Reportage: Heimkino 2.0 mit THX
Da es keinen Standard für die Produktion von Filmen gibt, geht THX nun einen anderen Weg: Per Media-Director-System sollen die Einstellungen der Abmischung bis ins Wohnzimmer korrekt übertragen werden.
Als AV-Receiver hat man es nicht leicht: Woher soll das arme Gerät wissen, ob auf den beiden Surroundkanälen einer 5.1-Abmischung eine Matrix-Codierung für einen Surround-Back-Kanal liegt? Da kommt es schnell zu einer falschen Entscheidung, und der perfekte Raumklang ist dahin. Und dem Projektor im Home Cinema geht es nicht viel besser: Wer sagt ihm, ob der Film, der ihm vom Blu-ray-Player in 1080p zugespielt wird, mit dem EBU-Farbraum 603 oder 709 gemastert wurde? Noch niemand.
Im Display Testing Lab (großes Bild) prüfen THX-Techniker die
Qualität von Bildschirmen, das Ambleside-Theater (oben) dient zur
Kontrolle von Audio-Abmischungen und anderen Produktionen.
Doch THX will genau das realisieren: über HDMI alle wichtigen
Informationen weiterleiten, die für die perfekte Wiedergabe zuhause
notwendig sind. Das Konzept nennt sich Media Director und wird schon
seit mehr als einem Jahr unter dem Decknamen Blackbird vorbereitet
(siehe audiovision 12-2007).
Die Idee ist simpel, die Realisierung nicht. Genau das, was am Set, im
Studio und beim Authoring produziert wurde, soll exakt so wiedergegeben
werden. Das war stets die Grundidee, der Auslöser, warum George Lucas
THX vor über 20 Jahren schuf – er hatte sich über die schlechte
Qualität seiner "Star Wars"-Filme in vielen Kinos geärgert. Doch
angesichts immer komplizierterer Rahmenbedingungen wäre es eine
Illusion zu glauben, mit einer sauber kalibrierten Anlage allein ließe
sich die optimale Vorstellung im Heimkino garantieren. Denn es gibt im
Jahr 2009 keinen einheitlichen, streng zu befolgenden Standard.
Alles geschieht von selbst
Seinen Ursprung hat Media Director im Zertifizierungsprogramm für DVDs. Hier hat sich herausgestellt, dass es kaum möglich ist, alle Anforderungen, die weltweit und über die diversen Medien bestehen, unter einen Hut zu bringen. Daher akzeptiert THX nun, dass die Filmwelt sich nicht um das Mann's Chinese Theater, den Zoopalast oder irgend ein anderes Premierenkino dreht. Bisher war man nämlich davon ausgegangen, dass jeder Filmemacher sich danach richtet, damit seine Werke eine Chance bei den Oscar-Juroren haben.
Der ideale Ablauf sieht bei Media Director so aus, dass schon bei der Aufnahme und Produktion des Films die wesentlichen Angaben festgehalten werden; im Authoring-Studio bringt der Producer diese Daten ins passende Format, das dann auf der Disc gespeichert wird. Der Player liest diese Daten und schickt sie über das HDMI-Kabel an den AV-Receiver und den Bildschirm. Die ganze Kette hat also diesem Standard zu folgen, wenn alles klappen soll.
Anders als früher beim THX Optimizer, der einige Testbilder auf die DVD brachte, muss der Benutzer aber gar nichts machen, im besten Fall merkt er nicht einmal etwas davon. Media Director soll vollautomatisch arbeiten. Mittelfristig ist sogar vorstellbar, die Informationen nachzuliefern, etwa über die BD-Live-Funktion von Blu-ray.
Die Liste der übermittelten Daten ist lang (siehe Kasten rechts), denn sie soll möglichst jede Fehlerquelle erfassen und eine Lösung ermöglichen. So erfährt zum Beispiel das Display, mit welcher Farbabstimmung ein Kinofilm produziert wurde – denn die verwendete Norm ist in Europa eine andere als in den USA. Auch die Daten jeder Wandlung werden festgehalten, etwa die Information über den 3:2-Pulldown von 24 auf 60 Bilder pro Sekunde, oder die Wandlung einer Konzertaufnahme von 60 auf 50 Hertz. Das können zwar gute Videoprozessoren auch aus dem Bild erfassen, aber das funktioniert selbst bei Top-Geräten nicht immer sicher.

THX-Techniker im Labor.
Das Konzept des Media Director macht allerdings, anders als THX sonst, keine Vorschriften, wie weiter verfahren werden muss. Es stellt nur die Informationen zur Verfügung und überlässt es den Geräteherstellern, welche Konsequenzen sie daraus ziehen. Ob die Markierung für einen in den Surround-Kanälen versteckten Back-Track also per Dolby Prologic 2x, mit DTS Neo:6 oder einem anderen Verfahren ausgewertet wird, ob damit ein oder zwei Lautsprecher beschickt werden, darüber sagt Media Director nichts. Aber natürlich wäre es unsinnig, das System zu integrieren und dann mit den Daten nichts anzufangen.
Für die Übermittlung der Informationen nutzt THX den Datenblock in den HDMI-Kanälen. Er folgt direkt nach den Bild- und Tondaten, sozusagen in der horizontalen Austastlücke nach jeder Zeile. Dort sind auch die EDID-Werte gespeichert, also die Angaben darüber, welches Bildformat ein Display oder welches Tonsystem ein Decoder verarbeiten kann. Anders als bei diesen Angaben gibt es bei Media Director nur einen Downstream, also von der Quelle zum Empfänger.

Auf Wunsch werden alle Einstellungen und Daten des Media Director
auf dem Schirm angezeigt, hier der Video-Modus.
Versteckt sind die Daten im gerätespezifischen Bereich, den jeder Hersteller nach seinen Vorstellungen nutzen kann. Anders als die CEC-Steuerdaten, die eine spezielle Leitung brauchen. stecken diese Informationen im Nutzsignal, können also nicht so leicht verloren gehen. Wenn etwa ein AV-Receiver das System nicht eingebaut hat, aber das Display, kommen die Informationen über Farben oder Bildformate trotzdem dort an.



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