B&W DB1 - Subwoofer für 4.000 Euro
Für 4.000 Euro muss ein Subwoofer mehr drauf haben als satten Tiefbass und hohe Pegel - so wie der DB1 von der englischen High-End-Schmiede B&W: Seine schlaue Prozessortechnik nimmt es sogar mit raumakustischen Problemen auf.
Schon optisch macht der Subwoofer DB1 von B&W viel her – bei einem Preis von 4.000 Euro muss das aber auch so sein. Neben der hervorragenden Verarbeitungsqualität der schwarzen Hochglanzlack-Oberfläche fällt auch das farbige OLED-Display auf, das sich aus allen Blickwinkeln gut ablesen lässt. Es führt schlüssig durch den Großteil der Klangeinstellungen. Die verwendete digitale DSP-Technik sollten selbst High-End-Puristen nicht von vornherein ablehnen, denn sie lässt sich in vielen Details vielseitiger einsetzen als eine herkömmliche analoge Aktiv-Elektronik.
Technik
Erfahrungen aus früheren Produkten des Hauses haben die B&W-Ingenieure beim neuen DB1 selbstverständlich übernommen, beispielsweise den gegenüberliegenden Einbau zweier Tieftöner. Wie beim "Pressure Vessel Concept" des kugelförmigen Subwoofers PV1 (1.500 Euro, Test in audiovision 2-2008) neutralisiert sich die Beschleunigungsenergie der Treiber so wechselseitig, unerwünschte Auswirkungen auf das Gehäuse in Form von Resonanzen werden schon in der Entstehung unterbunden. Zur weiteren Bekämpfung von störenden Resonanzen versteift eine Matrix-Verstrebung den Subwoofer-Würfel, was weit besser funktioniert als einfach nur dicke Gehäusewände.
Kevlar-Membrantechnik: Der Highend-Aufwand aus dem Hause B&W zeigt sich im mehrfach
hinterlüfteten Schwingspulensystem und den weiterentwickelten Rohacell-Membranen für Steifigkeit.
Ziel all dieser Maßnahmen ist natürlich eine glasklare Basswiedergabe – der DB1 soll schließlich die Erde zum Beben bringen, nicht aber sein Gehäuse. Zum Erreichen dieses Ziels trägt auch der luftdichte Einbau der beiden Langhub-Tieftöner bei, wobei die Techniker auf eine mechanische Trennung von der Elektronik im Fuß achteten. Die Chassis sind so ausgelegt, dass sie mit dem zur Verfügung stehenden Luftvolumen gut auskommen und nur in geringem Umfang entzerrt werden müssen, um eine untere Grenzfrequenz von 20 Hertz zu erreichen. Im Unterschied zu üblichen Aktiv-Subwoofern setzt B&W beim DB1 komplett auf eine digitale Audioverarbeitung, obwohl der Sub nur über analoge Eingänge verfügt. Neben den schaltbaren Cinch-Eingängen für ein ein- oder zweikanaliges Subwoofer-Signal steht außerdem ein symmetrischer XLR-Eingang zur Verfügung.
Drei analoge Eingänge, keine Ausgänge: Der DB1 digitalisiert eingehende analoge Signale, wobei sich die
Eingangsempfindlichkeit einstellen lässt. Die RS232-Schnittstelle ermöglicht weitere Optionen
mit der SubApp-Software von B&W oder erlaubt die Steuerung über automatisierte Systeme.
Eigenwillige Bedlenung
Schon beim ersten Versuch, die Eingänge umzuschalten, stellt sich heraus, dass das Bedienkonzept des DB1 gewöhnungsbedürftig ist. Man muss nämlich zunächst mit gedrückter Enter-Taste das Setup-Menü öffnen und die Eingänge den fünf Presets zuordnen; erst dann lassen sich die verschiedenen Presets und damit die unterschiedlichen Eingänge anwählen. Hier haben wir den Komfort einer simplen Infrarot-Fernbedienung vermisst. Damit ließen sich wenigstens die Eingänge, Presets und der Lautstärkepegel bequem vom Heimkino-Sofa aus steuern. Vor dem teuren DB1 muss man hingegen in gebückter Haltung verharren.
Ein Vorteil der Menüsteuerung ist dagegen die in die Tiefe gehende Audiofunktion des DB1. Der DSP Sigma-Chip von Analog Devices erlaubt eine genaue Auswahl der Tiefpassfrequenz in Ein-Hertz-Schritten zwischen 25 und 120 Hertz und die Programmierung eines grafischen Fünf-Band-Equalizers (+5, - 10 Dezibel) im Bereich zwischen 20 und 80 Hertz. Auch diesmal hakt die Bedienung beim Versuch, die Werte des neu programmierten Equalizers abzuspeichern. Teil des Konzepts ist es wohl, bei tiefer gehenden Justagen den Fachhändler einzubinden, was grundsätzlich nicht verkehrt ist. Zur DSP-Technik gehört außerdem eine intelligente Schutzschaltung, die selbst bei einer kaum möglichen Übersteuerung Tieftöner und Elektronik effektiv schützt. Schade ist allerdings, dass man für einige weiterführende Anwendungen zwingend einen PC mit RS232-Schnittstelle braucht, etwa für die automatische Einmessung im Raum per beiliegendem Mikrofon. Diese Funktion steuert vier parametrische Filter gegen stehende Wellen im Raum, die nur zum Dämpfen und nicht zum Verstärken frequenzselektiver Pegel ausgelegt sind (siehe Kasten unten).
Zusatzinfo: Optimierte Raumakustik dank Equalizer
Schon eine simple manuelle Justage des Fünf-Band-Equalizers am B&W bewirkt im Einzelfall viel. So geschehen im Hörraum von audiovision, wo eine lästige stehende Welle den Tiefbass bei gut 40 Hertz deutlich anhebt. Entsprechende Basstöne zeigen dadurch zwar einen spektakulären Soundeffekt, wummern aber sehr lange nach und verdecken zudem andere tiefe Frequenzen, vor allem im Oberbass. Auf diese Weise wird der Klang verfälscht, was man beim Hören durchaus wahrnimmt. Zudem bestätigte die Messung des Raumfrequenzgangs den Befund.
Das einfache Hilfsmittel: Wir senkten den Pegel bei 40 Hertz um zehn Dezibel ab. Flugs verschwand die Tiefbassüberhöhung, und am Hörplatz werden nun alle Basstöne annähernd gleichmäßig hörbar. Nach einer ähnlichen Änderung sollte man allerdings den Gesamtpegel wieder um rund vier Dezibel anheben beziehungsweise die Boxenpegel neu kalibrieren.


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