Pioneer VSX-LX504 (Test)

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Pioneer: Der neue Geber liegt dank runder Ecken angenehm in der Hand. Große und logisch gegliederte Tasten erleichtern die Bedienung.

Natürlich ist der VSX-LX504 nicht der erste AV-Receiver mit IMAX Enhanced an Bord, das waren bekanntlich Geräte von Denon und Marantz. Für Pioneer stellt das IMAX-Feature dennoch eine Premiere dar, der VSX-LX504 sowie der kleine Bruder VSX-LX304 sind die ersten Klangzentralen der Japaner, die IMAX-optimierte Bild- und Toninhalte wiedergeben können bzw. werden: Denn zum Testzeitpunkt war die angekündigte IMAX-Firmware noch nicht verfügbar. Das Gleiche gilt auch für den neuen „Dolby Atmos Height Virtualizer“, der 3D-Sound aus Boxen-Sets ohne Höhenlautsprecher zaubern soll und damit Ähnliches leisten möchte wie DTS Virtual:X, das nicht mit an Bord ist.

Darüber hinaus grenzt sich der LX504 mit überschaubaren Neuerungen vom Vorgänger LX503 ab: Ein Novum ist die „Dialog Enhancer“-Funktion für eine verbesserte Sprachwiedergabe, die allerdings auf Kosten der Kanaltrennung geht (siehe Hörtest). Ferner lässt sich der Pioneer nun in ein Netzwerk mit Sonos-Geräten einbinden. Die Bedienung hat man um drei Nutzerprofile (siehe Bild unten) erweitert. Hinzugekommen ist zudem ein Zone B Line-out, der das Tonsignal der Hauptzone ausgibt, etwa an einen Drahtlos-Sender für Wireless-Kopfhörer.

Ausstattung und Technik

Ansonsten wurden alle Anschlüsse vom Vorgänger übernommen:  Wie gehabt ist das Video-Board mit 2 HDMI-Ausgängen und 7 HDMI-Eingängen kompatibel zu 4K/60p sowie den HDR-Standards HDR-10, Dolby Vision und HLG. Der Scaler wandelt ausschließlich 1080p-Signale nach UHD-Auflösung. Im Test verursachte die Hochrechnung jedoch leichte Doppelkonturen. Der rudimentäre Video-Equalizer funktioniert nur bei aktivem Upscaler und schärft das Bild („Super Resolution“) in 3 Schritten an.

Vollgepackt: 2 HDMI-Ausgänge und 7 HDMI-Eingänge (einer vorne) sind in der Preisklasse um 1.000 Standard. Dank 7.2.4-Pre-outs ist auch vollwertiger 11.2-Kanal-Sound möglich, aktiv befeuert der LX504 immerhin 9 Lautsprecher. Nur je ein Koax- und Toslink-Eingang sind etwas knapp bemessen. Vinyl-Fans freuen sich über die Phono-Buchse.

Positiv ist die Präsenz von 11.2-Pre-outs, womit sich vollständiger 7.2.4-Ton realisieren lässt. Die zwei Subwoofer darf man jedoch nicht getrennt regeln. Insgesamt werkeln 9 Endstufen im VSX-LX504, die je nach Konfiguration auch für die aktive Beschallung von zwei Nebenräumen genutzt werden können. Via Pre-outs darf man zudem eine dritte Hörzone passiv mit Tonsignalen versorgen. Das Boxensetup erlaubt die Justage der Pegel um optimale 0,5-dB-Schritte, Distanzen lassen sich aber nur in 3-Zentimeter-Einheiten verschieben;  besser wären 1-Zentimeter-Schritte. Ebenfalls suboptimal: Crossover-Frequenzen können nicht separat gesetzt werden, stattdessen muss man einmal für alle Boxen die Bass-Trennfrequenz definieren.

Mit 9 integrierten Endstufen befeuert der Pioneer VSX-LX504 aktiv 7.1.2- oder 5.2.4-Boxensets. Dank zusätzlicher Pre-outs ist unter Zuhilfenahme eines externen Stereo-Verstärkers jedoch auch 11.2-Ton möglich.

7.1.4: In der Maximal-Konfiguration werden die hinteren Height-Boxen von externen Verstärkern befeuert.

7.1.2: Alle Endstufen sind im Einsatz. Der Pioneer unterstützt auch „Top Middle“-Höhenboxen.

Höhenboxen können auch als Height- bzw. Add-On-Speaker (hier auf den Back-Rears) definiert werden.

Bei Nutzung von nur 5 Endstufen im Hauptraum kann man 2 Nebenzonen aktiv bespielen.

Bye bye, Cross-Format-Mixing

An Ton-Decodern gibt es wie üblich Dolby Atmos und DTS:X sowie deren Upmixer Dolby Surround und DTS Neural:X. Das beliebte Cross-Format-Upmixing ist gar nicht mehr möglich. Als Einmess-System birgt der VSX-LX504 das MCACC, das mit Pioneers bekannter „Phase Control“-Schaltung aufwartet, welche Phasen-Verzögerungen bei der Basswiedergabe zwischen allen Lautsprechern kompensieren soll. Auch ein Stehwellen-Filter (Anti-Dröhnschaltung) ist an Bord. In der aktuellen Variante misst das MCACC im LX504 bis zu 9 Hörpositionen ein. Zu den Tuning-Tools zählt neben diversen optionalen Klangfiltern (Theater, Sound Retriever, Midnight u.a.) auch ein 9-bandiger Equalizer, der sich zusätzlich zur Einmess-Automatik aktivieren lässt. Er greift aber erst ab recht hohen 63 Hertz, Ausnahme bilden die 4 Bänder für den Subwoofer, die zwischen 31 und 250 Hertz regeln. 

Die Vernetzung zu Musik erfolgt über AirPlay2, Bluetooth, DLNA, Chromecast, FlareConnect und DTS Play-Fi. Abgespielt werden auch Hi-Res-Dateien (ALAC, AIFF, FLAC, WAV, DSD) bis 192 kHz / 24 Bit. Fürs Radiohören aus dem Netz ist TuneIn zuständig, integriert wurden auch die Streaming-Dienste Spotify, Deezer, Tidal und Amazon Music. Die neue Fernbedienung verzichtet auf die spitzen Kanten des Vormodells und überzeugt zudem mit klarem Layout und großen Tasten.

Tonqualität

Im Messlabor offenbarte sich der LX504 mit hohen 7 x 94 Watt (6 Ohm) sowie je 122 Watt im 5-Kanalbetrieb (6 Ohm) als kräftigster Receiver unseres Testfeldes. Pioneers proprietäre „Direct Energy“-Verstärkertechnik verbraucht im Normalbetrieb durchschnittlich 329 Watt und damit viermal so viel wie der SC-LX502 (Test in 11-2017).

Im Hörtest begeisterte der Japaner mit seinem sehr lockeren, luftigen und transparenten Klang, ohne dabei scharf oder analytisch zu spielen. Im Gegenteil, der Sound kippte nie ins Harsche oder Stressige. Auch rockige Mucke von Steely Dan machte dank der klaren, knackigen und druckvollen Spielweise des LX504 viel Spaß. Die Einmessung lieferte plausible Ergebnisse und gab dem Mitteltonbereich etwas mehr Strahlkraft bzw. Farben mit. Phase Control ließen wir aktiviert, brachte die Schaltung doch einen Tick mehr Schub und Klarheit in die Tieftonwiedergabe. Astrein war auch der Atmos-Test mit Demo-Clips von Dolby: Der „Powerful Bass“ im „Amaze“-Clip drückte fast schon zu viel des Guten, Effekte lösten sich plastisch von den Boxen und spannten weite wie dynamische Klangfelder auf. In der 5.1.4-Konfiguration waren auch Höheneffekte plastisch und klar von oben bzw. über unseren Köpfen zu vernehmen.

Nutzerspeicher: Eingangswahl, Wiedergabemodus, Pegel und Multi Zone lassen sich individuell in drei Speichern ablegen und per Tastendruck wieder aufrufen.

Die „Midnight“-Schaltung zur Dynamik-Kompression funktionierte bei Dolby-Ton einwandfrei, sofern man im Grundmenü „Dolby Loudness Management“ aktiviert. Bei DTS-Streams zeigte die Schaltung dagegen keine hörbare Wirkung. Die neue, 5-stufige Dialog-Funktion für eine verbesserte Sprachverständlichkeit weicht die Kanaltrennung der drei Frontboxen auf, so dass Dialoge nicht mehr nur aus dem Center, sondern auch aus den Hauptlautsprechern tönen. Dies gilt jedoch auch für alle anderen Klanganteile des Center-Kanals – also Effekte und Musik. Sprache wird dadurch lauter und damit besser verständlich, im Gegenzug nimmt die Präzision jedoch deutlich ab.

Auch bei Stereo-Musik kamen die Tugenden des Pioneer zum Tragen. Dank hoher Durchhörbarkeit, Feinauflösung und Räumlichkeit holte er jede Art von Musik glaubhaft in die heimischen vier Wände.  Der „Sound-Retriever“ fügt dem Klang Bässe und Höhen für einen vollen und dynamischeren Sound hinzu, was in der Dynamik stark komprimierten Aufnahmen gut zu Gesicht steht.

Der Testbericht Pioneer VSX-LX504 (Gesamtwertung: 86, Preis/UVP: 1200 Euro) ist in audiovision Ausgabe 7-2019 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

86 sehr gut

Pioneers VSX-LX504 klotzt mit vielen Multiroom- und Vernetzungsmöglichkeiten, hoher Leistung und tollem Klang. 11.2-Processing und 9 Endstufen sind für 1.200 Euro ebenfalls top, was ihm den Testsieg beschert.
Andreas Oswald

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