Reportage: Fernsehtests in Fernost
audiovision zu Besuch im Forschungs- und Entwicklungszentrum von Samsung: Wie der weltgrößte TV-Hersteller seine Produkte verbessern will.
Normalerweise lädt die Industrie Journalisten zu Pressereisen ein, um Unternehmensziele und vor allem neue Produkte publik zu machen. Diesmal war es anders. Samsung bat technische Redakteure aus ganz Europa in die hauseigene Entwicklungsabteilung (Research and Development, R&D) am Stammsitz in Korea. Dort werden neue Produkte erforscht, entwickelt und getestet. Im Vordergrund stand der Austausch über internationale Vorstellungen in Bezug auf Produktqualität und neue Technologien, aber auch Testmethoden wurden diskutiert.
Die Gruppe der europäischen Journalisten bei Samsung in Korea. AV-Testchef
Florian Friedrich (fünfter von rechts) ist als einziger Teilnehmer aus Deutschland dabei.
Teure Forschung
Samsung investiert sechs Milliarden Dollar – das entspricht knapp zehn Prozent des Gesamtumsatzes – in Forschung und Entwicklung. Eine gewaltige Summe, doch wer das zentrale Hochhaus des Entwicklungsgeländes betritt, begreift die Dimensionen, in denen dieser Konzern plant und handelt. Das Hochhaus hat 38 Stockwerke und ist das mit Abstand höchste Gebäude der Umgebung. Allein hier arbeiten etwa 9.000 Mitarbeiter; rund 23.000 sind es auf dem gesamten Gelände in Suwon, das etwa 65 Kilometer nördlich von
Koreas Hauptstadt Seoul liegt. Alles nur für Forschung und Entwicklung.

Das Hauptgebäude der Forschung und Entwicklung von Samsung in Suwon.
TV-Entwicklungsabteilung
Unser Hauptaugenmerk galt der Entwicklungsabteilung für Fernseher mit ihren knapp hundert Mitarbeitern unter der Leitung von Chefingenieur Simon Lee. Die Ingenieure führten uns verschiedene Abteilungen vor, darunter den Raum für akustische Messungen, einen Raum für Kompatibilitätstests von Grafikkarten, die dort schränkeweise lagern, und einen aufwändigen Automaten zur Bestimmung der Blickwinkelabhängigkeit von Bildschirmen. Im akustisch optimierten Raum für die Hörtests testet Samsung auch das Zusammenspiel der Fernseher mit älteren High-End-Komponenten und großen Lautsprechern von B&W. Besonders interessant: Die Wände lassen sich hier stückweise umklappen, damit die Tester zwischen guter Wohnraum-Akustik (Diffusor-Flächen) und Tonstudio-Charakteristik (Absorber-Flächen) umschalten können.

Da staunt selbst audiovision: der schallarme Raum zur Messung von Lautsprechern
und Schallemissionen. Die untere Grenzfrequenz liegt bei 60 Hertz.
Im Keller des Gebäudes verbirgt sich eine moderne EMV-Kammer, in der die elektromagnetische Verträglichkeit der Fernseher getestet wird. Wie viele andere hochspezielle Testräume wird sie von allen Entwicklungsabteilungen genutzt. Hochfrequente Störaussendungen von Geräten lassen sich hier aus bis zu zehn Metern Entfernung analysieren.

Samsungs Hörraum mit umklappbaren Wänden und Boxen von B&W.
Des Weiteren gibt es Klimakammern, die verschiedene Umgebungsbedingungen und Temperaturen simulieren, sowie ein Chemielabor, das die Geräte auf schädliche Stoffe analysiert. Labors und Testräume bietet Samsungs Entwicklungszentrum ohne Ende – alle auf höchstem Industriestandard, versteht sich.
Bildmessungen
Als besonders interessant entpuppte sich eine Eigenentwicklung der TV-Abteilung: das SAMAS-System in der aktuellen Version 3.0. Das Kürzel steht für "Samsung Automated Measurement and Analysis System". Dahinter verbirgt sich eine Kombination aus Hard- und Software. Ein Minolta CS-2000 Spectroradiometer (dasselbe knapp 30.000 Euro teure Messgerät setzen wir in unserem Testlabor ein) arbeitet mit einem PC, einem Generator und den Samsung-TVs zusammen und erfasst die kompletten Display-Charakteristika von Helligkeit, Kontrast und Farben in verschiedenen Bildmodi – und zwar vollautomatisch.
Das System generiert auf diese Weise aussagekräftige und umfangreiche Auswertungen, wie uns die Entwickler live demonstrierten. Über eine Eingabemaske lässt sich dabei alles konfigurieren: welche Eingänge verwendet werden, wie groß die Abstufungen zwischen den verschiedenen Helligkeits- und Sättigungsstufen sein sollen und vieles mehr.
Den anwesenden Journalisten gingen dabei fast die Augen über: Ein solches System ist nahezu unbezahlbar und detaillierter als alles, was wir bislang gesehen hatten.

Bildqualität: Chefingenieur Simon Lee (rechts) und ein weiterer Samsung-Entwickler
führen die Analyse-Systeme VAS und SAMAS vor.


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