Denon AVR-X1600H (Test)

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Denon: Die Fernbedienung ist klar strukturiert, sinnvoll untergliedert und liegt gut in der Hand. Eine Beleuchtung wäre wünschenswert.

Der AVR-X1600H gehört zur Einstiegs-Klasse von Denon und schlägt mit 580 Euro zu Buche, das sind immerhin 80 Euro mehr als der Vorgänger AVR-X1500H (Test in 9-2018). Klein ist der Preis aber immer noch, weshalb man mit Einschränkungen wie einem ausgedünnten Anschlussfeld und vergleichsweise geringer Leistung leben muss. Im Test schlug sich der X1600H trotzdem wacker – und holte sich sogar den Testsieg.

Neu ab Werk ist der erweiterte Audio-Rück-kanal (eARC) für die HDMI-Zuspielung von HD-Ton über den Fernseher. Sämtliche HDMI-Ports sind zudem kompatibel mit dem Kopierschutz-Standard HDCP 2.3, der beim neuen HDMI-Standard 2.1 relevant wird. Der Receiver besitzt allerdings noch Buchsen der 2.0-Norm, weshalb ihm künftige Sonderfunktionen wie die Bildwiedergabe mit dynamischer Bildwechselfrequenz verschlossen bleiben. Der neue Gaming-Modus „Auto Low Latency-Modus“ (ALLM) soll im Zusammenspiel mit Spielkonsolen für geringste Latenzen sorgen, allerdings muss hierfür auch das TV-Gerät ALLM-fähig sein.

Eine weitere Neuerung ist der Dolby Atmos Height Virtualizer, der virtuelle Höheneffekte aus normalen 2.1- oder 5.1-Lautsprecher-Sets zaubern möchte. Die Funktion wird allerdings erst per Firmware-Update nachgereicht. Dasselbe Ziel verfolgt DTS Virtual:X, das bereits ab Werk an Bord ist.

Ausstattung und Technik

Rein äußerlich hat sich beim AVR-X1600H nichts geändert, denn ein Facelift gab es bereits beim X1500H. Die Plastikfront ist in dieser Preisklasse nicht zu beanstanden, nach wie vor stören uns jedoch die scharfkantigen Ecken der Frontplatte.

Das Audyssey-Mikrofon passt dank seiner Bauform auf die Halterung vieler Kamerastative, es besitzt aber auch einen Schraubsockel an der Unterseite.

Hinten erspäht man am Anschlussfeld einige Lücken: Bis auf zwei Subwoofer Pre-outs sucht man Vorverstärker-Ausgänge vergebens. Schwerer wiegt allerdings das Fehlen eines digitalen Koax-Eingangs. Wer mit der Digital-Cinch-Buchse in den Receiver möchte, muss sich einen Adapter besorgen. Immerhin gibt es zwei Toslink-Inputs. Nur 2 analoge Stereo-Cinch-Eingänge sind knapp bemessen, im Digitalzeitalter aber für die meisten Nutzer ausreichend. Als überaus erfreulich empfinden wir die Integration einer Phono-Platine, womit ein Plattenspieler auch ohne Vorverstärker am Denon betrieben werden kann.

Abgespecktes Anschlussfeld: 6 HDMI- und 2 Toslink-Eingänge sollten für die meisten Heimkinos ausreichen, Koax-Buchsen fehlen jedoch und nur 2 Paar analoge Cinch-Inputs sind knapp bemessen – erfreulich ist die Phono-Platine. Höhenboxen werden an die „Surround Back“-Terminals angeschlossen. Die Antennen sind ausklappbar.

Zudem sind Streaming-Freunde mit dem Receiver gut beraten: Der Media-player verarbeitet Hi-Res-Audio-Dateien (24 Bit / 196 kHz) in den Formaten FLAC, ALAC, WAV und DSD (2,8 und 5,6 MHz). Die Vernetzung zu Musikquellen gelingt über DLNA, AirPlay 2 und Bluetooth, die Steuerung erfolgt am bequemsten über die HEOS-App. Als Webradio hat Denon Tune-In integriert, alle anderen Musik-Streaming-Dienste wie Spotify, SoundCloud, TIDAL, Deezer, Napster und Amazon Music wurden in die HEOS-App ausgelagert.

Über HDMI akzeptiert der Denon keine DSD-Streams, so dass der zuständige Blu-ray-Player entsprechendes Material von  SACD zuerst in PCM-Ton wandeln muss. Apropos HDMI: Auf Videoseite bieten 6 HDMI-Inputs (einer vorne) digitalen Zuspielern Anschluss. Das Videoboard kommt mit 4K/60p-Bildern samt HDR10, HLG und Dolby Vision klar. Auf Skalierungsfunktionen oder einen Video-Equalizer muss man allerdings verzichten.

Die Bedienung des AVR-X1600H über das Bildschirmmenü gelingt einfach und intuitiv, die 8-Bit-Schrift auf schwarzem Hintergrund gewinnt aber keinen Schönheitspreis. Die Spachsteuerung funktioniert neben Amazon Alexa jetzt auch mit Apple Siri, die Kompatibilität mit Google Assistant folgt per Update.

Endstufen & Ton-Decoder

7 Endstufen sind der Standard in der Einsteigerklasse, die zum 5.2-Betrieb zwei zusätzliche Höhenkanäle oder zwei Surround-Back-Boxen erlauben. Da es für Höhenboxen keine Pre-outs gibt, ist bei 5.2.2-Layouts Schluss. Alternativ ist das Bi-Amping der Hauptboxen oder die aktive Beschallung von zwei weiteren Lautsprechern (Zone B) möglich. 

Mit 7 internen Endstufen versorgt der Denon AVR-X1600H 7.2- oder 5.2.2-Boxen-Sets. Aufgrund von nur 7 Paar Boxenterminals muss man bereits bei der Verkabelung entscheiden, ob man lieber Höhen- oder hintere Surround-Lautsprecher betreiben möchte. Bei der Konfiguration folgt der AVR-X1600H den klassischen Positionen: Die zwei Höhenboxen darf man als vordere oder mittlere Deckenboxen sowie als vordere Height-Speaker oder als Aufsatzboxen (Dolby enabled) für die Front- oder Surround-Lautsprecher definieren. Alternativ zum Betrieb von Höhen-Boxen ist das Bi-Amping der Hauptboxen oder die aktive Befeuerung eines zweiten Lautsprecher-Pärchens (Zone B) möglich. Die beiden Subwoofer-Pre-outs lassen sich nicht getrennt regeln, aus beiden Buchsen strömt demnach dasselbe Signal.

Sehr gut: Im 5.1.2-Betrieb darf man die Höhenboxen auch mittig zur Raum-Längsachse platzieren. Alternativ stehen vordere Height- oder Top-Speaker sowie Dolby Enabled-Speaker für vorne wie hinten zur Verfügung. Hintere Height- oder Top-Boxen sind hingegen nicht einstellbar.

Die Lautsprecher-Konfiguration fällt auch bei Denons Einsteigermodell mustergültig aus: Die Pegel- und Distanzschritte sind mit 0,5 Dezibel respektive 1 Zentimeter vorbildlich, die Crossover-Frequenzen darf man zwischen 40 und 250 Hertz für alle Speaker-Gruppen getrennt wählen.

An Ton-Decodern ist der X1600H mit Dolby Atmos und DTS:X sowie deren 3D-Upmixer und 3D-Virtual-Upmixer ausgestattet – Dolbys Height Virtualizer kommt per Update. Auro 3D gibt es bei Denon erst in höheren Preisregionen. Das Cross-Format-Upmixing ist mit den Receivern der 2019er-Generation offenbar Geschichte: So konnten wir im Test DTS-Streams nicht mehr mit Dolby-Decodern wiedergeben und auch das Abspielen von Dolby-Signalen via DTS-Upmixer gehört leider der Vergangenheit an.

Der manuelle Equalizer regelt mit 9 Bändern Frequenzen zwischen 63 Hz und 16 kHz. Der Subwoofer-Kanal lässt sich allerdings nicht einstellen.

Die automatische Klangkorrektur führt Audysseys MultEQ XT durch, das 8 Messpunkte berücksichtigt, 3 Zielkurven bereitstellt sowie die Klangschaltungen Dynamic EQ (Loudness) und Dynamic Volume (Dynamikreduktion) mitbringt. Manuelle Klangmanipulationen darf man mit dem Equalizer betreiben, der jedoch erst ab hohen 63 Hertz greift; ferner lässt sich der Subwoofer-Kanal überhaupt nicht justieren. Auch greift der EQ nicht bei aktivem Audyssey-System. Diese Schwächen lassen sich mit der kostenpflichtigen „Audyssey MultEQ App“ umgehen, mit der man diverse Parameter der Audyssey-Einmessung manipulieren und Referenzkurven für die Filter der Audyssey-Entzerrung selbst ziehen kann.

Tonqualität

Im Leistungstest erreichte der X1600H im Mehrkanal-Betrieb annähernd dieselben Werte wie der Vorgänger: 81 respek-tive 77 Watt im 5.1-Betrieb (4 / 6 Ohm) und 60 bzw. 59  Watt im 7.1-Modus (4 / 6 Ohm) sind ordentlich. Im Stereo-Betrieb legte der X1600H an 6-Ohm-Last um starke 28 Watt auf 126 Watt zu. An 4 Ohm lag die Leistung mit gemessenen 151 Watt pro Kanal um 4 Watt höher als beim X1500H. Der Eco-Modus „On“ reduziert den durchschnittlichen Stromverbrauch von 286 auf umweltfreundliche 129 Watt.

Im Hörtest klang der Kleine typisch nach Denon und spielte mit warmem, seidigen Timbre, das zu langem und stressfreiem Hören einlädt – auch wenn es mal etwas lauter wird. Bässe federten druckvoll, aber recht weich, weshalb wir im Tiefton etwas Straffheit und knackigen Punch vermissten. Komplexe Chor- und Orchestermusik brachte der X1600H räumlich und gut durchhörbar an unsere Ohren, auch wenn größere Vertreter mehr Ordnung und Präzision ins Klangbild bringen.

Die Audyssey-Einmessung funktionierte reibungslos und lieferte plausible Ergebnisse. Dolbys Atmos-Clips klangen in Folge räumlich überzeugend, Effekte und Ambient-Geräusche verteilten sich lückenlos und gut ortbar im Hörraum. Höhen-Effekte schallten auch von oben und nicht etwa von vorne, wie das bei Betrieb von nur zwei
Decken-Boxen öfter mal der Fall ist.

Auch beim SciFi-Kracher „Ghost in the Shell“ (Dolby Atmos) bot der Denon-Receiver eine große bzw. räumlich ausladende Vorstellung, die den Zuhörer inmitten die Action versetzte. In Sachen Bass und Dynamik war zwar noch Luft nach oben, was bei einem Preis von 580 Euro aber verschmerzbar ist. Löblich und leider nicht die Regel: Audysseys dreistufige Dynamikkompression „Dynamic Volume“ funktionierte sowohl mit Dolby- als auch DTS-Signalen ausgezeichnet, was lärmempfindliche Nachbarn freuen dürfte.

Auch mit Stereo-Musik machte der Denon viel Spaß: Ob Rock, Pop, Jazz oder Klassik, der X1600H  klang stets fein aufgelöst, druckvoll, musikalisch und räumlich überzeugend.

Der Testbericht Denon AVR-X1600H (Gesamtwertung: 70, Preis/UVP: 580 Euro) ist in audiovision Ausgabe 7-2019 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

70 gut

Denons Heimkino-Einsteiger AVR-X1600H bringt 7 Endstufen, ausreichend Power und guten Klang mit. In Sachen Multimedia und Streaming steht der Kleine dank HEOS-Modul ohnehin top da.
Andreas Oswald

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