Samsung HW-MS750 (Test)

0

Die handliche Fernbedienung erinnert an die Geber der hauseigenen Fernseher sowie Blu-ray-Player und besitzt für fast alle Funktionen Direkttasten.

Samsungs 800 Euro teure Soundbar HW-MS750 hat für Klang von oben auch Töner auf der Oberseite. Allerdings fehlen Decoder für Dolby Atmos und DTS:X. Kann das
funktionieren?

„Sound+“ heißt bei Samsung neuerdings das Zauberwort bei Soundbars. Das „+“ zielt natürlich auf einen Mehrwert in Sachen Ausstattung und Klang ab. Bei der HW-MS750 sind dies ausgefeilte DSP-Klangschaltungen sowie eine Armada an Chassis, die auch 3D-Sound von der Decke aus dem mächtigen Klangriegel zaubern sollen. Hierfür verbauten die Koreaner auf der Oberseite des Gehäuses zwei Treiber, die Schall zur Decke strahlen, von wo aus dieser über Reflexionen zum Hörplatz gelangt. Die Krux an der Sache: Vermutlich um Lizenzgebühren zu sparen, verzichteten die Ingenieure auf die Integration der 3D-Ton-Decoder Dolby Atmos und DTS:X. Stattdessen setzt die HW-MS750 auf eigene Klangprogramme. Wie gut die klingen, dazu später mehr.

Zum „+“-Konzept zählt auch der in die Bar integrierte Subwoofer samt Samsungs Bass-Entzerrungs-Technologie „Distortion Cancelling“, die einen externen Basswürfel überflüssig machen soll. Wer dennoch einen Krawallmacher betreiben möchte, findet im optionalen SWA-W700 ein passendes Gerät, das drahtlos mit der Soundbar kommuniziert. Ebenfalls per Funk lässt sich die HW-MS750 mit Samsungs Wireless Rear-Kit SWA-9000S zu einem Surround-System ausbauen, neben zwei Boxen gehört zum Set auch ein Empfänger-/Verstärkermodul.

Auf Wunsch lässt sich Samsungs Soundbar HW-MS750 zu einem vollwertigen Surround-Set erweitern. Hierfür stellen die Koreaner einen optionalen Subwoofer sowie ein Surround-Ausbau-Kit bereit:

Mit Samsungs WLAN-Kit SWA-9000S kann man die HW-MS750 zu einem Surround-System aufrüsten.

180 Euro muss man für das WLAN-Kit SWA-9000S hinblättern. Es besteht aus zwei kleinen Rear-Boxen (8,8 x 14,7 x 8,8 cm) und einer WLAN-Basis samt eingebautem Stereo-Verstärker. Die Lautsprecher werden ganz normal über die beigelegten Lautsprecherkabel mit der WiFi-Station verbunden, was im Wohnzimmer nicht immer ganz einfach ist; schon allein aus optischen Gründen. Die Basis nimmt via WLAN-Dongle zur Soundbar Kontakt auf, der Verbindungsaufbau sollte im Normalfall automatisch funktionieren. Über die Fernbedienung der Bar können die Pegel der Boxen angepasst werden.

Der Subwoofer SWA-W700 nimmt via Funk zur Soundbar Kontakt auf. Das Chassis sitzt hinten.

Auch Samsungs 600 Euro teurer Designer-Subwoofer SWA-W700 kommuniziert per Funk mit den Soundbars der Koreaner. Der sauber verarbeitete Basswürfel besteht zum Großteil aus Kunststoff, misst 32 x 34 x 32 Zentimeter und wiegt 14,6 Kilo. Der große Aluminium-Ring an der Front ist aber nur Zierde, das mit extra-dicker Gummisicke robuste und von einem 350-Watt-Verstärker (Herstellerangabe) befeuerte 10-Zoll-Chassis sitzt auf der Rückseite. Gespart hat Samsung an einem Schutzgitter, so dass eine unachtsame Fußbewegung, Kinderhände oder Katzenkrallen den Treiber beschädigen können. Da hilft der ‚Nicht berühren‘-Aufkleber neben dem Treiber auch nichts mehr.

11 Treiber für 3D-Klang

Äußerlich ähnelt die rechteckige MS750 dem kleineren Modell HW-MS650 (Test in audiovision 8-2017). Doch statt mit einer geschlossenen Aluminium-Oberseite kommt die MS750 mit robustem Top-Gitter für die beiden Höhen-Chassis daher. Die Seiten und die Rückseite der Bar bestehen allerdings nur aus Kunststoff, das Alu imitiert. Rechts schimmert ein gut lesbares Display durch die Gittermaschen, auf ein Onscreen-Menü verzichtet die Soundbar allerdings – trotz HDMI-Unterstützung.

Das Anschlussfeld von Samsungs HW-MS750 offeriert zwei HDMI-Eingänge, der HDMI-Ausgang beherrscht ARC und CEC. Ton darf man auch via Toslink und analoge Mini-Klinke in die Bar einspeisen.

 

6,3 Kilogramm wiegt der 115 x 8 x 13 Zentimeter große Klangbalken, die geringe Höhe sollte in den meisten Fällen eine Platzierung vor dem Fernseher ermöglichen. Für die Wandmontage hat Samsung entsprechende Halterungen in den Karton gepackt; optional ist von Samsung auch das „ONE Mount Kit“ (WMN300SB) erhältlich, das die Montage des Riegels direkt an beziehungsweise unter einem Fernseher aus gleichem Hause ermöglicht. Praktisch ist in diesem Zusammenhang der Stromausgang des Klangriegels, an den man gleich den TV mit anstöpseln kann.

Oben im Gehäuse verbaute Samsung links und rechts Treiber, die Schall zur Decke abstrahlen. Von dort sollen über Reflexionen die Toninformationen zum Hörplatz gelangen und damit den gewünschten 3D-Effekt erzielen. In der Praxis konnten wir allerdings keinen Sound von der Decke hören, wohl aber vergrößerte sich das Klangbild.

In Inneren der Bar schuften insgesamt 11 Treiber, die ein 5-Kanal-System bilden; 3 der Chassis sind Breitband-Hochtöner und wollen mit einem breiten Rundstrahlverhalten für einen ausgewogenen Klang auch auf seitlichen Sitzplätzen sorgen. Die interne Signalverarbeitung rechnet eingehende Tonsignale auf 32 Bit hoch („UHQ 32-Bit Audio“), Dynamik und Detailzeichnung des Klangs sollen dabei laut Samsung verbessert werden.

Vier Tasten auf der rechten Seite erlauben die Grundbedienung der Bar. Die robusten Metallgitter oben wie vorne schützen die empfindlichen Chassis.

Neben PCM unterstützt die HW-MS750 auch DTS 5.1 und Dolby Digital 5.1. Bei den Klangprogrammen kann man neben „Standard“ zwischen 6 Modi für verschiedene Einsatzzwecke wählen: „Surround“, „Smart“, „Movie“, „Musik“, „Sport“ und „Clear Voice“ stehen zur Verfügung. Eine Dynamik-Kompression fürs Leisehören fehlt allerdings. Die beiden Höhen-Lautsprecher spielen nur in den Modi „Surround“ und „Sport“ mit. Die Lip-Sync-Funktion verzögert Ton um bis zu 300 Millisekunden, Klangkorrekturen darf man bei Bässen und Höhen durchführen.

Video & Multimedia

Auf der Unterseite der Bar findet man zwei Buttons für die Aktivierung von WLAN und das Hinzufügen optionaler Lautsprecher. Eine Ethernet-Buchse sucht man vergebens. Alle physischen Anschlüsse versammeln sich auf der Rückseite: Die beiden HDMI-Terminals sowie der HDMI-Ausgang (CEC und ARC) schleifen 4K/60p-Signale samt HDCP 2.2 und HDR-10-Farbcodierung durch. Ton gelangt via Toslink und 3,5-mm-Klinke in den Klangriegel, als Wireless-Option stehen für das Musik-Streaming auch Bluetooth und WiFi zur Wahl. 

Samsungs App stellt eine große Auswahl an Musikdiensten bereit.

Für die Einrichtung von Multiroom-Systemen ist die App Pflicht.

 

 

 

 


Auf der rechten Gehäuseseite verbaute Samsung 4 
Tasten für die Basisbedienung, die schmale, aber übersicht-liche Fernbedienung bietet dagegen mehr Funktionen; unter anderem Direkttasten für Bässe und die Surround-Modi. Alternativ kann die Soundbar mit Samsungs „Multiroom“-App gesteuert werden, die darüber hinaus auch den Aufbau von Multiroom-Systemen ermöglicht. Zudem darf man auf viele Online-Dienste wie Spotify, Deezer, Juke und das kostenlose TuneIn-Webradio zugreifen. Au

ch das Netzwerk-Streaming mit DLNA ist möglich, unterstützt wird ferner die verlustfreie Audioübertragung mit FLAC, WAV, AAC und ALAC. Für die schnelle und einfache Drahtlosverbindung ist Bluetooth an Bord. AirPlay oder NFC fehlen dagegen genauso wie eine USB-Buchse und ein integrierter Mediaplayer.

Tonqualität

Im Hörtest machte der Samsung-Riegel ordentlich Dampf und spielte nicht nur für eine Solo-Soundbar ziemlich laut. Zudem schallte es auch bei XXL-Pegeln verzerrungsarm, was lange und laute Filmabende ermöglicht. In Sachen Bass musste sich der Klangbalken aber der Testkonkurrenz geschlagen geben, die dank Aktiv-Woofer deutlich mehr Druck entfacht und tiefer in den Frequenzkeller langt. Im oberen Bassbereich spielte die Samsung-Bar aber sauber und ausgewogen, auch wenn wir ihr selbst bei Maximal-Basspegel „6“ keine Bomben-Bässe  entlocken konnten. Vom „Powerful Bass“ im Dolby Democlip „Amaze“ war wenig hör- und schon gar nichts spürbar. Als wir den separat erhältlichen Subwoofer SWA-W700 mit ins Boot holten, spielte die Kombi hörbar tiefer und druckvoller, ohne aber Erdbeben loszutreten. Aus Gründen der preislichen Vergleichbarkeit fließt der Subwoofer (dieser kostet allein schon 600 Euro) nicht in unsere Klangbewertung ein.

Dank des größeren Volumens machte sich die Samsung-Bar mit einer ausgewogeneren Mitteltonwiedergabe als die Konkurrenz bemerkbar, blieb aber nicht frei von Verfärbung: Auch hier klangen tiefe Männerstimmen etwas zu dünn und wenig körperhaft. Sprache schallte vom Riegel gut verständlich und klang auch aus stark seitlichen Hörwinkeln nur leicht dumpfer. Der Klangmodus „Clear“ hellte den Sound deutlich auf, was bei schlecht verständlichen Tonaufnahmen nützlich sein kann. 

Ohne aktive Klangprogramme tönte der Riegel nur geringfügig größer, als seine stattlichen Maße ausfallen. Schalteten wir den „Surround“-Modus und damit auch die beiden Höhen-Chassis hinzu, gewann der Klang hörbar an Größe, büßte aber etwas Natürlichkeit und Klarheit ein. Surround-Sound oder gar 3D-Ton von der Decke vermochten wir dem Riegel selbst mit diversen Dolby-Trailern nicht zu entlocken. Immerhin stellte sich mit den DSP-Schaltungen ein größeres, luftigeres und allgemein spektakuläreres Klangbild vorne ein als ohne Sound-Aufpolierer.

Stereo-Musik lässt sich gut auf der HW-MS750 hören: Pop, Jazz oder Rock machten gleichermaßen Spaß, wobei die Bar hier mit ihrem Volumen und damit ausgewogenem Klang punkten kann.       

Der Testbericht Samsung HW-MS750 (Gesamtwertung: 73, Preis/UVP: 800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

73 gut

Samsungs HW-MS750 ist mit 800 Euro die teuerste, aber auch größte Soundbar in unserem Testfeld. Zwar fehlt ihr ein Subwoofer, tonal überzeugt der Klangbalken aber ebenso wie bei den zahlreichen Features – was ihr den Testsieg sichert.
Andreas Oswald

Diesen Artikel teilen

Antworten

[pro_ad_display_adzone id=25883]