Panasonic TX-65FZW954 (Test)

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Steuer-Doppelpack: Der kompakte Panasonic-Signalgeber besitzt ein Touchpad und ermöglicht Befehle per Sprache. Die große Fernbedienung ist hochwertig verarbeitet und hat beleuchtete Tasten.

Mit dem TX-65FZW954 hat Panasonic einen neuen 4.000 Euro teuren OLED im Programm, der optisch durch die integrierte Soundbar an das deutlich teurere Spitzenmodell TX-65EZW1004 (Test in audiovision 7-2017) erinnert. Das reine Panel ist gerade mal 4 Millimeter dünn, mit Anschlüssen kommt das Display auf eine Tiefe von 6,2 Zentimetern. Der von Technics entwickelte 80 Watt starke Klangriegel mit vier Tief-tönern, vier Mittel- und zwei Hochtönern wird schräg vor dem stabilen Standfuß montiert.

Ausstattung und Praxis

Bei der Ausstattung hat Panasonic nicht gegeizt: Neben den Twin-Tunern für Kabel, Satellit und DVB-T2 ist auch der TX-65FZW954 fit für TV>IP,  um Programme ins heimische Netzwerk unter anderem für Smartphones und Tablets einzuspeisen. Über Bluetooth-Audio-Link gelingt die Verbindung mit kabellosen Lautsprechern. Neben USB-Recording auf externe Festplatten unterstützt der 65-Zöller per App zahlreiche Komfort- und Tuning-Funktionen. Für perfekte Kalibrier-Ergebnisse ist der OLED CalMan-ready – die automatische Farb-Kalibrierung setzt allerdings spezielles Messequipment voraus.

Die kostenlose Panasonic-App „TV Remote 2“ erweitert den 65-Zöller um zahlreiche Komfort-Funktionen. Zum einen gelingt die Steuerung per Smartphone oder Tablet, sofern der Flachmann und die Mobilgeräte ins selbe Netzwerk eingebunden sind. Unter anderem hat man Zugriff auf sämtliche Quellen, die Lautstärke, den Elektronischen Programmführer, das Einstell-Menü, den Mediaplayer und das Ton-Setup. Aufnahmen lassen sich per Fingertipp realisieren und auf dem TV-Bildschirm abrufen. Über „Swipe & Share“ transportiert man Filme, Fotos und Musik vom Mobilgerät auf den 65FZW954. Dazu genügt es, das Video oder das Bild auf dem Smartphone oder Tablet aufzurufen. Jetzt einfach mit dem Finger nach oben wischen, und der Inhalt wird auf den Flat-TV gespiegelt. Wer regelmäßig Apps nutzt und sich in Streamingportalen tümmelt, dürfte die Rubrik „App Start­programm“ sehr schnell zu schätzen wissen. Hier sind die Anwendungen aufgelistet. Ein Fingertipp auf das Symbol von Maxdome, und schon öffnet sich das Filmportal auf dem TV. Ebenso kann man den Marktplatz durchstöbern, in dem Panasonic alle verfügbaren Apps gruppiert. Eine Besonderheit stellt der Bereich „Smart Calibration“ dar. Hier wählt man zunächst den Eingang – also den TV-Betrieb oder eine der vier HDMI-Buchsen – und anschließend den gewünschten Modus wie „Dynamik“, „True Cinema“ oder „Professionell 1“. Danach erscheint auf dem Mobilgerät ein Farbsegel. Die Farbpunkte Blau, Magenta, Cyan, Grün, Gelb und Rot lassen sich antippen und verschieben. Zudem kann man Einfluss auf das Bild über die drei Regler „Hue“, „Saturation“ und „Luminance“ nehmen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, das Farb-Remastering zu aktivieren und zwischen den Farbräumen „Rec.709“, „Native“, „EBU“, „Rec.2020“ oder „DCI“ zu wechseln. Alle Veränderungen werden sofort sichtbar. Zu den zusätzlichen Einstell-Optionen per App gehören die Gammakurve, der detaillierte Farbabgleich, die Farbtemperatur, die Rauschunterdrückung sowie der Weißabgleich.

Alles im Griff: Über die App „TV Remote 2“ steuert man nicht nur den Fernseher und das App-Angebot. Bequem lässt sich der Fernseher über das Farbsegel oder über die Gammakurve für jede Quelle kalibrieren.

Top ausgestattet: Der Panasonic besitzt unter anderem einen Komponenteneingang und Doppel-Tuner für den Empfang von Sat-TV, DVB-T2 und Kabelfernsehen.

Eine flotte und intuitive Bedienung erlaubt My Home Screen 3.0. Die Benutzeroberfläche ist sehr übersichtlich und aufgeräumt und lässt sich schnell mit den Symbolen der Lieblings-Anwendungen bestücken – etwa mit Streaming-Apps, dem Kalender oder den TV-Logos. Tippt man auf das Cursor-Kreuz nach unten, legt der Panasonic alle empfangbaren Sender waagerecht mit aktuellem Titel und einer Live-Vorschau im unteren Drittel auf den Schirm. So findet man schnell das Lieblingsprogramm. Das App-Angbot  ist groß, die Ladezeiten von Portalen oder Mediatheken sind kurz.

Bedienungsanleitung an Bord: Über die Stichwort­suche findet man Hilfe zu fast jedem Problem, beispielsweise wie man die USB-Festplatte in Betrieb nimmt.

Steuerung per Sprache

Neben dem klassischen Steuerstab mit robuster Aluminium-Oberfläche und beleuchteten Tasten liefert Panasonic seinen OLED mit einer zweiten, kompakten Fernbedienung aus. Schön, dass man so Sprachbefehle geben und per Touchpad navigieren kann. Schade, dass man dafür zu einer zweiten Fernbedienung greifen muss. Ein Druck auf das Mikrofon-Symbol genügt, und man kann die Lautstärke verändern, zum nächsten oder vorherigen Sender springen oder sich einen speziellen TV-Kanal direkt wünschen. Das stimmliche Durchforsten von Videoportalen gelingt bislang nur bei YouTube. Um sich einen groben Überblick über das kommende TV-Programm zu verschaffen, reicht der Befehl „Zeige Krimi“ oder „Zeige Sport“ – Sendungen aus dem entsprechenden Genre listet der Panasonic dann auf.  Da die Mikrofon-Taste weder beleuchtet noch konturiert ist, sondern plan in die Oberfläche des Signalgebers eingebettet ist, kann man ihre Lage im Dunkeln nur erahnen.

Übersichtliche Benutzeroberfläche: My Home Screen 3.0 lässt sich individuell anpassen und mit den Anwendungen belegen, die man am häufigsten braucht.

Der Mediaplayer spielt viele verschiedene Formate ab, der Funktionsumfang ist allerdings überschaubar. Fotos werden mit Musik hinterlegt und lassen sich drehen, 360-Grad-Ansichten sind hingegen nicht möglich.

Bildqualität

Das erste Wow lässt beim TX-65FZW954 nicht lange auf sich warten. Gerät einrichten, DVB-T-Antenne dran, Bildmodus „Normal“ wählen, und schon kann der OLED beim Nachmittagsprogramm überzeugen, ohne im Menü Hand anlegen zu müssen. Die Cinemascope-Balken beim Spielfilm sind pechschwarz. Der dunkle Anzug des „Tagesschau“-Sprechers zeigt jede Naht, jede Kontur und jeden noch so winzigen Schatten. Und die Serie „Rote Rosen“ begeistert durch satte und natürliche Farben sowie knackige Schärfe. Tageslicht im Wohnzimmer stellt kein Problem dar, notfalls wechselt man bei strahlendem Sonnenschein in den „Dynamik“-Modus. Das Panel ist gut entspiegelt, störende Reflexionen gibt es kaum.

Alles im Lot: Nur bei den Orangetönen leistet sich der 65-Zöller von Panasonic minimale Ausreißer.

In den zahlreichen düsteren Sequenzen der UHD-Blu-ray „Life“ zeigt der 65-Zöller eindrucksvoll die Vorteile, die sich durch die Reduzierung der einzelnen Kalibrierungsstufen im dunkelsten Punkt der RGB- und der Gamma-Skala ergeben. Die Abstufungen von Schwarz zu Grau sind ungemein detailliert, selbst Schatten ist hier nicht mehr gleich Schatten, denn in diesem Punkt unterscheidet der Panasonic sehr penibel. Dies wird auch durch das neue Dynamic LUT-System (Look Up Table) erzielt. Der im OLED verbaute HCX-Prozessor ist damit in der Lage, das durchschnittliche Helligkeitslevel jeder einzelnen Szene zu kontrollieren. Sogar in dunkel-grauen Passagen erkennt man so feinste Maserungen und unterschiedlichste Farbverläufe.

Vorbildlich: Im HDR-Betrieb deckt der TX-65FZW954 das DCI-P3-Spektrum vollständig ab.

Im von uns bevorzugten HDR-Modus „Professionell 1“ kommt der 65FZW954 auf gute 795 Candela im 10-Prozent-Weißfeld. 320 Candela sind es bei 50 Prozent, bei vollflächigem Weiß stürzt der Wert OLED-spezifisch auf 167 Candela. Mit 6.410 Kelvin ist die Farbtemperatur optimal voreingestellt, der exzellente Schwarzwert von 0,017 Candela untermauert, dass der Panasonic perfekt geeignet ist für Heimkino-Abende in stockfinsterer Umgebung. Die Blickwinkelstabilität gibt ebenfalls keinen Anlass zu Kritik, die Bildqualität verringert sich erst dann sichtbar, wenn der Winkel ohnehin so spitz ist, dass man vom äußeren Sitzplatz im Wohnzimmer nicht mehr viel vom Display-Inhalt erkennen kann. Vertical Banding (minimal abgedunkelte von unten nach oben durch das Bild laufende Balken) ist im Gegensatz zu den von LG gefertigten 2017er-OLED-Panels bei der neuen Generation kein Thema:  Das OLED-Display strahlt extrem gleichmäßig.

Tonqualität

Mit aktivierter Bass-Verstärkung poltert der Panasonic beziehungsweise die integrierte Soundbar ganz schön los. „Kino Surround-Pro“ erzeugt zudem eine angenehme räumliche Klangkulisse. Gerade aus Actionstreifen holt der Flachmann so deutlich mehr heraus als Mitbewerber mit dezenten rückseitigen Boxen. Die Maximallautstärke reicht locker aus, um auch größere Wohnzimmer zu beschallen. Über einen Equalizer kann man – optional zu den Modi „Standard“, „Musik“, Sprache“ und „Stadion“, den Ton individuell anpassen.

Der Testbericht Panasonic TX-65FZW954 (Gesamtwertung: 88, Preis/UVP: 4000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 8-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

88 sehr gut

Die Detailtreue des TX-65FZW954 ist phänomenal. Ebenso kann der 65-Zöller mit seiner natürlichen Farbwiedergabe und insgesamt brillanten Bildern überzeugen. Auch beim Ton gehört der Panasonic zu den Besten seiner Zunft. Ausbaufähig ist hingegen die Sprachsteuerung – auf die zweite Fernbedienung würde man ebenfalls gerne verzichten.
Jochen Wieloch

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