliche kommt: Der Bildqualität schadet dies nicht. Die Farben bleiben sehr lange satt, der 65-Zöller tendiert nicht zum Ausbleichen.

Ein Software-Update macht den Google Assistant jetzt auch auf ausgewählten Sony-Fernsehern zugänglich. Dazu gehören neben dem AF9 die Bravia-Serien ZF9, AF8, XF90, XF85, XF80 und XF75. Über die sprach­gesteuerte Fernbedienung mit der weißen Mikrofontaste haben Zuschauer schnellen Zugang zu Filmen, Musik und anderen Inhalten. Möchte man beispielsweise unter Google Play einen Film abspielen, so genügt der Befehl „OK Google, spiele Jumanji: Willkommen im Dschungel auf Google Play ab“. Die entsprechende App öffnet sich nun von alleine.

Der Google Assistant kann darüber hinaus helfen, den neuesten Blockbuster zu finden, Informationen zur Besetzung der Lieblings-Serie zu erhalten oder den aktuellen Stand eines Fußballspiels in Erfahrung zu bringen. Infos zum Wetter, zur Börse, zu Persönlichkeiten, Bahnverbindungen oder der schnellsten Straßenroute zum Wunschziel lassen sich ebenfalls flott erfragen.

Zudem kann der Nutzer mit der Sprachsteuerung seine Smart-Home-Geräte direkt über den KD-65AF9 bedienen. Der Google Assistant unterstützt inzwischen mehr als 1.500 Smart Home-Geräte von mehr als 225 Marken. Dazu gehört unter anderem auch die Licht- und Thermostatsteuerung in den eigenen vier Wänden – ein Satz, und es wird heller oder wärmer.

Was aufgrund der Dicke eines LED-Panels nicht möglich wäre, praktiziert Sony mit dem hauchzarten OLED-Panel auf beeindruckende Weise: Es schwingt dezent und für das menschliche Auge nicht sichtbar, mutiert dadurch aber zum riesigen Lautsprecher. Und der bereitet richtig viel Spaß, weil er auch bei höheren Pegeln unverfälscht und rein klingt. Die Stimmwiedergabe ist ausgezeichnet, wer will, kann das menschliche Organ im gleichnamigen Soundmodus noch ein bisschen mehr hervorheben. Ansonsten ist das Akustik-Setup „Kino“ sehr empfehlenswert. Es erzeugt eine schöne Raumfülle, verleiht Musik noch einen kleinen Punch und erreicht sogar ein vernünftiges Bassfundament. Über einen Equalizer kann man den Klang an die persönlichen Vorlieben anpassen. 

Der Testbericht Sony KD-65AF9 (Gesamtwertung: 89, Preis/UVP: 4000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2019 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

89 sehr gut

Lediglich beim Design und beim Ständer-Konzept tanzt der Sony – zum Glück – aus der Reihe. Beim Bild bietet der KD-65AF9 alle Stärken eines OLED: super sattes Schwarz, kräftige Farben und hohe Blickwinkelstabilität. Hinzu kommen ein kraftvoller Klang und mehr Bedientempo dank Android 8.0.
Jochen Wieloch

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