LG HU80K Presto (Test)

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LGs erster 4K-Heimkinoprojektor soll das Großbilderlebnis so flexibel wie möglich machen. Wir haben getestet, ob der HU80K hält, was die Koreaner versprechen.

Praktisch: LGs Magic Remote arbeitet wie ein virtueller Laserpointer, mit dem man die gewünschten Icons direkt anklickt. Auch Texteingabe per virtueller Tastatur wird erleichtert.

Als einer der wenigen Projektorenhersteller ist LG Electronics nicht nur auf eine stetige Verbesserung der Bildqualität fokussiert, sondern möchte durch immer flexiblere Nutzungsmöglichkeiten das Thema Großbild einem immer breiteren Publikum zugänglich machen. Der neue HU80K stellt dabei in vielerlei Hinsicht eine eigene Produktkategorie dar.

Aufgrund seiner Laserlichtquelle soll der 2.500 bzw. 2.700 Euro teure Projektor über eine so hohe Lebensdauer wie ein Fernseher verfügen und so eine tägliche Nutzung über viele Jahre ohne Sorgen über einen Lampentausch ermöglichen. Dank aktuellem Smart-Betriebssystem mit voller Netzwerkfähigkeit und eigenen 4K-Streaming-Apps ist er von externen Zuspielern weitgehend unabhängig. Mittels UHD- und HDR-Kompatibilität soll dabei eine hochwertige Bildqualität geboten werden. Und dank seiner vertikalen Stand-Bauweise mit Umlenkspiegel benötigt er weder Tisch, Sideboard noch Decke. 

Lifestyle-Objekt statt unschöner Fremdkörper. LGs 4K-Projektor HU80K macht in modernen Wohnzimmern eine gute Figur und wirft aus relativ kurzer Entfernung ein riesiges Bild an die Wand.

Um die Kosten zu senken, hat Texas Instruments seine XPR-Pixelshift-Technologie überarbeitet und nun als Vierfach-Shift mit einem Full-HD-Chip kombiniert. Die Pixel werden dabei in vier Schritten durch einen Aktuator „im Kreis“ bewegt, die Auflösung rein rechnerisch vervierfacht. Die native Ausgangsauflösung ist zwar geringer als bei der ersten XPR-Technologie und die Überlagerungen zwischen den Pixeln größer, das Ergebnis überzeugt dennoch mit hervorragender Schärfe und Detaildarstellung. Vor allem die TruMotion-Zwischenbildberechnung liegt hier auf dem Niveau teurerer Beamerklassen. Die Schärfe der nativen 4K-Auflösung wird allerdings nicht erreicht.

Durch horizontales und vertikales Verschieben werden die Pixel vervierfacht.

In Anbetracht der Limitationen in Schwarzwert, Kontrast und Farbumfang (siehe Messergebnisse) kann ein vollwertiges HDR-Erlebnis nicht erreicht werden, doch die HDR-Werkseinstellungen des LG HU80K, die sich bei entsprechender Zuspielung selbst aktivieren, sind in den Clipping-Pegeln und der Farbtransformation von BT2020 auf sRGB so gut abgestimmt, dass auch UHD-Premium-Inhalte ansprechend auf die Leinwand gebracht werden. Der gute In-Bild-Kontrast des LG HU80K hilft dem erhöhten HDR-Dynamikumfang innerhalb eines Bildes, die Vorteile gegenüber Standard Dynamic Range (SDR) sind aber gering. Durch die zahlreichen Bildparameter kann der Anwender bei Bedarf die HDR-Pegel nach eigenem Geschmack abgleichen und so die Balance zwischen Helligkeit und Kontrast selbst gewichten.

Der DCI-Kinofarbraum wird vom HU80K nicht abgedeckt, die Farbtransformation in den sRGB-Farbraum gelingt allerdings sehr gut und sorgt für eine natürliche Farbwiedergabe.

Ausstattung und Praxis

Ohne sichtbares Objektiv ist der LG HU80K auf den ersten Blick gar nicht als Beamer zu erkennen. Erst nach Aufklappen des oberen Spiegels zeigt sich die Optik, die ebenfalls vertikal im Beamer verbaut ist. Wählt man die vertikale Aufstellung, so reicht es, den Projektor auf den Boden zu stellen und mittels des Spiegels, der in Kombination mit einer Auto-Trapezkorrektur einen Lensshift ersetzt, das Bild auf die gewünschte Höhe auszurichten. Zoom und Fokus werden weiterhin klassisch manuell über Drehräder an der Geräteseite justiert. Mechanisch und elektronisch funktioniert das System so zuverlässig, dass sich stets ein rechtwinkliges Bild auf der gewünschten freien Wand ergibt. Sogar ein 3,5 Meter langes Aufrollkabel nach Vorbild eines Staubsaugers ist integriert.

Die HDMI Eingänge erfüllen den HDMI-2.0-Standard. Das Stromkabel ist fest integriert und bietet eine Aufrollautomatik.

Auch horizontal lässt sich der Beamer problemlos nutzen, dafür wird der Spiegel einfach nach unten weggeklappt und das Gerät auf den Tisch gestellt oder optional mittels einer Halterung an der Decke montiert. Durch seinen eingeschränkten 1,2-fachen Zoom ohne optischen Lensshift zeigt er sich in dieser Variante allerdings weniger flexibel als die meisten anderen Projektoren dieser Preisklasse. Bei einer Festinstallation ist entsprechende Raumplanung vorab notwendig. Dennoch: Hinstellen, einstecken, anschalten, fertig – so einfach war die Spontan-Installation eines Projektors noch nie. 

Dank seines innovativen Aufstellkonzeptes findet sich immer ein günstiger Platz für den LG HU80K.

Die verbaute Laserlichtquelle (zwei Laserbänke mit jeweils sechs Dioden) macht sich nicht nur durch die gegenüber UHP-Lampen rund zehnmal längere Lebensdauer von 20.000 Stunden positiv bemerkbar, sondern sorgt auch für eine sofortige Bildwiedergabe nach dem Einschalten ohne lästige Aufwärmphase.  Die Stromaufnahme von 160 Watt bis 240 Watt, je nach verwendetem Helligkeitsmodus, ist ökonomisch und spart über die Lebensdauer des Projektors Energie und Ersatzteilkosten. Auch die Lautstärke hängt von der Helligkeit ab: So arbeitet im Eco-Modus nur einer von drei Lüftern mit angenehmen 24 dB, erst im hohen Modus schalten sich die anderen zwei hinzu, was zu 32 dB führt, aber dank tiefer Tonlage weiterhin akzeptabel erscheint.

Mit dem stabilen Tragegriff kann der HU80K wie ein Koffer transportiert werden. Bei waagerechter Aufstellung dient der Griff zudem als Winkelstütze.

Für die Bilderzeugung kommt ein herkömmlicher Full-HD-Spiegelchip (DMD) zum Einsatz, was in Anbetracht der beworbenen 4K-Spezifikation verblüfft. Letztere wird erst durch einen „Aktuator“ erzeugt, der per Lichtbrechung die Pixel horizontal und vertikal verschiebt und numerisch vervierfacht (von Texas Instruments „XPR2“ getauft). Es handelt sich gleichsam um eine sequentielle 4K-Auflösung, nicht um eine native, wie in Sonys aktuellen VW-Modellen, was in dieser Preisklasse aber auch nicht zu erwarten war. Dafür bietet der HU80K eine vollwertige UHD-Zwischenbildberechnung, bei LG „TruMotion“ genannt, die man bei Sonys Einsteiger-4K-Modellen bisher vergeblich sucht.

Den LG HU80K gibt es in zwei Farbvarianten: Das „G“-Modell kommt im zeitlosen Schwarz, während ein modernes Mattweiß dem „SW“-Modell alias „Presto“ ein elegantes und wohnraumkompatibles Äußeres verleiht. Doch es ist nicht nur die Farbe, die die beiden Modelle unterscheidet: Beide Bildwerfer verfügen über LGs WebOS-3.5-Oberfläche, die nahezu unverändert von den hauseigenen Fernsehern übernommen wurde. Doch nur das weiße „Presto“-Modell verfügt über einen integrierten Appstore und die praktischen 4K-Streaming- Apps von Netflix, YouTube und Co. Mit ihnen kann sich der Presto ohne externen Zuspieler komplett selbst mit UHD/HDR-Inhalten versorgen, was gerade für einen portablen Projektor von Vorteil ist. Diesen Unterschied zwischen „Black & White“ muss sich der Käufer mit moderaten 200 Euro Aufpreis erkaufen.

LG WebOS ist eine der modernsten SmartTV-Oberflächen, die ohne signifikante Änderung beim HU80K übernommen wurde.

Die Bedienung der LG WebOS Oberfläche erfolgt durch die Magic Remote neuester Generation, die der HU80K ebenfalls von den TV-Modellen geerbt hat. Die Steuerung per „virtuellem Laserpointer“ geht intuitiv leicht von der Hand, schnellen Reaktionszeiten sei Dank.

Nur der HU80KSW alias „Presto“ verfügt über eigene 4K-Streaming-Apps, die in einem AppStore geladen und installiert werden können.

Mit der „Home“-Taste kann zudem jederzeit das WebOS-Hauptmenü aufgerufen werden, ohne den gerade gezeigten Inhalt zu unterbrechen. Alles in allem bedient sich der LG HU80K als bisher einziger Beamer weltweit genauso smart wie ein moderner TV neuester Generation.

Licht & Farbe

LG bewirbt den HU80K mit einer stolzen Lichtleistung von 2.500 Lumen. Bei Wahl des entsprechenden Modus mit unkorrigierter Laser-Farbtemperatur durchbricht der Projektor tatsächlich die 2.000-Lumen-Marke und hält so die Werksangabe halbwegs ein – allerdings nur mit einem starken Grünstich, der eine neutrale Farbreproduktion verhindert. Setzt man die Farbtemperatur auf „Mittel“ oder „Niedrig“, zeigt der Presto eine ausgewogene Farbbalance, die er mit rund 1.000 Lumen Lichtleistung kombiniert. Dies entspricht dem gängigen Durchschnitt im Heimkinobereich, volle Tageslichttauglichkeit, die bei einem portablen Projektor keine unwesentliche Rolle spielt, wird aber eingebüßt.

In Sachen Farbraum liegt der Projektor nahe an der für SDR erforderlichen Rec709- bzw. sRGB-Norm, die er mit einem leicht untersättigten Rot knapp verfehlt. Dank seiner guten Signalverarbeitung und zahlreichen Korrekturmöglichkeiten bietet der LG HU80K insgesamt eine ansprechend helle und neutrale Farbreproduktion. Schwächen offenbaren sich allerdings im Schwarzwert und Kontrast, der mit maximal 800:1 für einen Grauschleier in dunklen Bildern sorgt. Der In-Bild-Kontrast in Mischszenen ist hingegen DLP-typisch hoch (Schachbrett 380:1) und bietet eine hohe Plastizität, sobald sich auch helle Elemente im Bild befinden.

Schärfe & Videoverarbeitung

Spannend ist die Frage, wie gut die Schärfe und Detaildarstellung der XPR2-Technologie den Anforderungen einer 4K-Darstellung gerecht werden, wenn nur ein nativer Full-HD-Chip zum Einsatz kommt. Die Antwort darauf lautet: „Verblüffend gut!“ Im direkten Vergleich zeigen sich bei feinen Strukturen und kleinen Details zwar noch Unterschiede zur nativen Darstellung, doch absolut gesehen erscheint das Bild des LG HU80K so detailreich, wie es mit herkömmlicher HD-Auflösung nicht möglich wäre.

Die 4K-taugliche Zwischenbildberechnung lässt sich in ihrer Wirkungsweise individuell konfigurieren.

Besonders gut gefallen hat uns dabei der analoge und zugleich scharf wirkende Look ohne störende Artfakte wie Aliasing oder Interferenzen. Selbst bei aktivierter Trapezkorrektur über den Spiegel blieb das Bild des LG HU80K beeindruckend scharf und detailliert und auch bei Full-HD-Zuspielung leistet sich der „Presto“ dank guter 4K-Skalierung keine Schwächen. Hinzu kommt die sehr gut arbeitende „TruMotion“-Zwischenbildberechnung, die die Bewegungsschärfe von 4K-Inhalten signifikant steigert, ohne zu sehr durch störende Artefaktbildung oder Ruckler unangenehm aufzufallen. Besonders gut gefallen hat uns, dass man bei ihr die Gewichtung zwischen Flüssigkeit der Bewegung und Schärfeerhöhung selbst konfigurieren und so auf Wunsch den „Filmlook“ von Spielfilmen erhalten kann.                                                           

Der Testbericht LG HU80K Presto (Gesamtwertung: 78, Preis/UVP: 2700 Euro) ist in audiovision Ausgabe 6-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

78 gut

Mit seinem flexibel einsetzbaren Chassis, der netzwerkfähigen WebOS-Oberfläche, einer langlebigen Laserlichtquelle und UHD-Kompatibilität ist der LG HU80K der derzeit leistungsfähigste portable Heimkino-Beamer am Markt. Beim Bild gefallen seine hohe Schärfe sowie eine ansprechende Helligkeit. Beim Schwarzwert und Kontrastumfang ist allerdings noch viel Luft nach oben.
Ekki Schmitt

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