Cambridge Audio CXUHD (Test)

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Vollgepackt: Die wertige Fernbedienung des CXUHD liegt gut in der Hand und ist sogar beleuchtet. Die Tastenanordnung geriet allerdings etwas gewöhnungsbedürftig.

Mit dem CXUHD springt Cambridge Audio als siebter Hersteller auf den UHD-Blu-ray-Zug auf. Allerdings hat der Brite eine frappierende Ähnlichkeit mit einem US-Konkurrenten.

Das Sortiment an UHD-Blu-ray-Playern ist noch überschaubar. Umso schneller fällt es auf, wenn sich zwei Player ähneln – von verschiedenen Herstellern wohlgemerkt. Im Falle des britischen Newcomers CXUHD von Cambridge Audio stand offenbar Oppos Universal-Scheibendreher UDP-203 Pate, dem wir bereits in Ausgabe 3-2017 unter die Haube schauen durften – und der mit einem vielseitigen Video-Equalizer, einer hochwertigen Audiosektion sowie massiver Material- und Verarbeitungsqualität stolze 93 Punkte ergatterte. Allerdings muss man für den Amerikaner ebenso stolze 850 Euro hinblättern. 50 Euro weniger verlangt Cambridge für seine UHD-Premiere, die etliche Oppo-Tugenden übernimmt, sich aber in einigen Punkten auch unterscheidet.

Analog Adé

Da wäre zunächst die Audio-Sektion: Etwas Fehlendes als Vorteil zu verkaufen, ist die Kunst des Marketings. Cambridge bewirbt die eingesparte Analog-Audioplatine mit „Keine DACs: verbesserte Audio und Video-Qualität“. Nach Meinung der Briten würde die Analog-Platine durch „Signalstörungen“ die Digitalausgabe von AV-Signalen via HDMI hör- und sichtbar beeinflussen. Oppo sieht das offenbar anders und bestückt seinen UDP-203 sogar mit einem 8-Kanal-DAC (von AKM) für die analoge 7.1-Tonausgabe. Entsprechend fehlen im Setup-Menü des CXUHD die wählbaren Klangfilter sowie das 7.1-Lautsprecher- und Bass-Management.

Dort, wo beim Oppo die analogen Cinch-Buchsen sitzen, findet man beim Cambridge eine abstehende Abdeckung, die restlichen Anschlüsse der Rückseite sind identisch. So punktet auch der Brite mit einem zweiten HDMI-Ausgang für die Tonausgabe sowie einem HDMI-Eingang – etwa zum Durchschleifen eines Sat-Receivers. Ethernet, zwei S/PDIF-Buchsen (optisch, koax) und zwei USB-3.0-Schnittstellen sind ebenfalls dabei. Der dritte USB-Port des Oppo auf der Front fehlt dem Briten.

Alles digital: Auf analoge Schnittstellen verzichtet der Cambridge CXUHD. Dafür bekommt man zwei HDMI-Ausgänge (einer nur für Audio) sowie einen HDMI-Eingang zum Durchschleifen eines AV-Signals. Ton gibt der Player auch über Toslink und Koax aus. Zudem gibt es 2 USB-Ports, eine Ethernet-Buchse und WLAN – allerdings ohne externe Antenne.

Massiver Korpus

Auch äußerlich zeigen beide Player Ähnlichkeiten: Die Gehäuse sind bis auf 1 Millimeter identisch groß und mit dicker, mattschwarzer Alu-Front sowie schwerem Metallkorpus bestens verarbeitet. Das mittige Schubladenlaufwerk überträgt dank Kapselung keine Vibrationen an das Gehäuse und arbeitet angenehm leise; aus üblichem Sitzabstand verstummen die Betriebsgeräusche komplett. Den 4,4 Kilo des Oppo stehen 5 Kilo beim Cambridge gegenüber, was am geschwungenen Bauch des Briten liegt dürfte. Die Geräte-Displays sind bis auf eine dezente Farbtonabweichung identisch, allerdings fallen die umgebenden Spiegeloberflächen unterschiedlich groß aus. Bei der Bedienung kommt Cambridge auch ohne „Stop“-Knopf auf der Front aus, komplett anders ist die Fernbedienung des CXUHD: Hier wurden die Navigationstasten mit den Abspieltasten zu zwei Steuerungskreisen vereint. Dies erscheint logisch, man muss sich aber erst daran gewöhnen. Auch die unterschiedslose Anordnung aller Menü-, Options- und Tonwahltasten erschwert die Bedienung ohne Sichtkontakt mit dem Geber, die Untertitel-Taste wurde zudem isoliert rechts unten versteckt. Für zielsichere Treffer im Dunklen sorgt eine willkommene Hintergrundbelechtung aller Bedienknöpfe.

Bekannt kommt uns das übersichtliche und einfach aufgebaute Onscreen-Menü mit großen Kacheln im Hauptmenü vor; nur mit dem Hintergrundbild eines blauäugigen Männermodels hat Cambridge unseren Geschmack nicht ganz getroffen. Gut gefallen uns dagegen die ausführlichen Bild- und Toninformationen, die nach längerem Drücken der Info-Taste erscheinen.

Das Hauptmenü des Cambridge CXUHD sieht ansprechend und aufgeräumt aus, der Männerkopf im Hintergrund ist allerdings Geschmackssache.

Dolby Vision, SACD und mehr

Auf den Geschmack hochauflösender Bild und Tonwiedergabe kommt man mit den CXUHD auf jeden Fall: Der liest nämlich nicht nur Blu-rays und UHD-Scheiben, sondern kommt mit so ziemlich allen Disc-Typen inklusive SACD und DVD-Audio zurecht, was besonders HiFi-Fans freuen dürfte. Auf Video-Seite ist der Player fit für die Wieder-gabe von Discs mit Dolby Vision und HDR-10. Auch die HDR/SDR-Konvertierung des Oppo sowie der umfangreiche Video-Equalizer ist an Bord des Cambridge – für die digitale Videoverarbeitung sorgt ein Quad-Core-Chip von Mediatek (MTK 8591).

Tiefreichende Videofunktionen sind nicht nur für Heimkino-Enthusiasten ein starkes Tool zur Bildoptimierung. Schließlich fehlen manchen Fernsehern bestimmte Einstellmöglichkeiten oder die im Gerät verbauten Kontrast- und Helligkeitsregler arbeiten zu grob. Der CXUHD justiert die wichtigsten Parameter wie Helligkeit, Kontrast, Farbton und Sättigung in 32 Stufen. Der Feinabgleich der Schärfe (0 bis 16) und das dreistufige Rauschfilter komplettieren die Bildfunktionen. Spezialitäten wie ein Darbee-Prozessor sind allerdings nicht an Bord.

Bildtüftler können zudem Details der HDMI-Ausgabe wie den Farbraum YCbCr in drei Varianten (4:4:4 / 4:2:2 / 4:2:0) oder die digitalen RGB-Videopegel (Videolevel / PC-Level) einstellen. Manche Projektoren profitieren davon insofern, als zuvor gesperrte Farbsättigungsregler auftauchen oder sich mit einem bestimmten Farbraum verknüpfte Fehler vermeiden lassen.

Im Menü „Videoausgabe“ lassen sich unter anderem HDR-Ausgabe, Auflösung und Farbräume einstellen.

Eine Dynamikbereichsanpassung zur Optimierung des HDR-Bildes für ein besonders leistungsstarkes oder eher leistungsschwaches HDR-Display besitzt der Cambridge hingegen nicht. Immerhin verfügt er über eine HDR/SDR-Konvertierung, bei der man die Ziel-Luminanz des Fern­sehers oder Projektors zwischen 50 Nits (sehr helles Bild) und 1.600 Nits (sehr dunkles Bild) einstellen kann. Bei der Übertragung eines HDR-Signals an ein HDR-Display ist dieser Menüpunkt ausgegraut.

Als Besonderheit erweitert der CXUHD die Anschlussmöglichkeiten im Heimkino, indem er neben dem Ton des TV-Geräts über die HDMI-ARC-Funktion (Audio Return Channel) zusätzlich eine HDMI-Bildquelle zum Display durchschleift: Am rückseitigen Eingang nimmt der Player Videos bis UHD-Auflösung entgegen und stellt zur Feinjustage sämtliche Video-Werkzeuge bereit. HDR-Videos bleiben jedoch (trotz HDMI-2.0-Spezifikation des Eingangs) auf der Strecke, so dass man auf dem Fernseher lediglich SDR-Qualität zu sehen bekommt. Cineasten mit internationaler DVD-Sammlung werden die Funktion „24p-Umwandlung“ lieben: Sie beseitigt das 3:2-Ruckeln von NTSC-Scheiben und gibt diese in bester Skalierungsqualität im Format 2160/24p aus.

Online-Apps sucht man beim CXUHD vergeblich – auch das hat er bedauerlicherweise mit dem Oppo gemein. Wer auf Streaming-Dienste und Co. nicht verzichten möchte, kann Gerätschaften wie den Amazon Fire TV Stick an den HDMI-Eingang hängen. Die Online-Funktionalität des Players beschränkt sich auf Firmware-Updates. Die Ethernet-Buchse und das integrierte WLAN-Modul (2,4 und 5GHz) erfüllen aber noch einen anderen Zweck – sie erlauben den Zugriff auf das heimische Netzwerk, so dass Multimedia-Inhalte von Computern, Tablets, Smartphones und NAS-Systemen abgespielt werden können.

Über den HDMI-Eingang lassen sich externe Bildsignale durch den Cambridge schleifen und sogar bearbeiten – in unserem Beispiel vom Oppo UDP-203. HDR-Metadaten bleiben dabei allerdings auf der Strecke.

Die beiden rückseitigen USB-Anschlüsse arbeiten nach dem 3.0-Standard für besonders hohe Übertragungsraten. Der Media-Player unterstützt alle wichtigen Audio-Dateiformate, darunter auch Hi-Res-Files wie ALAC, FLAC, WAV und DSD; Mehrkanal-Musik gibt der CXUHD als 5.1-PCM-Signal wieder. Video-Clips von USB oder NAS spielt er mit korrekter Bildwechselfrequenz, HDR und in 4K-Auflösung.

Der Media-Player des Cambridge CXUHD kommt mit fast allem zurecht, was ihm angeboten wird. HDR-Clips gibt er automatisch mit korrekter Bildrate aus und unterstützt zudem die wichtigsten UHD-Formate beziehungs­weise Codecs inklusive HEVC. Alle Videos eines Ordners werden ohne nervige Info-Einblendungen abgespielt. Die Pause zwischen den Clips beträgt nur wenige Sekunden. Die Bildregler funktionieren auch im Media-Player, selbst das A/V-Synch oder eine 3D-Konvertierung lassen sich via Druck auf die Options-Taste einstellen. Gut gefallen uns die ausführlichen Informationen, die der Oppo im Display nach längerem Drücken der Info-Taste zum laufenden Video zurückmeldet.

Playback-Info: Der Cambridge CXUHD blendet auf Wunsch ausführliche Informationen zum laufenden Video ein; sogar den aktiven Farbraum und die Bittiefe.

Auch bei der Audiowiedergabe ist der CXUHD ein Allesfresser, selbst 5.1-Mehrkanal-Dateien oder Hi-Res-Files in DSD schluckt er ohne Murren. Songs lassen sich in einer Favoriten-Liste speichern, die im Hauptmenü als eigener Punkt auftaucht; alternativ darf man auch eigene Playlists zusammenstellen. Vorbildlich ist die Anzeige aller Metadaten einer Datei, selbst die Abtast­rate, Bittiefe und die Kanalzahl liest der Player aus.

Bei der Fotowiedergabe unterstützt der Cambridge alle wichtigen Formate wie JPG sowie PNG und spielt sogar 3D-Bilder mit MPO-Codierung ab. Unsere 4K-Testbilder löste der CXUHD bis in feinste Details sauber auf. Über die Options-Taste der Fernbedienung lassen sich unter anderem viele Parameter der Diaschau einstellen, etwa die Zufallswiedergabe, Bildwiederholung, Übergänge oder das Drehen und Spiegeln der Fotos.

Bildqualität vom Feinsten

Die Videotechnik setzt auf MediaTeks leistungsfähigen Quad-Core-Prozessor MTK8591. Bereits aus DVDs kitzelt die Signalverarbeitung eine erstklassige Bildqualität: PAL-Material skaliert der  Player ungemein sauber auf 1080p oder 2160p (Ultra-HD), Interlaced-Quellen werden sauber in Vollbilder konvertiert und Zeilenflimmern zuverlässig beseitigt. Das schafft praktisch kein Fernseher in vergleichbarer Qualität. Der Cambridge gibt sogar Regionalcode-freie 60Hz-Scheiben auf Wunsch ruckelfrei mit 24 Hertz aus – davon profitieren vor allem Fernseher ohne Inverse-Telecine-Funktion.

Auch die Blu-ray-Wiedergabe hat uns begeistert. Das Bild besticht durch stimmige Farben sowie hohe Kantenschärfe und vorbildlicher Feinauflösung – ohne künstlich zu wirken. Mit Ultra-HD-Scheiben läuft der Universalplayer dann zur Bestform auf: Beim Animationsstreifen „Ich – Einfach Unverbesserlich 2“ poppen die drolligen Figuren dank der hohen Bilddynamik und den erweiterten Farben von Dolby Vision förmlich aus dem Fernseher. Realfilme bestechen durch ihre ungemein plastische Darstellung mit enormer Detailzeichnung. Allerdings differenzierte der Oppo UDP-203 Spitzlichter in Testmustern minimal besser – zumindest in den Standardeinstellungen. Dank feinfühlig eingreifendem Video-Equalizer kann der Cambridge dies aber ausbügeln.

Abhängig vom Disc-Format kann der CXUHD die Größe, Farbe und Position der Untertitel anpassen. Bei der UHD-Blu-ray von „Ich – Einfach unverbesserlich 2“ klappte das aber nur mit der Position, die nach oben rutschte.

Zudem lassen sich die Auflösung und diverse Farbräume festlegen. Bei der Zuspielung von HDR-Inhalten hätten wir uns aber ein paar zusätzliche Korrekturoptionen gewünscht – etwa eine Dynamikbereichsanpassung zur Optimierung des HDR-Bildes für besonders leistungsstarke beziehungsweise lichtschwache High-Dynamic-Range-Displays. Ein Manko, dass sich mit einem Firmware-Update aber lösen lassen sollte.       

                              

Der Testbericht Cambridge Audio CXUHD (Gesamtwertung: 90, Preis/UVP: 800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 12-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

90 sehr gut

Mit seinem UHD-Erstling landet Cambridge Audio einen Volltreffer und in unserer Referenzklasse. Zur ausgezeichneten Bild- und Tonqualität gesellen sich ein hoher Bedienkomfort, die Top-Verarbeitung und ein flexibler Media-Player. Auf Online-Apps und eine analoge Tonausgabe muss man aber verzichten.

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