Reportage: Werksbesuch bei Sony DADC - Seite 2

vom 01.01.70 | 01:00

3D kein Problem

Auch für kommende 3D-Produkte im Bereich Blu-ray ist man in Anif gerüstet. Denn trotz Änderungen im Encoding-Workflow bliebe die physikalische Disc-Produktion identisch, wie uns Stefan Perlot erklärt, der bei Sony DADC für das Mastering verantwortlich zeichnet. Mehr zum Mastering und zukünftigen Entwicklungen im Bereich BD-Live verraten er und sein Kollege Jürgen Grünberger im Interview.

Reportage: Werksbesuch bei Sony DADC
Vor den Toren Salzburgs betreibt Sony DADC Europas größte Blu-ray-Fertigungsstraße.


Trotz aller Zukunftsmusik und Automatisierung – ganz ohne Handarbeit geht es auch in Salzburg nicht. So werden die Verpackungen von bestimmten Blu-ray- und DVD-Sondereditionen an langen Tischen von Mitarbeitern per Hand mit Silberlingen bestückt. Der Grund: Für aufwändig gestaltete Boxsets existieren keine geeigneten Verpackungsanlagen. (ce)      

Reportage: Werksbesuch bei Sony DADC
Jürgen Grünberger (rechts), Manager Software Development bei Sony, im Gespräch mit AV-Redakteur Christoph Ebert.
 

Interview: "Die Möglichkeiten für E-Commerce sind dank BD-Live beinahe unbegrenzt."

In Salzburg sprachen wir mit Jürgen Grünberger, Manager Software Development, und Stefan Perlot, Director Mastering.


AV:  Welche Software kommt im Authoring bei Sony DADC zum Einsatz?

Grünberger: Wir verwenden Blu-print von Sony Creative Software. Für BD-Live Features verwenden wir zudem ein Java Framework, das wir gemeinsam mit mehreren Sony Divisions global entwickelt haben.

AV:   Warum hat man bei Sonys BD-Live-Feature movieIQ auf die Möglichkeit einer eigenständigen Online-Recherche verzichtet?

Grünberger: movieIQ ist bewusst als sogenanntes "in-movie"-Feature konzipiert worden. Dem Benutzer wird die Möglichkeit geboten, rasch gesuchte Informationen zu finden, um sich dann wieder ungestört dem Film widmen zu können. Unsere Kunden sind der Meinung, dass der Benutzer Recherchen und aufwändige Texteingaben lieber auf gewohnten und darauf ausgerichteten Endgeräten wie Laptops oder iPhones durchführt.

AV: Welche neuen Entwicklungen im Bereich BD-Live dürfen wir in Zukunft erwarten?

Grünberger: Die Möglichkeiten für E-Commerce sind auf der Blu-ray-Disc dank BD-Live beinahe unbegrenzt. movieIQ wird hier schon in Kürze eine wesentliche Rolle für unsere Kunden spielen, genau wie Community-Features, iPhone-Applikationen und Trivia Games.

Jürgen Grünberger, Manager Software Development

 

AV:   Wie lange dauert die Fertigung einer Blu-ray nach dem Authoring, also von der Erstellung des Masters über die Replikation bis hin zu Verpackung und Versand?

Perlot: Der erste Schritt zur fertigen Blu-ray Video Disc ist die Verschlüsselung mit dem erforderlichen AACS-Kopierschutz. Danach werden das Master belichtet, Test-Discs hergestellt und deren Qualität eingehend geprüft. Erst wenn unsere strengen Qualitätskriterien erfüllt sind, startet die Vervielfältigung der Blu-ray- Discs. Inklusive Bedruckung und Verpackung benötigen wir für die gesamte Fertigung zirka 10-15 Werktage, abhängig von der Größe und der Dringlichkeit des Auftrags. Bei sehr hoher Dringlichkeit werden Aufträge auch in weniger als einer Woche abgewickelt.

AV:  Wie weit ist die Forschung im Bereich vierlagiger Blu-rays fortgeschritten?

Perlot: Die Blu-ray-Spezifikationen sehen bis zu 8 Datenschichten zu je 25 GB vor, derzeit sind nur Versionen mit einer und zwei Datenschichten physisch und logisch vollständig spezifiziert. Unsere Kunden finden mit den 50 GB, dem 6-fachen Speichervolumen einer DVD, genügend Möglichkeiten, um attraktive Inhalte auf den Markt zu bringen. Uns ist derzeit kein konkreter Bedarf für mehr Speichervolumen in unserem Markt bekannt.

AV:  Welche Entwicklungen sind bei optischen "Near-Field"-Speichertechniken zu erwarten?

Perlot: Near Field Recording und Playback bietet die Möglichkeit, noch mehr Daten auf Discs zu speichern – bis zu 100 GB pro Layer und mehreren Layern pro Datenträger –, wobei die Daten-Nanostrukturen denen der Blu-ray Disc ähnlich, aber deutlich kleiner sind und wesentlich enger zusammenrücken. Die ersten technischen Machbarkeitsstudien dazu wurden in unseren Forschungslabors bereits 2007 abgeschlossen. Ob oder wann eine kommerzielle Anwendung dieser Technologie kommt, kann man heute noch nicht vorhersehen.

AV:  Der Anteil der Blu-ray Single-Layer-Discs ist in letzter Zeit wieder gestiegen. Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Perlot: Erfreulicherweise haben gerade 2009 viele Independent Studios ihre Filme auf Blu-ray-Disc herausgebracht, häufig zunächst in kleinen Auflagen. Single-Layer-Discs mit 25 GB sind in der Herstellung kostengünstiger (ca. 20 Prozent, Anmerkung der Redaktion) als die 50 GB Variante – das macht sich bei kleinen Auflagen bemerkbar, vom Authoring bis zur verpackten Disc.

Stefan Perlot, Director Mastering

 






 

 

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