Falscher Jugendschutz

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SteineckeFoto02Um erst gar kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Jugendschutz ist wichtig und gut. Doch in Deutschland geht der Schutz der Jugend zu Lasten der erwachsenen Kinogänger und DVD-Liebhaber. Ein Umstand, der einem in diesen Tagen wieder schmerzhaft bewusst wird.

Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) vergibt für Filme die Altersfreigaben ‚ohne Altersbeschränkung‘, ‚ab 6 Jahren‘, ‚ab 12 Jahren‘, ‚ab 16 Jahren‘ und ‚keine Jugendfreigabe‘. So weit, so vernünftig. Doch: Die FSK verlangt häufig Schnittauflagen für Filme, die ohnehin nur für Erwachsene freigegeben sind. Beispiel „Doomsday“ (Blu-ray-Test in der aktuellen audiovision): Die 30-Millionen-Dollar-Produktion mit renommierten Schauspielern wie Malcolm McDowell und Bob Hos­kins ist an über 30 Stellen gekürzt. Eine Praxis, die in Spanien, Frankreich oder Österreich undenkbar wäre.

Zwar können Anbieter ihre Filme ohne FSK-Freigabe veröffentlichen, doch dann bestünde die Gefahr, dass der Titel indiziert wird. Eine Indizierung untersagt jedwede Werbung an Orten, die Jugendlichen zugänglich sind – und kommt dem kommerziellen Tod gleich. Ein Schicksal, das unlängst die Blu-ray-Disc von „John Rambo“ ereilte. Die HD-Scheibe werden Sie nicht mehr bei Media Markt & Co. im Regal finden, ebensowenig bei Online-Versendern wie Amazon. Und wir als Redaktion dürfen über indizierte Titel nur eingeschränkt berichten.

Das Mittel der Indizierung und die damit verbundene Einschränkung der Presse­freiheit existiert in dieser Form nirgends sonst im westlichen Europa. Keine Frage, die Auswirkungen der deutschen Jugendschutzgesetze auf den mündigen Bürger sind dramatisch und bedürfen einer Reform. Übertreibung? Wohl kaum. So veröffentlicht Kinowelt im Januar „Saw 3“ und „Saw 4“ auf Blu-ray nur in gekürzten Versionen, trotz Jugendverbot. Und auch Robert Rodriguez‘ Action-Hommage „Planet Terror“ mit Bruce Willis erscheint am 15. Dezember auf Blu-ray nur als gekürzte Fassung. Denn die ungeschnittene Version ohne FSK-Freigabe, die vor einem Jahr auf DVD erschien, ist mittlerweile indiziert und somit nicht vermarktbar.

Da bleibt dem Blu-ray-Kunden nur die Flucht ins Ausland. Zum Beispiel nach Australien. Dort erscheint „Planet Terror“ im Februar – ungeschnitten und freigegeben ab 15 Jahren. Auf deutschen Ton muss man freilich verzichten.

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