Medion Life S16599 (Test)

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Gut gelagert: Sitzt man mal nicht mittig vor dem Fernseher, kann man sich den Bildschirm in die gewünschte Richtung drehen.

Ein Medion-Fernseher für 1.100 Euro, der so schwer ist? Der Life S16599 vom Aldi-Zulieferer überrascht mit seinen stolzen 37 Kilo. Das liegt unter anderem am extrem massiven Metall-fuß, der es sogar erlaubt, das knapp zehn Millimeter dünne Panel nach links und rechts zu drehen. Die Materialanmutung ist erstaunlich hoch, den unteren Bereich des Bildschirms ziert eine silberne Blende. Wer auf den schweren Ständer verzichten will, kann den 65-Zöller auch an die Wand hängen, der VESA-Standard mit einem Lochabstand von 400 x 200 mm wird unterstützt. Positiv überrascht auch das Energielabel A++ – mit 100 Watt im Misch-betrieb ist der Stromdurst des Flat-TVs recht gering.

Gut ausgestattet: Der Medion hat sogar Analogeingänge. Seitlich sitzen ein „CI+“-Slot, eine HDMI-Buchse, zwei USB-Ports und ein Kopfhöreranschluss.

Ausstattung und Praxis

Die gute Nachricht: Der Medion nimmt TV-Sendungen auf externe USB-Festplatten auf. Die schlechte: Seine Single-Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2 erlauben es nicht, während eines TV-Mitschnitts umzuschalten. Zur ordentlichen Ausstattung gehören unter anderem Bluetooth, eine „CI+“-Schnittstelle für Bezahlfernsehen, Kopfhörerbuchse und ein Mediaplayer.

Kommunikationsfreudig: Auch die Lautstärke kann man per Finger oder mittels Stimme ändern. Auf die Sprachbefehle reagiert der 65-Zöller zuverlässig.

Schade: Füttert man den 65-Zöller mit Fotos vom USB-Stick, so signalisiert dieser lediglich durch Kamerasymbole in der Gesamtübersicht, bei welchen Dateien es sich um Fotos handelt, ohne jedoch ein Vorschaubildchen darzustellen. Erst wenn man das Objekt auswählt und anklickt, legt es in der Vollansicht seine Anonymität ab.

Suboptimal: Die Anordnung der einzelnen Bedienfelder in der Medion-App hätte man besser lösen können. Zudem muss man ständig die Screens wechseln.

Das Betriebssystem basiert auf Linux und wurde dem Medion-Design angepasst. Die Menüstruktur ist logisch, das Bedientempo ordentlich, kann mit teureren Markengeräten aber nicht ganz mithalten. Über die „Medion“-Taste auf der Fernbedienung gelangt man zum Smart-TV-Portal. Mit Maxdome und Amazon Prime Video fehlen hier leider zwei wichtige Streaming-Plattformen. Netflix und You-Tube erreicht man über separate Tasten auf dem übersichtlichen Steuerstab.

Linux-Betriebssystem: Die Medion-Oberfläche erklärt sich weitgehend von selbst. Die Navigation zwischen den einzelnen Menüs gelingt angenehm flott.

Über die Gratis-App „Miracast – Wifi Display“ kann man Smartphone-Inhalte auf den Life S16599 spiegeln. Das klappt problemlos, aber mit deutlicher Verzögerung. Mittels „Life Remote App“ verwandelt man sein Smartphone in eine Fernbedienung, kann unter anderem per Sprachbefehl Aufnahmen starten, den EPG aufrufen oder die Lautstärke verändern. Dies funktioniert ebenfalls zuverlässig, allerdings ist die Anwendung etwas unglücklich gestaltet, darüber hinaus verteilen sich die vielen Bedienbuttons über mehrere Oberflächen.

Archivar: Die Mitschnitte listet der Life S16599 ohne Vorschaubild auf. Dafür gibt es zahlreiche Optionen, um die Aufnahmen individuell zu sortieren.

Bild- und Tonqualität

Im täglichen TV-Betrieb macht der Medion einen soliden Eindruck. Achtung, „Energie sparen“ muss unbedingt auf „Aus“ stehen, sonst wirkt das Bild zu flau. Der Modus „Natürlich“ liefert einen ebensolchen Eindruck, die Schärfe ist gut, die Tiefe ordentlich. Lediglich die Farbe kann man von der Werkseinstellung noch etwas nach oben drehen. Mitreißende Leuchtkraft, um in hellen Räumen ein brillantes Bild zu präsentieren, entfaltet der Apparat auch im Modus „Dynamisch“ nicht. Hier wünscht man sich mehr Power.

Es geht doch: Wählt man ein Motiv im Medienbrowser aus, so zeigt der 65-Zoller das Foto bildschirmfüllend an. Bilder lassen sich drehen und vergrößern.

Bei unserer Farbmessung im SDR-Bereich konnte der Life S16599 zudem nicht überzeugen. Das gilt ebenfalls für die Schwarzdarstellung. Hier muss man sich mit einem dunklen Grau zufriedengeben. Die Ecken des Panels sind aufgehellt, diese hellen Flecke ziehen sich weiter in den Bildschirm hinein. Die ab Werk auf 50 eingestellte Helligkeit sollte man etwas herabsetzen. Mit 900:1 schneidet der ANSI-Kontrast hingegen mehr als akzeptabel ab.

Beim Thema High Dynamic Range liefert der 65-Zöller eine positive Überraschung. Er unterstützt neben HDR10 und HLG auch Dolby Vision. Auf dem Papier hört sich das gut an. Die Praxis sieht jedoch nicht mehr ganz so schillernd aus. Denn die maximale Helligkeit von 311 Candela im optimalen Modus „Kino“ ist bescheiden. Im dynamischen Setup erreicht der Flachmann zwar immerhin 375 Candela, aber auch das genügt nicht, um echtes HDR-Feeling aufkommen zu lassen. Zum Vergleich: OLEDs schaffen rund 800 Candela, die besten QLEDs von Samsung knacken sogar die 1.600-Candela-Marke – natürlich ist das auch eine Frage des Geldes. Medion erlaubt es, den HDR-Eindruck manuell zu beeinflussen.

Bitte anpassen: Bei Dolby-Vision-Titeln kann der Zuschauer den HDR-Look verändern, Medion bietet fünf verschiedene Setups an.

Bei Dolby-Vision-Titeln kann man zwischen den Modi „Dolby Vision Hell“, „Dolby Vision Dunkel“, „Sport“, „Dynamisch“ und „Spiele“ wählen. „Dynamisch“ verleiht dem Bild zwar den meisten Glamour, allerdings leidet darunter die Natürlichkeit, weshalb man die Dolby-Vision-Setups nehmen sollte. Hier sind die Parameter gut aufeinander abgestimmt. Spielt man einen Netflix-Streifen ab, kann man komischerweise außer dem Bildmodus keinen anderen Bild- oder Tonwert verändern. Vollen Zugriff auf das Menü hat man jedoch, wenn die UHD-Inhalte von Blu-ray geliefert werden. Bei der Farbtemperatur sollte man die Voreinstellung „Warm“ auswählen. Mit 7.790 Kelvin beschert diese das beste Resultat. „Normal“ liegt bei 11.142 Kelvin, „Kalt“ driftet mit 14.127 Kelvin völlig von der Idealvorgabe ab.

Überdreht: Im DCI-P3-Spektrum schießt der Life S16599 bei Grün und Rot über das Ziel hinaus. Bei Gelb, Blau und Violett kommt er der Zielvorgabe sehr nah.

Die Schneefelder im Januar-Kapitel der Blu-ray „Deutschland von oben“ stellt der 65-Zöller mit vielen Konturen dar, Fußabdrücke und Schneeverwehungen werden sauber herausgearbeitet. Um diesen Effekt zu verstärken, sollte der „Dynamische Kon-trast“ auf „Mittel“ oder „Hoch“ stehen.

Ausbaufähig: Nur bei den Blautönen erfüllt der Medion im SDR-Bereich die Vorgaben. Bei allen anderen Messungen treten zum Teil erhebliche Abweichungen auf.

Bei der Bewegungsperformance agiert der Medion auf überschaubarem Niveau, bei Überflügen aus der Luft fehlt häufig der letzte Schliff, teilweise sind kleine Ruckler zu erkennen, die Souveränität bleibt damit auf der Strecke. Bei seitlichen Blickwinkeln deutlich unterhalb der 45-Grad-Marke beginnen die Farben auszubleichen, das Bild hellt auf.

Viele Filter: Alphabetisch, nach Auflösung, Kanaltyp, kostenlos oder gebührenpflichtig? Die Senderliste lässt sich flexibel an die eigenen Wünsche anpassen.

Die Stereo-Lautsprecher mit 2 x 12 Watt und der Subwoofer überzeugen bei Stimmen und bei Musik bis zu mittleren Pegeln. Bei hoher Lautstärke fehlt es ein wenig an Wärme und Präzision.

Der Testbericht Medion Life S16599 (Gesamtwertung: 67, Preis/UVP: 1100 Euro) ist in audiovision Ausgabe 6-2019 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

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