Samsung HW-N950 (Test)

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Die Samsung-Fernbedienung ähnelt denen der Fernseher: Sie liegt gut in der Hand und besitzt separate Volume-Tasten für Soundbar und Subwoofer.

Für die neue Soundbar HW-N950 kooperierten die TV-Spezialisten von Samsung mit den Sound-Tüftlern von Harman Kardon. DTS:X und Dolby Atmos gehören ebenso zum guten Ton wie ein Subwoofer und Rear-Boxen für 7.1.4-Sound.

Seit zwei Jahren ist Harman eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Samsung – so verwundert es nicht, dass man sich die Erfahrung der Amerikaner zunutze macht. Das Ergebnis ist im Falle der HW-N950 ein stattlicher Klangriegel plus Subwoofer und zwei Rear-Boxen, die im Gespann 7.1.4-Kanäle mit Dolby Atmos- und DTS:X-Sound befeuern. Mehr geht tontechnisch bei dieser Gerätegattung momentan nicht. Entsprechend fällt der Preis mit 1.400 Euro nicht gerade günstig aus.

18 Chassis verteilt auf 4 Boxen

Insgesamt werkeln 18 Lautsprecher in der 4er-Kombi: In der Bar strahlen 2 Speaker nach oben zur Decke, von wo aus der Schall via Reflexionen zum Hörplatz zurückgeworfen wird. Seitliche Chassis simulieren die Rear-Speaker und möchten für Surround-Wirkung sorgen. An der Front tummeln sich gleich 9 Treiber, ein Trio für jeden der drei Hauptkanäle, jeweils zusammengesetzt aus einem Hoch- und zwei Mittel-tönern. Insgesamt stehen der Soundbar kräftige 210 Watt an Verstärkerleistung zur Verfügung. Verarbeitung und Haptik der größtenteils aus Metall bestehenden Soundbar sind ausgezeichnet, das Design gefällt und passt gut in moderne Wohnzimmer. Stabile Gitter schützen die Chassis vor Kinder-fingern. Dank seiner Höhe von lediglich 8 Zentimetern ragt der 1,23 Meter breite Klangriegel bei Platzierung vor dem Fernseher meist nicht ins Bild, für die Wandmontage legt Samsung entsprechendes Zubehör bei.

Gewöhnliche Soundbars erzeugen Surround-Klang meist dadurch, dass sie Audiosignale so manipulieren, dass sich der Schall für das Ohr anhört, als käme er von seitlich oder hinten. Samsung folgt dagegen dem klassischen Boxen-Ansatz mit 7.1.4 diskreten Kanälen: Die Soundbar HW-N950 verfügt über insgesamt 13 Chassis, die in gruppierter Form die Kanäle Center, Links, Rechts, Surround links und rechts sowie Top links und rechts bilden.

Der Schall der zur Decke abstrahlenden Chassis wird via Reflexion zum Hörplatz geworfen.

Die Höhenboxen werden dabei von zwei nach oben strahlenden Treibern simuliert; der von der Decke reflektierte Schall lässt den Zuschauer Töne von oben wahrnehmen. Nach dem gleichen Prinzip arbeiten auch die beiden seitlich abstrahlenden Surround-Kanäle, deren Schall von den Seitenwänden reflektiert wird. Komplett machen das Erlebnis jedoch erst die beiden Back-Rear-Boxen, die für einen Großteil der Surround-Wirkung verantwortlich sind. Auch sie besitzen neben einem frontal abstrahlenden Chassis einen integrierten Up-Firing-Speaker auf der Gehäuseoberseite, der nach dem Reflexions-Prinzip arbeitet. Zu guter Letzt kommt ein separater Subwoofer für den Bass-Kanal hinzu.
Ob und wie es von oben bzw. seitlich neben dem Sitzplatz klingt, hängt auch von der Wand- und Deckenbeschaffenheit sowie dem Abstand des Hörers zur Soundbar ab. So mindern schallabsorbierende Decken, Schrägen oder Objekte im Schallweg der Reflexionen den 3D-Sound-Effekt merklich.

Auch die beiden Back-Rear-Boxen lassen sich an der Wand befestigen, passende Halter müssen aber separat erworben werden. Die kleinen Aktiv-Lautsprecher (12 x 21 x 14 cm) sind für ein Gros des Surround-Sounds verantwortlich und sollten daher seitlich sowie hinter dem Hörplatz aufgestellt werden. Die Kommunikation erfolgt per Funk mit der Soundbar, sie müssen allerdings auch ans Stromnetz angeschlossen werden – ganz drahtlos ist die Sache also nicht. Dasselbe gilt für den Subwoofer. Jeder der hinteren Rear-Lautsprecher verfügt über zwei Chassis, wobei eines auf der Oberseite verbaut ist und nach dem Prinzip von Dolby-Aufsatz-Speakern Schall zur Decke wirft.

Der 20,4 x 43,4 x 39,9 (B x T x H) Zentimeter große Subwoofer PS-WN90 gehört zum Set und erweitert den Sound um ein kräftiges Bassfundament.

Besagter Subwoofer fällt mit 20,4 x 43,4 x 39,9 Zentimetern mittelgroß aus, das 8-Zoll-Chassis wird von einem 162 Watt starken Verstärker angetrieben und strahlt zur Seite. Die schwarz folierte Gehäuseoberfläche des Woofers haut nicht vom Hocker, ist aber sauber verarbeitet. Die Inbetriebnahme aller Lautsprecher gelang im Test problemlos, beim Einschalten verbinden sich alle Komponenten automatisch miteinander.

Ausstattung & Praxis

Die Anschlüsse befinden sich allesamt auf der Unterseite der Bar, Kabel werden durch Aussparungen geführt. Vorhanden sind zwei HDMI-Eingänge sowie ein HDMI-Ausgang inklusive Audio-Return-Channel (ARC). Alternativ kann auch via Toslinkkabel zugespielt werden; analoge Schnittstellen sucht man indes vergebens.

Alle Anschlüsse befinden sich an der Unterseite: Zu zwei HDMI-Eingängen sowie einem HDMI-Ausgang mit ARC gesellt sich eine Toslink-Buchse.

In Ermangelung eines Onscreen-Menüs ist man auf das einzeilige Front-Display angewiesen, das groß und sichtbar durch das Front-gitter leuchtet. Die Bedienung kann über die Knöpfe an der Soundbar-Oberseite erfolgen, mehr Optio-nen offeriert jedoch die gut in der Hand liegende Fernbedienung, die zudem getrennte „Volume“-Tasten für Bar und Woofer bereithält.

Dolby Atmos und DTS:X

Die Einrichtung aller Lautsprecher ist schnell erledigt, denn viel lässt sich nicht einstellen – weder Distanzen noch Crossover-Frequenzen. Zumindest kann man für alle Boxen die Pegel separat anpassen. Zur Klangjustage stehen elektronische Regler für Bass und Höhen bereit, aber kein Equalizer. Das justierbare Lip-Synch verzögert den Ton um bis zu 300 Millisekunden, eine Dynamik-Kompression fürs Leisehören bei Nacht fehlt hingegen.

Die aktiven Rear-Boxen gehören zum Lieferumfang und kommunizieren per Funk mit der Soundbar. Die Front- und Höhen-Chassis sollen für einhüllenden Surround-Sound sorgen.

dAn Decodern trumpft die HW-N950 mit Dolby Atmos und DTS:X auf. Via Surround-Upmixer lassen sich alle eingehenden Signale auf 7.1.4-Ton aufblasen. An Klangschaltungen gibt es neben besagtem „Surround“ noch „Standard“ und „Smart“; Letzterer optimiert laut Bedienungsanleitung „die Toneffekte optimal, um zu der gerade abgespielten Szene zu passen“. Bei nativem 3D-Ton lassen sich übrigens keine Klangschaltungen nutzen.

Video & Multimedia

Alle HDMI-Terminals arbeiten nach dem 2.0-Standard, schleifen 4K/60p-Signale durch und beherrschen HDR10 für erhöhten Kontrast und erweiterte Farben von der Ultra-HD-Blu-ray. Einen Video-EQ oder Scaler gibt es nicht, was für Soundbars aber ohnehin untypisch ist. DSD-Streams von SACD akzeptierte die Bar im Test übrigens nicht, entsprechende Signale müssen im Player nach PCM gewandelt werden. Musik gelangt drahtlos über Bluetooth und WLAN in den Riegel, AirPlay wird nicht unterstützt. Mit Samsungs dazugehöriger App „SmartThings“ kann man die HW-N950 in ein Multiroom-System integrieren. Darüber hinaus ist der Klangriegel kompatibel mit Amazon Alexa, im Zusammmenspiel mit einem entsprechenden Speaker kann die Bar per Sprache gesteuert werden.

Tonqualität

Mit über 500 Watt beschallt das 7.1.4-Set auch große Räume kraftvoll. Verzerrungen konnten wir selbst in der maximalen Volume-Einstellung „50“ nicht wahrnehmen, allerdings spielte die Bar bei Stereo-Musik nicht so laut wie bei Mehrkanal-Filmsound. Tonal klang die HW-N950 recht ausgewogen, so dass der Riegel bei Rock, Pop und Co stets mit seinem unaufdringlichen sowie voluminösen Klang viel Spaß machte und der Sound nirgends negativ aneckte. Jazz von Silje Nergaard entlockte der Subwoofer kräftige Kontrabass-Läufe, die wir allerdings schon etwas tiefer und knackiger gehört haben – auch bei Soundbars/Woofer-Kombis. Der Subwoofer integrierte sich dafür aber perfekt ins Set und war nicht etwa einzeln hörbar. Mit klassischer Musik fielen uns Verfärbungen sowie Defizite in Sachen Auflösung und Durchzeichnung auf – das geht aber den meisten Soundbars so. Wer mehr möchte, muss zu einem vollwertigen Boxen-Set greifen. 

Dialoge brachte die HW-N950 bei mittiger Sitzposition perfekt ans Ohr, bei seitlichen Hörwinkeln klang es etwas dumpfer, aber immer noch gut verständlich. Mit Atmos- und DTS:X-Trailern erzielte das 4er-Set eine erstaun-liche Räumlichkeit, die den Zuhörer mitten ins Geschehen versetzte; seitliche Surround-Effekte wurden hörbar, wenn auch nicht besonders greifbar reproduziert. Effekte von hinten schallten dank der physischen Rear-Boxen deutlich plastischer, was nicht verwundert. Über unseren Köpfen konnten wir nichts hören, Höhen-Effekte tönten vorne weit über der Soundbar.

Im zu Testzwecken von uns oft benutzten Actionfinale von „Ghost in the Shell“ (Dolby Atmos) rockte die deftige Explosion zum Szenenbeginn (87:24) den Subwoofer mit kräftigen Bässen, die man dem mittelgroßen Würfel gar nicht zugetraut hätte. Die Szene schallte in unserem Hörraum räumlich schön geschlossen sowie tonal glaubhaft mit Volumen und Körper – man fühlte sich mitten im ungleichen Zweikampf zwischen Cyborg und Panzer. Natürlich könnte das Sound-Spektakel dynamischer und präziser donnern, doch das ist Jammern auf hohem Niveau. Für eine Soundbar leistet die HW-N950 jedenfalls Außerordentliches – und verdient sich daher unsere Highlight-Auszeichnung.                                                                 

Der Testbericht Samsung HW-N950 (Gesamtwertung: 82, Preis/UVP: 1400 Euro) ist in audiovision Ausgabe 3-2019 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

82 sehr gut

Dank Unterstützung durch Subwoofer und Rear-Boxen bietet Samsungs HW-N950 großen Sound wie nur wenige Vertreter ihrer Zunft. Auch der Preis übertrifft mit 1.400 Euro die meisten Bar-Kollegen.
Andreas Oswald

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