Nubert nuBox 483-Set (Test)

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Das gab´s lange nicht mehr: Eine Zweiwege-Box mit einem 20-Zentimeter-Tieftöner. Wirklich schade, wie das NuBox-Set von Nubert beweist.

Exotisch muten die Frontlautsprecher des nuBox-Sets von Nubert in der heutigen Lautsprecher-Landschaft an: Statt schlank und hoch bauen die Schwaben die nuBox 483 untersetzt und stämmig. Was seinen guten Grund hat, denn sie bekamen einen Tieftöner mit 20 Zentimetern Durchmesser auf den Weg, der nicht nur einen bestimmten Volumenbedarf anmeldet, sondern auch eine heutzutage für Zweiweg-Lautsprecher ungewöhnliche Schallwandbreite notwendig macht. Auf den Preis wirkt sich das Ganze nicht aus, ist das 5.1-Set mit 1.500 Euro doch recht günstig. 

Technik

Sämtliche Justage-Arbeiten lassen sich beim Nubert-Sub per Fernbedienung durchführen.

Früher waren solche Konstruktionen weit verbreitet, denn ein Zwanziger-Basschassis ermöglicht auch ohne aufwändigen Langhub-Antrieb eine ordentliche Basswiedergabe. Auch ist seine Membran klein genug, dass sie bei üblichen Trennfrequenzen zum Hochtöner – hier hatte sich die Region um zwei Kilohertz durchgesetzt – noch keine übermäßige Richtwirkung entfaltet. Heute – im Zeitalter der designorientierten Boxen-Entwicklung – sind Schallwandler dieser Bauweise rar.

Nubert hat den Zwanziger mit aktueller Antriebstechnik und somit knackiger Hubfähigkeit versehen, was der Basswiedergabe auf die Sprünge helfen sollte. Zudem genehmigten die Entwickler dem Chassis ein ansehnliches Gehäusevolumen, was ebenfalls auf ordentlich Tiefgang hoffen lässt.

Den nuBox 483 die mit dem gleichen Tieftöner ausgestatteten Regalboxen nuBox 383 als Surrounds zur Seite zu stellen, wäre mit Kanonen auf Spatzen zu schießen: Tiefgang im Bass ist hier weniger gefragt, dafür Präzision im Mittel-Hochtonbereich, was die kleinere nuBox 313 ebenfalls verspricht. Ihr 15-Zentimeter-Tieftöner ist den Anforderungen einer Surroundbox, die meist vom Bassmanagement des AV-Receivers im Tieftonbereich beschnitten wird, sicher gewachsen. Als Membranmaterial verwendet Nubert übrigens bei allen nuBox-Tieftönern den Kunststoff Polypropylen, der zwar nicht sonderlich steif ist, dafür aber eine hohe innere Dämpfung aufweist und somit Membranresonanzen kaum eine Chance lässt.

Das gleiche 15-Zentimeter-Chassis setzen die Schwaben in der nuBox CS 413 in doppelter Ausführung ein. Die von beiden Membranen ins Gehäuse hinein gestrahlte Tieftonenergie macht der Center, wie auch die Front- und Surround-Boxen, über ein Bassreflexrohr hörbar.

Mit seinen Hochpass-Ausgängen und den Lautsprecher-Terminals ist der Nubert-Subwoofer vergleichsweise üppig ausgestattet.

Der von allen dreien verwendete Hochtöner wurde speziell für die nuBox-Serie entwickelt und strahlt über eine Seidenkalotten-Membran mit 25-Millimeter-Durchmesser ab. Das Ferrofluoid in seinem Luftspalt sorgt für hohe Belastbarkeit und einen ausgeglichenen Impedanzverlauf. Dem Problem üblicher Center, im Mitteltonbereich ein eingeschränktes Rundstrahlverhalten zu zeigen, rücken die Nubert-Entwickler auf den Leib, indem sie den Hochtöner zwar zwischen die beiden Tieftöner, aber zu einer der Längskanten hin versetzt montieren. Damit lässt er sich per Aufstellung auf eine Positionierung unter Ohrhöhe (Hochtöner oben) beziehungsweise darüber (Hochtöner unten) optimieren.

Richtig übersichtlich und normgerecht sind die Angaben von Boxenherstellern zu Watt, Leistung und Belastbarkeit nicht wirklich. Zum Glück muss das niemandem mehr die Sorgenfalten ob der Sicherheit der für viel Geld erstandenen Boxen auf die Stirn treiben. Denn Defekte wegen Überlastung sind – zumindest bei Produkten von Markenherstellern – selten geworden. Das gilt insbesondere für die früher in unschöner Regelmäßigkeit „sterbenden“ Hochtöner, die nur allzu häufig übersteuernden (weil zu laut aufgedrehten) oder gar instabil schwingenden Verstärkern zum Opfer fielen.

Die kleine Scheibe in der Mitte ist ein PTC und schützt den Nubert-Surround vor Überlastungen.

Um das zu verhindern, bauen die Hersteller, unter anderem auch Nubert, Schutzelemente in ihre Frequenzweichen ein, so genannte PTCs. Diese Bauteile erhöhen ab einem bestimmten durchfließenden Strom ihren elektrischen Widerstand um ein Vielfaches. Dadurch schützen sie Hochtöner – und teilweise auch die kompletten Lautsprecher – zuverlässig vor Überlastungen. Besonders praktisch: Verringert sich der Strom, stellen sich die PTCs wieder zurück, die Box funktioniert so gut wie vor der Überlastung. Mit dieser Maßnahme konnten Servicefälle und Reklamationen drastisch reduziert werden.

Der kompakte und 160 Watt starke Subwoofer nuBox AW 443 ist ein alter Bekannter: Er bewährte sich schon in Ausgabe 2-2017, wo er ebenfalls in einem nuBox-Boxenset zum Einsatz kam. Sein Chassis mit 22 Zentimetern Durchmesser ist auf der Front angebracht, die Bassreflexöffnung im Boden des Gehäuses. Sämtliche Funktionen wie die Trennfrequenz, der Pegel und die Phase lassen sich per Fernbedienung einstellen.

Tonqualität

Trotz der geringen Abmessungen und der verhältnismäßig überschaubaren Verstärkerleistung von 160 Watt konnte der Nubert-Sub im Test mit einer unteren Grenzfrequenz von 31,5 Hertz und einem Maximalpegel von 99 Dezibel punkten – für einen derart kompakten Sub aller Ehren wert.

Der Rest des Sets überzeugt wie bei Nubert gewohnt mit ausgeglichenen Frequenzgängen ohne große Welligkeiten. Der Center zeigt zwar beim Rundstrahlverhalten unter extremen Winkeln im Mitteltonbereich Einbrüche, diese sind allerdings nur schmalbandig und halten sich bis 15 Grad in engen Grenzen. Nicht ganz verständlich ist, warum Nubert die Lautsprecher mit der Schalterstellung „Brillant“ der Klangtuning-Schalter in den Anschlussterminals ausliefert, denn die betont den Hochtonbereich um zwei bis drei Dezibel. Das macht nur bei drastisch überdämpften Räumen Sinn. In unserem Hörraum – und für die Messungen – war die Stellung „Neutral“ klar überlegen. Und überzeugte sofort mit einem unverfälschten Klangbild, das zudem durch ordentlich Dampf und Dynamik beeindruckt. Bei Omar Hakims „Listen Up!“ kamen Bass und Schlagzeug wuchtig und präzise, und das selbst bei hohen Wiedergabepegeln. Dieser erhöhte Spaßfaktor setzte sich bei Filmsoundtracks ansatzlos fort, ob nun Manny und seine Freunde sich bei „Ice Age – Jetzt taut´s“ den Weg durchs explodierende Geysirfeld bahnen oder der Abschleppwagen in „Terminator – die Erlösung“ feindliche Roboter mit Schmackes aufs Korn nimmt, das Nubert-Set schüttelte auch gröbste Impulse locker aus dem Ärmel. Das geht sicher zum Teil auf das Konto der Zwanzig-Zentimeter-Tieftöner der nuBox 483, der Subwoofer ist aber auch kein Kind von Traurigkeit und trägt einen Anteil zum Tiefbass bei, ohne je echt in die Knie zu gehen.

Gefühl geht dem Nubert-Set ebenfalls nicht ab: „They Cant´t Take that Away From Me“ mit Jane Monheit und John Pizarelli brachte es mit musikalischem Feeling und ausgezeichneter Neutralität. Richtig gut ist auch die räumliche Darstellung, die eine genaue Ortung zulässt und dabei zudem dreidimensional und einhüllend wirkt – Hut ab!

Bei Stereo-Signalen blühten die nuBox 483 dann richtig auf und empfehlen sich beispielsweise bei „40 Trips Around the Sun“ von Toto mit anspringender Dynamik, Neutralität und prima Räumlichkeit. Auf einen Subwoofer können Sie dabei komplett verzichten.                        

        

Der Testbericht Nubert nuBox 483-Set (Gesamtwertung: 81, Preis/UVP: 1500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 3-2019 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

81 sehr gut

Wer mit der etwas gedrungenen Optik keine Probleme hat, ist beim nuBox-483-Set von Nubert genau richtig. So großen Heimkino-Sound für so kleines Geld hört man selten.
Michael Nothnagel

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