Focal Sib Evo (Test)

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Focal hat einen weiten Weg hinter sich: Angefangen hat alles 1980, als Firmengründer Jacques Mahul die Lautsprecherszene mit neuen Ideen aufmischte und seine Firma schnell größer und bedeutender werden ließ. Er verlegte sich zunächst auf den High-End-Sektor – der Mega-Lautsprecher Grande Utopia gilt auch in der mittler-weile dritten Inkarnation für viele als einer der Besten. Heute ist Focal mit dem englischen Elektronik-Hersteller Naim Teil der Vervent Group.

Neben nicht selten sündhaft teuren High-End-Schallwandlern hat Focal auch kompakte und überraschend günstige Lautsprecher im Programm, die der Fernost-Fraktion Paroli bieten sollen. Mit der Sib-Serie kam vor einigen Jahren auch ein erstes Heimkino-Set auf den Markt.

Technik

Jetzt setzt Focal eins obendrauf: Nämlich mit der Sib-Evo-Baureihe. Die enthält mit dem Sib-Evo-Atmos auch einen Lautsprecher mit integriertem Deckenstrahler für Höhensignale. Im Set mit drei „normalen“ Sib-Evo-Böxchen ohne Chassis auf der Oberseite und dem kompakten Subwoofer Cub Evo berechnet Focal dafür gerade mal 1.200 Euro. Für diesen Preis ist bei anderen Herstellern an Atmos nicht zu denken.

Wie schon bei einigen Tests in unserem Hörraum zutage trat, ist die Abstimmung eines Atmos-Lautsprechers, der über die Decken-Reflexion funktioniert, keine einfache Sache. Soll er doch über einen breiten Frequenzbereich genau gerichtet an die Decke abstrahlen, dabei aber so wenig Schall wie möglich nach vorn entkommen lassen. Denn zu viel Direktschall vom Lautsprecher zieht den Fokus des menschlichen Gehörs unweigerlich nach unten, zum Lautsprecher hin.

Die obere Kante dieses Richtcharakteristik-Diagramms, des Atmos-Teils der Sib-Evo-Atmos stellt 0 Grad vertikalen Abstrahlwinkel, also den Schall nach vorn zum Zuhörer hin, dar. Das Diagramm durchläuft dann vertikale Winkel bis 90 Grad, also Abstrahlung genau nach oben. Bei 60 Grad, also nach vorn Richtung Decke, wird am meisten Schall abgestrahlt, zu 0 Grad hin (immer blauer werdend) deutlich weniger.

Focal hat hier sehr gute Arbeit geleistet und die Möglichkeiten der Bauweise, nämlich Kunststoffguss, perfekt genutzt. So lassen sich die mit Hilfe von Computer-Simulationsprogrammen und schlichtem Ausprobieren gefundenen Lösungen für die die Richtwirkung bestimmenden Formelemente ohne Kompromisse in die Großserie umsetzen. Das vom Hersteller eingesetzte 10-Zentimeter-Breitbandchassis findet so richtig gute Einsatzbedingungen, um möglichst viel Schall an die Decke und möglichst wenig direkt zum Zuhörer zu schicken.

In Sachen Verarbeitung lassen die Franzosen bei den kleinen Lautsprechern wenig anbrennen, die Gehäuse sind zwar aus Kunststoff, anders wäre die schicke, abgerundete Form auch nicht zu erreichen. Das verwendete Material macht aber einen durchaus wertigen und stabilen Eindruck. Auch die hochglanzlackierten Oberflächen fallen sehr sauber aus. Alles in allem also Daumen hoch für Optik und Anmutung.

Jetzt geht´s rund: Bedienfeld und Verstärker montiert Focal beim Cub Evo auf eine runde Montageplatte.

Die eingesetzten Chassis sind ebenfalls keine Billigware: Die Tief-/Mitteltöner beispielsweise weisen einen Durchmesser von 12,5 Zentimetern auf und besitzen eine Membran aus einem Kunststoff, den der Hersteller „Polyflex“ nennt. Er soll sich durch eine hohe innere Dämpfung und nicht zu geringe Steifigkeit auszeichnen und damit wenig anfällig für Partialschwingungen sein. In beide Gehäusetypen sind Bassreflexrohre integriert. Die in dem „normalen“ Sib Evo weisen nach hinten, bei der Sib-Evo-Atmos sind sie unter dem Frontgitter versteckt. Als Hochtöner verwenden die Franzosen eine 19-Millimeter-Gewebekalotte, die ab 3.500 Hertz die Schallabstrahlung übernimmt. Als Atmos-Strahler verwendet Focal ein kleines 10-Zentimeter-Chassis, das 30 Grad nach vorn angewinkelt und versenkt in die Oberseite eingebaut ist. So soll zu viel Abstrahlung nach vorne, die die Wahrnehmung von oben beeinträchtigen könnte, verhindert werden. Das Set ist übrigens ausbaufähig: Ein Paar zusätzliche Sib-Evo-Atmos für die Surroundkanäle ist auch einzeln erhältlich und kostet 500 Euro. Auch passende Ständer für die Bodenaufstellung hat Focal mit dem Hib-Evo-Stand im Programm – ein Paar schlägt mit 200 Euro zu Buche.

Dem Focal-Set liegen zwei Wandhalter bei, die für Sib Evo Atmos und Sib Evo passen.

Der Subwoofer Cub Evo wird von einer Schaltendstufe mit 200 Watt angetrieben, die das in der Unterseite montierte 20-Zentimeter-Chassis antreibt. Der Tieftongarant steht auf stabilen Hartgummi-Füßen, die strömungsoptimierte Bassreflexöffnung ist vorn angeordnet.

Tonqualität Surround

Mit einem Maximalpegel von 99 Dezibel spielt der Sub für seine Größe ziemlich laut. Und kommt dazu bis 40 Hertz hinunter, ein für diese Chassisgröße durchaus respektabler Wert. Die Frequenzgänge beider Boxentypen fallen ähnlich aus und zeigen einen leichten „Badewannen“-Charakter: Zu Bässen und Höhen hin steigen sie leicht an. Die vorhandenen Welligkeiten sind gering und dürften kaum zu hörbaren Verfärbungen führen.

Bei der Messung der Minimalimpedanz allerdings wunderten wir uns: Beide Sib-Evo-Varianten zeigten mit 2,5 respektive 2,6 Ohm viel zu geringe Werte. Das kann gerade preiswerte Receiver, deren Endstufen-Stromlieferfähigkeit erfahrungsgemäß eher begrenzt ist, ziemlich ins Schwitzen bringen.

Um das einmal in der Praxis auszuprobieren, bestritt das Set den Hörtest nicht mit der ultrastabilen Vor-Endstufen-Kombi D2v/A5/A2 von Anthem, sondern mit dem Denon-Reveiver AVR-X1500H. Der kostet 500 Euro und ist damit ein adäquater Spielpartner für das Focal-Set.

Was er auch klanglich unter Beweis stellt, lässt er doch die Boxen-Kombi aus Frankreich ansprechend und durchaus detailreich klingen. Jane Monheits Stimme ertönt bei ihrem „They Can´t Take that Away from Me“ mit der gewohnten Fülle und Leichtigkeit, die Gitarre von John Pizarelli perlt locker und lässt sich präzise orten. Die Akustik-Gitarren von Dave Matthews und Tim Reynolds klingen ebenfalls luftig und akzentuiert, allerdings flirren bei ihnen etwas zu viele Obertöne – der leichte Höhenanstieg lässt grüßen. Am anderen Ende des Frequenzspektrums war hingegen eitel Sonnenschein: Der Cub Evo integriert sich nahtlos ins Klangbild, er überzeugt durch saubere, impulsive Tieftonarbeit, die sich organisch in den Gesamteindruck einfügt. Hut ab.

An seine Grenzen kommt das Set, wenn ihm lautstarke Heimkino-Klangeffekte á la „Terminator – die Erlösung“ abgefordert werden. Im Tiefbassbereich macht sich das weniger bemerkbar, hier komprimiert der Sub zwar merklich, ist aber immer noch bei der Sache. Schwierig wird´s erst dort, wo auch alle anderen Miniboxen Probleme hatten: Im oberen Bass- und Grundtonbereich. Hier fehlt es einfach an Membranfläche und Dynamik. In Anbetracht von Preis und Größe geht das Ergebnis aber in Ordnung, zumal auch die niedrigen Impedanzwerte den Denon-Receiver zwar zu einiger Wärmeentwicklung, aber kein einziges Mal zum Abschalten getrieben haben.

Der Atmos-Teil der Frontlautsprecher erledigt seine Arbeit unauffällig, aber effektiv: Höhen-Signale wie aus „Transformers – Ära des Untergangs“ kommen durchaus glaubwürdig von oben und fallen durch unauffällige, aber wirksame Ergänzung des Klangbilds angenehm auf.   

Der Testbericht Focal Sib Evo (Gesamtwertung: 74, Preis/UVP: 1200 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

74 gut

Wer bei Musik und Heimkino mittlere Pegel bevorzugt und platzsparende Boxen sucht, ist beim angenehm und räumlich klingenden Focal-Set an der richtigen wie günstigen Adresse.
Michael Nothnagel

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