Denon AVR-X6400H (Test)

0

Unverändert: Die hand­liche Fernbedienung wirkt übersichtlich und punktet mit großen, im Dunkeln fluoreszierenden Tasten. Eine vollwertige Beleuchtung fehlt allerdings.

Denon hat seinen zweitgrößten AV-Receiver überarbeitet. Mit Auro-3D-Ton, 11 Endstufen und Dolby Vision erfüllt der 2.500 Euro teure Bolide sämtliche Heimkino-Wünsche.

Mit dem Vorgänger AVR-X6300H hatte Denon gleich zwei Premieren im Gepäck:  Als erster Receiver der Japaner besaß der Bolide 11 integrierte Endstufen, zudem verbauten die Ingenieure das hauseigene Multiroom-System HEOS erstmals auch in ihre AV-Receiver. Beim Nachfolger AVR-X6400H betrieben die Japaner dagegen in erster Linie Modellpflege – technische Neuerungen beglücken die Heimkino-Welt eben nicht jeden Tag.

Neu – und wiederum nicht – ist Auro 3D. Kostete der besonders bei Musik-Freunden beliebte 3D-Ton-Decoder einst 150 Euro Aufpreis, bekommt man ihn jetzt gratis ab Werk. Mit Ausnahme einiger Exoten können mit diesem Feature nur teure Marantz-Modelle dienen. Der Preis des Vorgängers von 2.500 Euro wird auch für den AVR-X6400H aufgerufen, versteckte Kosten gibt es bei Denon also nicht.

Natürlich sind auch die Decoder für DTS:X und Dolby Atmos an Bord. Bis Jahresende will Denon zudem ein Firmware-Update veröffentlichen, das die Kompatibilität von Auro 3D mit Dolby Atmos und DTS:X verbessert, zum Testzeitpunkt war dieses jedoch noch nicht verfügbar.

Denons AVR-X6400H verfügt über 8 HDMI-Eingänge (einer vorn) und 3 HDMI-Ausgänge; mit 4 digitalen und 7 (einer vorn) analogen Tonschnittstellen sollten keine Engpässe aufkommen. Trotz 11 Endstufen gibt es 17 Pre-outs, 4 davon sind den Hörzonen 2 und 3 zugedacht. Die aufschraubbaren Antennen sorgen für den Empfang von WLAN und Bluetooth.

Im Menü „Lautsprecher/Endstufe-Zuweis.“ legt man beim AVR-X6400H Art und Anzahl der Lautsprecher fest. Bei 3D-Tonformaten ist dies allerdings mit Einschränkungen verbunden. Zwar sind volle 11.2-Setups möglich, die definierte Position der Lautsprecher bestimmt jedoch die Verfügbarkeit der Decoder: Während Dolby Atmos und DTS:X stets parallel und bei allen Konfigurationen funktionieren, müssen für Auro 3D-Ton Front-Height-Lautsprecher aktiv sein; für das hintere Boxenpaar kann man dann zwischen Height-, Decken- und Aufsatzboxen wählen. Die beiden Letzteren bleiben bei Auro-Ton jedoch stumm, die betroffenen Höhen­signale werden zu den Surround-Boxen gemischt. Surround-Height-Boxen (nicht zu verwechseln mit Back-Height-Boxen) schweigen bei Atmos-Ton, DTS:X nutzt sie aber. Zum Testzeitpunkt unterstützte der Auro-Decoder noch keine Dolby Enabled Speaker, ein Firmware-Update soll dies jedoch bis Ende des Jahres ändern.

Auros eigene 5.1.5-Matrix erlaubt den Einsatz eines „Voice of God“-Channels, aber nicht von Back-Rears.

Dolby Enabled Boxen bleiben bei Auro-Ton stumm. Ein Firmware-Update soll dies jedoch ändern.

Surround-Height-Speaker spielen nur bei Auro und DTS:X auf, bei Dolby Atmos bleiben sie stumm.

Top-Lautsprecher geben nur bei Atmos und DTS:X Töne aus, Auro spielt nur mit Height-Speakern.

Mit Front-Height- und Rear-Height-Boxen funktionieren Auro 3D, Dolby Atmos und DTS:X problemlos.

7.2.4: Im „11.1-Kanal“-Modus versorgt der Denon 7.2-Sets plus 4 Deckenboxen ohne externe Verstärker.

Apropos Dolby: Aktualisiert haben die Japaner auch das Video-Board, das nun HDR-Signale mit Dolby-Vision-Metadaten ab Werk durchleiten kann – neben HDR-10 und Hybrid Log Gamma (HLG). Die interne Bearbeitung von Dolby Vision-Signalen wird jedoch erst mit dem neuen HDMI-Standard 2.1 möglich sein, kommende Geräte mit der verbesserten AV-Buchse sind auch erst nächstes Jahr zu erwarten – frühestens. Ebenfalls in 2018 möchte Denon die eARC-Funktion (Enhanced Audio Return Channel) nachreichen, die unkomprimierten HD- beziehungsweise 3D-Ton über die HDMI-Verbindung zum Fernseher ermöglicht. Gleichfalls für 2018 geplant ist ein Update mit dem Klangprogramm DTS Virtual:X, das bei Betrieb eines regulären 5.1-Boxen-Setups auch Töne von oben hörbar machen soll – ganz ohne Zusatz-boxen. Nicht neu, aber eine Erwähnung wert ist Denons Multi-room-Streaming-System HEOS, das die Japaner auch ihrem neuesten Sprössling spendierten.

Für die nächste Revision wünschen wir uns vor allem die Integration eines DAB+ Empfängers sowie Verbesserungen beim Audio-Equalizer.

Keine Experimente

In Sachen Design gleicht der in Schwarz und Premium-Silber erhältliche X6400H älteren Baureihen wie ein Ei dem anderen. Die wertige Aluminiumfront nebst Alu-Klappe kann überzeugen, wie so oft müssen wir aber die scharfen, oberen Kanten monieren und der Deckel gibt bereits bei leichtem Druck nach. Auch wird die Haube im Betrieb sehr heiß, weshalb man dem Receiver ausreichend Luft zum Atmen gönnen sollte. Die großen Drehregler für Lautstärke und Eingangswahl dürften zudem noch etwas geschmeidiger laufen. Gut gefällt uns das Punktmatrix-Display samt Pegel- und Kanalanzeige, das sich dimmen oder abschalten lässt. Auch unter dem Deckel herrscht ein vertrautes Bild: Dort schmiegen sich 11 diskret aufgebaute Endstufen auf Monoblock-Platinen an die Kühlrippen; die beiden Lüfter waren im Test nicht hörbar. Die Signalverarbeitung erledigt Denons „Dynamic Discrete Sound Circuit“ (D.D.S.C.-HD) sowie das „AL32 Processing“, für eine optimierte Klangqualität haben die Ingenieure die Signalverarbeitung von 24 auf 32 Bit erhöht.

Vier leistungsstarke „SHARC“-DSPs von Analog Devices sorgen für die digitale Signalverarbeitung.

Bei den AV-Anschlüssen hat sich hingegen nichts verändert, bei der Konnektivität gibt der Bolide damit keinen Anlass zur Kritik, sogar eine Phono-Platine ist vorhanden. Zudem sind sämtliche Anschlusskontakte vergoldet.

11 Endstufen und Audyssey

Trotz 11 verbauten Amps besitzt der Denon 7.2.4-Pre-outs für die Verbindung zu externen Verstärkern. Ungenutzte Endstufen können für das Bi-Amping oder weitere Hörzonen verwendet werden, wobei der Receiver in Hörzone 2 und 3 auch Digitalströme der S/PDIF- und Koaxial-Buchsen wiedergibt; in Zone 2 zudem HDMI-Signale.

Imposant: Jede der 11 monolithisch aufgebauten Verstärkereinheiten sitzt auf einer eigenen Platine.

Die Boxenkonfiguration ist vorbildlich, klasse finden wir auch das separate Lautsprecher-Setup für die 2-Kanal-Wiedergabe, in dem man Bass-Management, Pegel und Distanzen unabhängig von den Einstellungen der Mehrkanalton-Wiedergabe konfigurieren kann. Die bewährte und größte Einmessautomatik MultEQ XT32 von Audys-sey unterstützt bis zu 8 Messpunkte, zum Funktionsumfang gehören ferner die Loudness-Schaltung „Dynamic EQ“, die Dynamikreduktion „Dynamic Volume“, die Anti-Bassdröhn-Schaltung „LFC“ sowie die separate Einmessung von zwei Subwoofern („SubEQ HT“).

Der Equalizer berücksichtigt nicht die beiden Subwoofer und regelt alle anderen Boxen erst ab hohen 63 Hertz.

Optional darf man mit der kostenpflichtigen App „Audyssey MultEQ Editor“ die Ergebnisse der Einmessung auch selbst manipulieren bzw. nach persönlichen Hörvorlieben gestalten – sehr gut! Nicht wirklich zufrieden sind wir dagegen noch immer mit dem Standard-Equalizer, der keine Regelung der beiden Subwoofer vorsieht und alle übrigen Boxen erst ab aus unserer Sicht zu hohen 63 Hertz justiert. Zudem lässt er sich nicht bei aktivem Audyssey einschalten.

Die für iOS- und Android-Betriebssysteme erhältliche „Audyssey Mult­EQ App“ bereichert die Basisfunktionen aktueller Denon- und Marantz-Geräte um nützliche Features: So kann man mehrere Einmessungen speichern, Zielkurven individuell anpassen und als „Reference“-Kurve an die AV-Vorstufe übertragen, was den von uns oft kritisierten Equalizer überflüssig macht. Ferner lässt sich die Kompensation im Mitteltonbereich durch Audyssey für alle Boxen auch deaktivieren, für die Hochton-Absenkung bietet die App zwei vordefinierte „Hochfrequenz-Roll-offs“. Der Vorher-Nacher-Vergleich visualisiert die Ergebnisse der Einmessung und der Frequenzgangkorrektur. Einziger Wermutstropfen: Die App kostet 20 Euro.

Flexible Bedienung

An Ton-Decodern stehen ab Werk Auro 3D, Dolby Atmos und DTS:X sowie deren Upmixer Auro-Matic (3D und 2D), Dolby Surround und DTS Neural:X zur Auswahl. Das Cross-Format-Upmixing, also die Wiedergabe der jeweils konkurrierenden Tonformate, ist mit allen Decodern möglich. Hinzu kommen 6 von Denon entwickelte Raumklang- beziehungsweise Hallprogramme, darunter die „Mono-Movie“-Schaltung, die alte Filmperlen akustisch aufpäppelt. Die Bedienung des X6400H gelingt dank logischer, einfach aufgebauter und bestens lesbarer Menüs sowie der übersichtlichen Fernbedienung samt großer Tasten mustergültig; nur die leicht verzögerte Umsetzung von Befehlen nach einem Tastendruck stört etwas, da sie zu Fehleingaben verleitet.

Alternativ kann man das Gerät auch über Denons AVR-Remote-App sowie die HEOS-App (beide für Android- und iOS-Geräte erhältlich) steuern, was sich besonders bei Multiroom-Anwendungen empfiehlt. Eine Schnellstart-Anleitung auf Papier liegt im Karton, die komplette Bedienungsanleitung muss man sich dagegen auf der Denon-Webseite herunterladen.

Video und Multimedia

Das Videoboard ist mit 4K/60p, HDR-10, HLG, Dolby Vision, BT.2020, 4:4:4-Farbraum und HDCP-2.2-Kopierschutz auf dem aktuellen Stand. Zudem rechnet der Denon SD- und HD-Material für die HDMI-Ausgabe auf UHD-Auflösung hoch. Über die feinfühligen Bildregler lassen sich Kontrast, Helligkeit, Farbsättigung, Konturen-schärfe und die Rauschunterdrückung regeln. Zudem gibt es 6 vordefinierte Bildmodi, darunter 2 nach ISF-Norm.

Denons Mediaplayer spielt auch hochauflösende Dateien in den Formaten WAV, FLAC, ALAC und DSD (bis 5.6 MHz) ab; Mehrkanal-Dateien erkennt er aber nicht. Neben USB gelangt Musik via AirPlay, Blue-tooth oder Netzwerkserver zum Receiver. Als freies Internet-Radio steht TuneIn zur Verfügung, das mit umfangreichen Suchfunktionen überzeugt. Über die HEOS-App lassen sich zudem viele Streaming-Dienste wie Spotify, Amazon Music, Sound-Cloud, Tidal, Deezer, Juke oder Napster nutzen.

Tonqualität

Mit 138 Watt im 5-Kanal-Betrieb (4 Ohm), 97 Watt im 7-Kanal-Modus (6 Ohm) und üppigen 234 Watt bei Stereo (4 Ohm) besitzt der X6400H sogar geringfügig mehr Kraftreserven als sein Vorgänger. Bei normalem Betrieb zieht er durchschnittlich 341 Watt aus der Steckdose, im Eco-Modus (Betriebsart „On“) sinkt der Verbrauch auf gute 150 Watt.

Im Hörtest verzückte der AVR-X6400H mit typischen Denon-Klangattributen wie einem vollmundigen, kraftvollen und stressfreien Grundcharakter bei dennoch fein aufgelösten Höhen. Allerdings bleibt in Sachen Dynamik und Bass-Präzision noch etwas Luft nach oben. Die Audyssey-Einmessung lieferte plausible Werte, nachjustieren mussten wir nichts. Wem die beiden ermittelten Zielkurven („Flat“, „Reference“) etwas hell klingen, der kann mit  Denons „Audyssey MultEQ App“ auch manuell eingreifen beziehungsweise Höhen absenken. Der Equalizer stößt dagegen im Bassbereich schnell an seine Grenzen. Audysseys „Dynamic EQ“-Schaltung verlieh dem Sound bei jeder Lautstärke die richtige Portion Volumen und Bass, „Dynamic Volume“ eignet sich aufgrund der Dynamik-reduktion dagegen vornehmlich fürs Leisehören.

Mit Musik im Atmos-Mix, wie etwa auf Hans Zimmers neuer Konzert-Blu-ray „Live in Prague“   lief der Denon zur Höchstform auf: Großräumig, druckvoll und dynamisch erzeugte der Japaner ein 360-Grad-Klangerlebnis, das den Zuhörer in den Konzertsaal versetzte. Instrumente wurden plastisch und rings um den Hörplatz verteilt, die perfekte Integration der Höhenboxen sorgte für eine authentisch große und lückenlose Akustik. Die Atmos-Demo-Clips „Audio-sphere“, „Leaf“ und „Amaze“ absolvierte der Denon mühelos mit greifbarer Raumabbildung – auch über den Köpfen platzierte der Receiver Effekte glaubwürdig.

Bei Stereo-Betrieb im Direct-Modus begeisterte der Denon mit seinem lockeren, harmonischen und im besten Sinne zurückhaltenden Spiel, das ohne Effekthaschen Musik verschiedenster Genres authentisch und doch mit musikalischem Schmelz zu Gehör brachte.               

Der Testbericht Denon AVR-X6400H (Gesamtwertung: 92, Preis/UVP: 2500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 1-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

92 sehr gut

Denons AVR-X6400H übertrumpft seinen Vorgänger mit kostenlosem Auro-Ton, etwas mehr Leistung und Detailverbesserungen bei der Hard- wie Software – und das alles ohne Aufpreis. Der „Audyssey MultEQ Editor“ bietet echten Mehrwert, Verbesserungen wünschen wir uns beim Equalizer.
Andreas Oswald

Diesen Artikel teilen

Antworten

[pro_ad_display_adzone id=25883]