Cambridge Audio TVB2 (V2) (Test)

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Die handliche Fernbedienung bietet für alle Funktionen der Bar Direkttasten. Die Positionierung des Power-Buttons zwischen den Lautstärketasten finden wir aber unglücklich gewählt.

Mit der 500 Euro teuren Soundbar TVB2 setzt Cambrige Audio auf Klang, Design und moderne Video-Technik. Bei der Ausstattung klaffen jedoch einige Lücken. 

Die HiFi-Schmiede Cambridge Audio ist kein Neuling in Sachen TV-Sound. In der Vergangenheit machten die Briten unter anderem mit Sounddecks auf sich aufmerksam. Die neue TVB2 (V2) ist derzeit die einzige Soundbar im Programm der Briten und zudem ein Update der alten TVB2 – der Namenszusatz V2 erlaubt die Unterscheidung, denn äußerlich gleichen sich die beiden Produkte wie ein Ei dem anderen. Zur Bar gehört auch ein kleiner Wireless-Subwoofer.

Technisch wurde bei der Nachfolgerin hauptsächlich an der HDMI-Sektion gefeilt: Statt über HDMI 1.4 verfügt das V2-Modell nun über 3 HDMI-Eingänge und einen HDMI-Ausgang im 2.0-Standard, die 4k-Signale verarbeiten und mit dem Kopierschutz HDCP 2.2 kompatibel sind. Auch die Metadaten von HDR-10, Dolby Vision und HLG für verbesserte Kontraste und einen erhöhten Farbumfang werden unterstützt.

Praxis und Bedienung

Zur Drahtlosübertragung von Musik haben die Cambridge-Ingenieure Bluetooth und NFC integriert. AirPlay, DLNA, WiFi oder Ethernet gibt es dagegen nicht. Ein Media-Player fehlt ebenso wie eine USB-Buchse, über die man eventuell Firm-ware-Updates hätte aufspielen können. Eingang in die Bar findet Ton auch über eine analoge 3,5mm-Klinke, eine digitale Toslink-Buchse und die 3
HDMI-Schnittstellen samt HDR-10 und HDCP 2.2. Via HDMI gelangt dank Audio Return Channel (ARC) auch der TV-Ton direkt vom Fernseher in den Klangriegel. CEC wird zwar nirgends erwähnt, sobald jedoch ein Signal anliegt, aktiviert sich die TVB2 automatisch – die Lautstärke konnten wir auch über die Fernbedienung unseres Panasonic-Fernsehers steuern. Ebenfalls praktisch: Für den Betrieb über Toslink oder Klinke lässt sich die Bar auch mit den Lautstärke-Steuersignalen von TVFernbedienungen anderer Hersteller anlernen.

Die Drahtlosübertragungs-Technik NFC ist an Bord. Um das Pairing zu aktivieren, muss man nur sein NFC-fähiges Mobil-Gerät an das NFC-Logo der Bar halten.

Trotz des HDMI-Ausgangs verzichtet die TVB2 auf ein Onscreen-Menü, was allerdings zu verkraften ist. Denn komplexere Features wie Bild- und Ton-Equalizer oder ein Einmess-System bietet die Bar ohnehin nicht. Das kostet Punkte, vereinfacht aber die Bedienung, die sich mit der beiliegenden Fernbedienung begnügt. Freunde einer App-Steuerung gehen leer aus. Der Signal-geber aus Plastik geriet handlich, ist übersichtlich gestaltet und im Gebrauch selbsterklärend. Einzig die Positionierung der Power-Taste zwischen den Lautstärke-Tasten halten wir für wenig gelungen – ein ungewolltes Ausschalten kann so schon mal vorkommen. Die Bedienungsanleitung beschränkt sich auf ein DIN A4-Faltblatt, auf dem jedoch alle relevanten Informationen zur Inbetriebnahme der Bar Platz finden. 

Zwei Aussparungen auf der Rückseite bergen die Anschlüsse für 3x HDMI-In, HDMI-Out,Toslink, Klinke und Strom. Das Dolby Logo verrät den eingebauten Decoder.

Gespart hat Cambridge an Ton-Decodern, so fehlt DTS. Dolby-Ton akzeptierte unser Exemplar seltsamerweise nur über den Toslink-Eingang. Bei Zuspielung über HDMI – egal ob mit DTS- oder Dolby-Material – mussten ausgehende Signale von unserem Oppo-UHD-Blu-ray-Player ins PCM-Format gewandelt werden. In der Regel geschieht dies automatisch, sobald der Blu-ray- bzw. UHD-Blu-ray-Player das Fehlen der Decoder bemerkt. Intern verarbeitet die TVB2 alles zu Stereo-Sound, der durch DSP-Chips gejagt mit 4 Klangprogrammen zu Gehör gebracht wird: „Music“, „Film“, „TV“ und „Voice“ stehen zur Auswahl. Weitere Tonregler wie Bass/Treble oder ein Lip-Sync sucht man jedoch vergebens.

Innen und Außen

Im Inneren der Bar sorgen zwei 2,25 Zoll große, breitbandige BMR-Treiber (Balanced-Mode-Radiator) für Stereo-Sound. Geschützt wird das Innen-leben von einem robusten Gitter, welches die Front- und Oberseite der Bar überzieht. Durch das Gitter schimmert ein großes und gut lesbares Display, das sich nicht dimmen oder abschalten lässt.

Vier Tasten auf der rechten Seite erlauben die grundlegende Bedienung der Soundbar. Die robusten Gitter schützen die empfindlichen Chassis.

Rein äußerlich betrachtet gibt die TVB2 eine schlanke, fast zierliche Figur ab, besonders die geringe Tiefe von 4,6 Zentimetern fällt ins Auge. Der Stand auf den Gummifüßen ist nicht gerade bombenfest. Mit nur 7,4 Zentimetern Höhe dürfte der Klangriegel vor die meisten Flatscreens passen, ohne ins Bild zu ragen. Alternativ lässt sich die TVB2 dank mitgelieferter Halter samt Befestigungszubehör auch an die Wand montieren. Bei dieser Installationsart sind jedoch flexible HDMI-Kabel vonnöten, denn die recht kleinen Aussparungen auf der Rückseite bieten keinen Platz für große und steife Strippen, wie sie im Hochpreissegment oft vorkommen. Das mitgelieferte und 1,2 Meter lange HDMI-Kabel ist allerdings nicht besonders steif und passt daher einwandfrei. Zum Zubehör gehört auch ein Toslink- sowie Klinkenkabel.

Für steife HDMI-Kabel ist die Aussparung zu klein. Steht die Bar auf einem Tisch, ist dies kein Problem, eine Wandmontage ist so aber nicht möglich.

Ganz ohne Kabel und dafür mit Funk nimmt der dazugehörige Subwoofer mit der TVB2 Kontakt auf. Zu einem 5.1-Surround-Set lässt sich das Duo leider nicht ausbauen.

Zum Paket der TVB2 (V2) gehört auch ein Subwoofer, der mit 18 x 36,4 x 27,8 Zentimetern Größe und 4,9 Kilogramm Gewicht mehr Zwerg als Riese ist. Die Verbindung zur Bar erfolgt automatisch per Funk, eine Status-LED an der Oberseite informiert, ob die Verbindung steht. Sonstige Anschlüsse bietet der Bassquader leider nicht. Auch Einstellungs-Optionen für den Klang sucht man vergebens – mehr Plug & Play geht also nicht. Die Lautstärke des Krawallmachers wird über die Fernbedienung gesteuert.

Der schwarze Downfire-Subwoofer mit Bass­reflex-Öffnung gehört zum Lieferumfang der TVB2.

Das 6,5 Zoll große Chassis strahlt seinen Schall zum Boden hin ab. In die gleiche Richtung gibt auch das Bassreflex-Rohr seine Töne aus. Die vier großen Füße sorgen für den nötigen Abstand zum Boden und zudem für einen rutschfesten Stand.

Die vier abgerundeten Seiten bestehen aus mattschwarzem Kunststoff, der fehlerfrei verarbeitet ist, aber keine Schönheitspreise gewinnt. Anders die in Hochglanz spiegelnde, schwarze Glasoberseite, die sehr hochwertig wirkt und resistent gegen Kratzer ist – ein nicht zu unwichtiger Vorteil, wenn der Stubentiger den Woofer als Sitzplatz beansprucht. Fingerabdrücke sieht man darauf aber sofort.

Tonqualität

Laut kann sie und auch eine Partybeschallung ist mit der kleinen TVB2 möglich. Allerdings klang der Riegel bei XXL-Pegeln nicht gerade audiophil. Bei gehobener Zimmerlautstärke darf man dagegen ein – den Abmessungen der Bar nach – relativ verfärbungsarmes und angenehmes Klangbild erwarten, das nicht spitz in die Ohren fährt. Der Subwoofer sorgte für ein recht druckvolles, gut kontrolliertes, aber nicht allzu tiefes Bassfundament. Mitlaufen muss der Woofer in jeden Fall, denn ohne klang es dünn und quäkig. Unschön: Im Test gab unser Bassquader öfter mal ein leises Dauerploppen von sich, wenn kein Tonsignal anlag. Im Standby war er allerdings still.

Kritik muss sich das Duo auch bei sehr leisen Abhörpegeln gefallen lassen: Hier klang es uns mitunter zu dumpf, was sich auch in einer suboptimalen Sprachverständlichkeit niederschlug. Besser wurde es, als wir den Basspegel des Woofers ganz zurück (-6) schraubten. Das leicht muffige Klangbild verschwand völlig, sobald die Bar in Zimmerlautstärke spielte, dann gab es auch an der Verständlichkeit von Dialogen nichts auszusetzen. Selbst aus stark seitlichen Hörwinklen veränderte sich der Sound kaum.

Bis auf „Voice“, das arg blechern klingt, unterscheiden sich die Klangprogramme nur gering in Tonalität und Räumlichkeit. Surround-Feeling kam allerdings nie auf, die Stereobreite war dagegen ordentlich und erstreckte sich rund auf das Doppelte der Bar-Abmessungen. Apropos Stereo: Musik lässt sich gut auf der TVB2 hören, Pop, Jazz oder Rock machten gleichermaßen Spaß.       

Der Testbericht Cambridge Audio TVB2 (V2) (Gesamtwertung: 70, Preis/UVP: 500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 5-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

70 gut

Die TVB2 (V2) von Cambridge Audio liefert auch dank dazugehörigem Subwoofer überzeugenden Sound bei überschaubarem Preis. Fehlende Vernetzungsmöglichkeiten wie WiFi, Ethernet, DLNA oder Multiroom kosten allerdings Punkte.
Andreas Oswald

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