Samsung HW-N650 (Test)

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Die handliche Fernbedienung erinnert an die Geber der hauseigenen Fernseher sowie Blu-ray-Player und besitzt für fast alle Funktionen Direkttasten.

Samsungs neue Soundbar HW-N650 besitzt einen besonderen Kniff: Mittels „Flöten“-Prinzip möchten die Koreaner Surround-Sound ohne zusätzliche Boxen erzeugen. Ob das funktioniert?

„Acoustic Beam“ nennt Samsung seine neue Technologie, deren Design für raumfüllenden Sound aus einem einzigen Klangriegel sorgen soll. Der Clou dabei: Die Schallwellen treten unter anderem durch die zahlreichen Öffnungen von Schallkanälen aus und werden so weiträumig zur Seite und Decke hin verteilt – dem Prinzip nach wie bei einer Blockflöte. Insgesamt sorgen zwei dieser „Flöten“ sowie acht integrierte Lautsprecher für 5.0-Ton, denen laut Samsung 200 Watt Musikleistung zur Verfügung stehen. Hinzu kommt auch ein externer Subwoofer für den .1-Basskanal, der sich drahtlos mit der Soundbar verbindet. 550 Euro veranschlagt der koreanische 3-Sterne-Konzern für sein dynamisches Duo.

Gute Ausstattung

Sämtliche Chassis werden von robusten Metallschutzgittern auf der Front und Oberseite geschützt. Der Rest des Klangkorpus besteht zwar nur aus Kunststoff und nicht etwa Aluminium, ist aber tadellos verarbeitet; auch die Spaltmaße verlaufen gerade. Erhältlich ist die Soundbar ausschließlich in „Hohlzkohle-Schwarz“, wie Samsung die Farbe nennt.

Je mehr Schallquellen, umso räumlicher der Klang. Klingt logisch, schon allein aus Platzgründen lassen sich jedoch in einer Soundbar nicht beliebig viele Chassis stecken. Die Koreaner bedienen sich daher eines Tricks, der aus einer Schallquelle viele macht – im Falle der HW-N650 aus Zweien gleich 56:

So sitzen an der Oberseite der Soundbar zwei Schallkanäle mit je 28 Öffnungen, die Löcher sind nach seitlich und oben gerichtet. Je ein Hochtöner bläst seine Toninformationen direkt in seine „Flöte“, die den Schall auf­fächert und in verschiedenen Richtungen des Hörraums verteilt. Jedes Loch agiert damit beinahe wie ein eigenständiger Lautsprecher. Die ins Zimmer gepusteten Schallinformationen gelangen über Reflexionen von den Wänden sowie der Decke zum Hörplatz und erzeugen so den Eindruck eines räumlichen Schallfeldes mit Surround-Wirkung von seitlich und sogar von oben.

Multipliziert: Der Hochtöner bläst Schall in den Flötenkanal, aus welchem die Töne über 28 Löcher austreten und sich weiträumig verteilen.

Wie gut der virtuelle 3D-Sound aus einem einzigen Klangriegel funktioniert, ist jedoch immer auch von der Beschaffenheit des Hörraumes abhängig. Wird der abgestrahlte Schall behindert, absorbiert oder umgelenkt und gelangt damit nicht zum Hörplatz, bleibt auch der räumliche Klangeindruck auf der Strecke.

Mit ihren schlanken Abmessungen von 110 x 5,9 x 10 Zentimetern lässt sich der 3,6 Kilo leichte Riegel beinahe überall unauffällig unterbringen; egal ob vor beziehungsweise unter dem Fernseher oder an die Wand montiert. Das dafür benötigte Montagematerial liegt bei. Rechts außen leuchtet ein kleines Display, auf ein Onscreen-Menü verzichtet die Bar – trotz HDMI-Buchsen. Auf der rechten Seite sitzen vier Knöpfe für Ein/Aus, Laut-stärke und Quellenwahl. Sämtliche Anschlüsse befinden sich auf der Unterseite der Bar, die Kabel werden durch eine rückseitige Aussparung geführt. Zum Anstöpseln stehen je ein HDMI-Ein- und Ausgang bereit, sowie eine Toslink-Buchse, 3,5-mm-Klinke und USB.

In Ausbuchtungen auf der Unterseite hat Samsung die Anschlüsse versteckt; hier HDMI In und Out.

Für den Sound mit 5.1-Kanälen spendierte Samsung sowohl Dolby- als auch DTS-Decoder, die beiden Klangprogramme „Surround“ und „Game“ blasen Eingangssignale jeder Art zu virtuellem Surround-Sound auf. Den Pegel für den Subwoofer darf man getrennt regeln, zudem sind Einstellungsoptionen für Bass und Höhen an Bord. Die Lip-Sync-Funktion verzögert dem Bild vorauseilenden Ton. 

Anschlussfeld Nr. 2: Hier dürfen Geräte mit Toslink-Stecker und 3,5-mm-Klinke andocken. Hinzu kommt USB.

Video & Multimedia

Das HDMI-Board versteht sich auf die 4K/60p-Auflösung (HDMI 2.0a) samt HDR-Metadaten und den Kopierschutz HDCP 2.2. Der HDMI-Ausgang verfügt zudem über ARC und CEC, womit man auch Ton vom Fernseher zur Bar führen kann, beziehungsweise sich die Bar mit der TV-Fernbedienung rudimentär steuern lässt. An Streaming-Optionen gibt es nur Bluetooth, es fehlen WLAN, Ethernet, AirPlay oder NFC. Der Media-Player kann somit ausschließlich über die rückseitige USB-Buchse gefüttert werden, er unterstützt die Formate MP3, WMA, AAC (96 KHz), AVC, OGG und FLAC (96 KHz).

Samsungs dünne und minimalistisch anmutende Fernbedienung ist für die Steuerung der Bar ausreichend, gut sind die separaten Tasten für die Lautstärke von Bar und Subwoofer. Die N650 lässt sich zudem über Samsungs Remote App bedienen.

160 Watt starker Subwoofer

Der 6,6 Kilo schwere Basswürfel fällt mit rund 21 x 38,5 x 30 Zentimetern nicht übermäßig groß aus und ist daher leicht zu verstauen. Das 6,5-Zoll-Chassis strahlt nach vorne durch ein Metallgitter ab, hinten sitzt ein Bassreflex-Rohr. Eine 160-Watt-Endstufe treibt das Chassis an. Die Kommunikation mit der Soundbar erfolgt drahtlos per Funk, bis auf den Pairing-Knopf gibt es keine Einstellmöglichkeiten oder Anschlüsse. Die Kunstoff-Oberfläche ist sauber verarbeitet, auf der Rückseite ist jedoch das schwarz bemalte Holz sichtbar. 

Das 6,5 Zoll große Chassis des Subwoofers strahlt nach vorn ab, hinten sitzt ein Bassreflexrohr.

Wer die HW-N650 zu einem Surround-System ausbauen möchte, für den hat Samsung das separat erhältliche „Wireless Rear Speaker Kit“ im Programm. Die beiden Surround-Lautsprecher vom Typ SWA-8500S nehmen ebenfalls drahtlos Kontakt zur Soundbar auf und bilden so ein vollwertiges 5.1-Kanal-System.

Mit Samsungs WLAN-Kit SWA-8500S kann man die HW-N650 zu einem Surround-System aufrüsten.

Tonqualität

Mit insgesamt 360 Watt spielte die Bar/Subwoofer-Kombi richtig laut, ohne dabei merklich zu verzerren – selbst Pegel zum Nachbarn-Ärgern sind kein Problem. Bei unserem Hörklassiker von Steely Dan („Two against nature“) im 5.1-Mix legte das Gespann einen spritzigen und detailreichen, aber eher dünnen Klang hin. Für mehr Volumen mussten wir den Subwoofer fast auf Maximallautstärke (Stufe „6“) stellen, dann klang es ausgewogener. Tonal musizierte die Bar dennoch nicht ganz frei von Verfärbungen, die aber oft nur im direkten Vergleich auffallen.

Bedienung am Gerät: Dank vier Tasten auf der rechten Außenseite lässt sich die HW-N650 auch ohne Fernbedienung in den Grundfunktionen steuern.

Das Differenzierungsvermögen ließ bei komplex arrangierten Klassikaufnahmen im Mehrkanal-Mix zu wünschen übrig, hier kann aber keine Soundbar einem ausgewachsenen 5.1-Boxenset das Wasser reichen. So saßen etwa bei Bach-Kantaten Chor und Orchester recht dicht aufeinander und wurden etwas verschliffen. DSD-Streams von SACD erkennt die Bar über HDMI übrigens nicht, so dass der Zuspieler die Daten zuerst in PCM-Ton wandeln muss.

Nach dem Umschalten vom „Standard“-Klangmodus in die Raumklang-Modi „Surround“ und „Game“ spielte die HW-N650 tonal zwar etwas hohler respektive verfärbter, räumlich klang es dafür aber deutlich breiter, offener und größer. Rotierte zudem effektreiche Kost im Player wie beispielsweise Dolbys-Atmos-Clips, dann erzielte der Samsung-Riegel eine geradezu verblüffende Räumlichkeit, die wir sonst eher von Soundbars mit separaten Rear-Boxen gewohnt sind. Überdurchschnittlich gut wurde der Raum zwischen Bar und Hörplatz ausgeleuchtet, selbst von der Seite drangen Effekte noch gut plastisch ans Ohr. Sound war sogar von hinten und oben zu hören, auch wenn dieser nur angedeutet beziehungsweise nicht besonders präzise herausgearbeitet wurde. Das Flöten-Konzept in Kombination mit den virtuellen Klangschaltungen zahlt sich somit aus, ist aber auch abhängig von der Position des Hörplatzes und der Beschaffenheit des Hörraumes, da ein Teil der Räumlichkeit durch Schallreflexionen von Decke und Wänden entsteht. Bei uns ließ die Surround-Wirkung zunehmend nach, je mehr wir aus der Mitte des Hörplatzes zu seitlichen Hörpositionen wechselten.

Reflexionsprinzip: Zu den Wänden hin abgestrahlter Schall gelangt via Reflexionen zum Hörplatz und vermittelt so den Eindruck von Surround-Sound.

Unabhängig von der Sitzposition war die Sprachverständlichkeit dank integriertem Center-Kanal ausgezeichnet. Vermisst haben wir ein Klangprogramm zur Reduzierung von Dynamikspitzen, eine Schaltung zur Lippensynchronisation (Lip-Sync) ist hingegen an Bord. Im Stereo-Betrieb macht die Samsung-Bar viel Spaß, schon allein wegen ihres räumlichen Klangs. Allerdings sollte man keine Wunder in Sachen   Klangfarben und Natürlichkeit erwarten – womit aber die meisten Soundbars zu kämpfen haben. Besonders im Mitteltonbereich musizierte die N650 eher dünn und leicht nasal denn vollmundig und sonor. Bei Techno und Metal spielt das jedoch weit weniger eine Rolle als bei Klassik oder Jazz. Ungewöhnlich und alles andere als optimal: Die Regler für Bass und Treble zeigten so gut wie keine hörbare Wirkung.        

Der Testbericht Samsung HW-N650 (Gesamtwertung: 72, Preis/UVP: 550 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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