Reportage: Werksbesuch bei Epson in China

vom 16.10.11 | 10:06

Reportage: 3D-TV ohne Brille von Toshiba Lokaltermin in Shenzhen, China: Hier steht die größte Projektorfabrik der Welt, alle Epson-Geräte kommen von hier. Wir waren vor Ort zur
Präsentation der brandneuen 3D-LCD-Modelle.

Jetzt einmal Mütze abnehmen und das schüttere Haar richten – wie viele Projektorbesitzer auf der Welt würden darunter leiden? Die Verlockung ist groß, aber natürlich macht man es doch nicht. Denn was Staub und andere Partikel im Lichtweg anrichten können, ist bekannt.

 

Hier im Bereich POP hat man uns in Plastikjacken und viel zu kurze Plas­tikhosen gezwängt, selbst die Schuhe wurden verhüllt. Dann ging's in eine Kabine mit Luftdusche, um den Staub der Stadt abzuschütteln. Und man läuft über eine Klebefolie, damit nichts an den Füßen hängen bleiben kann. Schließlich werden hier die optischen Bauteile montiert, durch die das Licht der Lampe durchscheint. Jedes Partikel wäre nachher zigfach vergrößert auf irgend einer Leinwand in der Welt zu sehen.

Zwölf Millionen im Jahr

Rund zwölf Millionen Beamer pro Jahr baut die Epson Factory Shenzhen Ltd. im fünften Industriegebiet West von Nanshan, das ist knapp jeder sechste Projektor – Business- und Bildungs-Geräte, für Festinstallation, mobilen Einsatz und für Home Cinema. 150.000 Stück pro Monat sind normal, das sind rund 8.000 am Tag oder fünf in der Minute. In der Hochsaison werden es auch mal 200.000 Projektoren im Monat, dann braucht man Saisonarbeiter.

 

Von den regulär bei Epson in Shenzhen beschäftigten 12.200 Menschen baut etwas mehr als die Hälfte die Beamer zusammen, die anderen fertigen Drucker. Gearbeitet wird, so erzählt Fabrikchef Yoichi Honda, täglich 9,45 Stunden bei Zweischichtbetrieb; bei drei Schichten sind es acht Stunden täglich, aber mit Samstag. Mehr ist nicht erlaubt, denn die Obergrenze für Überstunden liegt bei 32 im Monat. Was man sich in der Millionenstadt am Perlfluss für den Basislohn von 1.400 Yuan (rund 150 Euro nach offizieller Umtauschrate) leisten kann, wissen wir aber nicht.

 

Reportage: Werksbesuch bei Epson in China
Das Topmodell von Epson mit den neuen Panels
ist der EH-TW9000W für rund 3.200 Euro.

Reportage: Werksbesuch bei Epson in China

Zusatzinformation: Die Geschichte der Epson-Projektoren

1973 - Die erste Seiko-Uhr mit einer Flüssigkristall-Anzeige für sechs Ziffern erscheint, hier noch mit passiver Matrix-Ansteuerung.

1982 - Seiko bringt eine TV-Uhr, die dank separatem TV-Tuner und Kopfhörer fünf Stunden Fernsehen empfangen konnte; erstmalig wurde hier eine aktive Ansteuerung auf CMOS-Basis verwendet. Die Auflösung lag bei rund 31.000 Pixeln, etwa 200 x 150 Bildpunkte in Schwarzweiß.

1984 - Der Epson ET-10 ist der erste LCD-Fernseher im Taschenformat, mit einem fünf Zentimeter großen, farbigen Schirm (2,1 Zoll). Durch das Farbfilter war die Auflösung auf 80 x 200 Pixel reduziert.

1986 - Ein erster Prototyp zeigt, wie das Zwei-Zoll-Panel auch für die Projektion genutzt werden könnte.

1989 - VPJ-700 im Januar und VPJ-1000 im Dezember sind die ersten käuflichen LCD-Projektoren mit 220 beziehungsweise 440 Zeilen und rund 100 Lumen Lichtleistung.

1991 - Epson setzt große Hoffnungen auf den Projektor VPJ-2000 mit 480 x 440 Pixeln und 70 Lumen; doch der Preis von rund 11.000 Dollar ist zu hoch, im Gegenzug explodieren die Herstellungskosten. Es werden nur zehn Prozent der geplanten Stückzahlen verkauft, was die ganze Firma in Existenznot bringt. Die Projektorfertigung wird gestoppt, sechs Ingenieure bleiben übrig.

1994 - Neustart mit dem Projektor EMP-3000, der VGA-Auflösung und 250 Lumen hat; er legt mit Prismen-Optik, Lichtbündelung und vor allem mit der HTPS-Technik (High-temperature Poli-silicon) die Grundlagen heutiger LCD-Projektoren.

2002 - Einstieg in den Home-Cinema-Sektor mit dem ersten 720p-Projektor auf LCD-Basis, dem TW100 mit rund 700 Ansi-Lumen.

2007 - Mit dem TW1000 bringt Epson seinen ersten Full-HD-Projektor.

Reportage: Werksbesuch bei Epson in China
Die Seiko TV-Watch von 1982 legte die technologischen Grundlagen
für die LCD-Panels heutiger Projektoren.

 

 







 

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