JVC DLA-X3
Erste Eindrücke
Teil 1:
Vorwort:
Heute hab ich mir den JVC DLA-X3 mal näher betrachten können. Vor allem war ich neugierig auf die Frame Insertion und die 3D-Darstellung. Auch der Frage nach einem Upgrade des HD550 auf den X3 war diesbezüglich interessant. Wie groß sind die Vorteile des X3?
Leider wurde wie auf der IFA und den anschließenden Presse/Händlerpräsentationen wieder nur ein Vorserienmodell vorgeführt, dass leider einige Bugs hatte. Ob diese Bugs bis zur Serienreife behoben werden, bleibt abzuwarten.
Um meine Eindrücke ein wenig zu sortieren, hab ich diese mal in einzelne Themenbereiche gesplittet.
Helligkeit/Kontrast:
Die maximale Helligkeit beträgt rund 1300 Lumen. Diese erzielt der X3 allerdings "nur" mit 8000 Kelvin (dazu unten mehr). Rund 1100 Lumen verbleiben bei 6500 Kelvin. Wie schon die HD550/750/950/990 verliert auch der X3 durch die Kalibrierung nur wenig von seiner maximalen Luminanz, so dass knapp unter 1100 Lumen an maximaler Helligkeit verbleiben.
Der X3 ist somit etwas heller als ein kalibrierter HD550. Welten waren das subjektiv nun wirklich nicht.
Deutlicher fiel hingegen der bessere Im-Bildkontrast auf. Vor allem in dedizierten Heimkinos wird der X3 nochmals etwas zulegen können. In einem Wohnkino mit hellen Wänden, weißer Decke und Restlicht wird davon aber kaum noch etwas übrig bleiben.
Insgesamt gewinnt das Bild durch die Kombination aller Parameter an Plastizität. So wirken die Innenaufnahmen in THE DARK KNIGHT extrem plastisch. Auch die Weltraumaufnahmen in SPACE COWBOYS hab ich so beeindruckend kaum einmal vorher gesehen. Hier ist nicht mehr der Projektor sondern der Raum selbst der limitierende Faktor.
Schärfe, Farbe, Shading, Solarisation:
Der Projektor stellt eine fantastische Bildschärfe dar. Diese kann mittels zweier Schärferegler digital weiter an den eigenen Geschmack angepasst werden. Die Detailschärfe hebt den Kontrast feiner Bilddetails so an, dass der gesamte Bildeindruck knackiger erscheint, ohne dass Doppelkonturen entstehen. Übertrieben sollte dieser Regler allerdings nicht genutzt werden, weil ansonsten auch das Bildrauschen verstärkt wird.
Die Farbdarstellung ist ausgesprochen homogen. Durch den hohen Füllfaktor von weit über 90% der D-ILAs wirken die Farben sehr natürlich. Wie schon beim HD550 sind nur geringe Korrekturen notwendig, um den Projektor einen linearen Graustufenverlauf zu verpassen. Eine Farbraumanpassung ist bei diesem Modell nicht möglich. Während die Modelle X7 und X9 über ein vollständiges Farbmanagement verfügen, bleibt beim X3 der Farbraum ein wenig erweitert. Filmszenen wirken dadurch etwas farbgesättigter aber nicht bonschefarbig. Wem das nicht gefällt, der kann die Farbsättigung herunterdrehen, bis subjektiv ein vergleichbarer Bildeindruck entsteht wie bei den auf Norm kalibrierten X7 und X9.
Shading war beim X3 nicht zu sehen. Auch typische Solarisationseffekte sind mir beim zugespielten Material nicht aufgefallen.
Insgesamt ist der Bildeindruck sehr homogen und filmlike. Vergleichbar ist der X3 in dieser Disziplin mit dem JVC-HD550 und dem aktuell erhältlichen HD350er Modell.
Frame Insertion:
Die 4 stufige Frame Insertion wurde zum HD550 grundlegend überholt und ein wenig verbessert. Perfekt ist sie leider nicht!
In Stufe 1 und 2 werden Black Frame integriert.
Vor allem in Stufe 1 führen diese Black Frames zu einem deutlich sichtbaren Flackern, wie ich es noch von alten Röhren TVs kenne.
In Stufe 2 ist das Helligkeitsflackern wesentlich geringer, aber durchaus noch wahrnehmbar. Vor allem die Helligkeit reduziert sich hier so drastisch durch die schwarzen Zwischenbilder, dass der X3 viel von seiner Plastizität einbüßt.
In Stufe 3 werden keine Black Frames eingefügt, sondern Zwischenbilder errechnet. In Kapitel 1 von THE DARK KNIGHT (Flug über die Dächer der Wolkenkratzer) zeigt das linke verglaste Gebäude deutliche Blockartefakte. Das Gebäude auf der rechten Seite bildet in der Mitte deutliche Pixelwolken. Auch die senkrechten "Gitter" auf dem Dach flackern und zeigen Artefakte in Form von kleinen viereckigen Blöcken, die ineinander verlaufen. Insgesamt ist die Bewegungsdarstellung besser als beim HD550 - aber Artefaktfrei sind sie leider nicht!
Insgesamt kann ich mich mit der besseren Bewegungsdarstellung ganz gut anfreunden. Sie wirkt nicht mehr so "soapig" wie noch beim HD550. Der klassische Filmlook bleibt weitgehend erhalten. Die Aufnahmen von THE INTERNATIONAL gewinnen mit der FI-Stufe 3 deutlich an Schärfe in Bewegungen. Wenn Clive Owen durch Berlin hetzt bleiben bei den Kameraschwenks alle Bilddetails erhalten. Mit ausgeschalteter FI verschmieren diese Panoramaaufnahmen deutlich.
Stufe 4 berechnet weitere Zwischenbilder und stellt insgesamt mehr Zwischenbilder dar als Originalframes. Der "Soaplook" ist nun allgegenwärtig. Vor allem bei langsamen Kameraschwenks und Bewegungen der Darsteller fällt das auf. Diese Stufe ist Geschmacksache. Mein Ding ist das nicht. Keine Geschmacksache sind hingegen die massiven Artefakte in Stufe 4. Diese Artefakte nehmen massiv zu und bewegen sich auf einem vergleichbaren Niveau wie beim Vorgängermodell, dem HD550. Furchtbar!
Insgesamt gefällt mir als "FI-Kritiker" die Stufe 3 am Besten. Mit ein wenig Eingewöhnungszeit könnte ich mich damit sogar anfreunden, weil die Zunahme an Bewegungsschärfe die Nachteile des "künstlichen" Looks überspielen. Wenn JVC die Artefakte nun noch beseitigt, ist die FI in Stufe 3 absolut tauglich - sogar für Filmlookliebhaber wie mich.
Zoom, Lautstärke, Lüfter:
Der Zoombereich ist vergleichbar mit dem HD550. Da Zoom, Fokus und Lens-Shift motorisch per Fernbedienung regelbar sind, kann das Bild problemlos vom Sitzplatz aus auf verschiedene Bildformate angepasst werden. Eine Lens-Memory-Schaltung wie sie der Panasonic PT-AE4000 nutzt ist allerdings nicht vorhanden.
Der Lüfter ist praktisch nicht mehr zu hören. Im Lampenmodus HOCH ist der Lüfter gerade mal so laut wie der HD550 im Lampenmodus NORMAL. Damit ist der Projektor trotz seiner gesteigerten Lichtleistung absolut Heimkinotauglich.