EU beschließt Digitalradio-Pflicht im Auto

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Digitalradio DAB+, der digitale Nachfolger von UKW, entwickelt sich weiter sehr dynamisch. Bundesweit gibt es inzwischen über 250 regional unterschiedlich digital-terrestrisch empfangbare Programme. Spannende Zielgruppenangebote, wie Radio Teddy und MDR Tweens bieten Musik und Moderation für junge Hörer, während etablierte Sender wie der Deutschlandfunk, Klassik Radio und Radio FFH bereits auf UKW Frequenzen zugunsten von DAB+ verzichten. Damit setzen diese Anbieter ein wichtiges Signal: Die Digitalisierung des Hörfunks macht große Fortschritte, mit DAB+ als verlässlichen terrestrischen Verbreitungsweg und IP als sinnvolle Ergänzung.

 

Anhaltendes Marktwachstum, Netzabdeckung nahe Vollausbau

Die bundesweite DAB+ Netzabdeckung liegt bei 98 Prozent der Fläche, dabei erreicht der Indoor-Empfang 89 Prozent der Bevölkerung.  Der Anteil von Personen in Haushalten mit Zugang zu mindestens einem DAB+ Gerät steigt von 15,7 in 2017 auf 18,1 Prozent in 2018, so die letzten Zahlen aus dem Digitalisierungsbericht der Medienanstalten. Vergleicht man alle Übertragungswege, weist DAB+ mit 15 Prozent noch vor Internet-Radio die stärkste Steigerung zum Vorjahr auf. Der Anteil von Haushalten mit DAB+ legt überall zu, besonders in der Ländergruppe Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Während Abverkäufe von UKW Radiogeräten kontinuierlich sinken, erreicht der Absatz von DAB+ Empfängern einen neuen Höchstwert: In Deutschland gibt es inzwischen 12 Mio. DAB+ Radios, bei einem absoluten Zuwachs von 2 Mio. im Jahresvergleich und einer Steigerungsrate von 19 Prozent.

EU Parlament beschließt Digitalradio-Pflicht für Neuwagen

Ein internationaler Meilenstein für den ungetrübten Radiogenuss im Auto ist der Beschluss des EU Parlaments, wonach Autoradios in Neuwagen künftig neben UKW den digitalen terrestrischen Radioempfang ermöglichen müssen, also z.B. mit DAB+. Anfang des Jahres lag die Quote der Neuwagen in Deutschland mit DAB+ bei 40 Prozent. Experten gehen davon aus, dass die Schwelle von 50 Prozent Anfang Februar überschritten wird.

Auf nationaler Ebene stehen Bund und Länder vor einer Neufassung des Telekommunikationsgesetzes, wonach künftig alle höherwertigen Radios eine digitale Schnittstelle vorhalten müssen, zum Beispiel zum Empfang von DAB+.

Regionale Vielfalt wächst, in NRW großes Interesse

Im Süden und Osten ist die Vielfalt über DAB+ zuletzt besonders stark gestiegen. In Bayern senden inzwischen die meisten Lokalradios auch über DAB+; in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg gibt es 68 Programmangebote. In gut der Hälfte der Republik sind inzwischen durchschnittlich zwischen 30 und 50 regionale Programme verfügbar, in Ballungsräumen deutlich mehr. Dort, wo Landesmedienanstalten die DAB+ Übertragung aktiv fördern, gibt es eine besonders breite Programmvielfalt privater Sender, darunter viele Angebote, die nur über DAB+ ausgestrahlt werden.

Beim jüngsten „Call of Interest“ der Landesanstalt für Medien NRW (LFM) haben sich 46 Anbieter beteiligt. Die Bewerbungen namhafter deutscher Privatradio-Unternehmen um wertvolle DAB+ Frequenzen zeigen deutlich, dass Digitalradio nicht nur im Privatfunk angekommen ist, sondern als Geschäftsmodell für die Weiterentwicklung der eigenen Marke ernst genommen wird. Eine im Auftrag der LFM vorgelegte Studie prognostiziert, dass der NRW Lokalfunk ohne Digitalisierungsstrategie langfristig nicht zukunftsfähig aufgestellt ist.

Deutschlandradio stellt regional auf rein digitale Verbreitung um

Vor wenigen Wochen hat Deutschlandradio als erste öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt in zwei bisherigen UKW-Verbreitungsgebieten vollständig auf eine rein digitale Hörfunkverbreitungstechnik mit DAB+ umgestellt. Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova sind auf Helgoland und im bayerischen Mittenwald seit Anfang November über Antenne zusammen mit dem kompletten Programmangebot im bundesweiten DAB+ Multiplex verfügbar. Die Umstellung markiert für Deutschlandradio einen entscheidenden Schritt in Richtung rein digitaler Radioverbreitung über DAB+ und IP. Digitalradio DAB+ ist nicht nur leistungsfähiger, sondern wegen der effizienten, stromsparenden Nutzung der verfügbaren Frequenzen auch kostengünstiger und umweltfreundlicher.

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