Reportage: Digitales Leben dank DLNA

vom 28.11.08 | 12:27

Fünf Jahre lang ist kaum etwas passiert. Jetzt feiert die Heimvernetzung nach DLNA-Standard plötzlich den Durchbruch. Entweder-oder-Fragen sind längst nicht mehr modern. Früher hieß es: Fernseher oder PC? Heute sagt man: beides. Der Computer ist selbstverständlich als Zuspieler für den TV-Schirm, genauso wie der PC Fernsehen empfängt – wenn man es denn möchte. Denn beide Geräte stehen im Haushalt, ohne sich Konkurrenz zu machen. Aber: Sie stehen nicht nebeneinander.


Vom Auto über den PC bis zum Fernseher: DLNA will die gesamte Elektronik im Haus vernetzen.
Die Idee der Heimvernetzung beginnt mit der einfachen Frage: Wie bringt man das, was auf der Festplatte des PC schlummert, auf den Bildschirm und in die Lautsprecher im Wohnzimmer? Natürlich gibt es das Sneaker-Network – man trägt die Daten zu Fuß, nachdem man sie auf Disc oder Karte überspielt hat. Eleganter ist aber der direkte Zugriff, und den wollte einstmals die Digital Home Networking Group (DHWG) standardisieren. Diese Gruppe wurde unter anderem von Intel und Sony gegründet, aus ihr entstand 2003 die Digital Living Network Alliance (DLNA), die Allianz für die Verbindung im digitalen Leben.


Je nach Kategorie spielen DLNA-Player unterschiedliche Daten ab, der
Yamaha DSP-Z7 zum Beispiel nur Musik, da ihm die Bildverarbeitung fehlt.

 

Vorher gab es schon Versuche in dieser Richtung, etwa das Havi-Konsortium; es scheiterte an der Komplexität der Aufgabe, da man auf Basis des Firewire-Standards alle Elemente neu definieren musste. Reste davon sind noch gelegentlich unter der Bezeichnung Hana zu sehen. DLNA machte es sich einfacher, auch wenn das kompliziert genug ist: Man greift für den Netzwerk-Standard auf so viele Bestandteile aus der PC-Welt zu, wie eben möglich. Daher basiert die Norm auf:
– den Netzwerk-Protokollen 802.3i/u und 802.11a/b/g, bekannt als LAN und WLAN, übertragen per Ethernet-Kabel beziehungsweise Funk
– dem Internet-Protokoll IPv4.
– der Transferprotokoll HTTP 1.0 und 1.1
– der Basisspezifikation für Universal Plug‘n‘Play (UPnP Device Architecture 1.0)
– der UPnP-Erweiterung AV 1.0, dem Protokoll für audiovisuelle Inhalte.
– den Normen JPEG, PCM und MPEG-2 für Standbilder, Audio und Video.


Netzwerk-Festplatten sind ideal als DLNA-Server, müssen aber das Logo tragen, damit die Verbindung klappt.

Darüber hinaus können sich die verbundenen Geräte auch verständigen, wenn beide Seiten weitere Fähigkeiten besitzen. Optional erlaubt sind zum Beispiel zahlreiche Normen für Fotos, etwa Gif oder PNG. Bei Audio darf es auch MP3 sein, Video ist zudem in MPEG-1, MPEG-4 und Windows Media 9 möglich.

Was ein DLNA-Gerät können muss, hängt davon ab, in welche Kategorie es gehört. Vorgesehen sind für zuhause Server (Digital Media Server, DMS), Player (DMP), Renderer (DMR), Controller (DMC) und Printer, dazu kommt die Kategorie Media Interoperability Unit (MIU). Dabei gehören Player und Renderer zu den Empfängern, während Server die Inhalte liefern. Ein Controller steuert und überwacht das Netzwerk, teilt also zum Beispiel dem Player mit, welche Inhalte zur Verfügung stehen. Ein MIU schließlich hat die Aufgabe, nicht kompatible Formate so zu wandeln, dass sie von allen Beteiligten verstanden werden.


Ein Filmserver für das ganze Haus soll der XStreamHD-Player werden, der im Herbst in den USA eingeführt wird.
Noch mehr Kategorien hat die DLNA für mobile Geräte definiert, darunter etwa einen Uploader (M-DMU), wozu zum Beispiel ein Mobiltelefon gehört, das seine Inhalte dem Server zur Verfügung stellt. Sonst sind mobile Einheiten ähnlich klassifiziert, wobei die Einsatzbereiche variieren, vom Auto bis hin zum Mini-Player für unterwegs.
Die Vorschriften der Netzwerk-Allianz verteilen die Lasten ziemlich gleichmäßig auf alle Beteiligten. Der Server hat es schon deswegen nicht einfach, weil er die vorhandenen Dateien in das Format bringen muss, das die Wiedergabeseite versteht. Das ist bei Standbildern und Musik kein großes Problem, ein JPEG ist schnell errechnet und für PCM werden andere Tondateien decodiert.


Ein Media-Player nach DLNA-Standard ist das Loewe Mediacenter, das sich Musik von angeschlossenen Servern holt.
Schwieriger ist es bei Video, wo MPEG-2 Pflicht ist. Dann muss zum Beispiel eine MPEG-4-Datei entpackt und ein neuer Datenstrom erzeugt werden – und das in Echtzeit während der Wiedergabe.

Auf der anderen Seite muss der Empfänger zumindest bei Video sauber decodieren können, mit der jeweiligen Auflösung, Daten- und Bildwechselrate der Aufnahme. Daher findet sich DLNA derzeit meist in den Top-Fernsehern mit eingebautem HD-Tuner; etliche TV-Geräte verzichten ganz auf Video und sind nur für Musik und Fotos vorbereitet. Angesichts der Fülle an Profilen, Auflösungen und Werkzeugen in den Video-Normen ist, allen Kompatibilitätstests zum Trotz, die Wiedergabe von Files aus dem Netzwerk oft ein Glücksspiel.
Und nach wie vor weitgehend unmöglich ist es, geschützte Daten über DLNA zu senden, etwa Musik aus iTunes oder DVD-Filme. Das, so hört man, kann noch ein paar Jahre dauern. (lö)


Ein Media-Player nach DLNA-Standard ist das Loewe Mediacenter, das sich Musik von angeschlossenen Servern holt.

Zusatzinfo: Intel und das Internet
Erst die Heimvernetzung, dann  die ganze Welt: Nächster Schritt nach der Einbindung von Computern und Servern zuhause wird die Anbindung von TV-Geräten an das World Wide Web sein. Intel hat im August auf der Developers Conference in San Francisco einen Mediaprozessor vorgestellt, mit dem das ganz einfach realisiert werden kann, den CE 3100. Er baut erstmals auf der x86-Architektur auf, die in jedem PC steckt, und verwendet Linux als Betriebssystem. Das hat für Geräte-Konstrukteure den enormen Vorteil, dass sich vorhandene Software sehr einfach integrieren lässt, etwa Internet-Browser. Bisherige Prozessoren basierten in der Regel auf MIPS-Technik, die zwar wenig Hardware-Aufwand benötigt, aber in der PC-Welt unüblich ist.

Erste Anwendung für den Chip soll ein sogenannter Widget Channel sein, den Intel zusammen mit Yahoo realisieren will. Dabei kann man über RSS-Feeds Informationen aus dem Internet beziehen. So lassen sich am Rande des Bildschirms das Wetter, aktuelle Schlagzeilen oder persönliche Mitteilungen einblenden. Auch der Zugriff auf Foto-Webseiten wie Flickr soll so möglich werden. Das entspricht dem, was Samsung jetzt schon als Info-Live in seinen neuesten Geräten realisiert – zusammen mit Yahoo, aber ohne Intel.

 


Eric Kim von Intel bei der Präsentation des neuen TV-Prozessors unter dem Motto „Wir lieben Fernsehen“.



 

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