Samsung QE75Q7F (Test)

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Hart im Nehmen: Die kompakte Smart Remote macht dank Alu-Gehäuse einen edlen Eindruck und lässt sich trotz weniger Tasten gut handhaben.

5.400 Euro: Der Samsung QE75Q7F ist mit 189 Zentimetern Bilddiagonale der größte Vertreter der Q7-Serie. Anders als seine kleineren Geschwister (49, 55 oder 65 Zoll) wird der 75-Zöller ausschließlich mit flachem Display angeboten.

Samsungs QLED-Fernseher lieferten sich in unserem Testlabor schon des Öfteren spannende Kopf-an-Kopf-Rennen mit den OLED-Rivalen. Leider sind die Standardgrößen 55 und 65 Zoll auch ähnlich teuer; die Ersparnis wächst mit der Bilddiagonale. So kostet der QE75Q7F ganze 14.600 Euro  weniger als der organische 77-Zöller von Panasonic oder LG (W7).

Die Benutzeroberfläche von Samsungs Tizen-Betriebssystem stellt alle Features und Apps übersichtlich dar. Die Icons können beliebig verschoben oder gelöscht werden.

Ausstattung und Praxis

Anders als der Sony KD-75XE9405 wird Samsungs QLED-Riese im Internet deutlich unter der unverbindlichen Preisempfehlung verkauft; bereits ab etwa 3.800 statt 5.400 Euro. Angesichts der verbauten Technik könnte man hier fast von einem Schnäppchen sprechen.

Flott und funktional: Die Reaktionszeiten des Q7F sind erfreulich kurz. Mit Amazon Video, Netflix sowie YouTube stehen die beliebtesten (UHD-)Streaming-Dienste bereit.

Zwar besitzen die Top-Modelle der Koreaner gegenüber dem Mitbewerber ein einfaches Edge-LED-Hintergrundlicht, trotzdem überraschten der Q9 (audiovision 7-2017), der Q8C (9-2017) sowie der Q7C (11-2017) im Test mit einer gleichmäßigen Ausleuchtung, hoher Helligkeit und satten Kontrastwerten. Auch der Q7F enttäuscht in diesen Disziplinen nicht, worauf wir später genauer  eingehen. Außerdem besticht das namensgebende Quantum-Dot-Panel durch brillante Farben, die insbesondere HDR-Inhalten zugutekommen und sogar die Ultra-HD-Premium-Spezifikationen erfüllen.

Auf kleinem Raum: Samsung hat die Signalverarbeitung komplett in die One-Connect-Box ausgelagert. Folglich beherbergt sie auch sämtliche Anschlüsse inklusive der Antennenbuchsen.

Als Alternative zu Dolby Vision integriert Samsung das neue, ebenfalls auf dynamischen Metadaten basierende HDR10+ Format – ergänzend zum statischen HDR-10-Standard und Hybrid Log Gamma (HLG).

Wippen und Drücken: Obwohl die Fernbedienung nur wenige Tasten besitzt, ermöglicht sie dank durchdachter Mehrfach-Belegung die volle Kontrolle über das TV-Gerät.

Die Signalverarbeitung erfolgt nicht im TV-Gerät selbst, sondern extern in der One-Connect-Box. Neben dem dafür zuständigen „Q Engine“-Prozessor und einer Reihe von Bildverbesserungsschaltungen beherbergt sie auch sämtliche Schnittstellen: vier HDMI-Eingänge, drei USB-Buchsen, den optischen Audio-Digitalausgang (Toslink) und die Antennen-Anschlüsse des Twin-Tuners inklusive CI+ Slot. Verbunden werden der Quader und der Fernseher über eine 1,8 Millimeter dünne Glasfaserstrippe, die sich nahezu unsichtbar zusammen mit der Stromleitung durch den Standfuß verlegen lässt. Wem fünf Meter zu kurz sind, der kriegt für 300 Euro ein 15 Meter langes One-Connect-Kabel (VG-SOCM15).

Erstaunliche Bandbreite: Der Signalaustausch zwischen One-Connect-Box und Fern­seher erfolgt über ein 1,8 Millimeter dünnes, extrem flexibles Glasfaser-Kabel.

Darüber hinaus umfasst Samsungs Zubehör-Sortiment die „No Gap Wall-Mount“-Halterung WMN-M21EA, welche eine lückenlose Wandmontage ermöglicht. Leider kostet sie mit 180 Euro das Vielfache einer klassischen Vesa-Vorrichtung; beachten muss man hier den Lochabstand (400 x 400 Millimeter) sowie das Gewicht von knapp 40 Kilogramm. Im Gegensatz zu den kleineren QLEDs ist der 75-Zöller aufgrund der Größe übrigens weder mit dem Studio- noch mit dem Tower-Stand kompatibel.

Das Beste daraus machen: Mittels Equalizer lässt sich das 40 Watt starke 2.2-Audiosystem dezent modifizieren. Ein Klangwunder sollte man allerdings nicht erwarten.

Die Q7-Serie verfügt über ein etwas schwächeres Soundsystem als die teureren Brüder, was sich vor allem bei der Tondynamik und Basswiedergabe bemerkbar macht. Nichtsdestotrotz generieren die 40 Watt starken Lautsprecher einen angenehm vollmundigen Klang mit guter Sprachverständlichkeit.

Einlasskontrolle: Der Samsung-TV erkennt in der Regel automatisch, welche Art von Quelle angeschlossen wird, und blendet in der Übersicht den Namen des Geräts ein.

Bildqualität

Wie erstmals beim QE55Q7C (audiovision 11-2017) fällt nach der Installation die im Vergleich zu früheren Samsung-TVs gesteigerte Farbbrillanz auf: Alle vier Bildmodi erweitern das Spektrum standard-mäßig zu Grün und Rot hin – das gilt sogar für HDR-Signale.

Ohne den Einsatz von Quantum Dots in LCD-Fernsehern hätte die OLED-Technologie schon vor Jahren deren Ende besiegelt. Dass sie noch keineswegs zum alten Eisen gehören, beweist der Samsung Q7F besonders eindrucksvoll: Er erweitert ab Werk nicht bloß den SDR- respektive HDTV-Farbraum BT.709, sondern selbst das für HDR maßgebliche DCI-P3-Spektrum. Vor allem Grün geht über die Norm hinaus, wodurch die Wiesen in unseren Testvideos saftiger erscheinen als beim Sony KD-75XE9405, der die Farben leicht einschränkt. Fairerweise müssen wir jedoch sagen, dass die Unterschiede wirklich nur im Direktvergleich auffallen. Andere Szenen wie die aus „Kingsman: The Secret Service“ zeigen beide Probanden gleichermaßen brillant.

Setzt einen drauf: Auch im HDR-Betrieb erweitert das Preset „Film“ den maßgeblichen Farbraum (DCI-P3) und lässt dadurch vor allem Grüntöne extrem brillant wirken.

Das Nachsehen gegenüber dem Mitbewerber haben die Südkoreaner in puncto Spitzenhelligkeit, basierend auf dem besten Bildmodus „Film“: Der 75Q7F schafft mit 1.048 beziehungsweise 860 Candela sowohl im 10- als auch im 25-Prozent-Messfenster rund 300 Candela weniger als der Sony XE94. Im weißen Vollbild (100 Prozent Average Picture Level) dreht er den Spieß allerdings um und es bleiben 730 statt 580 Candela übrig. Während Samsungs Spezialmodus „HDR+“ die Leuchtdichte von SDR-Signalen deutlich erhöht, ist bei HDR-Videos keine Steigerung feststellbar – eher im Gegenteil: Spitzlichter (zehn Prozent APL) erreichen hier maximal 840 Candela.

Der Spezialmodus „HDR+“ verleiht auf Wunsch auch SDR-Videos den typischen HDR-Look. Jedoch driften hier Magenta sowie Cyan stärker in Richtung Rot bzw. Grün.

Lob verdient der für einen LCD-Fernseher überragende ANSI-Kontrast von annähernd 3.000:1, wobei sich der Hellraumkontrast von 950:1 ebenso sehen lassen kann. Der Schwarzwert liegt mit 0,035 Candela nicht ganz auf Top-Niveau, geht aber durchaus in Ordnung.

Normale SDR-Inhalte profitieren davon jedenfalls enorm, zumal die Sättigung aus seitlichem Blickwinkel sichtbar abnimmt. Andererseits wirken Gelbtöne etwas überzogen. Die Farbraum-Einstellung „Benutzerdefiniert“ löst das Problem und gestattet außerdem manuelle Anpassungen. Alternativ können Profis eine (halbautomatische) Kalibrierung via Calman durchführen; alle QLED-TVs von Samsung unterstützen die „Autocal“-Funktion der Software. Das Bundle inklusive Messsensor beziehungsweise Kolorimeter kostet allerdings ab 2.500 US-Dollar.

Gut gemeint: Insbesondere Rottöne stellt der QE75Q7F erweitert dar, wodurch die Delta-E-Abweichungen jedoch größer werden. Dennoch erscheinen die Farben natürlich.

Anders als die kleineren Brüder zeigt der 75Q7F im besten Preset „FIlm“ eine zu niedrige Farbtemperatur von 6.000 Kelvin, wodurch die Delta-E-Abweichungen in der Grautreppe auf durchschnittlich 2,9 steigen und Schwarz-Weiß-Szenen wie der Vorspann von „Casino Royale“ ins Gelbliche abdriften. Ungeachtet dessen erscheinen SDR-Videos deutlich heller als beim besonders farbneutralen Sony XE94: Statt maximal 440 bietet der Samsung respektable 660 Candela.

Im Spezialmodus „HDR+“ erreicht er mit 955 Candela sogar echtes HDR-Niveau. Leider halbiert sich die Leuchtkraft aus schräger Perspektive, der Kontrast geht mit 69 Prozent noch stärker zurück. Dafür ist das Licht relativ gleichmäßig über die rund zwei Meter große Bildfläche verteilt, auch wenn die Ecken ein wenig abdunkeln.

Der Testbericht Samsung QE75Q7F (Gesamtwertung: 84, Preis/UVP: 5400 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

84 sehr gut

Der Samsung QE75Q7F liefert brillante Farben wie kaum ein anderer Fernseher. Profis bekommen dabei tiefreichende Einstellmöglichkeiten inklusive Kalibrieroption an die Hand. Nichtsdestotrotz ist die Bildqualität bereits ab Werk auf Top-Niveau. Einzig die schlechte Blickwinkelstabilität kostet ihn wertvolle Punkte und somit den Testsieg.

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