Onkyo TX-NR575E (Test)

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Alles beim Alten: Die übersichtliche Fernbedienung ist aufgeräumt für eine treffsichere Bedienung auch im Dunkeln. Die unteren Ecken fallen leider etwas spitz aus.

Der Onkyo TX-NR575E erschien bereits 2017, bekommt dieses Jahr aber keinen Nachfolger spendiert. Dank seines Alters kann man das Gerät bereits für gut 300 Euro ergattern, den Listenpreis veranschlagt Onkyo hingegen nach wie vor bei 550 Euro. Technisch ist der Receiver auf dem Stand der Zeit, neue Features wurden, wo nötig, per Firmware nachgereicht. So verfügt der TX-NR575E über die volle 4K-Videokompatibilität mit Dolby Vision, HDR10 und HLG. Die Ton-Decoder für Dolby Atmos und DTS:X sind natürlich ebenfalls an Bord – Auro 3D gab es bei Onkyo dagegen noch nie. Per Firmware-Update kam DTS Play-Fi (siehe Kasten) als drittes Multiroom- bzw. Streaming-Feature hinzu, neben FlareConnect und Googles Chromecast. Für Ende August ist zudem die Integration des Streaming-Dienstes Deezer HiFi geplant. Das „E“ im Gerätenamen steht übrigens für Europa, die US-Variante unterscheidet sich in der Ausstattung. 

Ausstattung und Technik

Für einen Einsteiger-Receiver macht der 575er einen recht bulligen Eindruck. Design-Ähnlichkeiten zur größeren RZ-Baureihe findet man im geschmeidig laufenden XXL-Lautstärkerad und den links unten positionierten Drehreglern für Bass/Höhen und die Klangprogramme. Das recht stabile Gehäuse ist in Schwarz oder Silber erhältlich, die Frontplatte besteht allerdings aus Kunststoff.

Für ein Einsteigermodell ordentlich bestückt: Alle 5 HDMI-Buchsen sind mit 4K/60p kompatibel und verstehen sich auch auf HDR10, HLG und Dolby Vision. Zu 3 Digital-Eingängen sowie 3 analogen Stereo-Cinch-Eingängen gesellt sich ein Phono-Anschluss für den Plattenspieler. Die beiden Subwoofer-Pre-outs lassen sich nicht getrennt regeln.

Die Anschlüsse auf der Rückseite täuschen entgegen dem Design nicht über den günstigen Preis hinweg. Nur 4 HDMI-Eingänge sind nicht viel, sollten für kleine Heimkinos aber ausreichen. Auch der alleinige HDMI-Ausgang ist typisch für das Einsteiger-Segment. Untypisch ist dagegen der Phono-Eingang, an dem sich ein Plattenspieler ohne Phono-Vorverstärker anschließen lässt. Und mehr als drei Digitaleingänge gibt es bei Mittelklasse-Receivern in der Regel auch nicht.

Boxen-Setup: Der TX-NR575E beschallt mit seinen 7 Endstufen Boxen-Sets in 7.2- oder 5.2.2-Konfiguration.

Der TX-NR575E ist als 7.2-Receiver konzipiert, es lassen sich maximal 7.2- bzw. 5.2.2-Layouts mit 2 Deckenboxen für 3D-Ton verwirklichen. Bei der Positionierung der Höhenboxen gibt es keine Einschränkungen, auch Aufsatzboxen auf den Rears oder Speaker an der Decke hinten (Top Rear) sind möglich. Andere Receiver beschränken die Auswahl gerne mal auf die vorderen Positionen. Mehrkanal-Sound mit mehr als 9 Kanälen ist aufgrund fehlender Pre-outs mit dem TX-NR575 nicht möglich. Wer 5 oder weniger Kanäle nutzt, der darf zumindest  die freien Endstufen für das Bi-Amping oder die aktive Beschallung eines Nebenraumes verwenden. Alternativ liefern Pre-outs Tonsignale für eine zweite Hörzone.

Energieverwaltung: Auto-Standby und diverse Stromspar-Schaltungen sind sinnvolle Features des Onkyo.

Nicht optimal fällt die Einstellung der Boxen-Distanzen und Pegel mit 3 Zentimetern bzw. 1-Dezibel-Einheiten aus. Besser wären 1 Zentimeter und  0,5 Dezibel. Vorbildlich geriet dagegen die Trennung der Crossover-Frequenzen für alle Lautsprecher in 11 Schritten von 40 bis 200 Hertz. Die Subwoofer lassen sich von 80 bis 120 Hertz in 4 Stufen regeln, allerdings nicht getrennt.

Die Einmess-Automatik AccuEQ beschränkt sich auf einen Messpunkt, die „Accu-Reflex“-Phasenkalibrierung für Aufsatz-boxen besitzt aber auch Onkyos 7.2-Einsteiger. Der 15-Band-Equalizer lässt sich zusätzlich zur Einmess-Automatik aktivieren, die Filter greifen von 25 Hz bis 16 kHz. An Decodern sind Dolby Atmos und DTS:X sowie deren Upmixer Dolby Surround und DTS Neural:X an Bord. Im Gegensatz zum größeren Onkyo-Kollegen TX-RZ830 (Seite 36) erlaubt der TX-NR575E kein Cross-Format-Upmixing (siehe auch Kasten Seite 37), so können DTS-Signale nicht mit den Dolby-Decodern wiedergegeben werden – umgekehrt gilt dasselbe.

Video und Multimedia

Das Videoboard des TX-NR575E unterstützt 4K/60p-Signale samt HDCP2.2, 4:4:4-Farbabtastung sowie HDR10, Dolby Vision und HLG. Einen Video-Scaler und Video-Equalizer sucht man dagegen vergebens. Auf Multimedia-Seite stehen neben dem kostenlosen Web-Radio TuneIn die Bezahldienste Spotify, Tidal und Deezer parat. Komfortables Musikhören und Multiroom-Anwendungen ermöglichen Flare-Connect, DTS Play-Fi, Chrome-cast, AirPlay und Bluetooth. Natürlich nimmt der Receiver Kontakt zu Musik auch über einen DLNA-Client sowie USB auf, der Media-player akzeptiert Hi-Res-Dateien mit 192 kHz / 24 Bit sowie DSD-Dateien bis 5,6 MHz. Onkyos gut funktionierende „Controller“-App vereint die Receiver-Steuerung mit Multiroom- und Streaming-Optionen.

Bei „Play-Fi“ handelt es sich um ein neues Streaming-Protokoll von Soundspezialist DTS, dessen Funktions­umfang der Konkurrenz (HEOS, MusicCast, FireConnect, etc.) ähnelt: So ermöglicht die kostenlose „Play-Fi“-App das Musikstreaming zu „Play-Fi“-fähigen Geräten sowie das Einrichten von Multiroom-Anlagen und deren Steuerung durch einen oder mehrere Benutzer.

Zudem kann man auf die wichtigsten Online-Dienste wie Spotify, Deezer, Napster, Qobuz und Tidal zugreifen, auch das Netzwerkstreaming mit DLNA ist möglich. Unterstützt wird die verlustfreie Audioübertragung mit bis zu 24 Bit / 192 kHz via Wi-Fi, Ethernet und Stromnetz. Im Gegensatz zur Konkurrenz gibt es die „Play-Fi“-App nicht nur für Android- und iOS-Geräte, sondern auch für Kindle Fire und sogar normale Windows-PCs (ab Windows 7).

Tonqualität Surround

Im Messlabor lieferte der TX-NR575E nur Mittelmaß, was uns angesichts des Preises aber nicht überrascht: Im Stereo-Betrieb stemmte der Onkyo gute 133 Watt pro Kanal (4 Ohm) sowie 75 Watt (4 Ohm) bei 5 ausgelasteten Endstufen. Bei Belastung von 7 Endstufen bot der Amp aber nur je 54 Watt an 4- wie 6-Ohm-Last – was ihm nur 2 von 5 Punkten einbringt.

Klangtechnisch entpuppte sich der TX-NR575E als klassischer Onkyo, will heißen: Vollmundig, satt, druckvoll und mit schönen Klangfarben aufspielend holte der Receiver große Orchestermusik ebenso eindrucksvoll in unseren Hörraum wie kleine Arrangements, die er präzise aufdröselte. Der Sound löste sich mühelos von den Boxen und erzeugte Schallfelder, in denen Instrumentengruppen und Solisten sauber verortet wurden. Rockige Klänge überzeugten mit Punch, Straffheit und Plastizität.

Mit aktiver AccuEQ-Einmessung spannte der Onyko bei Dolbys „Amaze“-Trailer weite Klangfelder auf, in denen Effekte glaubhaft platziert wurden; Ambient-Effekte verströmten viel Atmosphäre. Größere Receiver mit mehr Kanälen spielen aber räumlich, ausladender und somit eindrucksvoller. Den „Powerful Bass“ brachte der kleine Onkyo mächtig grollend zu Gehör und ließ unseren großen Subwoofer auch nicht flattern oder verzerren – sehr gut. Die Synthesizer im Atmos-Clip „Audiosphere“ hob der Japaner gut ortbar in die Höhe – doch auch hier haben Geräte mit 4 Deckenkanälen die Nase vorn. Die „Late Night“-Funktion zur Dynamik-anpassung funktionierte bei Dolby-Atmos-Sound ausgezeichnet, blieb bei DTS:X- und DTS-HD-Ton jedoch wirkungslos.

Über das Kurzmenü sind alle Klangschaltungen wie AccuEQ und der EQ schnell und übersichtlich zugänglich.

Bei Stereo-Musik machte der Onkyo mit seinem lebendigen und kraftvollen Sound eine Menge Spaß, und das bei jeder Art von Musik. Die „Music Optimizer“-Schaltung betonte Bässe und Höhen für einen subjektiv dynamischeren Sound. Für höchste Klangqualität sorgt die „Pure Direct“-Schaltung, die alle für die Wiedergabe nicht zwingend benötigten Komponenten umgeht.

Der Testbericht Onkyo TX-NR575E (Gesamtwertung: 67, Preis/UVP: 550 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

67 befriedigend

Onkyos Einsteiger TX-NR575E für 550 Euro spielt erstaunlich erwachsen und lockt darüber hinaus mit vielen Multimedia-Features und voller 4K-Videounterstützung samt Dolby Vision. Bei der Leistung machte der Receiver einen kleinen Knicks, was ihn letztlich den Testsieg kostete.
Andreas Oswald

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