Reportage: Das Trägt man Heute – Surround im Kopfhörer

vom 03.02.12 | 10:54

Reportage: Das Trägt  man Heute – Surround im KopfhörerFür den Surround-Sound der Zukunft will Audyssey Fernseh- und Kopfhörerton kombinieren. Wir schauen, wie das System funktioniert

Das kann man als Kapitulation verstehen: "Weil die Vorne-Ortung sowieso nicht funktioniert", sagt Chris Kyriakakis, Chef des Audio-Entwicklers Audyssey, "nehmen wir dafür einfach die normalen TV-Lautsprecher." Und so mischt das Personal-Surround-System die Klänge von Boxen und Kopfhörer, denn Surround braucht Ortbarkeit und Umhüllung – das eine liefern die Lautsprecher, das andere das nach vorne offene Headset von Audyssey.

Personal Surround nach dieser Rezeptur soll schon bald in 3D-Fernsehern debütieren, auch AV-Receiver will Audyssey damit ausstatten. Wer die dazugehörigen Kopfhörer verkauft, ist noch unklar. Aber wahrscheinlich besteht die Integration in den Fernseher nur aus einer Rechenvorschrift, die in den Prozessor geladen wird, den Rest liefert Audyssey.

Reportage: Das Trägt  man Heute – Surround im Kopfhörer
Audyssey will mit seinem Personal-Surround-System Kopfhörer und TV-Ton kombinieren.

 

Gewöhnungs-Effekt

Andere Firmen sind weniger pessimis­tisch, was Surround direkt auf dem Kopf angeht. In der Tat gibt es nicht viele Menschen, die derzeit Surround hören, wenn sie sich einen Kopfhörer aufsetzen. Die Probleme beginnen damit, dass man Geräusche nicht als definiert außerhalb des Kopfes wahrnimmt, auch eine Ortung nach hinten klappt nicht immer.

Vor allem aber gelingt es oft nicht, ein Schallereignis vor sich wahrzunehmen; meist klingt es wie von oben kommend. Und das, obwohl man doch nur zwei Ohren hat und über Kopfhörer genau kontrollieren kann, was dort ankommt.

Reportage: Das Trägt  man Heute – Surround im Kopfhörer
" Einige Phänomene haben wir immer noch nicht verstanden. "
Karlheinz Brandenburg, Fraunhofer-Forscher und MP3-Mitentwickler


Aber tatsächlich haben selbst die besten Forscher noch nicht vollständig verstanden, wie der Mensch räumlich hört, bestätigt Prof. Dr. Karlheinz Brandenburg, besser bekannt als der MP3-Erfinder. Drei wesentliche Probleme hat man aber ausmachen können:

– Die kopfbezogene Übertragungsfunktion, also die Art, wie Töne von vorne oder hinten am Ohr ankommen. Das versuchen Systeme wie Dolby Headphone zu berücksichtigen, indem Töne von hinten so verändert werden, als ob eine Ohrmuschel im Weg wäre. Allerdings hat jeder Mensch eine etwas andere Kopfform, so dass sich das kaum einheitlich für alle Benutzer programmieren lässt.

– Die Kopfbewegung, die dem Hörer signalisiert, dass sich das Klangfeld mit ihm bewegt. Dann bricht jede Illusion von Raumklang in sich zusammen.

– Der Lern-Effekt, also die Gewöhnung an eine bestimmte Art von Geräuschen und woher sie kommen.

Speziell der letzte Effekt, so berichtet Brandenburg, hat schon manche Entwicklerteams in die Verzweiflung getrieben. Denn während die Forscher anfangs keine vernünftige Surround-Ortung wahrnehmen, funktioniert es nach mehreren Monaten. Das liegt aber weniger an raffinierten Klangbeeinflussungen als an der Gewöhnung. Wird das fertige Produkt dann an anderen Personen ausprobiert, klappt es bei denen nicht.


Reportage: Das Trägt  man Heute – Surround im Kopfhörer
Das System Headzone Home HT von Beyerdynamic arbeitet mit Headtracking
für bessere Sound-Ortung.


Reportage: Das Trägt  man Heute – Surround im Kopfhörer
Nicht von der Stange: Bei Beyer­dynamic kann man sich Kopfhörer
nach persönlichen Wünschen ausstatten lassen.

 







 

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