Reportage: 3D-TV ohne Brille von Toshiba

vom 05.09.11 | 16:09

Reportage: 3D-TV ohne Brille von Toshiba Anfang 2012 will Toshiba einen 3D-Fernseher bringen, der ohne Brille funktioniert. Wir sagen, wie das geht und wo die Probleme liegen.

Dreimal 3D: Für Einsteiger gibt es Polfilter, für Anspruchsvolle Fernseher mit Shutterbrille und die Oberklasse braucht gar keine Brille mehr – so soll bei Toshiba ab nächstem Jahr die Auswahl aussehen. Die 3D-Schirme mit Brille kennt man ja schon, doch über die kommenden autostereo­skopischen Geräte ist bislang wenig bekannt. audiovision verrät erste Details zur Technologie und zum drei­dimensionalen Bildeindruck.

Auf den Markt kommen soll, so die Auskunft der Japaner, ein 3D-Schirm ohne Brille "innerhalb des laufenden Geschäftsjahres", was heißt: bis März 2012. Und er wird "42 Zoll oder größer" sein, wahrscheinlich sind 55 Zoll. Denn ein Topmodell darf nicht zu klein sein. Eine alternative Größe wäre 65 Zoll, doch damit würde der Fernseher wahrscheinlich zu teuer.

 

Toshiba goes Taiwan

Toshiba baut Panels in TV-Formaten bekanntlich nicht selbst, der Partner für neueste 3D-Technologie ist AUO in Taiwan. Das ist zwar nicht offiziell bestätigt, aber sicher. Denn diese Firma plant eine Offensive in Sachen brillenfreie Bildschirme, unter anderem für Notebooks. Da AUO zu keinem TV-Hersteller gehört, liegt die Allianz mit Toshiba nahe: Aus Taiwan kommen die LCDs, aus Japan die Chips für die Sig­nalverarbeitung.

Reportage: 3D-TV ohne Brille von Toshiba
Die beiden wichtigsten Technologienfür 3D ohne Brille sind
Lenticular-Linsen (oben) und Parallaxenbarrieren vor oder
hinter den Pixeln (darunter).


Wie beim kleineren Modell 20GL1, das in Japan verkauft wird und ein Toshiba-eigenes Panel verwendet, setzen die Ingenieure auf die Lenticularlinsen-Technologie. Das ist ein Linsenraster über den Pixeln, das wie winzige Lupen einzelne Subpixel in Rot, Grün und Blau vergrößert, je nach Blickwinkel unterschiedlich. So kann man zweierlei Bilder zu linkem und rechtem Auge schicken.

Doch anders als die eigenen Panels verwenden die von AUO gefertigten LCDs ein klassisches Streifenraster mit senkrechter Anordnung der drei Farben. Daher muss das Raster in schrägem Winkel darüber gelegt werden, um die Auflösungsverluste zu minimieren; beim 20GL1 ist das nicht nötig, weil jeder Subpixel aus neun Segmenten besteht (siehe audiovision 11-2010).

Reportage: 3D-TV ohne Brille von Toshiba
Die Zuordnung der farbigen Subpixel zu den einzelnen Blickwinkeln
folgt einem komplizierten Muster (Zahlen von 1 bis 9).


Vorteil der Linsen: Es geht wenig Helligkeit verloren, weil das Licht gebündelt wird. Nachteilig ist, dass es Glitzereffekte gibt, zudem kann die Schrägstellung des Rasters Moirés verursachen. Und die Schicht verschlechtert den Kontrast, weil in ihr Streulicht entsteht. An ersten Prototypen, die Toshiba auf einer Präsentation in Rom zeigte, waren diese Störungen sichtbar, aber kaum störend.

 

Mit Überblendung

Neun verschiedene Blickwinkel strahlt der kleine Toshiba ab, beim großen Schirm sei die Zahl noch nicht entschieden, sagt Toshiba. AUO hat sich aber bereits öffentlich auf neun festgelegt. Doch die Zahl ist irreführend. Bei einer Breite von sechs bis sieben Zentimetern pro Winkel – entsprechend dem Augenabstand – ergeben neun Perspektiven gerade mal eine Breite von 60 cm. Das würde nicht einmal für zwei Personen auf einem Sofa ausreichen. Deswegen werden die neun Winkel mehrfach wiederholt, was zu einem Problem führt: Am Übergang zwischen zwei Bündeln, also zwischen Winkel neun und eins, sind die Seiten vertauscht, das 3D-Bild wirkt gestört und unnatürlich. Toshiba umgeht das bei Präsentationen durch Vorgaben, wo man stehen soll.

Reportage: 3D-TV ohne Brille von Toshiba
Die Fokussierung auf einzelne Subpixel geschieht durch eine Flüssigkristallschicht,
die sich in ein Linsenraster verwandeln kann.


Berechnet werden die unterschiedlichen Perspektiven vom Cevo-Chip, den Toshiba auch in diese Modelle einbauen will. Basis der Tiefenkalkulation kann ein 2D-Bild oder eine 3D-Zuspielung sein, etwa von Blu-ray.

Reportage: 3D-TV ohne Brille von Toshiba
Toshiba bevorzugt eine leichte Überlappung der Blickwinkel (rechts),
um harte Wechsel und Totzonen zu vermeiden.


Ein zweiter Trick heißt bei den Japanern "Integral Imaging". Darunter versteht man ein leichtes Überlappen benachbarter Blickwinkel, so dass es einen weichen Übergang gibt, wenn man den Kopf zur Seite bewegt. Ob das angenehm ist, darüber lässt sich streiten, denn in diesem Übergangsbereich bekommt das Bild starke Doppelkonturen. Zudem macht der weiche Übergang den Bereich noch schmaler, in dem man ein sauberes Bild sieht.

Ob man die Störung bei einer Kopfbewegung als unangenehm empfindet oder nicht, wird sich erst nach längerer Zeit der Benutzung herausstellen. Eventuell gewöhnt man sich daran.

Reportage: 3D-TV ohne Brille von Toshiba
Acht oder neun verschiedene Blickwinkel bringen eine Bewegungszone
von rund 60 Zentimetern.

 

 







 

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