Reportage: Jetzt funkt's - drahtlose HDMI-Übertragung
Lange HDMI-Kabel sind teuer und störanfällig. Jetzt kommt HDMI per Funk – perfekte Lösung oder neues Problem?
Bandbreite ist durch nichts zu ersetzen, könnte man in Anlehnung an einen Spruch aus der Autobranche sagen – außer durch mehr Bandbreite. Stimmt nicht, sagen immer mehr Techniker, Hubraum ist durch Turboaufladung zu ersetzen und Bandbreite durch höhere Kompression. Den höchsten Bedarf an Bandbreite haben in der Home-Cinema-Anlage immer die Verbindungen zum Bildschirm.
Seit es HDMI gibt, kann man diese Daten digital übertragen. Doch mit Entsetzen haben viele Besitzer von Projektoren festgestellt, wie groß ihre Räume sind. Je länger die HDMI-Kabel nämlich werden, umso teurer und störanfälliger werden sie. Das ist auch deswegen ein Problem, da man mit dem Draht immer an der Wand lang muss. Luftlinie wäre wesentlich kürzer.
Doch noch ist keine Funktechnologie auf dem Markt, die Bandbreiten transportieren kann, wie man sie durch HDMI-Kabel schickt: Knapp fünf GBit/s schon in der ersten Version, das Doppelte seit HDMI 1.3, und schon kommen Hersteller wie Monster und versprechen für ihre Strippen bis zu 14 GBit/s. Wie will Funk da mithalten?

Der superflache Sony-Fernseher KDL-40ZX1 sendet als erstes Gerät drahtlos
von der Empfängerbox (im Hintergrund) zum Schirm.
Zwei Ansätze sind im Angebot: entweder die vorhandenen Wireless-Technologien so zu nutzen, dass ein Videosignal durchpasst, oder eine neue Funktechnologie aufzubauen, mit der die benötigte Bandbreite Realität wird.
Das Funkverfahren UWB
Das so genannte Ultra Wide Band (UWB) ist ein Funkverfahren, das mit einem schwachen, aber breitbandigen Sendesignal arbeitet, das von anderen Systemen nur als Rauschen angesehen wird. Damit schafft man nicht mehr als ein Drittel der 1080i-Bandbreite, weshalb man zum Turbo in Form von Datenkompression greifen muss.
Die vorhandenen Ansätze von Tzero und Pulse-Link verwenden beide einen Chip von Analog Devices, der jedes Bild einzeln nach dem JPEG2000-Standard schrumpft. Das hat den Vorteil, dass die Übertragung bildgenau erfolgen kann – allerdings nur nahezu: Die in Japan bereits vertriebenen Geräte von Hitachi tragen einen Warn-Aufkleber für Gamer, die auf besonders schnelle Reaktion angewiesen sind.
Vorteile: relativ störungsfrei.
Nachteile: leichte Kompression, Verzögerung, Funktion nur paarweise.
Die WHDI-Technik
Auf der neuesten WLAN-Variante 802.11n baut die WHDI-Technik auf, die sich bereits im Sony KDL-40ZX1 findet. Trotz mehrfacher Kanalnutzung schafft man damit nicht einmal 800 MBit/s, auch das zu wenig. Dass die Firma Amimon aus Israel damit trotzdem via HDMI (bis 1,5 GBit/s) übertragen kann, liegt an einer cleveren Ausnutzung der Datenmengen.
Die so genannte Least-significant-bit-Technik (LSB) verzichtet einfach auf bestimmte Bits, die das System für verzichtbar hält. Wie genau der Chipsatz arbeitet, ist Betriebsgeheimnis. Aber es funktioniert. Mehr als 1080i ist allerdings nicht machbar, so dass auf der Seite des Empfängers noch Elektronik zum Hochrechnen und De-Interlacing benötigt wird. Die Übertragung selbst ist weitgehend verzögerungsfrei.
Vorteile: hohe Reichweite, wenig Verzögerung.
Nachteile: WLAN-Bänder nicht störungsfrei, Datenverlust, Funktion nur paarweise.

Wie Sony nutzt auch Mitsubishi die WHDI-Technik von Amimon für die Verbindung
von Elektronik inklusive Blu-ray-Recorder zum Fernseher – leider nur für Japan.
Wireless-HD
Noch nicht lieferbar sind derzeit die Chipsets der Firma Sibeam, die eine neue Funktechnik für das 60-GHz-Band entwickelt hat. Hier sind Bandbreiten wie im HDMI-Kabel möglich, bis hinauf zu 1080p mit 60 Hertz. Und als einziges Verfahren ist Wireless-HD ein simpler Kabelersatz. Denn nur hier können sich die Geräte mit jedem anderen Gerät im Raum verbinden, weil die volle HDCP-Lizenz enthalten ist. Die anderen Firmen dürfen nur eine Re-Transmission durchführen – mit der Folge, dass Sender und Empfänger fest zusammengehören müssen. Ein Blu-ray-Player kann sich also nur mit Wireless-HD mit irgendeinem Bildschirm verbinden, auch mit Herstellern anderer Marken.
Vorteile: keine Verzögerung, volle Bandbreite, Verbindung zu jedem anderen Wireless-HD-Gerät.
Nachteile: sehr hohe Frequenzen anfällig für Unterbrechungen.

Die Wireless-HD-Einheit besteht vor allem aus Netzwerk- und Sende-Chips
(vorne am Kästchen, rechts unten), hier vorgeführt mit der Verbindung
zu einem Camcorder auf der IFA 2008.

Panasonic will die Wireless-HD-Technik auch in Blu-ray-Playern (hinten) und AV-Receivern
(unten) einsetzen, hier ausgestellt zusammen mit einer Tunerbox.
Fazit
Wireless-HD galt lange als Favorit der Branche, weil nur dieses System die volle HDMI-Datenrate liefert. Doch die anderen Lösungen funktionieren bereits in der Praxis, wenn auch nur mit maximal 1080i. Falls Wireless-HD nicht teurer ist als die Konkurrenz und problemlos im Einsatz, wird dieses Verfahren gewinnen. Einfach deswegen, weil es die höchste Bandbreite hat. (lö)

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