Canton Smart Soundbar 9 (Test)

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Canton ist kein Neuling in Sachen Soundbars, doch nun werden die Klangriegel des deutschen Boxenbauers „smart“: Surround-Vernetzung, Multiroom und Streaming sollen einfacher denn je sein.

In Zeiten, in denen selbst Kühlschränke und Toaster „smart“ sind, muss man sich etwas einfallen lassen, um dem Begriff gerecht zu werden. Cantons „Smart Soundbar 9“ trägt das Trendwort sogar im Namen – und das aus gutem Grund: ein neues Funkmodul. Selbiges findet man nicht nur in den neuen Soundriegeln, sondern auch bei Stand- und Regal-Boxen, in Aktiv-Speakern und sogar in einem Subwoofer. Der Clou dabei: Canton-Geräte mit Smart-Modul lassen sich beliebig miteinander kombinieren bzw. zu vollwertigen Surround-Systemen vernetzen. Dabei funkt das Modul stets auf einer anderen Frequenz als das integrierte WiFi-Modul, um ihm nicht in die Quere zu kommen.

Für diesen Test schickte uns Canton die „Smart Soundbar 9“ (700 Euro), den Subwoofer „Smart Sub 8“ (600 Euro) sowie die beiden Aktiv-Speaker „Smart Soundbox 3“ (je 350 Euro) zu, die sich zu einem 4.1-System zusammenschließen lassen. Mehr als 3 Geräte lassen sich mit der Soundbar nicht koppeln. Mit 2.000 Euro kostet das smarte Quartett so viel wie ein günstiges 5.1-Boxenset samt AV-Receiver. Doch das nimmt deutlich mehr Platz weg und integriert sich weit weniger harmonisch in ein durchgestyltes Wohnzimmer. 3D-Sound mit Dolby Atmos gehört übrigens nicht zum geschnürten Paket, dafür ist die größere „Smart Soundbar 10“ (900 Euro) zuständig, die wir in einer der kommenden Ausgaben testen. 

Der 27 x 33 x 27 (B x H x T) cm große Subwoofer kommuniziert per Funk oder Kabel mit der Bar.

Google Home & Multiroom

Das Zusammenfunken allein macht eine Soundbar aber noch nicht sonderlich „smart“, weshalb Canton dem Klangriegel auch Streaming-Funktionen eingepflanzt hat. Zum Einsatz kommen Bluetooth, eingebautes Spotify (eine App wird benötigt), WLAN und Googles Chromecast samt Sprachsteuerung via App. Über die Apps von Drittanbietern mit Chromecast-Unterstützung kommt so die weite Welt des Music-Streamings in die Canton-Bar. Dank Multiroom können alle vorhandenen „Smart“ Speaker einzeln oder im Verbund angesteuert werden. Apples AirPlay fehlt aber, auch ein Mediaplayer oder das Streaming via DLNA/UPnP ist nicht möglich. Der USB-Port dient nur Service-Zwecken.

Die kleine Fernbedienung ist ziemlich schwer und robust. Der klare Strukturierung und weit auseinander liegende Tasten erlauben nach einer kurzen Eingewöhnung die Bedienung, auch ohne dass man ständig auf den Geber gucken muss.

Apropos Anschlüsse: Hier punktet die Bar mit 3 HDMI-Eingängen sowie einem HDMI-Ausgang inklusive ARC-Funktion; sämtliche HDMI-Ports akzeptieren 4K/60p-Signale mit HDR10 und HLG; Dolby Vision befindet sich laut Produktmanager Frank Göbl gerade im Zertifizierungsprozess. Ton gelangt ferner über Toslink, Digital-Koax oder analoge Cinch-Buchsen in den Riegel, über den Subwoofer-Out darf man ein Tieftonmodul analog verbandeln.    

Innen & außen

In Inneren der Stereo-Bar arbeiten 10 Chassis, jede Seite bekam einen Gewebe-Hochtöner (19 mm), einen Aluminium-Mitteltöner (50 mm), zwei Woofer-Chassis aus Alu (50 mm) sowie eine Bass-Passivmembran (147 x 57 mm, Alu) spendiert; Letztere ist eine anspruchsvollere Alternative zum Bass-reflex-Rohr, da sie Luftdruckgeräusche vermeidet. Als Verstärkerleistung gibt Canton 300 Watt an.

Alle Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite: Dank großer Aussparung passen auch dicke HDMI-Strippen an die 3 Eingänge und den Ausgang. Digital gelangt Ton auch über Toslink und Koax in die Bar, analog über Cinch.

Neben der erstklassigen Verarbeitung mutet die Ober-seite aus geschliffenem Glas edel an; Fingerabdrücke sind allerdings vorprogrammiert. Mit ihren noch überschaubaren Maßen von 89 x 7 x 10 cm (B/H/T) passt die Bar problemlos vor jeden Fernseher, für einen sicheren wie vibrationsarmen Stand sollte man sie auf die beiliegenden Gummipuffer stellen. Dank Lochhalter ist auch eine Wandmontage möglich. In der Mitte strahlt durch ein robustes Metallgitter ein LED-Display, das jedoch nur Abkürzungen anzeigt. Deutlich umfangreicher kommuniziert das Onscreen-Display, das in Aufbau und Funktionsumfang an kleine AV-Receiver erinnert. Damit lassen sich Soundbar, Woofer und Rear-Boxen schnell und komfortabel einstellen.

Das Lautsprecher-Setup gewährt Kontrolle über Pegel, Delay und einen Equalizer mit drei vordefinierten Presets: EQ1 ist für die freie Boxenaufstellung, EQ2 für eine wandnahe Unterbringung und EQ3 mit Pegelreduzierung im Grundton für die Eck-Positionierung. Praktisch ist das Speichern von 3 User-Presets, die neben Lautstärke und Eingang auch die Boxenkonfiguration sowie die Einstellungen der Klangregler und sogar die Playlists von Spotify berücksichtigen – Justieren kann man übrigens Bass, Mitten und Höhen. 

Die kleine Fernbedienung fällt überraschend robust und schwer aus. Dank übersichtlichem Tasten-Layout findet man sich schnell zurecht. Klasse ist die Lernfunktion, damit lassen sich Befehle etwa des TV-Gebers auf die Canton-Soundbar übertragen. Die Lautstärkeregelung via TV-Fernbedienung funktioniert dank CEC problemlos.

5.1-Decoder an Bord

Für sich allein stellt die Soundbar ein natives 2.1-Kanalsystem dar. Ein Center-Kanal existiert nicht physisch, taucht aber als virtueller Center im Boxenmenü auf. In Kombination mit den beiden Rear-Speakern „Soundbox 3“ kann das System zu 5.1-Kanälen ausgebaut werden, mehr ist aber nicht möglich. Für den klassischen Surround-Sound sind die Decoder Dolby Digital und DTS an Bord, fürs Upmixen von Stereosignalen gibt es DTS TruSurround. An Klangprogrammen stehen Standard (Stereo), „Movie“ und „Music“ zur Verfügung. Koppelt man die Soundbar mit Rear-Speakern, wird aus dem „Music“-Programm „Movie 2“. Zudem gibt es eine Voice-Schaltung sowie eine Dynamik-Kompression.

Bei der kleinen (12 x 21 x 12 cm, 2 kg) „Smart Soundbox 3“ handelt es sich um einen vollständigen Wireless-Lautsprecher, der unabhängig von der Soundbar betrieben werden kann – und das solo, als Stereo-Duo oder im Trio mit einem zusätzlichen Subwoofer.

Cantons „Smart Soundbox 3“ arbeitet sowohl allein als auch im Verbund mit weiteren Lautsprechern.

Obligatorisch für Streaming-Speaker ist der WLAN-Zugang, der hier von einem LAN-Anschluss komplementiert wird. Mit der Verbindung ins Netz stehen dank Chromecast built-in der Soundbox die gleichen Streaming-Optionen wie der Soundbar zur Verfügung, sofern man seine Soundbox mit der Google-Home-App verknüpft. Eine direkte Zuspielung von Musik ist drahtlos auch mit Bluetooth möglich, per Kabel geht es via 3,5-mm-Klinke in die Box.
Ähnlich der „Smart Soundbar 9“ besitzt die Soundbox einen 19 mm großen Gewebe-Hochtöner sowie ein 95-mm-Mitteltöner (Alu) plus zwei passive Bass-Membranen. Der eingebaute Verstärker liefert laut Canton 120 Watt. An der Oberseite findet man keine Glasplatte, sondern 8 Tasten zur Bedienung. Zur Steuerung kann man auch die Fernbedienung der Soundbox benutzen, die optional als Zubehör erhältlich ist. An der Front strahlt ein großes LED-Display. Der Funktionsumfang reicht von einer Bass-, Mitten- und Höhenregelung über einen Dreifach-EQ und 3 User-Presets zum Speichern aller aktuellen Einstellungen bis hin zu einer Ein- und Ausschaltautomatik sowie einem ECO Mode.

Kleiner Krawallmacher

Der 8,5 Kilo schwere Subwoofer „Smart Sub 8“ ist so wertig verarbeitet wie die Soundbar – sogar die obere Glasplatte ist vorhanden. Somit passt das Duo auch optisch perfekt zusammen. Der 22 cm große Treiber aus Cellulose/Graphit strahlt nach unten hin ab, laut Canton liefert die Digital-Endstufe 200 Watt. Die Verbindung zur Soundbar erfolgt per Kabel oder Funk. Sobald Bar und Woofer gekoppelt sind, kappt die Bar ihre Bässe unterhalb 80 Hertz. Auch Pegel, Delay und Phase des Woofers steuert die Bar. Zudem besitzt der Quader eine Ein- und Ausschaltautomatik. 

Tonqualität

Schon mit den ersten Takten wurde klar: Der Subwoofer ist Gold wert: Bässe drückten dermaßen tief und kräftig aus dem kleinen Würfel, dass wir unseren Ohren kaum trauten. Zudem harmonierten Woofer und Bar prächtig und spielten wie aus einem Guss. Nur mit der Präzision nimmt es der Quader nicht so genau und wummerte schon mal vor sich hin, statt letzte Konturen preiszugeben. Das stört bei Actionfilmen wie „Ghost in the Shell“ (Dolby Atmos) aber herzlich wenig. Noch eindrucksvoller präsentierte das Quartett sein Surround-Klangfeld, das verblüffend groß und dreidimensional ausfiel – erstaunlich, wie homogen und lückenlos Bar und Rears zusammenspielten. Im „Movie“-Mode, der mit DSP-Virtualisierung arbeitet, präsentierte sich vorne eine breite und tiefe Frontbühne, die weit über die Ausmaße der Bar hinauswuchs. „Movie 2“ spielte kleiner, auch weil im 4/5.1-Kanal-betrieb hier keine DSP-Virtualisierung stattfindet. Die Sprachwiedergabe war bei frontaler Sitzposition sehr gut, aus seitlichen Hörwinkeln nahm die Verständlichkeit geringfügig ab und es klang weniger neutral. Die Dynamik-Kompression funktionierte bei Dolby-Signalen gut, bei DTS-Material dagegen nicht. Die Voice-Funktion hellt den Präsenz-Bereich auf: Damit klingen Stimmen etwas unnatürlicher bzw. greller, was jedoch die Sprachverständlichkeit erhöht. Mit gutem Tonmaterial ist dieser Modus aber unnötig.

Neben Filmton machte sich das 4er-Gespann auch bei Stereo-Musik sehr gut. Das „Standard“-Programm und „Movie 2“ spielten aber klein bzw. nur so groß wie der Klangriegel selbst. Deutlich mehr Spaß machte der Surround-Upmix des „Movie“-Programms: Dann konnten sich Raumgröße, Abbildung, Dynamik und Bass absolut hören lassen. Abstriche muss man – wie bei fast alles Soundbars – bei klassischer Musik machen, hier fehlten uns Durchzeichnung, Plastizität von Instrumenten und Sängern. Für Klassik-Liebhaber sind Soundbars aber grundsätzlich nur zweite Wahl.   

Der Testbericht Canton Smart Soundbar 9 (Gesamtwertung: 86, Preis/UVP: 2000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2019 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

86 sehr gut

Cantons neue „Smart Soundbar 9“ macht im Gespann mit dem „Sub 8“ und der „Soundbox 3“ eine ausgezeichnete Figur: Klang, Ausstattung und Verarbeitung lassen kaum Wünsche offen.
Andreas Oswald

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