LG OLED77W9 (Test)

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Bewährter Begleiter: LG hat für seinen 13.000-Euro-Fernseher keine eigene Fernbedienung konzipiert.

Zeit für eine neue Tapete in Ihrem Wohnzimmer? Mit dem OLED77W9PLA von LG können Sie blitzschnell eine Fläche von 1,7 Quadratmetern tapezieren und auf spektakuläre Weise Filme mit sattem Sound zum Leben erwecken.

0,596 Zentimeter! Wenn ein TV-Hersteller im technischen Datenblatt die dritte Stelle hinter dem Komma angibt, dann muss es dafür einen Grund geben. So wie beim neuen OLED77W9, der aufgrund seiner 13.000 Euro für die meisten Heimkino-Ästhetiker ein unerfüllbarer Traum bleiben dürfte. Das Panel des sogenannten Wallpaper-Fernsehers ist nicht einmal sechs Milli-meter dünn.

Die Besonderheit: Der OLED hängt direkt an der Wand und verschmilzt mit der Tapete zu einer Einheit. Ein Poster mit einer Diagonalen von 196 Zentimetern lässt grüßen. Die Befestigung mittels einer Standhalterung oder auf einem eigenen Fuß ist nicht möglich: Dieser Flachmann ist einzig und allein für eine Wand-Installation vorgesehen. Sämtliche Anschlüsse, Lautsprecher und das Netzteil sind in der Soundbar ausgelagert, die auch die Rolle der Steuerzentrale übernimmt.

Wer in einen neuen Fernseher wie den OLED77W9 so viel wie in einen Kleinwagen investiert, der will seinen Wallpaper-TV im Wohnzimmer natürlich auch optimal in Szene setzen. Spectral hat extra Möbel im Sortiment, die maßgeschneidert für den W9 konzipiert wurden.

Liebevolles Detail: Für die Hochtöner der Soundbar hat Spectral extra an Öffnungen gedacht, damit sich der TV-Sound optimal entfalten kann.

Das Sideboard ist so designt, dass ein nahtloser Übergang zwischen dem Display und der Soundbar entsteht. Das Verbindungskabel zwischen beiden Komponenten verschwindet hinter dem schwebenden TV-Regal. Das Signature Air, so hat Spectral das TV-Möbel getauft, ist in drei Farbvarianten erhältlich. Der Aufbau ist modular – zusätzliche Schrankelemente mit kratzfester Ober­fläche in mehr als 2.000 Farben können separat erworben werden. Ein besonders pfiffiges Element stellen die Aussparungen für die Hochtöner der Soundbar dar, um Dolby-Atmos-Klänge ungehindert wiederzugeben.

Das Kabel verschwindet: Die flache Anschlussstrippe zwischen Bildschirm und Soundbar ist im Wohnzimmer nicht mehr zu erkennen.

Neben Glas kommt Stahl zum Einsatz. Um das Smartphone kabellos zu laden, integriert Spectral zudem dezente Lösungen zum induktiven Betanken – wahlweise sehr dezent versteckt direkt unterhalb der Glasoberfläche der Kastenelemente oder mit einer magnetisch befestigten Holzladeschale. Eine Übersicht über alle Modelle und Varianten inklusive Preise bietet Spectcal im Internet unter www.spectral.eu zum Download an.

Fernseher und Soundbar verschmelzen: Das TV-Möbel von Spectral sorgt dafür, dass das Panel und das Anschlussterminal optisch eine Einheit bilden.

Selbst Hobby-Handwerker müssen sich keine Sorgen machen: Die Montage ist überraschend einfach und unproblematisch, wird zudem Schritt für Schritt erklärt. Dazu wird die mitgelieferte Wandhalterung, ein superdünnes Blech mit fertigen Bohr-löchern, an die Wand geschraubt. Sicherheitshalber sollte man eine Wasserwaage zur Hand nehmen, damit der OLED gerade hängt. Dübel und Schrauben mit einem extrem flachen Kopf für unterschiedliche Wandstärken und Materialien wie Beton, Ziegel, Naturstein, Gipskarton oder Sperrholz liefert LG mit. Das Panel, das nicht starr, sondern erstaunlich flexibel und biegsam ist, wird jetzt wie ein Gemälde in zwei Aussparungen an Schrauben eingehängt. Außerdem schmiegt es sich durch Magnetismus und einen zusätzlichen Klebestreifen fest und flach an die Halterung.

Die mächtige Soundbar, ein 4.2-System mit 60 Watt und Dolby-Atmos-Unterstützung, wird durch ein Flachbandkabel mit dem Display verbunden. Wer mehr Flexibilität beim Aufstellen bevorzugt: LG hat ein zusätzliches, 1,50 Meter langes Kabel beigelegt. Die superflache Strippe genügt, um den W9 mit Strom, Bild- und Tonsignalen zu versorgen.

Ein Fernseher, der mit einer derart wuchtigen Soundbar ausgeliefert wird, ist eine echte Rarität. Eine Besonderheit sind auch die beim Einschalten automatisch um etwa anderthalb Zentimeter herausfahrenden Hoch­töner, die auf die eingebaute Dolby-Atmos-Technik hinweisen. Diese bindet bekanntermaßen zusätzliche Deckenlautsprecher ins Heimkino ein und verspricht so einen noch besseren Raumklang. Auch wenn die beiden Boxen leicht nach oben strahlen, der Dolby-Atmos-Effekt wird – wie bei den anderen LG-OLEDs und den Flat-TVs von Mitbewerbern – virtuell erzeugt.

Spektakulärer Effekt: Nach dem Einschalten fahren die Hochtöner automatisch aus dem Klangriegel heraus – ein eingebauter Motor macht das Schauspiel möglich.

Audiotechnisch unterscheidet sich der W9 nicht vom 65OLEDE9. Auch er verfügt über ein 4.2-System mit 60 Watt Leistung. Allerdings klingt die externe Soundbar des W9 durch den vergleichsweise großen Resonanzraum noch ein wenig vollmundiger und dynamischer.

60 Watt Leistung: Die Soundbar zeichnet nicht nur für den Ton verantwortlich, sondern beherbergt auf der Rückseite auch sämtliche Anschlüsse für den Fernseher.

Besonderes Lob verdienen die ausgewogenen Mitten sowie die sehr gute Sprachverständlichkeit. Außerdem steuern die Tieftöner ein recht ordentliches Bassfundament bei. Blockbuster werden so von einem satten Tieftonteppich unterlegt. Eine Einmessung mittels „Magic Sound Tuning“ mithilfe des in der Fernbedienung integrierten Mikrofons verbessert die tonale Balance. Wunder darf man hierbei freilich nicht erwarten, nach der Soundanalyse klingt die Soundbar des Wallpaper-TVs jedoch ein wenig luftiger.

Analyse der Raumakustik: Mithilfe der Fernbedienung überprüft der LG den Raum auf seine akustischen Eigenschaften. Dazu spielt der LG einen Testton ab.

Im Zusammenspiel mit Dolby-Atmos-kompatiblen Filmen weiß zudem der Raumklang-Effekt zu gefallen. Bei Netflix findet man diesbezüglich einige Streifen direkt über das Suchfeld. Dazu gehört auch „Shaft“. Eine aufgetretene Tür, Schüsse aus einem Gewehr oder die Kollision mit einem LKW lassen den Zuschauer abrupt aus dem Sofa hochschrecken. Ein nettes optisches Feature ist der rote Leuchtstreifen an der Front, der sich beim Ein- und Ausschalten in Szene setzt.

Tonaler Feinschliff: Klingts jetzt besser oder schlechter? Zur Kontrolle kann man sich beide Audio-Setups nacheinander anhören und sich dann für eines entscheiden.

 

Ausstattung & Praxis

Das 77 Zoll große Panel ist ein reiner Bildschirm – der einzige Anschluss nimmt das Flachbandkabel zur Soundbar auf. Diese hat die Twin-Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2 integriert, zusätzlich vier HDMI-Anschlüsse, drei USB-Buchsen, Kopfhörer- und optischen Digitalausgang sowie einen „CI+“-Slot für Pay-TV-Module. Ins Internet wird das Terminal per Netzwerkkabel oder via WLAN eingebunden. Zudem wird Bluetooth 5.0 für die Musikwiedergabe von Smartphone und Tablets unterstützt.

Dünner geht es kaum: Das OLED-Panel ist gerade mal einen halben Zentimeter dick. Obwohl es sich leicht biegen lässt, punktet es durch eine exzellente Bildqualität.

Auch iPad und iPhone werden schon bald mit dem 77W9 kommunizieren und Musik sowie Filme über iTunes abspielen können. Dazu hat LG bereits ein Update für Apple AirPlay 2 in Aussicht gestellt. Mit der neuesten Software-Aktualisierung hat Amazon Alexa auf dem Flat-TV Einzug gehalten. Zusammen mit Google Assistant hat der 77-Zöller somit zwei Sprachassistenten an Bord. Letzterer wird durch einen Druck auf die Mikrofon-Taste aktiviert, Amazon Alexa nutzt man nach einem längeren Druck auf die Prime-Video-Taste. Beide Dienste reagieren zügig und haben neben Wetter- und Verkehrsinfos auch Wissen zu Sport, Politik und anderen Gesellschaftsbereichen parat, das sie sich aus dem Internet ziehen.

Jetzt wird tapeziert: Auf dem superflachen LG-Fernseher sehen die Kunstwerke besonders beeindruckend aus. Der Gemälde-Wechsel gelingt blitzschnell vom Sessel aus.

Beim Betriebssystem und bei der Bedienung unterscheidet sich der LG in keiner Weise von anderen TV-Apparaten der Koreaner. WebOS 4.5 ist installiert und gehört zu den besten Bedienoberflächen, die aktuell am Markt verfügbar sind. Einerseits, weil man sich hier auf Anhieb zurechtfindet. Hat man sich einmal durch die waagerechten Kacheln gehangelt, weiß man, dass man hier auch den Mediaplayer oder die Galerie mit hübschen Kunstwerken findet und nicht erst über die ausgezeichnete Fernbedienung in irgendwelchen Untermenüs herumsuchen muss.

Steuerzentrale: Das Haus-Dashboard weiß ganz genau, mit welchen Geräten der LG aktuell verbunden ist. Auch eine Fritz!Box oder einen Mediaserver erkennt der TV.

Andererseits, weil der Prozessor Alpha9 der zweiten Generation enorm leistungsstark ist und dem W9 in jeder Situation ausreichend Reserven zur Verfügung stellt – ganz egal, ob man Apps aufruft, Inhalte vom Smartphone spiegelt oder Aufnahmen über eine externe USB-Festplatte abspielt. Im Laufe der nächsten Monate wird der LG dazu in der Lage sein, Bildwiederholraten genauso wie über USB auch über die HDMI-Buchsen des Standards 2.1 mit 120 Bildern pro Sekunde bei UHD-Auflösung zu realisieren.

360-Grad-Welten: Der leistungsstarke Mediaplayer erlaubt dem Zuschauer das Eintauchen in Fotos und Videos, auch das Herein- und Herauszoomen ist möglich.

Bildqualität

Die gute Nachricht vorweg: Auch wenn das Panel des 77W9 extrem dünn und sogar biegsam ist, so liefert es doch die praktisch identische Top-Performance der 2019er-OLED-Bildschirme von LG. Ist die Funktion „Al Bild“ aktiviert, analysiert der neue Prozessor zunächst den vorliegenden Inhalt und wertet die Qualität aus. Mithilfe der künstlichen Intelligenz versucht er das Bild zu optimieren. Dies geschieht auf der Basis von Millionen hinterlegter Inhalte, die mit rasender Geschwindigkeit abgeglichen werden.

Programm und mehr: Der LG-OLED zeigt auf einer Seite des Bildschirms die TV-Kanäle an. Außerdem kann man links im Menü auf Aufnahmen und den EPG zugreifen.

Der koreanische Hersteller verspricht ein Optimum an Klarheit, Schärfe, Details und Helligkeit. Hierbei muss man jedoch einräumen: Ist das Signal schlecht, stößt auch der 77-Zöller an seine Grenzen. Unsaubere Kanten in qualitativ bescheidenen SD-Produktionen bügelt er ebenso wenig weg wie Bildrauschen – und fehlende Tiefe kann sich der W9 nicht einfach aus dem Ärmel schütteln.

Bequeme Aufnahme: Ein Druck auf das Scrollrädchen genügt, und man landet unten links im Menü, um Aufzeichnungen zu starten oder das Archiv zu öffnen.

Mit hochauflösendem Material sieht die Welt hingegen ganz anders aus. Hier skaliert der OLED perfekt hoch, verzichtet auf störendes Rauschen und begeistert mit enormer Plastizität. Ob man sich der Unterstützung der künstlichen Intelligenz (Al-Bild) bedient oder nicht, spielt keine große Rolle: Die Unterschiede findet man, wenn überhaupt, nur mit der Lupe.

TV aus dem Netz: Unter „LG Channels“ verbergen sich jede Menge IPTV-Sender aus dem Ausland, die der 77W9 über das Internet kostenlos bereitstellt.

Für einen idealen Kompromiss aus Detailfreude, dunklen Tönen und dennoch hoher Leuchtkraft sollte man die „Größte Helligkeit“ auf „Mittel“ stellen. Das sogenannte Banding im Bild, also ungleiche Farbverläufe im orangen Abendhimmel, merzt man effektiv aus, indem man die „Glatte Abstufung“ voll ausreizt. Im Modus „technicolor Experte“ schafft unser Testmodell in Spitzlichtern 950 Candela, 880 sind es im „Kino“-Modus, der farblich bei unserer Messung die präzisesten Ergebnisse liefert.

Absolut authentisch: Auch bei herkömmlichen SDR-Darstellungen agiert der LG vorbildlich, seine Farbwiedergabe liefert extrem realistische Ergebnisse.

Bei vollflächigem Weiß sackt die Helligkeit auf 150 Candela ab, 290 sind es bei 50-prozentigem Anteil. Perfekt voreingestellt ist die Farbtemperatur mit „Warm2“ und 6.479 Kelvin. „Warm1“ mit 8.001 und „Warm3“ mit 5.471 Kelvin liegen im Vergleich weit neben der idealen Zielvorgabe von 6.500 Kelvin.

Sieben auf einen Streich: Sieben Messungen, sieben exakte Treffer. Im DCI-P3-Spektrum leistet der 77 Zoll große OLED vorbildliche Arbeit.

Die Themen Blickwinkelstabilität, Ausleuchtung und Schwarzdarstellung sind bei OLED-Fernsehern bereits ausgiebig behandelt worden. Der W9 verdient sich in jeder dieser Disziplinen Bestnoten, weshalb er gerade im anspruchsvollen Heimkino der optimale Apparat ist. Professionelle Anwender können ruhig mal einen Blick in das „Farbverwaltungssystem“ werfen. Hier kann man für jede der Farben Rot, Grün, Blau, Cyan, Magenta und Gelb die Parameter für „Sättigung“, „Farbton“ und „Leuchtdichte“ anpassen.

Cleverer Helfer: Neben Amazon Alexa hat der OLED auch den Google Assistant an Bord, der natürlich nicht lange überlegen muss, wie spät es gerade in Tokio ist.

Rein mit dem Auge ist es zugegebenermaßen kein einfaches Unterfangen, noch eine Nuance mehr aus dem LG herauszukitzeln, weil er ab Werk schon sehr gut voreingestellt ist. Wer wie wir das Gerät jedoch mit einem Spektrometer gemessen hat, kann hier ganz einfach den Farben den letzten Feinschliff verpassen.

Auch wenn wir regelmäßig OLED-Fernseher zwölf Stunden im Dauerbetrieb mit eingeblendeten Senderlogos laufen lassen und bisher keine nachhaltigen Spuren im Panel beobachtet haben, so hat LG dennoch Werkzeuge an Bord, um die Lebensdauer des Displays zu erhöhen. Die Logo-Helligkeit lässt sich beispielsweise auf „Niedrig“ einstellen.

Rund eine Stunde benötigt der „Pixel-Refresher“, um das Bild anschließend wieder so sauber wie möglich darzustellen. Und ist die „Bildschirmverschiebung“ aktiviert, so beugt der OLED77W9 möglichem Panelrauschen und Schattenbildern vor. 

Der Testbericht LG OLED77W9 (Gesamtwertung: 92, Preis/UVP: 13000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 8-2019 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

92 sehr gut

Der OLED77W9 setzt jeden Film als Kunstwerk in Szene. Es gibt momentan keinen anderen Fernseher, der so flach und dezent ist und trotzdem auf so spektakuläre Weise für Aufsehen sorgt. Bild- und Tonqualität spielen auf oberstem Niveau, dazu kommt der maximale Bedienkomfort eines LG-TVs.
Jochen Wieloch

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