Acer H7850 (Test)

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Fast so scharf wie ein nativer UHD- Projektor, aber zum Preis eines Mittelklasse Full-HD-Gerätes: Mit dem H7850 bleibt Acer seiner günstigen Linie auch bei ultrahochauflösenden Projektoren treu.

Preiswerte 4K-DLP-Projektoren schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden: Der 2.000 Euro günstige Acer H7850 ist einer der aufwändigeren. Denn im Gegensatz zu den meisten Einstiegsmodellen, bei denen ein herkömmlicher Full-HD-DLP-Chip zum Einsatz kommt, wird hier ein DMD mit zweifacher HD-Auflösung (4 Megapixel) verwendet, dessen Pixel auf die vollen 8 Millionen verdoppelt werden. Laut Hersteller soll dies im Ergebnis gleichwertig zu nativem UHD sein. Das wäre fast zu schön, um wahr zu sein – weshalb wir nachgeschaut haben.

Ausstattung & Praxis

Die Fernbedienung liegt gut in der Hand und ist übersichtlich strukturiert.

Rein äußerlich wirkt der H7850 geradezu unscheinbar, was für einen potenziellen Wohnzimmerbeamer von Vorteil sein kann. Mit kompakten Abmessungen von 398 x 127 x 297 Millimeter und dezent weißem Kleid passt er sich der meist hellen Wohnzimmerumgebung sehr gut an – alleine die nicht zentrierte Optik wirkt ein wenig antiquiert. Mit einem Zoomverhältnis von 1,39 bis 2,26 erlaubt er vor allem in kleineren Räumen größere Bildbreiten, was in Anbetracht der UHD-Wiedergabe sinnvoll erscheint. Auch ein optischer, vertikaler Lensshift ist an Bord, aber mit nur 15 Prozent Spielraum (relativ zur Bildhöhe)  fällt dieser eher rudimentär aus. Einige LCD-Konkurrenten dieser Preisklasse bieten da einen deutlich höheren Aufstellungskomfort.

Nach der Inbetriebnahme waren wir positiv überrascht: Normalerweise gehören Acer Projektoren nicht gerade zu den Leisesten ihrer Zunft, aber das Belüftungssystem des H7850 ist vor allem in Anbetracht seiner hohen Lichtreserven und des kompakten Chassis vorbildlich ruhig und gehört diesmal tatsächlich mit 25 bis 28 Dezibel zu den Leisesten am Markt. Hier hat sich der Hersteller unsere Kritik bei vergangenen Modellen offenbar zu Herzen genommen. Hörbarer (und störender) ist da der vibrierende Aktuator, der fester Bestandteil der XPR-UHD-Technologie ist. Er sorgt für die optische Pixelverdopplung des 4-Megapixel-DMDs, indem er diese sequentiell diagonal verschiebt. Rein rechnerisch werden so tatsächlich die vollen 8 Millionen Pixel auf die Leinwand gebeamt, allerdings mit gewissen Überlappungen. Hier liegt übrigens der Hauptunterschied zur XPR2-Technologie, bei der der Aktuator die Pixel eines herkömmlichen Full-HD-Chips vervierfacht. In Anbetracht der aufwändigen XPR1-Technologie ist der H7850 mit einem derzeitigen Marktpreis von rund 1.700 Euro überraschend günstig. Deaktiviert man den Aktuator für ein leiseres Betriebsgeräusch (Silent Preset), verbleibt immer noch eine native Auflösung von 2.716 x 1.528 Bildpunkten auf der Leinwand, deutlich mehr als Full-HD.

Neben zwei HDMI-Ausgängen verfügt der H7850 auch über eine 5V-USB-Buche, über die man Smart-Sticks von Amazon oder Google mit Strom versorgen kann.

Bei der Lichtquelle setzt Acer klassisch auf eine UHP-Lampe, wodurch sich die hohe Leistungsaufnahme von 315 Watt ergibt. Immerhin die Lebensdauer soll mit 4.000 bis 15.000 Stunden (je nach Modus) den Anwender lange in Sicherheit wiegen, wird aber wie üblich nicht vom Hersteller garantiert. In Anbetracht des günstigen Ersatzpreises von 100 bis 150 Euro zeigt sich der H7850 alles in allem dennoch als äußerst wirtschaftlich.

Die Menüstruktur des H7850 als „zweckmäßig“ zu bezeichnen, wäre geschmeichelt, aber sie bietet viele Konfigurationsmöglichkeiten.

Auch bei den Anschlüssen gibt sich der kleine Acer überraschend kompromisslos (im positiven Sinne): Mit zwei HDMI-Schnittstellen bei voller 18-GBps-Bandbreite ist er für eine HDR-Zuspielung mit 10 Bit in allen vorkommenden Frequenzen bestens gewappnet. Automatisieren lässt er sich klassisch über RS232, oder modern via LAN. Über eine 5V-USB Buchse können zudem die immer beliebter werdenden Smart Sticks von Amazon oder Google mit Strom versorgt werden, so dass man ohne zusätzliche Verkabelung den Beamer smart machen kann. Und mit einer durchgeschliffenen VGA-Schnittstelle hält er bei Bedarf auch zur analogen Welt Verbindung, was ihn zu einem flexiblen Präsentationsbeamer macht. Dies gilt auch für die internen Lautsprecher, die allerdings nicht einmal mit den schwächsten Soundbars am Markt konkurrieren können. Eine hochwertige 120-Hz-Zwischenbildberechnung für 4K rundet die umfangreiche Ausstattung ab.

 

Messtechnische Analyse

Die vom Hersteller angegebene Technik-Daten des H7850 sind gewohnt inflationär: 3.000 Lumen bei einem Kontrastverhältnis von 1.000.000:1 erreichen nicht einmal zehnmal so teure High-End-Projektoren. Die 2.800-Lumen-Marke wird im Modus „Hell“ zwar tatsächlich erreicht, allerdings mit einem derart starken und unkorrigierbaren Grünstich, dass dieser Messwert rein akademischer Natur ist. Real, sprich bei guter Farbreproduktion, verbleiben davon zwischen 1.500 und 1.800 Lumen, was immer noch einer sehr hohen Lichtausbeute entspricht, mit der sich der H7850 auch gut gegen Restlicht im Raum durchsetzen kann. Zu verdanken ist diese Lichtleistung unter anderem dem verwendeten RGBCY-Farbrad, das neben den drei Grundfarben auch Zyan (Grün + Blau) und Gelb (Grün + Rot) projiziert.

Die Kehrseite der Medaille sind allerdings ein relativ kleiner Farbraum, der gerade die HD/SDR-Norm abdeckt, sowie ein aufgehellter Schwarzwert. Der resultierende native Kontrast liegt mit knapp 1.000:1 somit eher auf Einstiegsniveau und wird mit der Dynamic-Black-Funktion maximal auf 2.000:1 verdoppelt.

Die erste Generation der Texas Instruments XPR-Technologie arbeitet praktisch identisch zur eShift-Technologie, die schon seit Jahren bei JVC und Epson zum Einsatz kommt: Ein vibrierendes Glas, „Aktuator“ genannt, versetzt die Pixel abwechselnd mit einer Frequenz von 120 Hz um eine halbe Breite horizontal und vertikal. Dadurch wird die Pixelzahl rechnerisch verdoppelt, optisch allerdings mit erheblichen Überlappungen.

Der DLP-Chip verfügt über 4 Megapixel, die durch den Versatz auf 8 Megapixel (UHD) verdoppelt werden.

Der Vorteil der XPR1-Technologie liegt in der hohen nativen Auflösung des DLP-Chips: Statt über Full-HD (zwei Millionen Bildpixel) verfügt er über 4 Millionen Pixel (2.716 x 1.528), die durch den Aktuator auf volles UHD (8 Millionen Pixel) nur verdoppelt werden müssen. Damit erreicht die XPR1-Technologie eine bessere Detaildarstellung als bisherige eShift-Technologien mit Full-HD-Chips. Die Technologie ist allerdings recht aufwändig, weshalb bei günstigeren Modellen inzwischen auf die XPR2-Technologie ausgewichen wird, die ebenfalls nur auf Full-HD-Chips basiert.

Der DMD mit 4 Megapixeln Auflösung (Typ DLP660TE) ist mit 0,66 Zoll wesentlich größer als aktuelle Full-HD-Chips und daher teurer.

Sagenhafte Schärfe

So weit die Messtechnik, auf zum Praxistest: Spielt man dem H7850 seinen Fähigkeiten entsprechend UHD-Material zu, ist man nicht nur auf den ersten Blick verblüfft. Trotz aller Zweifel zur Gleichwertigkeit gegenüber einer nativen 4K-Auflösung präsentiert der kleine Acer-Beamer eine Schärfe auf der Leinwand, die man sonst nur in höheren Preisklassen findet. Selbst kleinste UHD-Details werden scharf abgegrenzt und natürlich (ohne digital zu erscheinen) abgebildet. Das Bild ist frei von einer Pixelstruktur und wirkt wie eine hervorragend aufgelöste analoge Projektion. Und das gilt nicht nur für Standbilder, dank der sehr leistungsfähigen UHD-Zwischenbildberechnung „Accu-Motion“ behält der H7850 diese Schärfe auch in Bewegungen bei. Damit verschwindet der sonst so störende Gegensatz zwischen scharfen Standaufnahmen und verschwimmenden Bewegungen.

Kaum größer als eine Münze wirkt das Objektiv unscheinbar, doch die UHD-Schärfe, die es erzeugen kann, lässt kaum Wünsche offen.

Bei 24p-Spielfilmwiedergabe ist die Anwendung von AccuMotion ein Muss, da der Beamer diese sonst intern auf 30 Hz umwandelt, was zu störenden Pulldown-Rucklern führt. Für Liebhaber der „puren“ Kinofrequenz ist der H7850 somit nicht geeignet. Von diesem Manko abgesehen: Seien es Spiel-filme, TV-Serien, Gameshows oder Sportübertragungen – für unter 2.000 Euro bekommt man derzeit keinen schärferen Beamer als den Acer H7850, Punkt.

 

Schwaches Schwarz

Nach all der Begeisterung in Sachen Schärfe leistet sich der H7850 aber auch deutliche Schwächen. Hier ist vor allem der unzureichende Schwarzwert zu bemängeln, der eher einem Dunkelgrau entspricht, das sich wie ein Nebelschleier über dunkle Bildszenen legt. Dies wirkt sich vor allem bei düsteren Filmen wie „Krabat“ oder „The Purge“ aus. Und bei „Star Wars“, „Raumschiff Enterprise“ und Co. sind die Weiten des Weltalls nicht schwarz, sondern grau. Auch die „Dynamic Black“-Funktion, die die Helligkeit der Lampe in Echtzeit dimmt, kann hier nur bedingt Abhilfe schaffen. Bei hellen Bildinhalten kommt hingegen der hohe In-Bild-Kontrast des Projektors zum Tragen, der eine gute Bildplastizität gewährleistet. Keine Frage, bei knalligen Filmen mit hohem Tageslichtanteil ist der  Acer H7850 in seinem Element.

Durch gute Werkspresets und Einstellmöglichkeiten ist die Farbtreue für herkömmliche HD-Inhalte hoch und glaubwürdig, auch ohne aufwändige Kalibrierung. Mangels erweiterter Farbräume kann der H7850 allerdings nicht die Vorteile von UHD-Blu-ray-Inhalten mit originalem Kinofarbraum (DCI) nutzen. Stattdessen konvertiert er in Echtzeit alle erweiterten Farbnormen (BT2020) auf seinen eigenen Farbraum. Dies gelingt ihm allerdings so gut, dass die Farbdarstellung weiterhin glaubwürdig erscheint. Ähnlich sieht es bei HDR-Inhalten aus: Mangels Kontrast und Schwarzwert können die Dynamikvorteile von HDR nicht ausgereizt werden, das Bild wird aber gut an die SDR-Leistungsfähigkeit des H7850 angepasst und erscheint glaubhaft.   

                                                    

Der Testbericht Acer H7850 (Gesamtwertung: 71, Preis/UVP: 2000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

71 gut

Der Acer H7850 zaubert dank XPR1-Technologie und 4K-Zwischenbildberechnung eine UHD-Bildschärfe in Bildern und Bewegungen auf die Leinwand, die man in dieser Preisklasse sonst vergeblich sucht. Mit hoher Helligkeit und guter Farbtreue ist er zudem für den Wohnzimmereinsatz gut geeignet. Defizite in Schwarzwert und Kontrast trüben das Großbilderlebnis aber vor allem bei Spielfilmen sichtbar ein.
Ekki Schmitt

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