Samsung 55Q6FN (Test)

0

Kunststoff statt Aluminium: Beim Q6 kommt die bewährte Fernbedienung zum Einsatz, die nur wenige Tasten besitzt. Im Gegensatz zu den höherpreisigen QLEDs besteht der Signalgeber aus Plastik, was aber keinen Einfluss auf das sehr gute Handling hat.

Hinter den teureren und besser ausgestatteten Modellreihen Q9, Q8 und Q7 gehört der 1.300 Euro teure 55Q6FN der Einsteiger-Serie unter Samsungs QLED-TVs an. Ein Unterschied zu den höherpreisigen Brüder-Modellen: Samsung hat die schwarze Connect Box eingespart, die über ein Kabel mit dem Flat-TV verbunden wird und darüber nicht nur den Strom, sondern auch die Bild- und Toninformationen transportiert.

Beim 55Q6FN muss man Blu-ray-Player, USB-Festplatten und Co. klassisch an der Gehäuserückseite anschließen. Dadurch ist man im Wohnzimmer etwas weniger flexibel bei der Aufstellung des Geräts. Rückseitige Kabelkanäle sorgen aber dafür, dass ein optisch unschöner Kabelsalat weitgehend vermieden wird. Das Panel ziert ein schicker Metallrahmen.

Positiv angetan waren wir von der Montage der beiden Füße: Diese werden einfach unten in zwei Öffnungen des Displays gesteckt. Bedingt durch ihren mit einem knappen Meter recht großen Abstand genügt kein schmaler TV-Tisch, um den 55-Zöller zu schultern.

Samsung-Triple: Der Q6 empfängt Fernsehen per Satellit, Kabel und DVB-T2, die Tuner sind doppelt vorhanden. Für externe Speicher sind zwei USB-Eingänge verbaut, eine Kopfhörerbuchse fehlt.

Ausstattung und Praxis

Trotz des vergleichsweise niedrigen Preises ist der Samsung sehr ordentlich ausgestattet: Die Tuner für DVB-C, DVB-S2 und DVB-T2 HD wurden doppelt verbaut, Aufnahmen sind auf externen USB-Festplatten möglich, und Bluetooth wird genauso wie HDR10, HDR10+ und HLG unterstützt. Dolby Vision fehlt hingegen, dies trifft auch auf eine Kopfhörerbuchse zu. Beim Sound hat Samsung dem Flachmann ein 40 Watt starkes 2.1-System spendiert, im nächsthöheren 55Q7FN kommt – zum Vergleich – ein raumfüllenderes 4.1-Lautsprecher-System zum Einsatz.

XXL-Wetterstation: In den zahlreichen Vorlagen des Ambient-Modus kann man sich auch ein Motiv heraussuchen, das Auskunft über die aktuelle Wetterlage gibt.

Überaus komfortabel ist die Option, auch den Q6 blitzschnell per Smartphone einzurichten. Zudem ist der seit Kurzem verfügbare Ambient-Modus an Bord, der den Fernseher wahlweise in ein Gemälde oder eine über-dimensionale Infozentrale für Wetter, Uhrzeit oder Nachrichten verwandelt. Besonders pfiffig: Fotografiert man die Tapete hinter dem Fernseher ab, so lässt sich dieses Motiv ruckzuck auf den Samsung übertragen, wodurch sich dieser fast unsichtbar in die Wohnzimmer-Kulisse integriert.

Achtung Aufnahme: Durch einen Druck auf das Scrollrädchen öffnet sich das Menü für Mitschnitte. Die Aufnahmedauer lässt sich individuell festlegen.

Selbst beim Einsteigermodell 55Q6FN kann man die Einrichtung alternativ zur Fernbedienung auch per Smartphone mittels „SmartThings“ vornehmen. Die Anwendung läuft auf Smartphones mit iOS- und Android-Betriebssystem und findet den neuen Fernseher auf Anhieb. Um die Eingabe eines WLAN-Passworts muss man sich nicht kümmern, ebenso registriert die Anwendung bereits belegte TV-Tuner.

Smarter Helfer: Per App verrät man dem TV die favorisierten Genres und Sender, damit diese in den Listen bevorzugt behandelt werden. Ebenso gelingt der Zugriff auf den Ambient-Modus.

Damit die Lieblingssender in der Programmliste ganz vorne landen, kann man diese per Fingertipp aussuchen. Der Aufruf des Ambient-Modus und das Verändern von Bildschirmmotiven gelingt ebenfalls ganz intuitiv über ein Mobilgerät.

„SmartThings“ findet Samsungs 55Q6FN auf dem Smartphone alleine im Netzwerk, die Einrichtung erfolgt über eine PIN.

Ein besonderes Komfortmerkmal des 55Q6FN ist dessen hohes Bedientempo. Das Tizen-Betriebssystem sorgt dafür, dass Menüs extrem flott wechseln, Apps und Mediatheken ohne Verzögerung starten und Fotos, Videos und Musik vom Media-Player sofort von USB-Sticks oder aus dem Netzwerk geöffnet werden. Auch der Bedienkomfort ist hoch: Innerhalb der beiden übereinander angeordneten Menüleisten findet man sämtliche Einstell-Optionen, die Quellen und das umfangreiche App-Angebot.

Tizen macht Spaß: Samsungs Betriebssystem ist übersichtlich gestaltet und einfach zu bedienen. Außerdem gefällt es durch sein hohes Arbeitstempo.

Alles andere als Standard in dieser Preisklasse ist die ausgeklügelte Sprachsteuerung. Diese beschränkt sich nicht auf das reine Fernsehen (Senderwechsel, TV-Programm, Aufnahme etc.), sondern enthält auch Einstellungen, Quellenwahl, die Wiedergabesteuerung von Aufzeichnungen, den Ambient-Modus, so genannte Lifestyle-Informationen (Zeit, Wetter) sowie das Starten von Apps oder die Navigation im Web-Browser.

Diese Galerie hat es in sich: Hat man den Q6 mit seinem Samsung-Konto verknüpft, so hat man Zugriff auf sämtliche Bilder und Videos vom Mobilgerät.

Bildqualität

Unsere Bildmessung beginnt mit einer positiven Überraschung: Das Display des Q6 ist erstaunlich hell, im HDR-Modus „Film“ liefert es bei Spitzlichtern satte 1.050 Candela. Selbst bei vollflächigem Weiß kommt der 55-Zöller immer noch auf knapp 700 Candela. Die Farbtemperatur „Warm2“ ist mit 6.591 Kelvin sehr exakt voreingestellt, „Warm1“ liegt mit 7.747 Kelvin etwas weiter vom Idealwert entfernt. Im UHD-Streifen „Lost in Space“ zeigt der Samsung in der Explosionsszene bei 3:29 Minuten, dass er auch bildschirmfüllend richtig hell agieren kann (ein klassisches OLED-Problem). Die Lichtfunken und Lichtblitze erleuchten für einen kurzen Moment die komplette Umgebung jenseits des Flachmanns.

Bild im Bild: Dank Doppel-Tunern kann man sich über jeden Empfangsweg zum Hauptbild einen zweiten Sender oben rechts klein einblenden lassen.

Sobald man nicht mehr frontal auf das Panel schaut, beginnen die Farben allerdings spürbar zu verblassen. In diesem Punkt sind die großen QLED-Brüder klar besser, von der OLED-Konkurrenz ganz zu schweigen. Die Gleichmäßigkeit der Panel-Ausleuchtung ist für ein Edge-Backlight-Gerät dieser Preisklasse ordentlich. Zwar kommen die schwarzen Filmbalken in dunkler Umgebung nicht an die Intensität von OLEDs heran, sind aber schön und gleichmäßig dunkel. Überzeugend ist der ANSI-Kontrast von 1.100:1, der Schwarzwert liegt bei soliden 0,024 cd/m2.

Lange Liste: Der Samsung reagiert auf etliche Sprachbefehle – welche zu seinem Repertoire gehören, kann man sich in der Bildschirm-Anleitung anzeigen lassen.

Im TV-Betrieb schießt der Samsung bereits im „Standard“-Modus ein beachtliches Farbenfeuerwerk ab, „Dynamisch“ sollte nur im direkten Sonnenlicht oder bei Freiluft-Betrieb aktiviert werden. Mehr Plastizität holt die „Kontrastverbesserung“ auf das Display – sie sollte mindestens auf „Gering“ stehen, „Hoch“ macht das Bild noch tiefer, jedoch kann es passieren, dass Gesichter unnatürlich wirken.

Präzise: Im SDR-Farbraum gelingen dem Samsung sehr viele exakte Treffer, das Farbsegel reizt der 55-Zöller voll aus, was sich in der Farbnatürlichkeit widerspiegelt.

Die Kulisse im „Aktuellen Sportstudio“ ist farbtechnisch facettenreich aufgebaut – kein Problem für den Samsung. Souverän deckt er ein breites Spektrum vom schwarzen Boden über ein kräftiges Blau im Hintergrund bis hin zu leuchtend roten Trikots der Zuschauer ab. Die Standardschärfe von „10“ sollte man etwas reduzieren – Gesichter können sonst mitunter überschärft wirken. Geht man etwas näher an den Fernseher heran, so erkennt man: Die Feinzeichnung gelingt nicht ganz so exzellent und präzise wie bei den teureren Modellen der QLED-Reihe.

Auf Kurs: Auch im DCI-P3-Spektrum zeigt der Q6 keine gravierenden Schwächen, bei Rot, Grün und Blau werden die Vorgaben der Farbreproduktion voll erfüllt.

Die Soundcharakteristik des Samsung ist etwas metallisch. Mehr Bass und ein wärmerer, etwas homogenerer Klang wären wünschenswert.

Der Testbericht Samsung 55Q6FN (Gesamtwertung: 80, Preis/UVP: 1300 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

80 sehr gut

Auch Samsungs Einsteiger-QLED 55Q6FN liefert eine enorme Helligkeit, natürliche Farben und ein flottes Betriebssystem. Der Preis ist angesichts des guten Bildes und der ordentlichen Ausstattung fair. Abzüge gibt es für die eingeschränkte Blickwinkelstabilität. Eine zusätzliche Soundbar tut dem Samsung-QLED im Wohnzimmer gut.
Jochen Wieloch

Diesen Artikel teilen

Antworten