Reportage: Panasonic-Werksbesuch in der Slowakei
Tausende von Blu-ray-Playern stehen in europäischen Haushalten. Doch längst nicht alle stammen, wie man vermuten könnte, aus China, Japan oder Taiwan: Auch in Europa läuft die Player-Produktion auf Hochtouren. Panasonic, selbst Hersteller aus dem Fernen Osten, orientiert sich in Europa ostwärts: mit einer Blu-ray-Fabrik in der Slowakei. audiovision war vor Ort und schaute den Verantwortlichen über die Schulter.
Die Fabrik
Seit acht Jahren unterhält der japanische Hersteller Panasonic bereits ein Werk in der Slowakei, dem AV-Testchef Florian Friedrich Ende September einen Besuch abstattete. Gegründet wurde das in der Stadt Krompachy beheimatete Werk aus den heutzutage üblichen Motiven: Die Slowakei mit ihren 5,5 Millionen Einwohnern gilt für mitteleuropäische Verhältnisse als Niedriglohnland – der durchschnittliche Monatslohn beträgt rund 700 Euro – und verspricht damit eine bessere Rendite als der Standort Deutschland.
Dort fertigten die Japaner nämlich zuvor: 1982 startete in Osterode im Harz die erste Panasonic-Produktion von Audio- und Video-Geräten in Europa. Das Werk wurde gemeinsam mit dem deutschen Hersteller Bosch betrieben – sehr zum Leidwesen von Max Grundig, der damals gerade versuchte, sein im Vergleich zu VHS technisch besseres "Video 2000"-System durchzusetzen. Daraus wurde nichts, genauso wenig wie aus der langfristigen Zusammenarbeit von Bosch und Panasonic: 1998 verkaufte Bosch seine Anteile an der Videofabrik in Osterode, worauf Panasonic im Jahr 2000 das Werk in der Slowakei gründete. Damals wurden in Krompachy vor allem VHS-, später DVD-Recorder gebaut, heutzutage fertigt man vermehrt Blu-ray-Player.

Beeindruckend: Angesichts so langer Regale voller Blu-ray-Player und
DVD-Recorder staunt Testchef Florian Friedrich.
Die Produktionskapazität der Fabrik liegt bei einer Million Geräte im Jahr, gearbeitet wird an fünf Tagen die Woche in zwei Schichten. Von den 1.200 Mitarbeitern sind fast zwei Drittel weiblich, weil Frauen am Band zuverlässiger und mit konstanterer Qualität und Geschwindigkeit arbeiten als Männer – wie der Werksleiter erklärte. Die gut 400 männlichen Mitarbeiter kommen vor allem an den technisch komplexeren Maschinen und bei der Problembehebung zum Einsatz.
Bis zum Jahresende 2008 wird das Werk in Krompachy 300.000 Blu-ray-Player für den europäischen Markt bauen, Tendenz steigend. Der allererste Player von Panasonic, der BD 10, kam aus Fernost, doch seit den Modellen BD 30 und BD 50 produziert man hier. Voraussichtlich wird Krompachy in naher Zukunft seine Produktionskapazitäten deutlich erweitern, denn die Nachfrage steigt kontinuierlich. Am Standort in Europa will Panasonic offenbar festhalten, eine Abwanderung in ein noch günstigeres Niedriglohnland scheint nicht geplant. Stolz verweist die Werksleitung darauf, dass man hier in der Ostslowakei die Strukturentwicklung fördere, nicht zuletzt durch Spenden und Zuschüsse, von denen gerade Krankenhäuser und Schulen profitierten. Und wie es sich für einen großen Arbeitgeber gehört, kümmert man sich auch um Gesundheit und Fitness der Beschäftigten.

Unscheinbar: Nur das Panasonic-Logo weist darauf hin, dass sich hinter grauen Mauern jede Menge Platinen tummeln.
Die Fertigung
High-Tech-Komponenten fertigt die Fabrik in der Slowakei nicht. Bauteile wie hochempfindliche Mikrochips, die Lasereinheit der Laufwerke oder mehrlagige Platinen werden aus Japan und China geliefert. In Krompachy selbst geht es vorrangig um Montage, Verpackung, Qualitätskontrolle und Auslieferung. Natürlich stehen auch hier hochmoderne Maschinen, aber Reinräume, Schutzanzüge und Luftschleusen sucht man vergebens; weiße Spannsocken um die Schuhe der Besucher und eifrige Reinigungskräfte sorgen für ausreichend Sauberkeit. Wer schon einmal ein Werk der Unterhaltungselektronik in Japan besucht hat, erkennt den Unterschied sofort.
Vergleichsweise unkomplizierte Komponenten wie Gehäuseteile, elektrische Bauteile oder Druckwerk liefern Hersteller aus der näheren Umgebung. Da nur die kleinen, aber hochwichtigen Elemente aus der Ferne kommen, liegt der CO2-Ausstoß für die Gesamtproduktion relativ niedrig.

Endkontrolle: Jeder Blu-ray-Player aus der Fabrik wird hier vor dem Verpacken auf perfekte Funktion geprüft.
Lesen Sie hier Teil 2 unseres Werksbesuchs alles über den Produktionsablauf, die Qualitätskontrolle und die Verpackung und Auslieferung.
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