Reportage: Heimkino im Jahr 2020 - Seite 2

vom 01.01.70 | 01:00

Higher Definition TV

Noch ist HDTV nicht Alltag auf deutschen TV-Schirmen, doch es ist allgemein bekannt, dass die beiden Normen 720p und 1080i nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Diskutiert wird über:
• 3D-Fernsehen, das große Thema der letzten IFA in Berlin.
• Höhere Bildwechselfrequenzen, die noch flüssigere Bewegungsdarstellung erlauben, sogar die Probleme zwischen 50 und 60 Hertz lösen könnten, irgend etwas zwischen 100 und 300 Hertz.
• Auflösungen von mehr als HDTV heute, also etwa 4k oder sogar 8k, wie vom japanischen Sender NHK erprobt.
• 1080p mit Progressive Scan bei 50 oder 60 Hertz, die Auflösung von 1080i und die Bewegungsschärfe von 720p.
All diese Weiterentwicklungen sind schon deswegen schwierig, weil sie in den Studios neue Gerätegenerationen erfordern. Daher wird sich wohl keines dieser Verfahren auf breiter Front durchsetzen. Vorstellbar ist, dass einzelne Pay-TV-Anbieter Kanäle auflegen, um die Märkte zu testen, so wie Sky in Großbritannien mit 3D. Dazu muss man später nicht einmal einen Sat-Transponder mieten, über IPTV geht das einfacher.

Reportage: Heimkino im Jahr 2020
Riesenschirme wie hier ein 155 Zoll großes OLED von Mitsubishi werden nur dann eine Chance haben, wenn sie wenig Strom brauchen.


Technisch ist die Übertragung gar nicht mehr so kompliziert: Man kann mit Zusatzdaten zu den vorhandenen Datenströmen, etwa Multi­view für 3D oder Scalable Video für höhere Auflösungen, eine kompatible Lösung realisieren. Nur neue Empfangsboxen müssten sein für 3D-TV oder Ultra-HDTV.

Reportage: Heimkino im Jahr 2020 
Viele Programme aus vielen Quellen gleichzeitig auf einem Schirm, wie hier auf dem Cell-TV von Toshiba, gehören bald zum Fernsehalltag.

Viele Wege, ein Ziel

Wie aber kommen die Filme auf den Bildschirm? Die analoge Übertragung wird bis 2020 der Vergangenheit angehören, sogar im Kabel. Bis 2015 wird auch das Internet weiter an TV-Bedeutung gewinnen: für Video auf Abruf, für programmbegleitende Informationen im HbbTV-Standard, für die Verbreitung ganzer Programmbündel wie heute bei T-Entertain der Telekom.
Die Herausforderung liegt aber vor allem darin, die Netzwerke intelligent zu verbinden. Fünf Millionen Haushalte über Internet-Protokoll gleichzeitig mit der gleichen Sendung zu versorgen, ist eine grandiose Verschwendung von Bandbreite. Und auf der anderen Seite werden immer mehr Sender von Broadcast auf Internet-Verbreitung wechseln – der erste war letztes Jahr Bahn-TV. Letzten Endes könnte es dem Zuschauer egal sein, was wie zu ihm kommt, ob live oder von der Festplatte seines Home-Servers oder vom Flash-Speicher in seinem Fernseher.
In diesen bunten Medienmix fügt sich die Blu-ray-Disc mittels BD-Live ein. Wenn Video auf Abruf ab 2015 den Markt aufrollt, wird der Disc-Verkauf auch bei Blu-ray merklich schrumpfen. Und was ist mit der DVD? Spätestens in zwei Jahren werden die meisten Gerätehersteller die Produktion von DVD-Playern eingestellt haben. Denn ein Blu-ray-Laufwerk kostet dann nicht mehr soviel Aufpreis, als dass sich das Weglassen lohnen würde.     


Spiele könnten ein Treiber für die 3D-Entwicklung sein,
da hier dieInhalte viel leichter dreidimensionalerzeugt werden können als im Fernsehen.

 

Infokasten: 3D vor dem Durchmarsch?

Spektakuläre Prognose: Bereits im Jahr 2012 soll jeder zehnte Haushalt in Japan und USA für 3D bereit sein, also entsprechende Geräte angeschafft haben, so die Marktforscher von Futuresource; bis 2015 klettert dieser Wert auf über 60 Prozent. Da dürften sie sich gewaltig verrechnet haben, denn innerhalb von fünf Jahren wird normalerweise der Bestand an TV-Geräten etwa zur Hälfte ausgetauscht. Und man weiß sicher, dass 2010 und 2011 auch Schirme verkauft werden, die nicht für dreidimensionale Bilder geeignet sind.

Trotzdem: Es kann relativ schnell gehen mit 3D, was die Technik angeht. Plasmaschirme könnten schon bald komplett umgestellt werden, da es sich bei ihnen vor allem um eine Frage der Ansteuerung handelt. Bei LCDs ist es schwieriger, da wird 3D auf mittlere Sicht den Geräten der Oberklasse (200 Hertz, LED-Backlight) vorbehalten bleiben. Das bedeutet allerdings noch nicht, dass alle Käufer sich die notwendigen Shutterbrillen anschaffen. Und dass sie überwiegend 3D-Programme schauen.


Zwar ist damit zu rechnen, dass Blu-ray-Spieler ebenfalls bald in großer Zahl 3D-ready sein werden, denn auch hier ist der Mehraufwand vernachlässigbar. Dass allerdings schon bald alle Filme dreidimensional gedreht werden, davon ist (noch) nichts zu sehen. Weitere Quellen werden ebenfalls dünn gesät bleiben. Der eine oder andere Sender wird sich an speziellen 3D-Kanälen versuchen, die mit Bildteilung arbeiten und daher nur für Besitzer von 3D-Fernsehern genießbar sind – in England will Sky nächstes Jahr starten. Mittelfristig wird man aber im TV wie bei Blu-ray mit Zusatzdaten arbeiten, die von speziellen Settop-Boxen ausgelesen werden. Die Chips können für beides dienen. Aber die TV-Produktion der Sender ist auf viele Jahre hinaus nicht in der Lage, eine größere Programmvielfalt zu liefern.

Und im Mainstream wird 3D-TV erst ankommen, wenn die Bildschirme ohne Brille zu benutzen sind – und zwar für mehr als eine Person. Das allerdings dürfte erst weit nach 2020 eintreten.

 

Offene Fragen

??? Wird es privates Pay-TV in Deutschland jemals schaffen, was Premiere, Arena und DF1 nie gelang – nämlich dauerhaft in die Gewinnzone zu kommen?
??? Wie lange wird es wichtige Geräte-Anbieter aus Europa geben? Viel Glück, Philips, Loewe, Metz und Konsorten!
??? Was wird aus der Musikbranche? Derzeit dient sie den Managern in Film, TV und Video nur als abschreckendes Beispiel.
??? Erlebt die VHS-Kassette ein Comeback, so wie heute die Schallplatte?







 

 

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