Quadral Aurum-Set (Test)

0

Die Aurum-Serie von Quadral besteht nicht nur aus fast unbezahlbaren Boxen-Boliden. Wir haben uns eine verhältnismäßig günstige Zusammenstellung angehört. 

Die Aurum-Lautsprecherserie von Quadral hat bei uns die Messlatte hochgelegt: 2017 erreichte ein Set dieser Baureihe 96 Punkte. Mit 37.500 Euro kostet es allerdings so viel wie ein VW Passat. 30.000 Euro günstiger kommt dieses Aurum-Set daher. Trotz der Preisdifferenz ist die Basis-Technologie die Gleiche. Der Spareffekt soll hauptsächlich durch Verzicht auf Maximalpegel und weniger aufwändige Gehäuse entstehen.

Technik

Als Frontlautsprecher kommen zwei Aurum 9 Orkan zum Einsatz, stattliche Standboxen mit je zwei 18-Zentimeter-Tieftönern. Statt der aufwändigen Druckkammer-Bauweise der teureren Modelle setzt der Hersteller hier auf ein Bassreflex-System. Das mit sieben Zentimetern Durchmesser recht stattliche Reflexrohr sitzt auf der Rückseite des Gehäuses. Der Boden ist unter einem kleinen Winkel angebracht, so dass sich die Box leicht nach hinten neigt. So strahlt der Hochtöner bei einem Hörabstand von drei Metern auf die Ohren der Zuschauer bzw. Zuhörer statt darunter, wie es bei einer rechteckig angebrachten Bodenplatte der Fall wäre.

Die Quadral-Tief- und Mitteltonchassis sind mit einem stabilen Alu-Korb ausgerüstet. Die Streben wurden strömungsgünstig geformt, um Luftverwirbelungen nicht zuzulassen.

Als Membranmaterial verwendet Quadral Altima, eine Legierung aus Aluminium, Titan und Magnesium. Sie soll einen optimalen Kompromiss aus Steifigkeit und Dämpfung bieten. Die Schwingeinheiten sind als Vollmembran geformt und benötigen keine Staubschutzkalotte und deren potenziell problematische Klebestelle. Auch beim sonstigen Aufbau der Chassis setzt der Hersteller auf Qualität: Ihr Korb besteht aus stabilem Aluminium-Druck, dessen Streben zudem besonders strömungsgünstig ausgelegt wurden, um Luftverwirbelungen auszuschließen.

Seit der ersten Generation der Aurum-Serie verwendet Quadral als Hochtöner eine Folien-Konstruktion. War es am Anfang noch eine magnetostatische Variante von Panasonic, kommt mittlerweile ein echtes Bändchen mit Aluminiumfolie als Membran zum Einsatz. Den fertigt Quadral in Hannover selbst. Der gefaltete Aluminiumstreifen fällt bei diesen quSense-Hochtönern breiter und kürzer aus als bei anderen Konstruktionen. Das sorgt sowohl für ein besseres vertikales Abstrahlverhalten als auch eine größere Belastbarkeit.

Bei der Phase R6 ist die Wandhalterung gleich integriert. Zur problemlosen Verkabelung sind in die Rückseite passende Nuten eingefräst.

Der Center Aurum Base 9 bringt links und rechts neben den quSense-Hochtönern je einen 15-Zentimeter-Tieftöner mit, die auf ein geschlossenes Gehäuse arbeiten. Als Surrounds dient ein Paar Phase R6, die zwar nicht zur Aurum-Serie gehören, sich aber durch Abstimmung und Abstrahlverhalten perfekt ins System einpassen sollen. Die Chassis-Technik dieser als Wandspeaker konzipierten Boxen ist etwas einfacher gehalten, bietet aber ebenfalls ein Hochton-Bändchen, das auch hier zwischen zwei 15-Zentimeter-Tieftönern angeordnet ist.

In Sachen Hochtöner haben Lautsprecher-Entwickler die Qual der Wahl: Kalotte, Air Motion Transformer, Magnetostat, Bändchen, Horn – in keinem anderen Frequenzbereich ist die Auswahl so groß. Sascha Reckert, Entwicklungsleiter bei Quadral, hat sich bei der Aurum-Serie für das Bändchen entschieden. Das dürfte in erster Linie traditionelle Gründe haben, waren doch schon die ersten Aurum-Boxen mit Folien-Hochtönern ausgerüstet. Die Auswahl hat aber auch technische Gründe: Bei einem Bändchen-Treiber dient als Schwingeinheit eine hauchdünne und entsprechend leichtgewichtige Folie aus Aluminium. Impulse schnell und genau zu verarbeiten, ist für eine solche Membran kein Problem.
Allerdings ist die technische Umsetzung nicht einfach: Die Alu-Folie wird nämlich vom treibenden Strom aus dem Verstärker durchflossen und muss, um hörbaren Schall zu erzeugen, in einem kräftigen Magnetfeld aufgehängt werden. Meist wird sie zudem noch ziehharmonikaförmig gefaltet, damit sie elastisch wird und auch größere Hübe ausführen kann. Neben dem geringen Gewicht hat eine solche Konstruktion auch den Vorteil, dass hier der Antrieb direkt und vollflächig auf das schallabstrahlende Element wirkt, anders als bei einer Kalotte, wo die angetriebene Schwingspule meist über eine Klebestelle an der Membran befestigt werden muss und diese nur genau dort in Bewegung versetzt.

Den Bändchenhochtöner hat Quadral nicht nur selbst entwickelt, sondern fertigt ihn auch in der Firmenzentrale in Hannover.

Es gibt natürlich auch Nachteile: Zum einen muss der Magnet kräftig ausfallen, um nennenswerten Schalldruck zu erzeugen. Außerdem kommen übliche Verstärker ohne weitere Maßnahmen nicht mit einem solchen Bändchen zurecht, denn sein elektrischer Widerstand liegt im Zehntel-Ohm-Bereich und stellt somit praktisch einen Kurzschluss dar.
Um dieses Problem zu umgehen, schaltet man üblicherweise einen Übertrager vor, der die geringe Impedanz der Folie auf verstärkerverträgliche Werte übersetzt. Das erhöht die Kosten, denn um verzerrungsarm zu arbeiten, muss der Übertrager speziell auf diesen Zweck optimiert werden und enthält einiges an Eisen und Kupferdraht. Quadral kauft diese Technologie übrigens nicht zu, sondern fertigt die eigenen Bändchenhochtöner in Hannover selbst.

Der stämmige Subwoofer Qube 12 konnte schon bei anderen Quadral-Sets seine Qualitäten unter Beweis stellen. Sein 30-Zentimeter-Chassis strahlt zum Boden hin und weist eine steife Papiermembran auf, die große Hübe ausführen kann. Die als Schlitz über die gesamte Gehäusebreite gestaltete Bassreflexöffnung integrierte Quadral auf der Rückseite oben. Das Anschlussfeld darunter trägt als Besonderheit einen symmetrischen Eingang mit einer XLR-Buchse. Das macht insbesondere bei Subwoofern Sinn, die von der Anlagen-Elektronik meist weit entfernt stehen und lange Anschlusskabel benötigen.

Tonqualität Surround

Die üppige Membranfläche und die große Hubfähigkeit setzte der Qube 12 in äußerst achtbare Werte um: 105 Dezibel Maximalschalldruck und eine untere Grenzfrequenz von 27 Hertz lassen für den Hörtest einiges erwarten. Die Frequenzgänge von Frontboxen, Center und Surrounds verlaufen sehr linear, die kleineren Unregelmäßigkeiten beeinträchtigen den Klang nicht. Die Orkan reichen schon allein weit in den Basskeller – für eine Box dieser Größe ziemlich ungewöhnlich. Das Rundstrahlverhalten des Centers weist erkennbare Einbrüche im Mitteltonbereich auf, der beste Hörplatz bei ihm ist daher die Mitte.

Der Einstieg in den Hörtest gelang dem „kleinen“ Aurum-Set wie selbstverständlich. „Listen Up“ von Omar Hakim erklingt entspannt, detailliert und auch bei XXL-Pegeln unangestrengt. Die Positionen der Instrumente im Raum sind da, wo sie hingehören, und bleiben auch unverrückbar an Ort und Stelle, selbst wenn Bassdrum und Bassgitarre für kraftvolle Pegelschübe sorgen.

Ob beim „Ice Age“-Geysirfeld oder den Androiden in „Terminator – die Erlösung“, das Set bringt auch tiefste Frequenzen mit fest umrissener Kontur und großem Nachdruck zu Gehör. Hier beweist der Qube 12 aktiv seine Fähigkeiten und integriert sich ansatzlos ins Gesamtgeschehen. Auch bei sanfteren Klängen wie Gershwins „They can´t take that away from me“, dargeboten von Jane Monheit und John Pizarelli, überzeugt das Aurum-Set. Es klingt neutral, bleibt dabei aber immer musikalisch und beeindruckt mit feinster Detailauflösung.

Tonqualität Stereo

Wie von den Messwerten vermutet, benötigt die Aurum Orkan keinen Subwoofer, um im Stereobetrieb zu faszinieren. Spielt Dire Straits-Bassist John Illsley sein „Railway Track“, schüttelt das Boxen-Paar die Bässe äußerst locker aus dem Ärmel und positioniert wie nebenbei alles sauber im Stereo-Panorama. Dreht sich dann „Jazz at the Pawnshop“ im CD-Spieler, beeindrucken zudem die selbstverständliche Live-Atmosphäre und die vielen feinen Details. Besser geht es kaum.

       

             

Der Testbericht Quadral Aurum-Set (Gesamtwertung: 89, Preis/UVP: 7500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 7-2019 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

89 sehr gut

Das Einsteiger-Set von Quadrals Aurum-Serie bringt viel Technik der großen Boliden mit und kostet nur einen Bruchteil. Es begeistert mit seiner exzellenten Detailauflösung und stabilen Raumabbildung.
Michael Nothnagel

    Antworten