Nubert NuLine 334 (Test)

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Das ganz große Set aus der nuLine von Nubert verspricht ein Heimkino-Erlebnis mit echtem Suchtpotential.

Der nuLine AW-1100 lässt sich per Fernbedienung bequem vom Hörplatz aus einstellen.

 

 

Die nuLine-Serie des schwäbischen Boxenbauers Nubert ist mehr als nur einen Blick wert. Im Design sind die Lautsprecher der mittleren Serie allerdings eher konservativ gestaltet: Sie bietet klassische Quader-Gehäuse auf der eher schlanken Seite mit glatten, klar gestalteten Flächen. Diese Schallwandler passen in eine Vielzahl von Wohnlandschaften und ziehen die Blicke nicht ungebührlich auf sich.

Technisch hingegen legen die Entwickler aus Schwäbisch Gmünd jegliche Zurückhaltung ab. Entsprechend gespannt waren wir auf das praktisch größtmögliche nuLine Set, bestehend aus dem nagelneuen Serien-Flaggschiff nuLine 334, dem Center nuLine CS-174, den Surrounds nuLine 34 und dem bewährten Subwoofer nuLine AW-1100.

Technik

Als Serien-Primus soll die nuLine 334 natürlich eine möglichst tiefreichende und voluminöse Basswiedergabe bieten. Deshalb bekam sie gleich drei Basschassis mit jeweils 18 Zentimetern Durchmesser eingepflanzt, die zudem über je 30 Millimeter Maximalhub verfügen – also richtig Luft bewegen können. Rechnet man alle sechs Tieftöner eines Stereo-Paares zusammen, kommt man auf die Membranfläche eines 38-Zentimeter-Chassis, was einem XXL-Subwoofer entspricht.

Bei etwa 350 Hertz übergeben die drei Treiber an den ganz oben auf der Schallwand sitzenden 12-Zentimeter-Mitteltöner. Dessen Flachmembran haben die Nubert-Entwickler durch viel Feinarbeit die für diese Art Schwingeinheit sonst typischen ausgeprägten Partialschwingungen teils ausgetrieben, teils in höhere, nicht mehr störende Frequenzbereiche weggeschoben. Größter Nutznießer dieser Arbeit ist der benachbarte Hochtöner, der statt eines zerklüfteten, zu Reflexionen und Diffraktion neigenden Konus eine fast vollflächig zur Schallwand plane Oberfläche vorfindet und so homogener abstrahlen kann. Als Hochtöner kommt der sogenannte nuOva zum Einsatz, dessen 26-Milllimeter-Kalotte seitlich versetzt auf der ovalen Frontplatte platziert und dadurch unterschiedlich weit von den seit-lichen Gehäusekanten entfernt ist. Die von diesen verursachten Diffraktionseffekte verteilen sich über einen weit größeren Frequenzbereich als bei symmetrischer Anordnung, was nicht nur für eine höhere Linearität der Frequenzgänge, sondern auch für eine präzisere Ortbarkeit sorgt.

Die Frequenzweiche der nuLine 334 baut Nubert extrem aufwändig: Insgesamt drei Platinen sind notwendig, um die Fülle der Bauteile unterzubringen.

Immer wieder eine lobende Erwähnung wert ist die Flexibilität, mit der sich Nuberts Lautsprecher an Raum, Aufstellung und Geschmack anpassen lassen. So liefert der Hersteller beispielsweise passende Pfropfen mit, über die sich eine oder beide Bassreflexöffnungen verschließen lassen, um überbordender oder dröhnender Basswiedergabe Herr zu werden. Ist der Tieftonpegel immer noch zu hoch, lässt er sich per Schalter auf dem massiven Anschlussterminal nochmals absenken. Für den Hochtonbereich ist sogar ein Schalter mit drei Pegelstufen vorhanden.

Diesen Schalter bringt auch der Center nuLine CS-174 mit, ebenso wie Hoch- und Mitteltöner gleichen Typs. Letzterer ist allerdings gleich zweifach links und rechts neben dem mittig montierten Hochtöner vorhanden, um für ein möglichst gleichmäßiges Rundstrahlverhalten zu sorgen. Noch weiter außen sitzen zwei Tieftöner mit je 11 Zentimetern Durchmesser, die mit maximal 15 Millimetern ebenfalls sehr langhubig ausgelegt sind. Für die Surroundkanäle kommen die nuLine 34 zum Einsatz, vergleichsweise stämmige Regalboxen, die ein Exemplar des 18-Zentimeter-Tieftöners mit der nuOva-Kalotte vereinen.

Mit einer Gegebenheit müssen alle Lautsprecher-Entwickler kämpfen: Sie können nicht wissen, in welchem Raum ihre Boxen aufgestellt werden. Diese Information wäre aber recht hilfreich, weil sich Wohnräume in ihrer Akustik erheblich unterscheiden. Die Entwicklungsabteilung von Nubert hat schon früh die Entscheidung getroffen, zumindest etwas Flexibilität in die eigenen Lautsprecher einzubauen, damit sie sich an unterschiedliche Gegebenheiten anpassen. Besagte Anpassung wurde dann regelmäßig überarbeitet und ergänzt.

Mit zwei Schaltern im Anschlussterminal lässt sich die nuLine 334 an unterschiedliche Raumakustiken anpassen.

Das aktuelle Flaggschiff der nuLine-Serie, die nu­Line 334, bringt eine dreistufige Justage-Möglichkeit mit: Als Erstes legt der Hersteller passende Pfropfen für die beiden Bassreflexrohre auf der Rückwand bei. Vor allem bei allzu dichter Aufstellung vor einer Wand ist es ratsam, eine oder beide der Öffnungen zu verschließen, um eine zu laute oder dröhnende Basswiedergabe zu verhindern. Reicht das noch nicht, lässt sich der Tieftonpegel über einen Schalter im Anschlussterminal der Boxen weiter verringern.
Neben dem Verhalten im Bass unterscheiden sich Räume vor allem im Hochtonbereich: Ein modern eingerichteter Raum mit vielen glatten Flächen weist erheblich mehr Reflexionen auf als ein Raum mit Teppichen und Polstermöbeln. Der dreistufige Höhen-Schalter im Anschlussfeld des Lautsprechers sorgt auch hier für Ausgleich: Bei vielen Reflexionen ist eher die Einstellung „sanft“ angeraten, während bei größerer Hochton-Bedämpfung im Raum eher „Neutral“ oder „Brillant“ sinnvoll ist.

Der Subwoofer nuLine AW-1100 ist ein alter Bekannter, der schon seit 2013 im Programm der Schwaben zu finden ist. Auch heute noch beeindruckt er durch sein 30-Zentimeter-Chassis, das nahezu 50 Millimeter Maximalhub ausführen kann und durch ein massives Bassreflexrohr auf der Rückseite unterstützt wird. Die integrierte Endstufe bietet  320 Watt Nennleistung, was für satte Pegel locker ausreichen sollte. Sämtliche Funktionen wie beispielsweise Trennfrequenz, Pegel und Phase lassen sich per Fernbedienung bequem vom Sessel aus einstellen.

Tonqualität Surround

Der AW-1100 (Einzeltest in audiovision 6-2013) hat nichts verlernt, wie schon die Messwerte zeigen: Satte 108 Dezibel Maximal-pegel und eine untere Grenzfrequenz von 23,2 Hertz versprechen ein sattes Tiefton-Fundament. Die Frequenzgänge von Frontboxen, Center und Surrounds weisen nur unwesentliche Welligkeiten auf und verlaufen ausgewogen mit ganz leicht zurückgenommenem Mitteltonbereich. Das Rundstrahldiagramm des Centers zeigt nur an einer Stelle im Mitteltonbereich eine deutliche Absenkung unter großen Winkeln. Auch Zuhörern, die seitlich von ihm sitzen, dürfen mit guter Sprachverständlichkeit rechnen.

Angesichts der erwarteten Tiefbass-Fähigkeiten war es praktisch unvermeidlich, dass als Erstes „Terminator – Die Erlösung“ in unserem Blu-ray-Player landete – eine gute Entscheidung. Denn diese Kraft und diesen Tiefgang muss man gehört beziehungsweise gefühlt haben, um sie wirklich würdigen zu können. Bei der Abschleppwagenszene krachen die Roboter derart dynamisch und nachdrücklich in die Schrottautos, dass auch diejenigen, die die Szene schon kennen, immer wieder zusammenzucken. Die Shotgun-Schüsse dringen bis in die Magengrube, genau wie der überfliegende Roboter auf der Brücke, der den ganzen Raum in fühlbare Schwingung versetzt.

Den Heimkino-Spaß komplettieren die Nuberts mit einer lockeren, dynamischen und ausgesprochen räumlichen Darstellung des Mittel- und Hochtonbereichs, wie sie zum Beispiel mit Omar Hakims „Listen Up!“ demonstrieren. Der Zuhörer fühlt sich richtiggehend als Mitglied der Band, die Lautsprecher versetzten ihn mühelos und glaubwürdig mitten ins Musikgeschehen – ein Riesenspaß, der so nicht vielen anderen Boxensets gelingt. Auch in Sachen Maximalpegel sind die schwäbischen Boxen wahrlich keine Kinder von Traurigkeit, Kino-Normpegel schütteln sie problemlos aus den Membranen, es darf auch gerne mehr sein.

Tonqualität Stereo

Es durfte angesichts der üppigen Bestückung schon vermutet werden: Auf einen Subwoofer sind die nuLine 334 im Stereobetrieb nicht angewiesen. Sie bringen tiefe Töne souverän, mit erstaunlichem Tiefgang und sehr konturiert. Noch wichtiger ist aber ihr ausgewogenes, natürliches und luftiges Spiel, das Musikhören zum spannenden und letztendlich entspannenden Erlebnis macht. Mit der aktuellen CD von Toto „40 Trips Around the Sun“, bei der neben drei neuen Titeln auch alte Hits wie „Africa“ oder „Rosanna“ in neu gemasterter Form erstrahlen dürfen, arbeiten die Nuberts mühelos heraus, wie viele bisher nicht wahrgenommene Details in den alten und eigentlich sattsam bekannten Aufnahmen noch versteckt waren.                 

Der Testbericht Nubert NuLine 334 (Gesamtwertung: 91, Preis/UVP: 4800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 6-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

91 sehr gut

Das große nuLine Set von Nubert leistet wirklich Großes: Nämlich eine in allen Kriterien hervorragende Klangqualität, die den Hörer schnell in ihren Bann zieht und dazu animiert, noch mehr Zeit vor der Anlage zu verbringen und neue akustische Welten zu erforschen. Diese Leistung lässt das Set bis in die Referenzklasse aufsteigen – und das für vergleichsweise günstige 4.800 Euro.
Michael Nothnagel

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