Canton DM60 (Test)

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Die mittelgroße Fernbedienung ist relativ schwer, sehr robust und wirkt hochwertig. Die großen Druckknöpfe aus Gummi sind übersichtlich gegliedert, aber nicht farblich unterschieden. Einige Tasten wurden zudem doppelt belegt.

 

 

 

 

Boxen-Spezialist Canton hat mit dem 450 Euro teuren DM60 ein neues Sounddeck am Start. Zwar blieb optisch alles beim Alten, unter dem Deckel hat sich aber einiges getan.

Während sich Soundbars nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen, scheinen Sounddecks aus der Mode zu kommen. Trotzdem lässt es sich der hessische Lautsprecher-Spezialist Canton nicht nehmen, seinem edlen Klangbrett DM55 ein Update zu spendieren. Zwar gleicht der Neuling DM60 äußerlich dem Vorgänger wie ein Ei dem anderen, doch haben die Ingenieure dem Klang-Podest neue Features spendiert, die besonders Musikfreunde aufhorchen lassen: So soll ein speziell für die Musikwiedergabe entwickeltes DSP-Programm dem Sound zu mehr Räumlichkeit verhelfen. Zudem wurde der Equalizer verbessert und lässt sich nun auch im Bereich der Mittentöne regeln – was besonders bei hart klingenden Aufnahmen nützlich sein kann. Zu den Neuerungen gehört auch eine Timer-Funktion, welche das Sounddeck nach 15, 30, 45 oder 60 Minuten abschaltet.

Die Autoplay-Funktion aktiviert automatisch den Bluetooth-Eingang, sobald ein Gerät mit dem DM60 Kontakt sucht. Als weitere Verbesserung lassen sich nun die Eingänge umbenennen, zur Auswahl stehen Abkürzungen wie TV, SAT, CD, DVD, CAM, REC, PC, AUX und einige mehr. Letztlich kam eine Reset-Funktion dazu, mit der sich das Deck auf die Werkseinstellungen zurücksetzen lässt.

Edle Anmutung mit Glasdeckel

An der Verarbeitung des 450 Euro teuren Klangmöbels haben wir nichts zu kritisieren, neben den Holzwangen schindet besonders die spiegelnde Glasoberfläche Eindruck, im Kern ist das Holz-gehäuse aus HDF (Hochdichte Faserplatte) gefertigt. Erhältlich ist das Deck in den seidenmatten Farbausführungen Schwarz, Weiß und Silber. 5,3 Kilo bringt der DM60 auf die Waage und unterstreicht damit die wertige und robuste Bauweise – nichts fühlt sich billig an oder wackelt und scheppert. Fernsehern bis 40 Kilo Gewicht bietet das Deck eine 54,5 x 30 Zentimeter große Stellfläche, mit 6,8 Zentimetern Höhe dürfte es aber auch unter die meisten Bildschirme passen, die statt eines mittigen Ständers zwei seitliche Füße besitzen.

Hochwertig und top verarbeitet: Holzwangen, Glasplatte und Metallfrontgitter schinden Eindruck.

Hinter dem fest montierten Metallschutzgitter der Front verstecken sich zwei Mitteltöner sowie zwei Hochtöner. Zusammen mit den beiden 10 Zenti-meter großen Woofern auf der Unterseite formen sie ein 2.1-System. Die integrierten Verstärker liefern laut Canton 200 Watt Leistung.

Das DM60-Sounddeck verfügt nur über ein simples Display hinter dem Frontgitter, Onscreen-Menüs fehlen.

Hinter der Gitterfront schimmert blau ein Display, das sich wenige Sekunde nach einer Meldung von selbst abschaltet und daher auch bei nächtlichem TV-Genuss nicht stört. Die Lesbarkeit der Anzeige ist dank großer Lettern noch gut. Bei den Anschlüssen auf der Rückseite gibt es hingegen eine erste Enttäuschung: Auch das DM60 hat keine HDMI-Buchsen – auf ARC und Onscreen-Menüs muss man daher verzichten. Verkabelt wird das Klangpodest über Stereo-Cinch sowie Toslink und Koax. Drahtlos-Streaming ermöglicht Bluetooth. Bei Bedarf lässt sich via Cinch ein externer Subwoofer einbinden, das interne Crossover-Filter trennt auf Wunsch Deck und Subwoofer bei 80 Hertz.

Virtual Surround mit DTS

An Decodern spendierte Canton dem TV-Ton-Optimierer Dolby Digital und PCM, ein DTS-Decoder fehlt, weshalb der Zuspieler DTS-Ton in eines der kompatiblen Formate wandeln muss. DTS ist dennoch an Bord, und zwar in Form des Surround-Mixers TruSurround, der seine Sache ausgezeichnet erledigt. Zuschalten lässt sich dieser „Virtualizer“ in Form der beiden Klangprogramme „Movie“ und „Music“.

Die Klangschaltung SRS TruSurround stammt ursprünglich von SRS Labs aus Kalifornien. Im Jahr 2012 wurde das Unternehmen von DTS übernommen, SRS verschwand aus dem Programmnamen.
Das Schaltungskonzept bedient sich der Gesetzmäßigkeiten der sogenannten Außenohrübertragungsfunktionen (Head-Related Transfer Function, kurz HRTF) des menschlichen Gehörs, bei der die Auswertung inter­auraler Laufzeit- und Pegeldifferenzen durch das Zusammenspiel von Kopf, Außenohren und Rumpf die akustische Ortung von Geräuschen ermöglicht. Bei Tru­Surround sorgen Veränderungen der Phasenlage von Tonsignalen mittels Laufzeitdifferenzen sowie Pegel­differenzen durch die Manipulation der richtungsbestimmenden Frequenzbänder für Phantomschallquellen. So werden dem Gehirn Geräusche von Orten vorgegaukelt, an denen sich physisch keine Schallquelle befindet.
DTS TruSurround manipuliert Töne auch auf andere Art, zum Beispiel durch eine psychoakustische Bassanhebung, die Verstärkung von Dialogen und die Anhebung hoher Frequenzen für mehr Klarheit. Dennoch darf man TruSurround heute als überholt bezeichnen, mit „Virtual:X“ hat DTS ein brandneues und verbessertes Eisen im Feuer der psychoakustischen Klangmanipulation, das auch die dritte Raumklangebene, sprich die Höhe, einbezieht.

Klangtuning lässt sich über den 3-Band-Equalizer erledigen, der Bässe, Mitten und Höhen in 12 Stufen regelt. Versteckt über die Doppel-belegung der Fernbedienungstaste „Sound“ gelangt man durch langes Drücken selbiger zu weiteren Klang-Features wie einer Dynamik-kompression, dem Voice-Modus zur Hervorhebung von Sprache, dem Lip-Sync sowie zu drei vordefinierten EQ-Filtern, die den Klang an den Aufstellungsort des Decks (frei, unter dem TV, im Regal) anpassen sollen. Langes Drücken auf die „Play Mode“ Taste öffnet die Untermenüs zur Energieverwaltung und Konfiguration der Eingänge.

Apropos Fernbedienung: Der mittelgroße und relativ schwere Signalgeber kommt wertig daher und überzeugt mit aufgeräumtem Tastenlayout. Die Lernfunktion erlaubt das Kopieren der Signale anderer Fernbedienungen.

Video & Multimedia

Auf Videotechnik muss man beim DM60-Sounddeck verzichten, es konzentriert sich voll und ganz auf die Tonwiedergabe. Mager sieht es aber auch in Sachen Musik-Streaming aus: Da USB, WiFi und Ethernet-Anschluss fehlen, fallen die meisten Streaming-Technologien wie DLNA, WiFi Direct, DTS Play-Fi, Google Chromecast unter den Tisch. Aber auch gekapselte Streaming-Technologien wie AirPlay und NFC sucht man hier vergebens. Einzig Bluetooth ermöglicht den Kontakt mit kompatiblen Geräten – immerhin mit hochwertiger aptX-Codierung.

Tonqualität

Mit ihren 200 Watt (Herstellerangabe) spielte die DM60 im Hörtest richtig laut, ohne dabei nennenswert an Klangqualität einzubüßen – eher dreht man aufgrund des hohen Pegels freiwillig leiser. Naturgemäß lassen sich dem kleinen Korpus keine Tiefbässe entlocken, Mittel- und Oberbass machen bei Rock und Pop aber gut Druck und spielen zudem sauber. Ein zusätzlicher Subwoofer ist zwar nicht zwingend notwendig, besonders bei explosiven Action-filmen aber eine Bereicherung.

Zwei 10 Zentimeter große Woofer-Chassis auf der Unterseite des DM60-Sounddecks sorgen für erstaunlich kräftige Bässe und ein fülliges Klangvolumen. Gute Voraussetzung für harmonischen Klang aus kleinem Gehäuse.

In der Kerndisziplin Sprachwiedergabe gibt sich das Deck hingegen keine Blöße: Egal ob frontal oder aus seitlichen Hörwinkeln, das gesprochene Wort bleibt stets verständlich und verfärbt kaum. So bekommen auch seitlich sitzende Zuhörer einen tonal ausgewogenen und im Grundcharakter gefälligen Klang ab, der nirgends unangenehm aneckt. Dank des 3-Band-Equalizers lassen sich auch weniger geglückte Aufnahmen effektiv tunen.

In Sachen Räumlichkeit entscheidet das gewählte Klangprogramm über die Breite, Tiefe und Surround-Wirkung von Filmton und Musik: Im Standard-Modus erstreckt sich der Sound kaum über die Maße des Decks hinaus. Ganz anders mit dem virtuellen Klangprogramm „Movie“: Hier spielte das Deck gut drei Meter breit, hörbar tiefer und füllte sogar den Raum zwischen sich und dem Hörplatz. Natürlich sind Effekte nicht so plastisch, lebensecht und vor allem nicht so präzise wie bei einem 5.1-Set – trotzdem verblüffte die Größe der klanglichen Darbietung. Der Klangmodus „Music“ lieferte räumlich eine ähnlich große Performance, rückte Sprache und feine Klangdetails jedoch etwas deutlicher in den Vordergrund. Die dadurch verbesserte Verständlichkeit kommt sowohl Musik als auch Filmton zugute – etwa wenn Dialoge besonders leise aufgenommen wurden oder von vielen Geräuschen überlagert werden. Die Dynamikreduzierung „DRC“ zeigte bei unserem Standard-Testbeispiel „Ghost in the Shell“ (Explosion bei 87:24) allerdings keine hörbare Wirkung.               

            

Der Testbericht Canton DM60 (Gesamtwertung: 72, Preis/UVP: 450 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

72 gut

Gelungenes Update: Cantons kleines Sounddeck DM60 lockt mit großem Klang, neuen Features und gewohnt hochwertiger Verarbeitung samt edlem Design. Abstriche muss man bei den Anschlüssen sowie den Streaming-Optionen machen.
Andreas Oswald

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