Onkyo TX-RZ820 (Test)

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Onkyo: Die handliche und übersichtliche Fernbedienung des TX-RZ820 verzichtet auf einen Ziffernblock. Dafür sind die Volume-Tasten frei positioniert.

Onkyos AV-Receiver der RZ-Baureihe gibt es inzwischen in der dritten Generation, zu der auch das Mittelklase-Modell TX-RZ820 gehört. Da stellt sich die Frage: Was gibt‘s Neues?     

Die gute Nachricht zuerst: Mit 1.200 Euro ist der RZ820 genau 100 Euro günstiger als sein Vorgänger (Test in 7-2016) und widersetzt sich damit dem Teuerungstrend. Das freut natürlich den Geldbeutel, weckt aber auch Befürchtungen: Hat Onkyo etwa den Rotstift gezückt?

Ausstattung und Praxis

An der Material- und Verarbeitungsqualität haben die Ingenieure jedenfalls nichts eingespart. Der 14 Kilo-Receiver kommt mit schicker Frontblende aus Aluminium samt aus dem Vollen gefräßter Alu-Klappe daher. Das Gehäuse wirkt robust, ist fehlerfrei verarbeitet und scharfe Kanten glänzen durch Abwesenheit. Auch kosmetische Veränderungen gab es nicht, bis auf den Namensschriftzug lässt sich der TX-RZ820 praktisch nicht vom Vorgänger unterscheiden.

Unter der Klappe verbergen sich Tasten zur Gerätesteuerung, ein HDMI-Eingang sowie Kopfhörer- und Mikrofonbuchse. Das große Lautstärkerad läuft satt und rund, ist aber nicht besonders griffig. Links gibt es praktische Regler zur schnellen Einstellung der Klangprogramme sowie von Bass und Treble. Rechts warten in Reih und Glied Tasten zur Eingangswahl, die aber recht klein ausfallen, was auch der Leserlichkeit der Beschriftung nicht gerade förderlich ist.

Von den 11 Lautsprecher-Anschlüssen des Onkyo können nur 7 gleichzeitig aktiv sein. Dank entsprechender Pre-outs versorgt der TX-RZ820 auch 2 weitere Hörzonen mit Signalen – einer von diesen kann der zweite HDMI-Ausgang zugeordnet werden. 2 ausklappbare Antennen sorgen für stabiles WLAN und Bluetooth.

Bei den Anschlüssen auf der Rückseite erspähen wir die erste Sparmaßnahme: Aus ehemals 7 wurden 6 HDMI-Eingänge. Die restlichen Buchsen sind jedoch identisch und auch die Phono-Platine blieb erhalten. Zum analogen Radioempfang lassen sich AM- und FM-Antennen anschließen. Auf den immer beliebter werdenden DAB+ Tuner hat Onkyo beim TX-RZ820 allerdings verzichtet, er steht daher auf unserer kurzen Wunschliste – gleich neben einem 11-Kanal-Processing. Denn damit kann der neue Onkyo nicht dienen: Aufgrund seiner 7 Endstufen beschallt der TX-RZ820 maximal 7.2- bzw. 5.2.2-Boxen-Sets mit 2 Höhenkanälen. 7.2.2- oder 7.2.4-Konfigurationen sind wegen fehlender Pre-outs nicht möglich.

Mit seinen 7 verbauten Endstufen befeuert der Onkyo TX-RZ820 standardmäßig ein 7.2- oder ein 5.2.2-Boxensetup. Dank 11 Lautsprecherklemmen können zwar 2 Höhen- und 4 Surround-Boxen gleichzeitig verkabelt werden. Sind aber bei 3D-Ton die Höhenboxen aktiv, bleiben die Back-Surrounds stumm. Umgekehrt gilt dasselbe: Liegt ein normales 7.1-Signal an, schaltet der Onkyo die Höhenboxen ab und befeuert alle 4 Surround-Speaker.

Über die „Q“-Taste der Fernbedienung gelangt man ins „Kurzmenü“ des Onscreen-Displays, wo im Reiter „Sonstige“ unter „Lautsprecher-Layout“ zwischen aktiven Höhen- oder Back-Surround-Boxen gewählt werden muss. Beides zusammen geht nicht.

Mit der Quick-Taste „Q“ auf der Fernbedienung kann man über das Onscreen-Display zwischen der Höhen- und Back-Rear-Ausgabe wählen, je nach Wunsch aktiviert beziehungsweise deaktiviert der Onkyo das entsprechende Boxenpaar – und das unabhängig vom eingehenden Signal. So lässt sich zum Beispiel über den Dolby-Surround-Upmixer aufgeblasene Stereo-Musik wahlweise mit Höhen-Speakern oder zugeschalteten Back-Surround-Boxen hören.

Natürlich wollten wir auch wissen, ob sich der Onkyo dank 9 Vorverstärkerausgängen auf ein Atmos-Setup mit 7.1.2-Kanälen erweitern lässt, im Boxenkonfigurationsmenü wird diese Option angeboten. Doch wie beim TX-RZ810 verhieß die Buchsenbeschriftung der entsprechenden Pre-outs mit „BACK or HEIGHT“ nichts Gutes: So legt auch der TX-RZ820 bei aktivierten Höhenboxen das Höhensignal auf die Pre-outs, bei aktivierten Back-Surround-Boxen das Back-Rear-Signal. Daher bleibt es bei der Qual der Wahl zwischen 7.1- oder 5.1.2-Kanälen.

Nicht genutzte Endstufen können auch für die aktive Beschallung eines zweiten Hörraum oder das Bi-Amping der beiden Hauptlautsprecher genutzt werden. Mittels der Vorverstärker-Ausgänge gibt der Onkyo Tonsignale an zwei Nebenräume aus. 

THX inklusive

Bei der Boxen-Konfiguration blieb alles beim Alten: So ist die Einstellung der Abstände mit 3-Zentimeter-Schritten zwar ausreichend genau, aber nicht perfekt. Die Pegel-einstellung klappt mit Schritten von 0,5 Dezibel präziser. Die Crossover-Frequenzen lassen sich für jede Kanalgruppe zwischen 40 und 200 Hertz einstellen; die beiden Cinch-Ausgänge des Subwoofer-Kanals können aber nicht getrennt geregelt werden. Gelungen ist der Equalizer, der für alle Kanalpaare außer dem Subwoofer 15 Frequenzbänder zwischen 25 Hz und 16 kHz bietet, von denen sich 9 gleichzeitig nutzen lassen. Der Subwoofer-Kanal regelt mit 5 Bändern zwischen 25 und 160 Hz.

Im THX-Menü werden der Abstand der Back-Rears zur Wand, der Subwoofer sowie BGC und Loudness geregelt.

Die Einmessung aller Boxen übernimmt Onkyos AccuEQ-System, das mit Accu-Reflex auch eine Phasenkorrektur für Aufsatz-Lautsprecher besitzt. Allerdings berücksichtigt AccuEQ nur einen Messpunkt, die Konkurrenz dagegen bis zu 8 Messorte.

9 der 15 EQ-Bänder sind gleichzeitig aktivierbar. Leider kann man nur Boxenpaare regeln.

Über die Quick-Menü-Taste „Q“ der Fernbedienung gelangt man ins Schnellmenü, das sich über das laufende Bild legt. Dort findet man die wichtigsten Audioeinstellungen, darunter die Lip-Sync-Funktion, die Aktivierung der AccuEQ-Einmessung und des Equalizers, die Late-Night-Schaltung, den Music-Optimizer und die Re-EQ-Schaltung zur sanften Höhenabsenkung.

Über das Kurzmenü gelangt man zu den wichtigsten Klangschaltungen wie AccuEQ, Equalizer und Re-EQ.

An Decodern verbaute Onkyo DTS:X und Dolby Atmos. Natürlich sind auch die Upmixer DTS Neural:X und Dolby Surround an Bord, das Cross-Format-Upmixing, also die Wiedergabe des jeweiligen Konkurrenzformats – ist beim Onkyo aber nicht möglich. Dafür kann der TX-RZ820 mit einer inzwischen selten gewordenen THX-Zertifizierung aufwarten. Das „THX Select“-Siegel garantiert dem bulligen Boliden eine Heim-kino-gerechte Signalnachbearbeitung und genügend Leistung für normale Wohnzimmergrößen.

Hinzu kommen natürlich die THX-Klangschaltungen wie „Cinema“, „Music“ oder „Game“, die allerdings bei 3D-Tonsignalen ihren Dienst verweigern. Für die Wandlung der digitalen Signale in analoge ist ein D/A-Wandler von AKM (AK4458 mit 384 kHz/32Bit) zuständig.

Video und Multimedia

Im Gegensatz zum Vorgänger akzeptiert der RZ820 an allen HDMI-Buchsen den HDCP-2.2-Kopierschutz; unterstützt werden zudem die HDR-Formate HLG, Dolby Vision und HDR10. Der beim Vormodell eingeführte Video-Scaler samt Anschärfe-Funktion hat sich beim Neuling hingegen wieder verabschiedet – der Onkyo gibt Signale so aus, wie sie ins Gerät kommen.

Gelungen ist die kostenlose „Controller“-App von Onkyo, über die sich der Receiver mit dem Smartphone oder Tablet bedienen lässt. Auch Multiroom-Funktionen via FireConnect oder DTS Play-Fi lassen sich damit bequem steuern.

 

Mit FlareConnect (ehemals FireConnect) und Google Cast beherrscht der TX-RZ820 neben AirPlay, Bluetooth und WiFi-Direct weitere Drahtlos-Protokolle, die das Streaming zum Amp oder auf kompatible Boxen ermöglichen. Neben dem freien TuneIn-Webradio sind die Bezahldienste „Tidal“, „Deezer“ und „Spotify“ an Bord. Die USB-Buchse liest auch Hi-Res-Formate wie FLAC, WAV, AIFF, ALAC und DSD.

Tonqualität Surround

Bei der Leistungsmessung übertrumpfte der TX-RZ820 die hohen Kraftreserven seines Vorgänger sogar um einige Watt: An 7 Kanälen stellte er bei 4- sowie 6-Ohm-Last stolze 107 bzw. 100 Watt zur Verfügung und steigert sich bis zu üppigen 231 Watt im Stereo-Betrieb (4 Ohm).

Im Hörtest spielte der Onkyo bei aktiver Pure-Direct-Schaltung luftig, schlackenfrei und dynamisch auf den Punkt. Orchester-Musik im Mehrkanal-Mix füllte unseren Hörraum auch bei gehobenen Pegeln wuchtig und tonal frei von Härten. Unseren Testklassiker Steely Dan („Two against nature“) brachte der Receiver mit federnden Bässen und greifbaren Instrumenten zu Gehör.

Die Einmessung mit AccuEQ machte fast alles richtig, setzte aber einige Crossover-Frequenzen etwas zu hoch. Die entzerrte Zielkurve verpasste dem Klang ohne Aufhellung mehr Grundton, den Subwoofer-Pegel setzte die Automatik für unser Gehör ein paar Dezibel zu hoch an. Für individuelles Klang-Tuning lässt sich der umfangreiche Equalizer auch zur Einmessung aktivieren. Die gut funktionierende „Late Night“-Schaltung zur Dynamikreduktion lässt sich jetzt auch bei DTS aktivieren, die „Re-EQ“-Funktion zur dezenten Absenkung von Höhen verweigerte dagegen bei Dolby Atmos und DTS:X ihren Dienst.

Atmos-Trailer holte der Amp weiträumig, geschlossen und mit plastischer Geräuschkulisse ins Heimkino – fast wie ein ganz Großer. Auch bei effektvollen DTS:X-Actionszenen wie in „Jason Bourne“ klotzte der Onkyo mit seinem wuchtigen, aber dennoch präzisen Sound, der auch bei XXL-Pegeln nicht spitz oder angestrengt klang.

Bei Musik zeichnet der Onkyo auch schwierige Metal-Aufnahmen ansprechend durch. Jazz schallte mit trockenem und straffem Bass, audiophil aufgenommene Frauenstimmen mit Schmelz und Authentizität. Da der TX-RZ820 auch bei Elektro-Pop oder Klassik nirgends unangenehm aneckte, darf sich der Onkyo als Multitalent brüsten.        

Der Testbericht Onkyo TX-RZ820 (Gesamtwertung: 81, Preis/UVP: 1200 Euro) ist in audiovision Ausgabe 3-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

81 sehr gut

Onykos TX-RZ820 spielt kraftvoll, luftig und feinauflösend. Reichlich Power sowie viele Netzwerk- und Streaming-Funktionen machen ihn zum ausgezeichneten Allrounder. Mit 1.200 Euro kostet er zudem einen Hunderter weniger als sein Vorgänger.

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