Sony KD-65AF8 (Test)

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Hohe Funktionalität: Die Sony-Fernbedienung ist übersichtlich gestaltet, Freunde von Netflix und Google Play freuen sich über separate Tasten.

Den OLED KD-65AF8 hat Sony mit einem Standfuß statt der bisherigen Stütze ausgestattet. Geblieben sind die überzeugende Bildqualität und der begeisternde Klang aus dem Display, das als Lautsprecher dient.

Mit dem brandneuen TV für 3.800 Euro baut Sony sein OLED-Sortiment aus. Markanteste äußere Veränderung zum KD-65A1 (Test in 6-2017), der weiter im Programm bleibt: Der AF8 verfügt nicht mehr über eine Stütze auf der TV-Rückseite, sondern über einen klassischen Fuß, wodurch das Display im rechten Winkel und nicht mehr leicht nach hinten geneigt steht. Auch die stylische Bilderrahmen-Optik des A1 ist einer klassischen Flatscreen-Optik gewichen. Die Montage erfolgt unkompliziert mit sechs Schrauben. Vorne ragt der Aluminium-Fuß nur 10 Zentimeter heraus, trotzdem thront der Sony stabil und kippsicher. Die LED an der Front lässt sich bei Bedarf deaktivieren oder an die Lichtverhältnisse in der Umgebung automatisch anpassen.

Das fast rahmenlose Display fällt mit 6 Millimetern OLED-typisch sehr flach aus. Trotz der rückseitig angebrachten Anschlussbuchsen und Tuner ist das Gehäuse nur 5,5 Zentimeter tief. Im Rücken sind neben zwei Subwoofern auch zwei seitlich versetzte Aktuatoren installiert. Vier rückseitige Kunststoff-Abdeckungen für die Anschlüsse und den Standfuß lassen sich leicht anbringen. Die Ständerabdeckung hat den Vorteil, störende Kabel sauber zu verbergen.

Die Anschlüsse des OLEDs befinden sich seitlich am Gehäuse und auf der Rückseite. Auf Wunsch verschwinden diese hinter einer schwarzen Kunststoff-Blende. Neben vier HDMI-Buchsen, die alle HDCP 2.2 unterstützen, verfügt er auch über analoge wie digitale Audio-Ausgänge.

Unter der Bezeichnung Acoustic Surface geht Sony auch beim KD-65AF8 klanglich einen exklusiven Weg. Wie beim A1 fungiert der komplette Bildschirm als Lautsprecher. Auf der Gehäuse-Rückseite sitzen jetzt zwei kleine Subwoofer (beim A1 war es ein großer), die bereits ab 50 Hertz sattere Bässe beisteuern, als man vermutet.

Dezent im Gehäuse-Rücken versteckt: Zwei Subwoofer sorgen dafür, dass das 2.1-Soundsystem des Sony auch mit tiefen Tönen punkten kann.

Zudem sind links und rechts zwei Aktuatoren integriert, die das Display in nicht sichtbare Schwingungen versetzen. Möglich wird dies durch das dünne OLED-Panel, das sehr effektiv als Lautsprechermembran arbeitet. Damit der 65-Zöller optimal klingt, muss man in den Einstellungen festlegen, ob er an der Wand hängt oder auf seinem Fuß montiert ist. Die Sprachverständlichkeit ist gut, der anpassbare Raumklangeffekt begeistert. Per Equalizer und über verschiedene Audio-Modi bestehen Tuning-Optionen.

Klang-Tuning: Im Ton-Menü hat man unter anderem Einfluss auf die Balance, die Lautstärke des digitalen Audio-Ausgangs und Zugriff auf einen Equalizer.

Einrichtung

Den unkomplizierten Einrichtungsvorgang untermalt der Sony mit Entspannungsmusik. Benutzer können das Setup sogar über ein Android-Mobilgerät vornehmen. Zum Anmelden beim Google-Konto, um alle Apps und Dienste zu nutzen, gibt man die vom Flat-TV angezeigte PIN unter http://g.co/An-droidTV auf einem PC, Smartphone oder Tablet ein, die sich im selben Netzwerk wie der 65-Zöller befinden müssen (Zugang per WLAN oder Ethernetkabel). Auf diese Weise ist der OLED blitzschnell mit dem Google-Konto verbunden. Per Twin-Tuner empfängt das Gerät TV-Programme via Satellit, Kabel oder Antenne (DVB-T2 HD).

Appsolute Kontrolle: Über die Anwendung „Video & TV SideView“ für iOS und Android kann man nicht nur Sender wechseln und Aufnahmen abspielen. Auch der Zugriff auf Videoportale und Musikalben gelingt.

Was sofort auffällt: Nervöse Zapper, die in Windeseile von Programm zu Programm springen möchten, werden mit dem KD-65AF8 nicht glücklich. Denn zum Umschalten lässt er sich relativ viel Zeit. Über einen Druck auf die „TV“-Taste gelangt man zu einem horizontalen Balken, in dem das direkte Navigieren zu den gewünschten Fernseh- und Radiosendern problemlos ermöglicht wird.

TV-Aufnahmen

Über die rückseitige USB-Buchse können für TV-Aufnahmen bis zu vier Terabyte große Festplatten angeschlossen werden. Nach dem Druck auf den roten Aufnahme-Button darf man wählen, ob ausschließlich die aktuelle Sendung oder das laufende Programm für 30 Minuten, eine, zwei drei oder vier Stunden mitgeschnitten werden soll. Ebenso kann man eine benutzerdefinierte Aufnahmedauer von bis zu acht Stunden festlegen. Schwachpunkt: TimeShift unterstützt der Sony derzeit nicht. Ob sich das per Firmware-Update ändert, konnte uns Sony auf Nachfrage nicht beantworten.

Alles im Blick: Der EPG sieht modern aus. Das Programm von acht Sendern hat man hier gleichzeitig auf dem Schirm, Programmierungen gelingen zuverlässig.

Zum Archiv gelangt man über die Taste „Title List“. Hier sind alle Aufnahmen übereinander mit Name, Datum, Uhrzeit und Speicherplatz aufgeführt. Anstatt eines realen Vorschaubildes der Sendung wird lediglich ein Symbolbild für das entsprechende Genre eingeblendet. Links können die Mitschnitte nach Rubriken wie „Spielfilme“, „Unterhaltung“, „Bildung“ oder „Lifestyle“ durchstöbert werden. Mittels „Action Menu“-Taste besteht die Möglichkeit, die Aufnahmen zu sortieren, zu löschen oder dauerhaft zu schützen. Eine zweite Aufnahme-Option besteht über den übersichtlichen Elektronischen Programmführer. Der ist klar strukturiert, auf den Bildschirm passt eine Vorschau von acht Sendern, die maximale Vorlaufzeit beträgt lediglich eine Woche. Start- und Endzeiten für Aufnahmen lassen sich händisch anpassen. In den „Aufnahmeeinstellungen“ kann man generell einen Vorlauf und Überhang einplanen.

Bedienung und Stabilität

Der Bedienkomfort des KD-65AF8 kann mit vergleichbaren Modellen von Samsung oder LG nicht ganz mithalten. Man muss sich erst etwas mit dem Gerät beschäftigen und lernen, wo Sony welche Funktionen versteckt hat. Nicht alles erschließt sich auf Anhieb. So findet man unter „Apps“ beispielsweise nicht das volle App-Angebot; die umfangreichere Auswahl der praktischen Programme hortet Sony unter „Home“. Andere Kleinigkeiten verwundern. Etwa, dass man vom „Home“- nicht direkt in das „Action Menu“ wechseln kann, sondern erst die „Back“-Taste zwischenschalten muss. Umgekehrt ist dies hingegen möglich. Hat man erst einmal herausgefunden, dass man über die „TV“-Taste jeweils als waagerechten Balken das Menü, TV- und Radiosender, die Aufnahmen und Lieblingsapps einblenden kann, findet man dieses Feature klasse.

Clever gelöst: Über das TV-Menü kann man die Aufnahmen am unteren Bildschirmrand einblenden, ohne das laufende Fernsehprogramm zu verpassen.

Mit Android 7.0 hat der 65-Zöller an Stabilität und Geschwindigkeit zugelegt, eine Rakete ist er damit aber immer noch nicht. Was nicht ist, kann mit der dieses Jahr erwarteten 8.0-Version aber noch werden. Abgesehen von den Senderwechseln reagieren die Menüs aber recht flott, das trifft ebenfalls auf das Wechseln von Anwendungen zu. Apps laufen flüssig, die Mediatheken über HbbTV reagieren schnell und zuverlässig. Nach dem Start braucht der Sony hingegen etwas Zeit, bis alle Menüs zur Verfügung stehen.

Für Google Play und Netflix bringt die Fernbedienung eigene Tasten mit. Die gummierte Oberseite des Steuerstabs liegt angenehm in der Hand, die Tastenanordnung ist sinnvoll. Über die Mikrofon-Taste lassen sich unter anderem bei YouTube und in kostenpflichtigen Videoportalen Filmtitel suchen, das klappt auch beim Fahnden nach Musik-stücken. Die Hilfe-Funktion reagiert ebenfalls auf gesprochene Stichwörter. Zudem liefert der Sony über die Google-Sprachsuche Antworten auf Fragen nach dem Wetter oder Sportergebnissen, bei komplexeren Wünschen à la „Wie lackiere ich einen Kotflügel?“ serviert er passende YouTube-Clips.

Als Steuer-Alternative gibt es die Gratis-App „Video & TV SideView“. Sie findet den Flat-TV sofort im Netzwerk, ermöglicht Senderwechsel, den Zugriff auf Aufnahmen, Videoportale und Apps sowie die Eingabe von Text, was beim Surfen im Web praktisch ist. Liegen Musik, Filme oder Videos auf einem USB-Stick vor, so öffnet der Sony diese automatisch. Die Aufbereitung der Dateien mit Vorschau-Bildern und Covern sieht sehr ansprechend aus. Auch die passenden Zuspieler wie FritzBox oder Desktop-PC werden gleich aus dem Heimnetzwerk herausgefiltert und angezeigt.

Bildqualität

Im klassischen TV-Betrieb begeistert der KD-65AF8 durch seine enorm hohe Blickwinkelstabilität. Für Serien, Nachrichten und Talkshows fährt man mit dem Modus „Standard“ am besten. Die ab Werk bei „60“ voreingestellte Schärfe kann man noch um ein paar Punkte nach oben regeln. Soll in einem sehr hellen Raum, womöglich noch bei direkter Sonneneinstrahlung, ferngeschaut werden, so kann der Modus „Brillant“ der Retter in der Not sein. Denn jetzt liefert der Sony einen enormen Kontrast mit extremer Helligkeit. Bei HD-Sendern faszinieren die knalligen Farben.

Während des DFB-Pokal-Halbfinals zwischen Leverkusen und Bayern erstrahlt das TV-Studio der ARD in den unterschiedlichsten Blautönen. Der Pokal leuchtet facettenreich in sattem Gold, Gelb und Orange, auf der Außenhaut stechen Schriftzüge, kleinste Konturen und Schattierungen ins Auge. Die Rauschreduzierung kann man deaktivieren. Mit den Helferlein „Farbbrillanz“ und „Erw. Kontrastverstärker“ lohnt es sich, ein wenig zu experimentieren. Während die roten Trikots enorm auffallen, fehlt es im direkten Vergleich den weißen Jerseys an Leuchtkraft.

Für die volle Schaffenskraft des Sony muss man „Erweiterte Einstellungen“ aufrufen. Die Helligkeit kann man fast immer auf dem Maximum stehen lassen, der optimale Kontrast pendelt zwischen 85 und dem Höchstwert. Ein wichtiger Parameter ist der Schwarzwert. Je niedriger man ihn wählt, desto satter werden dunkle Farben, jedoch nimmt die Feinzeichnung ab. Zur groben Orientierung sollten Sie einen Wert von 50 nehmen und dann in beide Richtungen experimentieren.

Feinschliff für die Farbtemperatur: Über den entsprechenden Menüpunkt kann man ein zu warmes oder zu kühles Bild punktgenau anpassen.

Von großer Bedeutung ist die Einstell-Option „Spitzenluminanz“, an deren Stelle im Menü beim Vorgänger A1 noch „X-tended Dynamic Range“ beheimatet war. Vor allem Filme von Blu-ray bzw. UHD-Blu-ray erhalten durch eine hohe Spitzenluminanz den perfekten Schliff, sonst wirken sie mitunter zu dunkel und es fehlt an Tiefe. Abhängig vom Material und dem Restlicht im Raum empfehlen wir die Einstellung „Mittel“ oder „Hoch“. Apropos dunkel, mit HDR-Clips kann der AF8 in einem farbneutralen Modus bei Spitzlichtern bis auf knapp 700 Candela kommen. In vollem Weißbild schmilzt die Leuchtkraft OLED-typisch auf rund ein Drittel zusammen.

Nie mehr verrauscht: Der KD-65AF8 bietet zwar Optionen, um das Rauschen zu reduzieren. Man kann sie beim Sony allerdings guten Gewissens deaktivieren.

Als optimales „Motionflow“-Setup hat sich in den meisten Fällen „Anwender“ bewährt. Die Helfer für „Zufälliges Rauschen reduzieren“ und „Digitales Rauschen reduzieren“ kann man deaktivieren, mit der Farbtemperatur „Experte 1“ liegt man für TV und Blu-ray meistens richtig. Zu kühles Weiß optimiert man durch Absenken des Reglers „Blau Gain“ („Erw. Farbtemperatur“).

Blu-rays skaliert der Sony mit seinem 4K-HDR- Prozessor X1 Extreme sehr fein aufgelöst nach oben. „Iron Man 3“ erweckt der Apparat im Modus „Cinema pro“ im realistischen Kino-Look zum Leben. Das Schwarz ist brutal dunkel – der Schwarzwert sollte nicht viel höher als 50 eingestellt sein – und selbst bei den heftigen Explosionen in Kapitel 5 bleibt der 65-Zöller souverän, die Zeitlupenaufnahmen und die donnernden Helikopter bei hohem Tempo illustrieren die sehr gute Bewegungsdarstellung. In der UHD-Blu-ray „Lucy“ taucht nach 3:32 Minuten für kurze Zeit eine tolle HDR-Testsequenz auf: Mausefalle, ein Stück Käse, weißer Nager, dunkle Tischplatte und ansonsten pechschwarze Umgebung. Die hölzerne Maserung der Mausefalle ist ebenso gut zu erkennen wie die raue Oberseite des gelblichen Käsehäppchens. Kleinste Schmutzpartikel überziehen die Tischplatte, deren strukturierte Oberfläche kein Geheimnis bleibt. In Relation zum weißen Fell der Maus kann der megaschwarze Hintergrund mehr begeistern.

Neben HDR10 und HLG unterstützt der AF8 auch Dolby Vision, allerdings erst nach einem noch ausstehenden Software-Update. Für die 2017er-OLEDs hat Sony das Dolby-Vision-Update hingegen bereits online gestellt.

Gegenüber Einbrenneffekten scheint der Sony-OLED weitgehend immun zu sein, zumindest unser 12-Stunden-Dauertest mit statischem Bild erzeugte keine Arte-fakte im Bild. Für den Notfall haben die Japaner eine Pixelverschiebung sowie eine Panelaktualisierung an Bord. Die minimal ungleichmäßige Ausleuchtung des Displays in Form dunklerer vertikaler Balken („vertical Banding“) machte sich bei unserem Gerät nur via Testbild (5 Prozent Grau) bemerkbar, nicht aber im TV-Alltag. Auch den bei einigen 2017er-OLED-Modellen beobachteten Gelbstich am linken Rand des Panels konnten wir bei unserem AF8 nicht ausmachen.   

Der Testbericht Sony KD-65AF8 (Gesamtwertung: 87, Preis/UVP: 3800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 5-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

87 sehr gut

Farbbrillanz, Schwarzwert und Blickwinkelstabilität sind beim AF8 herausragend – auch wenn sie sich gegenüber den 2017er-OLEDs nicht verbessert haben. Das üppige App-Angebot und der satte Ton begeistern ebenso. Beim Bedienkomfort ist hingegen nach wie vor Luft nach oben.
Jochen Wieloch

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