Samsung 55Q9FN (Test)

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Hochwertig: Die Samsung-Fernbedienung besteht aus Aluminium und hat eine sehr aufgeräumte Oberfläche. Das ist möglich, weil einige Tasten doppelt belegt sind. Der Bedienkomfort leidet darunter nicht. Sprachbefehle sind über die Mikrofon-Taste möglich.

Dass auch ein Fernseher mit vergleichsweise kleinem Display großes Bild und großen Komfort bieten kann, beweist der 2.270 Euro teure 55Q9FN von Samsung. Der QLED-TV besitzt unter anderem ein Full-LED-Backlight (Direct Full Array Elite) mit vielen Local-Dimming-Zonen, wodurch ein gleichmäßiges und sattes Schwarz garantiert ist. Außerdem haben die Koreaner dem 55-Zöller die praktische One Connect Box spendiert: Ein Kabel zum Fernseher genügt, über das neben den AV-Signalen auch der Strom transportiert wird. Die Einrichtung des Apparats wird durch die Setup-Möglichkeit per Smartphone über die App „SmartThings“ enorm vereinfacht – WLAN-Einstellungen und Fotos vom Mobiltelefon werden beispielsweise automatisch übernommen. Die Entspiegelung des Displays ist durch eine spezielle Oberflächenbeschichtung effektiv. Gehäuse, Fuß und die silberne Fernbedienung aus Aluminium sind top verarbeitet.

 

Ausstattung und Praxis

Nicht umsonst heimst der Samsung in dieser Kategorie 28 von 30 möglichen Punkten ein, viel besser geht es kaum. Doppeltuner für die Empfangswege Kabel, Satellit und DVB-T2 sind ebenso an Bord wie Bluetooth, Bild-in-Bild-Funktion, Web-Browser, Sprachsteuerung, Time-Shift und eine Aufnahme-Option. Praktisch: Wechselt man vom zeitversetzten Fernsehen zur Aufnahme, so bietet der QLED die Möglichkeit, den mit Time-Shift aufgenommenen Teil in der Aufnahme-Datei zu speichern.

Wartezeiten sind beim Tizen-Betriebssystem ein Fremdwort. Dafür sorgt der Quadcore-Prozessor, der flotte Menüwechsel, App-Starts oder das Sortieren der Senderliste ermöglicht. Den Signalgeber zieren nur zehn Tasten und ein Steuerrad. Das steigert die Übersichtlichkeit. Trotzdem lässt sich alles bedienen. Das Geheimnis liegt in der Doppelbelegung von Tasten. Ein kurzer Druck auf die „CH“-Taste führt beispielsweise zum TV-Programm, ein langer in die Übersicht zur Senderbearbeitung. Will man nicht manuell in irgendein Untermenü navigieren, gelingt dies auch per Sprache. „Digital aufbereiten“, „LED Clear Motion“, „Helligkeit“, „Gamma“ oder „Hintergrundbeleuchtung“ sind nur einige der möglichen Befehle.

Ausgelagerte Anschlüsse: Die One Connect Box wird über ein fünf Meter langes Kabel mit dem 55-Zöller verbunden. Das erhöht die Flexibilität beim Aufstellen.

Viel Spaß bringt der Mediaplayer: Fotos und Videos verwandelt dieser mit Höchstgeschwindigkeit in 360-Grad-Ansichten. Und auch das Hineinzoomen oder das Verändern von Blickwinkeln erledigt der Samsung, ohne mit der Wimper zu zucken. Für Zocker ist der Q9 zudem der optimale Bildschirm. Denn wenn es besonders actionreich und rasant zugehen soll, hält der Game Mode mit AMD Freesync die Reaktionszeiten mit 6,8 Millisekunden extrem kurz, damit nichts ruckelt.

Versorgungs-Pipeline: Über dieses Kabel gelangen die Audio- und Videosignale von der separaten Anschlussbox zum Fernseher. Ebenso bezieht der Samsung auf diesem Weg seinen Strom.

Bild- und Tonqualität

Im ersten Bildcheck verwechselt man den QLED fast mit einem OLED: Denn die Cinemascope-Balken sind unwahrscheinlich dunkel und so gleichmäßig ausgeleuchtet, wie es sonst nur ein Panel mit organischen Leuchtdioden schafft. Die 420 Dimming-Zonen leisten hier Großes, wodurch der eindrucksvolle Schwarzwert von 0,009 und ein ANSI-Kontrast von 2.200:1 resultieren.

Auskunftsfreudig: Beim Tizen-Betriebssystem sieht man alle angeschlossenen Zuspieler auf einen Blick. Über die Startseite gelingt auch der Zugriff auf zahlreiche Apps.

Das Januar-Kapitel der Blu-ray „Deutschland von oben“ ist für den 55Q9FN das optimale Material: Denn die großen, zum Teil bildschirmfüllenden Schneefelder erstrahlen mit immenser Leuchtkraft. OLEDs haben in dieser Disziplin eindeutig das Nachsehen. Bei hohem Weißanteil neigt der Samsung nicht zum Überstrahlen. Kleinste Verwehungen, Abbruchkanten und Spuren arbeitet er im Schnee präzise heraus. Für saubere Bewegungen und ein helles Bild sollte „Auto Motion Plus“ auf „Auto“ stehen, ist „LED Clear Motion“ aktiviert, werden die Aufnahmen deutlich abgedunkelt.

Informativ: Über die integrierte Sprachsteuerung kann man nicht nur den 55-Zöller steuern und Apps öffnen. Auch wie das Wetter wird, erfährt man auf diesem Weg.

Bei seitlicher Betrachtung kann der Samsung hingegen nicht ganz mit den OLED-Mitbewerbern aus diesem Testfeld mithalten. Allerdings ist der Verlust an Farbkraft und Helligkeit nicht sonderlich dramatisch. Auch mit der Wolkenbildung rund um helle Objekte vor einem schwarzen Hintergrund hat der 55-Zöller kaum zu kämpfen. Wenn überhaupt nimmt man dies nur bei Titeleinblendungen oder Abspännen wahr, sofern man darauf achtet. Dann sieht man aber auch, wie gleichmäßig das komplette Display ausgeleuchtet ist.

Stylisch: Im Ambient-Modus verwandelt sich der 55Q9FN auf Wunsch in ein Gemälde. Bei Bedarf nimmt er auch die Optik der Wand oder der Tapete an.

Hinterleuchtungen in den Ecken oder an den Seiten: Fehlanzeige. Rekordverdächtig ist auch das Farbvolumen des Q9 und dessen Fähigkeit zu präzisen Abstufungen. Dies zeigt die Nahaufname eines Storchennestes. Die einzelnen Äste erscheinen hier nicht einfach nur Braun, sondern enorm differenziert in verschiedensten Braun-, Grau-, Weiß- und Schwarztönen. Dadurch gewinnt das Bild natürlich auch noch an Plastizität.

Über das Limit hinaus: Rot- und Grüntöne stellt der Samsung im SDR-Bereich extrem rein dar, speziell bei Grün vergrößert der 55Q9FN sogar das Farbsegel am äußeren oberen Messpunkt.

Seine enorme Maximalhelligkeit von 1.610 Candela im Bildmodus „Film“ prädestiniert den Samsung geradezu für HDR-Inhalte. Die pflückt er sich beispielsweise direkt über das Streaming-Portal Netflix herunter. Unterstützt werden die HDR-Formate HDR10, HDR10+ und HLG, aber kein Dolby Vision. Selbst bei vollflächigem Weiß leuchtet der 55Q9FN so hell, wie es OLEDs gerade mal in Spitzlichtern schaffen. 720 Candela sind ein beeindruckender Wert. Mit der Farbtemperatur „Warm2“ macht man alles richtig. Ab Werk liefert der QLED hier 6.535 Kelvin und kommt damit der idealen Zielvorgabe sehr nah. Mit den Setups „Standard“ (8.483 Kelvin) und „Warm1“ (7.346 Kelvin) liegt man hingegen deutlich daneben. Auch SDR-Inhalten, beispielsweise beim Fernsehen oder von Blu-ray – verpasst der Samsung einen HDR-Look. Dazu steht der Modus „HDR+“ zur Verfügung. Aufnahmen gewinnen dadurch an Leuchtkraft. Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung hat der 55Q9FN somit genug Power, um der hellen Umgebung zu trotzen. Damit echtes HDR-Futter aus dem Netz oder von UHD-Blu-ray als solches erkannt wird und die HDR-Modi bereitstehen, muss im Menü „Externe Geräteverwaltung“ die gewünschte HDMI-Buchse unter „HDMI UHD Color“ aktiviert werden.

HDR-Spezialist: HDR-Inhalte holt sich der Samsung direkt über Netflix auf den Bildschirm. Die Farbnatürlichkeit ist hoch, wie die Messungen im DCI-P3-Spektrum zeigen. Auch SDR-Inhalte peppt der 55-Zöller bei Bedarf auf.

Wie beim 65-Zöller (Test in audiovision 6-2018) hat Samsung beim 55Q9FN ein 4.2-Soundsystem mit 60 Watt verbaut. Bei höheren Pegeln klingt Musik nicht mehr ganz ausgewogen und sauber. Zimmerlautstärke ist eher das Gefilde des QLEDs. Dann sind Stimmen sauber artikuliert, im Modus „Optimiert“ wächst die Klangbühne an. Das Bassvolumen ist gut ausgeprägt, für höchste audiophile Ansprüche muss jedoch eine Soundbar her.

Der Testbericht Samsung 55Q9FN (Gesamtwertung: 91, Preis/UVP: 2300 Euro) ist in audiovision Ausgabe 12-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

91 sehr gut

Der 55Q9FN von Samsung beherrscht einerseits sattes Schwarz, bietet aber auch eine enorme Helligkeit, und das sogar bei großflächigem Weißanteil. Letztendlich sichern ihm aber der hohe Bedienkomfort, das umfangreiche App-Angebot sowie das schnelle Handling den Testsieg – wenn auch denkbar knapp.
Joche Wieloch

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