Philips 55PUS8602 (Test)

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Die Tastatur auf der Rückseite der Philips-Fernbedienung erleichtert und beschleunigt Texteingaben. Sie funktioniert aber leider nicht in allen Apps bzw. Anwendungen.

Die OLED-TVs von Philips waren echte Volltreffer. An der LCD-Technik halten die Holländer trotzdem weiterhin fest – mit Erfolg, wie der neue 55PUS8602 beweist.

Während die meisten Hersteller jedes Jahr eine ganze Reihe an neuen TV-Geräten vorstellen, benötigte Philips für das Update – oder besser gesagt Upgrade – des PUS8601 (audiovision 4-2016) gut doppelt so viel Zeit. Dafür wurde beim 55PUS8602 nicht nur das Design, sondern auch die technische Ausstattung einer umfassenden Frischzellenkur unterzogen. Speziell im HDR-Bereich hat sich gegenüber früheren Modellen viel getan.

Ausstattung und Praxis

Mit seinem kantigen Gehäuse, dem vergleichs-weise dicken Displayrahmen aus dunkelgrau gebürstetem Aluminium sowie der magnetisch am Standfuß haftenden Soundbar passt der 55PUS8602 perfekt zum derzeit angesagten industriellen Einrichtungsstil. Das Highlight ist jedoch der Bildschirm, der jetzt – dank Quantum-Dot-Technik – einen deutlich größeren Farbraum abdeckt als der Vorgänger.

Spezialität bei Philips: Neben den Schnittstellen für HDMI, USB und Doppeltuner finden sich rückseitig zwei Subwoofer sowie 41 LEDs für nette Ambilight-Akzente.

Mit HDR-Quellen aktiviert der Philips 55PUS8602 den Bildmodus „Natürlich“, welcher eine eher kühle Farbtemperatur von 8.650 Kelvin und nicht besonders ausgewogene Farbtöne einstellt. Doch nach dem Wechsel auf den Bildmodus „Film“ oder „isf Tag“ sind wir fast wunschlos glücklich: Diese liefern neutrale Graustufen, natürlich satte Farben sowie noch etwas hellere Bilder. In Spitzlichtern (Zehn-Prozent-Weißfeld vor schwarzem Hintergrund) schafft der 55-Zöller satte 1.324 und im vollen Weißbild immer noch respektable 920 Candela. Bei starkem Umgebungslicht macht sich allerdings der schwache Hellraumkontrast von 329:1 bemerkbar: Düstere Szenen werden erst nach Einstellen einer helleren Gamma-Charakteristik gut durchgezeichnet.

Kraftvoll: In den Presets„Film“ sowie „isf Tag“ zeigt der Philips knackige HDR-Szenen. Bei starkem Auflicht verbessert ein helleres Gamma die Durchzeichnung.

Im Praxistest mit dem HDR-Film „Lucy“ punktet der Fernseher mit originalgetreuen und zugleich sehr intensiven Farben, die teilweise sogar leicht über das DCI-P3-Spektrum hinausreichen. Einzig entlang der Achse Rot-Gelb-Grün wirken sie etwas blasser und verfehlen die Norm knapp.

Weites HDR-Spektrum: Einige Farben übertreffen die DCI-P3-Vorgabe leicht. Doch entlang der Achse Rot-Gelb-Grün bleibt ein kleiner Bereich ausgespart.

Offensichtlich wurde auch das Edge-LED-Backlight modifiziert, zumal die Holländer mit dem „Ultra HD Premium“-Logo werben, für das eine Spitzenhelligkeit von 1.000 Candela nötig ist. Die Signalverarbeitung übernimmt die vom OLED-Bruder 55POS9002 (audiovision 11-2017) bekannte „P5 Perfect Picture Engine“.

Das dreiseitige Ambilight beleuchtet die Wand hinter dem Fernseher mit den im Bild vorherrschenden Farben – auf Wunsch leuchten die Dioden auch konstant einfarbig.

Abstriche muss man beim Ambilight hinnehmen: Statt über alle vier verteilen sich die LEDs beim neuen Modell nur über drei Seiten. Zudem fielen der zweite Tuner und CI+ Slot dem Rotstift zum Opfer. Dafür soll das Gerät bald, neben HDR10 und HLG, das dynamische HDR10+ Format unterstützen.

Sehr prägnant: Die schmale Soundleiste strahlt zum Hörer, zischelt aber leicht. Dezentere Höhen gibt es nach dem Wechsel vom Tonmodus „Persönlich“ auf „Film“.

Die beiden Subwoofer auf der TV-Rückseite verhelfen der schmalen Soundbar zu sattem Brustton. Dennoch könnte die Sprachwiedergabe klarer sein.

Bildqualität

Bereits im SDR-Betrieb gibt der Philips 55PUS8602 einen Vorgeschmack auf die hohe Leuchtkraft: Alle drei farbneutralen Bildmodi („isf Tag“, „isf Nacht“ sowie „Film“) erreichen satte Helligkeitswerte von 810 Candela (25 Prozent Weißfeld) respektive 760 Candela im vollflächigen Weißbild bei 6.530 Kelvin.

Lange Zeit war Amazon Video bei Philips‘ Android-TVs von der Bildfläche verschwunden. Nun ist der Streaming-Dienst endlich wieder an Bord – inklusive HDR-Angebot.

Grundfarben sowie Graustufen werden original-getreu reproduziert, obgleich diverse Nuancen etwas aus der Reihe tanzen. Im Preset „Film“ erweitert die dreistufige Funktion „Farboptimierung“ das für HDTV und Blu-rays maßgebliche BT.709-Spektrum stark, jedoch vermissen wir eine dezente Dosierung wie bei Sony.

Gut getroffen: Graustufen und Grundfarben passen exakt, die Nuancen dazwischen weichen aber etwas stärker ab. Dennoch kommt es zu keinen größeren Ausrutschern.

Lob gibt es für den satten Nativ-Kontrast sowie die mit HDR-Videos auf bis zu 1.324 Candela gesteigerte Leuchtdichte in Spitzlichtern. Der Punch dymamikreicher Filmszenen beeindruckt; ebenso die teilweise über das DCI-P3-Spektrum hinausgehenden HDR-Farben, die aber trotzdem natürlich wirken.

Farboptimierung: Schaltet man die Funktion ein, intensiviert der Philips PUS8602 die Farben deutlich. Zwischen den drei Stufen ist allerdings kein Unterschied erkennbar.

LCD-typisch gehen Helligkeit und Kontrast aus seitlicher Perspektive stark zurück, wohingegen die Farben kaum driften. Rasante Sportszenen zeichnet der Philips scharf durch und lässt auch die Rouletteräder aus dem „Casino Royale“-Intro original mit 24p rotieren. Die Bewegungsglättung „Perfect Natural Motion“ ist allerdings Geschmackssache, da sie selbst auf niedrigster Stufe zu stark eingreift und den klassischen Kino-Look beseitigt. 

Der Testbericht Philips 55PUS8602 (Gesamtwertung: 76, Preis/UVP: 2000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 4-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

76 gut

In der Preisklasse ist die „Ultra HD Premium“-Zertifizierung keine Selbstverständichkeit. Folglich sind die hohe Leuchtkraft sowie die brillanten Farben echte Highlights des Philips 55PUS8602. Abzüge gibt es für die schwache Blickwinkelstabilität und die (Android-typisch) vielerorts träge Bedienung.
Martin Ratkovic / Udo Ratai

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