Reportage: Heimkino im Jahr 2020
In den letzten 10 Jahren hat sich im Heimkino viel getan. Wir schauen, was uns in den nächsten zehn Jahren an Innovationen erwartet. Den flachen Fernseher hat jede Prognose vorhergesehen, wahlweise für 1960, 1980 oder das Jahr 2000. Was jedoch das TV-Geschäft mehr als alles andere verändert hat, nämlich die Infrarot-Fernbedienung und das mit ihr mögliche Zappen von einem Programm zum anderen, das hatte niemand auf der Rechnung.
Nachdem HDTV-Flatscreens in vielen Wohnzimmern Einzug gehalten haben, stellt sich die Frage: Was folgt im kommenden Jahrzehnt? Ein Überblick, was sich heute schon absehen lässt – Überraschungen nicht ausgeschlossen.
LCD, Plasma, OLED & Co.
Viele TV-Schirme, die dieser Tage gekauft werden, könnten das Jahr 2020 locker erleben. Denn die Lebensdauer liegt über 50.000 Stunden, was bei vier Stunden pro Tag rund 35 Jahre ausmacht. Doch was ist mit den neuen Fernsehern im Jahr 2020? Möglicherweise werden sie sich nicht gewaltig von den heutigen unterscheiden. In der Luft schwebende Bilder oder Tapeten-Bildschirme zum Ausrollen sind laut Entwicklern unwahrscheinlich. Aber man kann sich vorstellen, dass Fernseher wie einfache Glasscheiben aussehen, wenn sie nicht benutzt werden. Und es stehen Technologien in den Startlöchern, die zumindest biegsame Schirme realisierbar machen.
Trotzdem wird wohl die Mehrzahl der Fernseher, die man im Jahr 2020 in den Geschäften sieht, mit LCD-Technik arbeiten – schon allein, weil die Fabriken, die heute gebaut werden, in zehn Jahren noch laufen. Ab 2015 könnte man erwarten, dass organische Leuchtdioden, also OLEDs, eine Rolle spielen. Auch wenn derzeit noch niemand das Patentrezept gefunden hat, wie man diese Schirme in großen Stückzahlen und mit großen Diagonalen preiswert bauen kann. Die Technologien von heute jedenfalls sind für Massenproduktion ungeeignet.
Auch Plasma könnte überleben, eventuell in einer Form, die sich dem Field-Emission-Prinzip der FED-Displays annähert. Mit Phosphor an der Front statt in einer Kammer und Elektronen- statt Infrarotstrahlung ließen sich Schirme preiswerter fertigen als heute, und die Displays würden gleichzeitig weniger Strom verbrauchen.
Der Zwang zum Energiesparen könnte weitere Technologien fördern, etwa die Laser-Projektion nach Art der kalifornischen Firma HDI-3D. Auch Sony forscht schon lange an vergleichbaren Verfahren, aufbauend auf der GLV-Technik. Immerhin kündigte Firmenboss Howard Stringer für die Zukunft eine völlig neue Bildschirmgeneration an.
Projektion, hier auf der Ceatec in Tokio, gewinnt neue Attraktivität dank Halbleiter-Lichtquellen und speziellen Scheiben.
Noch mehr Pixel
Ob man mehr als die Full-HD-Auflösung braucht, wird derzeit in der Branche diskutiert. Dabei mehren sich die Stimmen, die für mehr Pixel plädieren – etwa für hochauflösende Digitalfotos, Material aus dem Internet oder Grafiken. Mittelfristig wird der ein oder andere Hersteller einen Versuch mit QHD oder 4k-Auflösung starten, also 2.560 x 1.440 oder 3.840 x 2.160 Pixel. Was daraus wird, hängt stark vom Preis und der Marktdynamik ab. So kann es gut sein, dass, wenn ein Hersteller anfängt, die anderen aus Marketing-Gründen nachziehen müssen – egal ob sie es für sinnvoll erachten oder nicht.
Projektoren, derzeit im Schatten der Flachbild-Konkurrenz, könnten ab 2012 ein Comeback erleben. Dann auf der Basis leistungsfähiger LEDs, preisgünstig und natürlich 3D-fähig. Wobei derzeit ohnehin jedes neue Display-Verfahren für dreidimensionale Bilder geeignet sein muss.

Der Blick in die Zukunft muss nicht durch die 3D-Brille passieren –
andere Trends wie Energie-Effizienz werden die nächsten zehn Jahre stärker prägen.
Zusatzinfo: weitere Trends
• Geräte, die lernen können. Heute schon werden Produkte unfertig ausgeliefert, die Betriebssoftware kommt online nach. Aber auch neue Fähigkeiten können dazukommen, von denen man bei der Herstellung noch keine Ahnung hatte. So werden beispielsweise Sensoren erkennen, was sich im Raum tut und wie sie sich darauf anpassen müssen.
• Settop-Boxen werden zu Servern. Separate Digitalempfänger haben auf Dauer nur eine Existenzberechtigung, wenn sie mehr bieten als einen Tuner. Großer Speicher, Internet-Anbindung, Heimvernetzung und Medienwiedergabe aller Art sind Pflicht.
• Flash-Speicher fassen alles. Die Chips werden so groß und preisgünstig, dass man sie in Fernsehern und diversen anderen Geräten findet, für zeitversetztes Ansehen, für Zusatzinfos und eigenes Material, zugespielt über USB oder drahtlos – einfach hinhalten.
• Fernbedienungen als Kommandozentralen. Die Zeit der Einweg-Steuerung geht zu Ende, mit neuen Standards wie RF4CE und Zigbee senden die Geräte an die Fernbedienung zurück, so dass hier Vorschaubilder genau wie komplexe Einstellungen möglich sind.
• Energie-Effizienz ist Pflicht. Was Kalifornien vormacht, wird weltweit zum Standard, nämlich Vorschriften über die Höhe des Stromverbrauchs. Nicht, dass das drastische Einsparungen brächte, aber die Politik erlässt gern Gesetze, die sie nicht bezahlen muss.

Sensoren werden immer wichtiger, für die Energie-Effizienz, aber auch für die Steuerung.


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