Quadral Platinum+ (Test)

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Fürs Auge bietet das Platinum+ Set von Quadral edle, unscheinbare
Formen. Ist der akustische Auftritt von gleicher Eleganz?

Wer der Meinung ist, dass in Sachen Lautsprecher-Technik alles schon erfunden ist, sollte sich einmal das Programm von Quadral aus Hannover anschauen – und sich eines Besseren belehren lassen. Beispielsweise anhand der neuen Boxen-Serie Platinum+: Auf den ersten Blick kommen die zusammen 5.300 Euro teuren Mitglieder zwar eher konventionell daher, schaut man aber genauer hin, sind etliche interessante und technisch innovative Detaillösungen zu entdecken.

Die Anschlussterminals der Platinum+ Boxen beeindrucken durch äußerst stabile Schraubklemmen. Mit dem Schalter ist der Hochtonpegel in drei Stufen anpassbar.

Technik

Das gilt beispielsweise für die durchweg verwendeten Hochton-Chassis: Die RiCom+ genannten Chassis strahlen nicht über eine konus- oder kalottenförmige Membran ab, sondern verwenden dazu einen aus Titanfolie geformten Ring mit 5 Millimetern Breite und einem Außendurchmesser von 30 Millimetern. Er besteht aus dünner Titanfolie, die eine V-förmige, nach innen weisende Prägung besitzt. An der Kante der Prägung ist die Schwingspule montiert. Auf diese Weise teilt die Schwingspule die ohne-hin schmale Membran noch einmal in zwei Bereiche auf, was Materialresonanzen zuverlässig in den Frequenzbereich weit oberhalb von 20 kHz verschiebt. Dort stören sie die Klangqualität nicht mehr. Durch die leichte Titanmembran soll der Hochtöner sogar eine obere Grenzfrequenz von 48 Kilohertz schaffen.

Quadral montiert die RiCom-Hochtöner zudem nicht einfach flach in die Schallwand, sondern setzt ihnen ein – sogar recht großes – Waveguide vor, das ins Holz der Front eingefräst ist. Damit soll sich vor allem das Rundstrahlverhalten am Übergang zu den Tief-/Mitteltönern bei 3 Kilohertz an das der größeren Chassis besser anpassen.

Bei der Frontbox Platinum+ five setzt Quadral deren zwei mit jeweils 13 Zentimetern Durchmesser ein. Sie nehmen den Hochtöner in so genannter d´Apollito-Anordnung in die Mitte. Als Membranmaterial setzt der Hersteller bei ihnen das aus der Top-Serie Aurum stammende Altima ein, das gegen Partialschwingungen praktisch immun sein soll. Unter 180 Hertz übernimmt der in eine Seitenwand integrierte Tieftöner mit 18 Zentimetern Durchmesser das Bassgeschehen – eine ungewöhnliche, aber der schlanken Optik äußerst zuträgliche Lösung.

Ebenfalls nicht alle Tage sieht man, wie Quadral beim Center Platinum+ one die Basswiedergabe der beiden 13er-Tief-/Mitteltöner unterstützt: mit zwei gleich großen Passivmembranen auf der Oberseite nämlich, einer hochwertigeren Abwandlung der Bassreflex-Technik.

Passivmembran im Center

Center-Lautsprecher müssen nicht zwingend echten Tiefbass erzeugen, sollten aber menschliche Stimmen in vollem Umfang wiedergeben können, was etwa auf eine untere Grenzfrequenz von 80 bis 100 Hertz hinausläuft. Das ist realistisch betrachtet mit kleinen Tiefton-Chassis nur zu schaffen, wenn man Bassreflex-Gehäuse einsetzt. Um deren bekannten Problem, nämlich Luftgeräuschen bei erhöhtem Pegel, aus dem Weg zu gehen, hat Quadral beim Center Platinum+ one zwei Passivmembranen auf die Oberseite gesetzt und sie mit einer verklebten Stoffabdeckung vor Zugriff – und Blicken – geschützt. Dabei handelt es sich um Zusatz-Membranen ohne Antrieb (deshalb Passiv-Membran), die vom Schall innerhalb der Box in Schwingungen versetzt wird. Stimmt man diese Membranen in Größe und Resonanzfrequenz sauber ab, so unterstützt sie das aktive Chassis im Bassbereich in ähnlichem Umfang wie eine Bassreflexöffnung. Der Erfolg: Ein Frequenzgang, der sehr linear bis 100 Hertz verläuft. Darunter fällt er allerdings sehr steil ab, ein Ergebnis der Abstimmung von Tieftöner, Gehäuse und Passivmembranen.

Unter der Abdeckung auf der Oberseite des Quadral-Centers verbergen sich zwei Passiv-Membranen zur Bassunterstützung.

Dagegen nehmen sich die Surroundboxen Platinum+ two mit ihrem 16-Zentimeter-Tieftöner und dem RiCom-Hochtöner sowie der rückwärtigen Bassreflexöffnung geradezu konventionell aus.

Allen Modellen gemeinsam ist das hochwertige Anschlussterminal mit seinen stabilen Schraubklemmen. Auf eine Biamping-Option verzichtet Quadral, was dem Set aber schwerlich zum Nachteil gereichen dürfte, denn sie wird in der Praxis so gut wie nie genutzt. Durchaus praxisgerecht dagegen ist der Hochton-Schalter, mit dessen Hilfe man die Lautsprecher an unterschiedlich gedämpfte Räume und den eigenen Hörgeschmack in drei Stufen anpassen kann. Die Funktion dieser Schalter muss der Anwender selbst herausfinden, sie werden in den Anleitungen leider nicht erwähnt.

Der zum Set mitgelieferte Subwoofer ist ein alter Bekannter: Wir haben den Qube 10 als Downfire-Konstruktion, deren 25-Zentimeter-Chassis zum Boden hin abstrahlt, in guter Erinnerung. Vier massive Füße sorgen bei ihm für den passenden Abstand der Membran zum Boden. Der Bassreflex-schlitz auf der Rückseite oberhalb des Bedienfeldes sorgt für Nutzung auch des ins Gehäuse hineingestrahlten Schallanteils. Für den leistungsstarken Antrieb des Chassis ist die integrierte Digital-endstufe mit 200 Watt zuständig.

Tonqualität Surround

Ein durchweg gutes Bild bot das Quadral-Set im Messlabor: So zeigen die Frequenzgänge allesamt nur geringe Welligkeiten und verlaufen erstaunlich linear. Bemerkenswert, wie weit die Stand-boxen Platinum+ five schon allein in den Basskeller reichen! Mit Subwoofer geht es dann hinunter bis knapp 30 Hertz. Immerhin schafft der nicht allzu große Sub dazu einen Maximalpegel von 101 Dezibel, was auch erhöhtem Heimkinopegel keine Steine in den Weg legen sollte.

Das Rundstrahlverhalten des Centers allerdings könnte besser sein, es zeigt im Mitteltonbereich schon bei geringen Winkeln Einbrüche. Die richtig guten Messwerte haben natürlich hohe Erwartungen an den Klang des Sets geweckt. Und die können die Quadrals mit Bravour erfüllen: Schon unser erster Eindruck lässt positiv aufhorchen: Das Set spielt sehr verfärbungsarm und neutral, mit präziser räumlicher Abbildung. Auch bei intensiverem Hineinhören bleibt dieses Ergebnis stehen und wird durch eine richtig gute Feinauflösung bei luftig bleibendem Klangbild ergänzt. Toll beispielsweise, wie das Set Aaron Cop-lands „Appalachian Spring“ der San Francisco Symphony in Breite und Tiefe auffächert und auch große Dynamiksprünge locker mitmacht. Aber nicht nur Feinsinniges, auch die grobe Kelle beherrscht das Set, beispielsweise die von Marvel-Superheld „Iron-Man“. Auch einen beherzten Rechtsdreh am Lautstärkeregler quittiert es mit lockerem, impulsivem sowie basskräftigem Spiel. Daran hat der Qube 10 einen nicht unbedeutenden Anteil, er integriert sich zwar äußerst dezent und bruchlos ins Gesamtklangbild, schiebt aber auf Anforderung – wenn beispielsweise bei „Terminator – die Erlösung“ der Flugdroide über der Brücke auftaucht – auch satten Tiefbass-Pegel mühelos in unseren Hörraum.

Tonqualität Stereo

Im Zweikanal-Betrieb darf der Subwoofer dann getrost ausgeschaltet bleiben, die Standboxen überzeugen mit einem voluminösen und pegelstarken Bassbereich. Auch hier punkten die Quadral-Speaker mit extrem sauberem und fein aufgelöstem Spiel, dem es zudem in keiner Weise an Emotionalität und Spannung fehlt.  Die geschmeidige Präzision und Räumlichkeit, mit der sie beispielsweise Bonnie Raitts „Nick of Time“ zu Gehör bringen, machen großen Hunger auf mehr.       

         

Der Testbericht Quadral Platinum+ (Gesamtwertung: 89, Preis/UVP: 5300 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

89 sehr gut

Optisch wie akustisch zieht das Platinum+ Set von Quadral klare Kante. Die sehr elegant gestalteten Lautsprecher lassen sehr natürliche, aber trotzdem dynamische und emotionale Töne erklingen, denen es auch nicht an Feinauflösung fehlt.
Michael Nothnagel

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