LG OLED65B7D (Test)

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Verzaubert immer noch: Mit LGs Magic Remote gelingt die TV-Steuerung buchstäblich im Handumdrehen.

Obwohl der 65B7D bei LG den Einstieg in die OLED-Welt markiert, fehlt es ihm aus bildtechnischer Sicht an (fast) nichts. Hat er das Zeug zum Bestseller?

Der B7 ist so etwas wie das ungeliebte Stiefkind in LGs OLED-Familie: Er kostet deutlich weniger als seine Brüder, bietet aber praktisch die gleiche Technik – schmälert also den Gewinn. Auch wenn die Differenz mittlerweile kleiner ausfällt als beim Vorgänger B6 (audiovision 3-2017), so bietet das neue Modell dank Twin-Tuner und erweiterter Funktionalität das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Online wird der OLED65B7D inzwischen für 3.000 statt dem 4.500-Euro-Listenpreis angeboten.

Ausstattung und Praxis

Im Vergleich zum übergeordneten C7 oder E7 spendiert LG dem Einsteiger ein eher schlichtes Design, das jedoch keineswegs billig wirkt. Schwerer wiegt der Verzicht auf den „Black Filter“ zur Reduzierung von Spiegelungen, was eine kleine Abwertung zur Folge hat – dazu später mehr.

Magic Zoom: Die Lupenfunktion gibt es zwar schon ein wenig länger, sie wurde in webOS 3.5 jedoch verbessert. So lässt sich der Bildausschnitt nun als Foto abspeichern.

Ansonsten fehlt dem B7 nichts. So ermöglicht seine doppelte Empfangseinheit die gleichzeitige Wiedergabe und Aufzeichnung zweier TV-Programme; dank HLG (Hybrod Log Gamma) ist er sogar für HDR-Sendungen gerüstet. Darüber hinaus sorgen HDR-10 sowie Dolby Vision für hohe Zukunftssicherheit. Entsprechende Signale lassen sich über die vier HDMI-Ports, den internen Mediaplayer (USB, Netzwerk) sowie die Streaming-Dienste Amazon Video und Netflix zuspielen.

Magic Link: Die Empfehlungsfunktion ist in webOS 3.5 neu dazugekommen. Sie sucht auf Wunsch zur laufenden Sendung passende Inhalte auf YouTube und Co. heraus.

Wie bei allen 2017er-OLEDs von LG kommt als Betriebssystem webOS 3.5 zum Einsatz. Gegenüber der früheren Version wurden hier die Sicherheit erhöht und ein paar Funktionen hinzugefügt respektive überarbeitet. Mittels Magic Remote gelingt die Navigation kinderleicht. Ihr Mikrofon dient dabei nicht nur der Sprachsteuerung, sondern zusätzlich der Audio-Einmessung.

Der Aluminium-Standfuß des B7 wirkt schmächtig, aber trotzdem elegant. Rechts weist der Schriftzug „LG OLED“ auf die Technik hin.

Trotzdem sollte man keine allzu hohen Erwartungen an das 40 Watt starke Soundsystem stellen: Die Lautsprecher klingen prinzipiell sauber, verzerren aber recht schnell und spielen nicht sehr tief.

Weiße Weste: Der OLED65B7D bietet die gleiche Anschlussvielfalt wie seine Geschwister; dazu gehört auch ein Twin-Tuner. Auf analoge Schnittstellen verzichtet LG.

Bildqualität

Bildtechnisch wird der B7 dem Klischee eines Einsteigermodells in keiner Weise gerecht: Im Bildmodus „isf Experte (Dunkler Raum)“ trifft er sämtliche Farbnuancen mit der Akkuratesse eines Profis, wie unser Diagramm zeigt. Die Delta-E-Abweichungen liegen bei durchschnittlich 1,4 beziehungsweise 1,0 (Grautöne). Wer es knalliger mag, kann das BT.709-Spektrum in der Farbumfang-Einstellung „Erweitert“ leicht oder in Stellung „Breit“ nahezu auf DCI-P3-Niveau vergrößern. Ungewöhnlich ist, dass die Intensität von der Seite zunimmt. Allerdings tritt ab 30 Grad ein Blaustich auf.

Feintuning: Auch beim LG OLED65B7D erhalten Profis im erweiterten Bildmenü Zugriff auf ein detailliertes Farbmanagement. Notwendig ist dieses aber zum Glück nicht.

Ferner geht die Helligkeit um etwa 20 Prozent zurück. Im dunklen Heimkino stört das nicht weiter, zumal sich über den Regler „OLED-Licht“ 100 Candela mehr aus dem Preset kitzeln lassen (302 statt 202 Candela). Andererseits entlocken HDR-Signale dem organischen Panel locker doppelt so viel.

Kann bereits die SDR-Bildqualität auf ganzer Linie überzeugen, läuft LGs günstigster 65-Zoll-OLED im HDR-Betrieb zur Hochform auf – vorausgesetzt, man wechselt vom blaustichigen Werks-Preset „Standard“ (9.830 Kelvin) zu „Kino“ mit fast perfekten 6.430 Kelvin oder zu „Kino-Home“, der zwar etwas kühler abgestimmt ist (7.330 Kelvin), dafür jedoch die geringsten Delta-E-Abweichungen zeigt. Unser Favorit bleibt „Kino“, zumal sich die Farbreproduktion durch Erhöhen der Sättigung verbessern lässt. Das DCI-P3-Spektrum decken alle Bildmodi gleichermaßen gut ab.

Durch Erhöhen der Farbtiefe von 55 auf 70 entlockt man dem HDR-Preset „Kino“ neutralere Nuancen. Magenta und Gelb wirken aber immer noch etwas dunkel.

Ebenso stellen wir in den Helligkeitsmessungen keine großen Differenzen fest: Mit knapp 720 Candela im Spitzlicht, 430 Candela bei 50 Prozent Weiß sowie 160 Candela im Vollbild liegt der B7 exakt auf dem Niveau seiner teureren Brüder. Auch beim Tone-Mapping steht er ihnen in nichts nach. Sollten großflächig helle Szenen überstrahlen, hilft die Schwarzwert-Einstellung „Hoch“. Dadurch kommen selbst feinste Details zum Vorschein.

Dynamische Metadaten: Wie seine teureren Brüder kommt auch der B7 mit dem Dolby-Vision-Standard zurecht und stellt entsprechende Bildmodi zur Verfügung.

Für sehr helle Umgebungen ist der 65B7D dennoch nur bedingt geeignet. Denn unter Auflicht kommt ein recht schwacher Kontrastwert von 820:1 zustande, der vom eingesparten „Black Filter“ herrühren dürfte. Zum Vergleich: Der mit dem Filter ausgestattete C7 (audiovision 8-2017) schafft 1.100:1. Unsere im dunklen Raum durchgeführte ANSI-Kontrastmessung meistert er wiederum mit einem bravourösen Ergebnis von 6.570:1.

Vorbildlich: Ohne weitere Anpassungen gibt das Preset „isf Experte (Dunkler Raum)“ selbst schwierige Nuancen sehr gut wieder. Blautöne tanzen minimal aus der Reihe.

Lob verdient auch die (OLED-typisch) sehr gleichmäßige Ausleuchtung: Selbst in großen monotonen Arealen wie einem Fußballrasen kommen keine Flecken zum Vorschein. Nicht unerwähnt bleiben darf hier die tolle Bewegungsschärfe.                 

Der Testbericht LG OLED65B7D (Gesamtwertung: 85, Preis/UVP: 4500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

85 sehr gut

Der LG OLED65B7D stellt den Aufpreis für die teureren Brüder ernsthaft infrage. Wer mit dem etwas schwächeren Soundsystem sowie dem niedrigeren Hellraumkontrast leben kann, spart hier bares Geld. Denn die restliche Bildqualität ist identisch. Martin Ratkovic

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