Reportage: Gemischtes Doppel – Geisterbilder bei 3D

vom 15.03.12 | 12:00

Reportage: Gemischtes Doppel – Geisterbilder bei 3DDas größte Ärgernis bei 3D-Filmen sind Doppelkonturen. Sie können viele Ursachen haben – und oft kann man nichts dagegen tun.

Der Leser war verunsichert: Warum eigentlich wird in den Blu-ray-Tests in audiovision das Ghosting nicht erwähnt? Schließlich kann dieser Fehler den ganzen 3D-Genuß verderben. Und er verwies die Redaktion auf ein Webportal, das in seinen Filmbesprechungen genau angibt, wie sehr die Scheibe zu Doppelkonturen neigt, in der Fachsprache Crosstalk oder Übersprechen genannt.

Die Antwort fiel einfach aus, auch wenn sie für viele Leser nicht sofort nachvollziehbar ist: Es gibt kein Ghosting auf Blu-ray. Ein 3D-Film wird mit zwei Kameras aufgenommen oder es werden die beiden Perspektiven am Computer errechnet und dann landen die beiden Bilder für links und rechts auf der Scheibe – und zwar unabhängig voneinander.

Auch bei weniger exzellentem 3D gibt es weder in der Quelle noch in der Übertragung eine Vermischung der beiden Seiten, weder bei künstlich auf 3D getrimmten Filmen noch bei Ausstrahlung im Side-by-side-Format wie auf dem 3D-Kanal von Sky. Der Effekt kommt immer vom Bildschirm in Kombination mit der Brille.

Das mag viele Zuschauer erstaunen, denn bei manchen Filmen sieht er deutliche Doppelkonturen, bei anderen dagegen praktisch nichts. Doch das mag daran liegen, wie der 3D-Effekt im jeweiligen Film genutzt wird und welche Schwierigkeiten der Bildschirm damit hat.

Wobei es eine Besonderheit gibt: Die Sony-OLED-Brille HMZ-T1 liefert nicht nur ein 3D-Bild, das genauso hell ist wie 2D, sondern hat dank zweier Mini-Displays keinerlei Übersprechen. Das linke Auge hat nicht den Hauch einer Chance zu erhaschen, was das rechte Auge sieht. Und so gibt es keine Doppelkonturen.

Reportage: Gemischtes Doppel – Geisterbilder bei 3D
    Auf der IFA im September zeigte Mitsubishi neue 3D-Brillen, die das Übersprechen verringern sollen.

 


 

Schnelles Umschalten

Bei allen 3D-Bildschirmen, die nicht mit zwei Panels arbeiten, kommt es darauf an, wie die beiden Ansichten für links und rechts getrennt werden. Bei Shutterbrillen ist die Zeit entscheidend, denn auf der einen Seite darf erst geöffnet werden, wenn nur noch das zugehörige Bild zu sehen ist. Und das ist schwierig, denn der Bildaufbau dauert halt eine gewisse Zeit, vor allem bei LCD. Denn da wird, wie bei einer Röhre, mit dem Schreiben der Bildinformation links oben begonnen und geht dann zeilenweise bis nach unten rechts. Das dauert bei einem 50-Hertz-Gerät eine 50-stel Sekunde, also 20 Millisekunden. Dann steht das Bild und man könnte die Brille öffnen, doch dann muss eigentlich schon das nächste Signal dargestellt werden.

Ein komplett fertiges Bild hat man bei LCD daher nur, wenn zwei Schreibzyklen zusammengefasst werden, einer für den Aufbau und ein zweiter für das Halten während der Öffnung der Brille. Unter 196 Hertz (jeweils 48 Hz pro Auge) geht also nichts. Doch es kommen weitere Probleme dazu: Eine Flüssigkristallzelle braucht eine gewisse Zeit zum Umschalten, die für normale 2D-Darstellung lediglich unter der Zeit liegen muss, bis das nächste Bild kommt. Bei 3D dagegen addiert sie sich dazu, da mit dem Umschaltimpuls der jeweilige Pixel noch nicht das neue Signal zeigen kann. Das heißt, dass selbst nach Ansteuerung der letzten Zeile die Darstellung noch nicht perfekt ist, zumindest nicht weiter unten, wo sich die Flüssigkristalle gerade erst umorientieren.

Reportage: Gemischtes Doppel – Geisterbilder bei 3D
Eine regelbare Brille wie dieses Modell von Xpand könnte
viele Probleme beseitigen.


Wobei die Reaktion recht unterschiedlich ausfällt, je nach Mixtur der Kristalle und je nach Ansteuerung. So kann der Wechsel von Schwarz nach Weiß sehr schnell gehen, der in die andere Richtung aber langsam – oder umgekehrt. Das bedeutet, dass eine dunkle Kontur vor hellem Hintergrund wenig Probleme macht, eine helle Kante aber doppelt zu sehen ist. Es liegt also auch am Bildmaterial, welcher Schirm Doppelkonturen zeigt und welcher nicht.

Bei Plasma stellen sich andere Probleme. Hier werden immer alle Pixel gleichzeitig angesteuert, mit unterschiedlich pulsierenden Entladungen, die Phosphor in der jeweiligen Zelle zum Leuchten anregen. Der leuchtet allerdings etwas länger, als die Entladung dauert – und muss das auch, damit genug Helligkeit erzeugt wird. Da dafür vor allem die grünen Pixel verantwortlich sind, sieht man das Nachleuchten unter Umständen noch, wenn schon das andere Auge dran ist. Der Schatten der Doppelkontur tendiert dann in Richtung Grün. Panasonic versucht, diesen Effekt zu minimieren, indem die stärksten Impulse an den Anfang des Bildaufbaus gelegt werden.

Bei Projektoren kann man unterscheiden zwischen analog angesteuerten Panels wie HTPS-LCD und SXRD einerseits und digitalen Chips wie DLP oder D-ILA. Die analogen Bauteile verhalten sich wie LCD-Bildschirme, brauchen also die vierfache Hertz-Zahl, während bei den digitalen die Verdoppelung reicht. Bei LCD, D-ILA und SXRD gibt es geringe Reaktionsverzögerung, bei DLP gar keine.

Reportage: Gemischtes Doppel – Geisterbilder bei 3D Audyssey will mit seinem Personal-Surround-System Kopfhörer und TV-Ton kombinieren.
Bei analog angesteuerten Displays wie einem LCD werden 196, 200 oder 240 Hertz benötigt,
um eine saubere Trennung zwischen den Augen zu erreichen, bei 120 Hertz (untere Reihe)
ist Übersprechen nicht zu vermeiden.

 






 






 

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