Reportage: Stromverbrauch bei LCD-Fernsehern - Seite 2
Trinitron-Technologie
Entscheidend für den Stromhunger eines LCD-Schirms ist eine einzige Komponente: das Backlight. Es braucht bei konventionellen Geräten fast zwei Drittel der Energie. Doch die wird großzügig verschwendet: Selbst beste Schirme lassen nicht mehr als zehn Prozent des hinten erzeugten Lichts durch. Schuld daran ist das Flüssigkristall-Prinzip mit Farb- und Polfiltern.
Der neue KDL-40WE5 von Sony braucht halb soviel Strom wie ein
normaler LCD-Fernseher, ...

... vor allem dank der neuen Hintergrundbeleuchtung
(mittlere Röhre, oben).
Bei der Hintergrundbeleuchtung kann man aber erheblich besser werden,
wie Sony beweist. Die WE5-Serie setzt dabei Heißkathoden-Röhren ein
(HCFL), die wesentlich effizienter sind als die sonst benutzten
Kaltkathoden-Röhren (CCFL). Dank einer Technologie, die Sony zu Zeiten
der Trinitron-Bildschirme entwickelt hat, konnten die Entwickler die
15-20 mm dicken HCFL-Leuchten auf 4 mm verschlanken (siehe Bild oben
rechts).
Tim Page, TV-Manager bei Sony Europe, begründet, warum die Firma hier
keine Leuchtdioden einsetzt: "LEDs liegen derzeit bei etwa 65 Prozent
der Stromaufnahme konventioneller Schirme, mit HCLF kommen wir unter 50
Prozent", erklärt er. Dazu kann man die Durchlässigkeit verbessern, zum
Beispiel mit Spezialfolien, die einen Teil des polarisierten Lichts
zurückgewinnen. Auch das Verkleinern der Leiterbahnen auf dem Glas
bringt ein paar Prozent, ebenso Prismenscheiben zur besseren
Lichtverteilung. Darüber hinaus sparen etliche Tricks Strom während des
Betriebs und danach, etwa die automatische Raumüberwachung (siehe
Kasten linke Seite).
Doch über eines muss sich der ÖkoKäufer klar sein: Die
Verbrauchsangaben beziehen sich auf die Werkseinstellung. Dreht man
Kontrast und Helligkeit runter, sehen nur die Werte besser aus, nicht
aber das Bild. Die Tests von audiovision ermitteln übrigens neutrale
Werte, die für alle Hersteller gleich sind. (lö)

Sharp möchte LCDs bauen, die nicht mehr Strom verbrauchen, als ein gleichgroßes Solarpanel erzeugt.
Zusatzinfo: Weitere Stromspar-Tricks
Umgebungs-Sensor
Bei Tageslicht muss ein Bildschirm wesentlich mehr Licht abgeben als abends beziehungsweise im abgedunkelten Heimkino. Früher war es üblich, das mittels voreingestellter Betriebsarten zu steuern. Inzwischen regelt bei vielen Geräten ein Sensor automatisch die Helligkeit der Hintergrundbeleuchtung, was den Stromverbrauch immer so niedrig wie möglich hält. In einigen Fällen misst der Sensor gar die Farbtemperatur des Umgebungslichts und stellt die Farbwiedergabe des Schirms entsprechend ein. Mit dieser Automatik ist es in der Regel nicht mehr möglich, eigene Einstellungen zur Bildoptimierung zu nutzen. Der Sensor ist meist in der Grundeinstellung aktiv, kann aber von Hand abgeschaltet werden.
Bewegungs-Überwachung
Bisher nur bei den Sony-Modellen der WE5-Serie gibt es die Raumüberwachung, die den Schirm abschaltet, wenn niemand zusieht. Dazu besitzt das Gerät einen Bewegungssensor und eine Zeitschaltung, so dass zum Beispiel nach 30 Minuten ohne Zuschauer der Bildschirm ausgeht. Das betrifft aber nur das Bild, der Ton läuft weiter. Wenn jemand vor den Fernseher tritt, geht der Schirm sofort wieder an. Das soll auch funktionieren, wenn der Zuschauer eingeschlafen ist. Bevor ausgeschaltet wird, informiert eine Texteinblendung.
Standby-Abschaltung
Im Zuge der Öko-Welle kommt der harte Netzschalter wieder in Mode. Er soll sicherstellen, dass nach dem Abschalten keinerlei Strom mehr verbraucht wird. Eine andere Lösung soll im Standby den Verbrauch ebenfalls auf Null drücken – dank spezieller Chipsätze, die mit nichtflüchtigen Speichern arbeiten. Erste Modelle dieser Art werden zum Jahresende erwartet.



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