BenQ TK800 (Test)

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Die Fernbedienung liegt gut in der Hand und ist übersichtlich strukturiert

Sportübertragungen profitieren von 4K besonders, denn das Live-Geschehen wirkt noch realer. BenQ trägt dem eigens für Sport optimierten Modell zum UHD-Schnäppchenpreis von gut 1.500 Euro Rechnung.

Lange haben wir in Deutschland drauf warten müssen, doch jetzt ist es endlich so weit: Sender wie Sky und RTL nehmen die UHD-Auflösung auch für Sportübertragungen in ihr Repertoire auf – die gerade zu Ende gegangene Fußball-WM stellte einen großen Auftakt dar. Mit seinen rund acht Millionen Pixeln verbessert der neue TV-Standard nicht nur die Detaildarstellung, sondern auch die Bewegungsschärfe. Doch neben der Auflösung stellt die Sport-Großbildprojektion, die der Atmosphäre zuliebe nicht in „Dunkelkammern“ erfolgen soll, Projektoren vor weitere besondere Herausforderungen, denen viele Heimkinomodelle nicht gewachsen sind. Der taiwanesische Elektronikriese BenQ läutet mit dem TK800 nun die neue Produktkategorie des „UHD Sportbeamers“ ein, bei dem spezielle Optimierungen in Lichtweg und Einstellungen zum Tragen kommen.

Ausstattung und Praxis

Bereits auf den ersten Blick zeigt der TK800, dass er andere Wege gehen möchte: Statt des konservativen, rein schwarzen oder weißen Chassis-Kleids anderer Heimkinobeamer, präsentiert er sich mit poppiger Metallic-Front in Türkis. Das macht ihn zwar auffälliger, tut der Wohnzimmer-Integration aber keinen Abbruch, zumal seine Abmessungen mit 35,3 x 13,5 x 27,2 (B/H/T) Zentimetern auch in kleineren Räumen nicht dick auftragen. Bei der Installation ist dennoch eine genaue Planung angesagt, denn der günstigen Preisklasse geschuldet wurde in Sachen Aufstellungsflexibilität der Rotstift angesetzt. Ohne Lens-Shift und mit nur 1,2-fachem Zoombereich gibt es bei vorgegebenem Projektionsabstand wenig Spielraum in der Wahl der Bildgröße. Für die gängige Bildbreite von 2,5 Metern benötigt der TK800 zum Beispiel einen Abstand von 3,6 bis 4 Metern.

Alles an Bord: Die Rückseite des TK800 brigt zwei HDMI-Ausgänge, eine VGA-Schnittstelle, zwei USB-Buchsen für Multimedia-Wiedergabe sowie diverse Steueranschlüsse.

Einmal installiert soll der kompakte UHD-Bolide aber umso länger wartungsfrei Freude machen: Zwar verfügt er noch nicht über moderne Laser- oder LED-Lichtquellen, aber seine UHP-Lampe soll im Eco-Modus eine Lebensdauer von bis zu 10.000 Stunden aufweisen. Dies wird allerdings vom Hersteller nicht garantiert und vorsorglich in der Anleitung darauf hingewiesen, dass sich die Lebensdauer, je nach Betriebsmodus, auf bis zu 4.000 Stunden verkürzen kann. Für 2.000 Fußballspiele sollte der Sportfreund mindestens Ruhe haben. Die verwendete DLP-Projektionstechnik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten hingegen als langlebigste am Markt erwiesen und garantiert eine jahrelange störungsfreie Nutzung.

Das Objektiv des TK800 beweist, dass auch in der Einstiegsklasse eine optisch scharfe Abbildung möglich ist.

Der im TK800 zum Einsatz kommende Full-HD-Spiegelchip wird mit der XPR2-Technologie in seiner Auflösung auf die von UHD erforderlichen 8 Megapixel aufgebohrt, indem ein so genannter „Aktuator“ jeden Pixel durch sequentielles Verschieben vervierfacht. Auch wenn dies wegen Überlappungen der einzelnen Pixel nicht mit der nativen 4K Auflösung gleichzusetzen ist, so macht es den TK800 auf Abbildungsebene durchaus UHD-kompatibel. Auf der Signalebene wird die Kompatibilität durch eine vollwertige HDMI-2.0 Schnittstelle mit 18-Gbps-Durchsatzrate und HDR gewährleistet. Seine speziellen Sporteigenschaften soll der TK800 durch eine überdurchschnittlich hohe Lichtleistung von 3.000 Lumen erreichen, die durch einen speziellen Sport-Modus zudem effektiv genutzt werden soll. Technisch erreicht wird dies per RGBW-Farbrad, das pro Umdrehung neben den drei Grundfarben auch einmal das ungefilterte Lampenlicht als Graubild auf die Leinwand wirft und so vor allem helle Kontraste fördert. Dennoch sollen keine farblichen Defizite die Folge sein, dem normnahen BT709/SRGB-Farbraum sei Dank. Erweiterte Farbräume nach BT2020- oder DCI-Standard verspricht der Hersteller in der Preisklasse nicht, der TK800 soll sie bei Zuspielung aber effektiv auf seinen eigenen Farbraum umrechnen können.

Die Menüstruktur ist eher schlicht gehalten und wirkt etwas antiquiert, ist dafür aber übersichtlich.

Neben all den Optimierungen zugunsten einer hellen und scharfen Sportwiedergabe werden nach dem Einschalten leider auch die erforderlichen Kompromisse in der Lautstärke deutlich: Die hohe Lichtleistung benötigt ein stärkere Kühlung, die hörbar ist, vor allem im hohen Lampenmodus. Hinzu kommt ein durchgehendes Brummen, das durch den UHD-Aktuator erzeugt wird.

Ein so genannter „Leise Modus“ stoppt den Aktuator und damit das Brummen, aber mit ihm geht auch die 4K-Auflösung verloren, denn der Beamer fällt auf seine native Full-HD-Auflösung zurück. Da aber gerade Sportübertragungen selten leise ausfallen, ist das Grundrauschen des TK800 kein sonderlich großes Manko. Mittels seiner integrierten Lautsprecher ist er zudem in der Lage, sich selbst im wahrsten Sinne des Wortes zu „übertönen“.

Die Bilderzeugung des TK800 arbeitet vollkommen mechanisch: Die Grundfarben filtert ein sich drehendes Farbrad, die Pixelhelligkeiten werden durch Millionen kleiner Kippspiegel dosiert und die 4K-Auflösung wird durch ein vibrierendes Glas alias „Aktuator“ erzeugt. Besonders Letzteres verursacht durch seine hohe Frequenz ein akustisch hörbares Summen, das nur durch eine Schallisolierung gefiltert werden könnte.

Deaktiviert man den Aktuator, verliert man bei 4K-Zuspielung Auflösung

Aufgrund der kompakten Abmessungen des TK800 findet eine solche Filterung nicht statt und bei geringeren Hörabständen kann man das Brummen vernehmen. Auch BenQ war sich dieses Mankos offensichtlich bewusst, denn mit einem „Leise“-Modus kann man den Aktuator stilllegen. Allerdings verbleibt in diesem Fall auch nur die native Full-HD-Auflösung des Projektions-DMDs.

Der Aktuator besteht aus Glas und verschiebt die Pixel je nach Winkel. Durch die Vibration entsteht ein leises Summen.

Licht und Farbe

Eine Kombination von 3.000 Lumen und SDR-Farbraum (BT709) wäre in der Tat eine optimale Voraussetzung für eine ansprechend helle Sportprojektion. Doch so einfach ist es in der Praxis nicht: Bei DLP-Projektoren mit RGBW-„Brilliant Color“-Farbrad ist zwischen der Helligkeit von Weiß und den Helligkeiten der Grundfarben zu unterscheiden, ebenso sorgt die Farbkalibrierung für einen gewissen Verlust, besonders bei UHP-Lampen. Von den gemessenen 2.700 Lumen brutto, die der TK800 im lichtstärksten Modus bei nativer Farbtemperatur erreicht, bleiben bei korrekter Farbwiedergabe rund 1.800 Lumen für Spitzlichter in D65/6500K-Normweiß bzw. 1.200 Lumen für reine Grundfarben übrig. Trotz dieser Differenz zur Werksangabe sind dies solide Werte, die eine Projektion von Sport in nicht ganz abgedunkelten Räumen ermöglichen. Besonders lobenswert ist der leicht erweiterte Farbraum, der Hersteller hat diesbezüglich nicht zu viel versprochen.

Die klassische Methode der Farberzeugung von TVs und Projektoren ist die reine Mischung von Rot, Grün und Blau. Durch die additive Farbmischung kann nahezu jede wahrnehmbare Farbnuance erzeugt werden. Alle drei Farben addieren sich in ihrer Helligkeit zum hellsten Weiß. DLP-Projektoren mit „Brilliant Color“ Farbrad hebeln diesen Zusammenhang zwischen den Helligkeiten aus: Durch das zusätzliche Weiß-Segment im Farbrad wird das maximale Weiß heller, ohne dass die Grundfarben mehr Lichtleistung bieten. In der Praxis bedeutet dies: Je intensiver ein Farbton, desto weniger hell kann ihn der Projektor darstellen.

Durch das Weiß-Segment im Farbrad ist Weiß heller als bei herkömmlicher RGB-Mischung.

Doch im Sport haben wir es selten mit intensiven Farben zu tun und das intelligente Color Management sorgt dafür, dass der TK800 den Lichtgewinn durch das Weiß-Segment auch in farbigen Inhalten umsetzen kann.

Bei gleicher Weiß-Helligkeit werden Farben dunkler abgebildet.

Im Praxistest überzeugt der TK800 durch eine angenehm helle Bildwiedergabe mit kräftiger und dennoch glaubwürdiger Farbdarstellung. Der Rasen von Fußballstadien wirkt saftig grün, die Sonne oder abendliche Flutlichtanlagen strahlen von der Leinwand hell in den Raum. Auch die Haut-töne der Spieler sind (dank guter Werkskalibrierung) glaubwürdig und sie wirken nicht blutarm oder krank, wie bei vielen anderen Einstiegsbeamern diese Preisklasse. Fremdlicht im Raum gelingt es zudem nicht, das Bild ausgewaschen erscheinen zu lassen, da der Farbraum mit genügend Reserven entgegensteuert. Vor allem in Kombination mit einer streulichtmindernden Kontrastleinwand läuft der TK800 zur Höchstform auf und kann einem herkömmlichen TV Konkurrenz machen.

Das spezielle Sport-Preset trägt dabei geschickt zu dem guten Tageslichteindruck bei: Durch eine S-förmige Gammaverteilung werden mittlere Helligkeitsstufen stärker betont, was das Bild insgesamt heller und dennoch kontrastreicher erscheinen lässt. Dies geht zwar auf Kosten der Durchzeichnung, doch die ist bei Sportübertragungen vernachlässigbar.

Um den TK800 für die Sportprojektion unter Restlichtbedingungen fit zu machen, mussten zusätzliche Lichtreserven mobilisiert werden: Statt eines RGBRGB- Farbrades kommt ein RGB-W-Farbrad zum Einsatz, das neben den Grundfarben auch ein helles Graubild mit ungefilterter Lampenhelligkeit liefert. Hellere Highlights und höhere In-Bild-Kontraste werden dadurch möglich.

Das S-Gamma (Grün) sorgt gegenüber der Norm-Gamma (braun) für eine hellere Abbildung. Die Durchzeichnung nahe an Schwarz leidet dafür.

Zudem sorgt eine S-förmige Gammaabstimmung dafür, dass mittlere Helligkeits­bereiche betont werden und das Bild so in der Belichtung aufgehellt wird. Dadurch leidet die Durchzeichnung, die für Sportmaterial aufgrund seiner hellen Grundcharakteristik nicht gebraucht wird.

Der Sport-Farbraum ist vor allem in Grün erweitert, was unter anderem bei der Darstellung von Fußballrasen hilft.

Für kräftigere Farben sorgt zudem ein leicht erweiterter Farbraum. Durch diese Maßnahmen ist der TK800 restlichttauglich, direkte Tageslichteinstrahlung sollte aber nach wie vor vermieden werden.

Farbrad mit Weiß­segment zur Erhöhung der Lumen-Ausbeute.

Beamer-Kenner wissen: Viel Licht bei kräftigen Farben fordert meistens seinen Tribut in Schwarzwert und Kontrast – nur sehr teure Modelle vermögen beides zu kombinieren. Der TK800 macht hier leider keine Ausnahme: Mit einem nativen Kontrast von rund 800:1 entspricht sein Schwarzwert lediglich einem dunklen Grau, das Nachtszenen mit einem Nebelschleier überzieht. Bei Sport kein Problem, wird dieses Manko bei der abendlichen Spielfilmprojektion im abgedunkelten Raum deutlich. Mit Hilfe des Dynamic-Black-Lampenmodus lassen sich Schwarzwert und Kontrastumfang aber um den Faktor 3 auf rund 2.500:1 erhöhen. Perfektion ist dadurch zwar noch lange nicht gewährleistet, aber der TK800 erreicht eine für seine Preisklasse typische Leistung, bei der auch Heimkino durchaus Spaß machen kann.

Schärfe & Videoverarbeitung

Wie bereits erläutert wird die Full-HD-Auflösung des DMDs durch „Pixelrücken“ sequentiell vervierfacht. Dies geschieht mit einer Frequenz von bis zu 240 Hz, so dass dies vom menschlichen Auge weitgehend unbemerkt bleibt. Nicht nur rechnerisch, sondern auch in der Praxis beweist dies das XPR-System: Die typische Pixelstruktur weicht einem analogen Look mit feiner Auflösung. Bei entsprechender Zuspielung (z.B. UHD von Blu-ray) zeigt der TK800 gegenüber herkömmlichen Full-HD- Projektoren einen sichtbaren Schärfevorteil, den man auch aus normalen Betrachtungsabständen wahrnimmt. Zweifelsohne gehört er damit zu den schärfsten Projektoren seiner Preisklasse.

Bei Sportmaterial wird diese überlegene Schärfe vor allem bei feinen Details im Hintergrund (Publikum), Schriften auf Banden und Trikots sowie deutlich weniger Artefakten (Flimmern / Treppenstufen) an scharfen Kontrastübergängen (Spielfeldmarkierungen) deutlich. Dies gilt nicht nur für Standbilder, denn aufgrund der schnellen Reaktionszeit des DLP-Chips werden auch Bewegungen angemessen scharf reproduziert, was gerade bei den ständigen Kameraschwenks bei Sport von Vorteil ist. Leider ist in der Preisklasse des TK800 bislang keine 120Hz-Zwischenbildberechnung realisierbar, so dass er trotz solider Leistung keine Spitzenposition in Sachen Bewegungsschärfe einnimmt.

HDR-Wiedergabe

Wie alle aktuellen UHD-Projektoren bietet auch der TK800 eine HDR-Kompatibilität. Das bedeutet, dass er UHD-Premium-Material mit dem ST2084-HDR- Gamma und BT2020-Farbraum darstellen kann. Tatsächlich sind seine HDR-Werksmodi so effektiv abgestimmt, dass sie eine gute Bildwiedergabe gewährleisten. Die Farben wirken realistisch, die Bildkomposition zeigt eine gute Belichtung. Die hohe Helligkeit des Projektors erlaubt vor allem in hellen Szenen eine naturgetreue Wiedergabe. Man muss aber auch sagen: Die echten Vorteile von HDR vermag der TK800 mangels Dynamikumfanges, Schwarzwertes und Kinofarbraumes nicht zu vermitteln. So beschränken sich die Unterschiede zwischen UHD/HDR gegenüber Full-HD/SDR vornehmlich auf die höhere Auflösung. Aber das ist ja auch was – vor allem für gerade mal 1.500 Euro.      

Der Testbericht BenQ TK800 (Gesamtwertung: 70, Preis/UVP: 1560 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

70 gut

Der BenQ TK800 hält, was der Hersteller verspricht. Zum kleinen Preis bietet er optimierte Bildperfomance für Live-Events und Sportübertragungen. Hell, farblich neutral und in Details wie Bewegungen scharf – mit diesen Eigenschaften punktet er auch fernab von Fußball & Co.
Ekki Schmitt

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