HDMI-Probleme lösen – Seite 2

3. Kabel

Eine analoge Signalübertragung wird entsprechend der Leitungslänge gedämpft: Es sinkt die Amplitude speziell bei höheren Frequenzen, das heißt, das Bild ist weniger kontrastreich und scharf. Da HDMI digital ist, hat die Übertragung hier eine andere Charakteristik: Sie bleibt über eine lange Zeit stabil, geht dann in den Bereich mit Bildfehlern und bricht recht schnell ganz ab. Dieser Abbruch wird signaltechnisch Klippe genannt, und nur kurz vorher verschlechtert sich die Qualität. Wenn also gelegentlich davon die Rede ist, dass mit diesem oder jenem Kabel Farben oder Bildschärfe besser seien, so ist das Unsinn oder Einbildung.
Wichtig zu wissen ist allerdings, dass sich diese Klippe verschiebt, je nach zu übertragendem Signal. Ein hochwertiges Kabel, so eine Messung von Audioquest, liefert bei einem Meter Länge eine maximale Bandbreite von 30 GBit/s, also fast das Dreifache dessen, was bei HDMI 1.3 höchstens vorgesehen ist, bei sechs Metern Länge sind es immer noch 13 GBit/s, während die Grenze von 7 GBit/s, kritisch für 1080p mit 12 Bit und 60 Hertz, bei zwölf Metern erreicht wird. Bei 20 Metern bleiben noch 4 GBit/s übrig, unter idealen Umständen, ohne Störungen von außen und bei perfekter Quelle.


Er ist verantwortlich: Steve Venuti, hier bei einem Auftritt auf der Internationalen
Funkausstellung in Berlin, wurde im April zum Präsident
der HDMI LLC ernannt, des Lizenzgebers.

Die Bit Error Rate (BER) lässt sich messen und beziffert die Anzahl der Bitfehler über einen bestimmten Zeitraum. Im normalen Bereich arbeitet ein Kabel mit einer Rate, die bei einem Fehler pro Tag liegen kann. Auch Werte von einem Fehler pro Sekunde sind unproblematisch, aber dann fängt es an: Ist das gleiche Kabel einen Meter länger, kommt man schon in den Bereich von 5.000 Fehlern, ein Meter mehr und das Signal setzt aus.
So ist zu erklären, dass AV-Leser Rüdiger Seichter über sein 12m-Kabel nur 576p sehen konnte, weder 1080i noch 24p. Wobei hinzu kam, dass die Signalqualität okay war, wenn er das Kabel direkt an seinen Panasonic-Play­er anschloss, das Bild aber aussetzte, sobald sein Onkyo-Receiver dazwischengeschaltet war. Das lag offensichtlich daran, dass der im Oehlbach-Kabel integrierte Verstärker nicht mit dem Onkyo harmoniert, sondern nur mit dem Panasonic. Wenn eine niedrigere Auflösung funktioniert, höhere aber nicht, zeigt das, dass man jenseits der Klippe angekommen ist.
Was die Qualität von Kabeln angeht, gibt es nur zwei Unterschiede, nämlich Category 1 und Category 2, auch Standard und High-Speed genannt. Für den Standard gilt, dass hier 1080i, 24p oder 720p (rund 2,3 GBit/s oder 74,5 MHz) auf 15 Meter sicher übertragen werden; bei kürzeren Kabeln sind also auch höhere Bandbreiten bis hin zu 1080p mit 60 Hertz möglich. High-Speed bedeutet, dass selbst die maximale Rate von 10,2 GBit/s über 7,5 Meter garantiert ist.
Kabel nach HDMI 1.3-Spezifikation existieren nicht. Mit dieser Version wurden nur neue Prüfnormen eingeführt.


Während bei einer analogen Übertragung (oben) die Qualität mit der Länge abfällt,...


...ist bei HDMI das Signal über lange Zeit konstant, um dann steil abzufallen.


Dort, wo es sich mit der Fehlerrate trifft, bricht das Bild zusammen.
Gleichzeitig ist der Punkt des Abfalls stark vom jeweiligen Signal abhängig.

Zusatzinfo: Rückmeldung notwendig

Viele Kunden haben es aufgegeben, die Hotlines oder Service-Adressen von Herstellern mit Problemen zu kontaktieren. Denn komplizierte Angelegenheiten, wie sie bei HDMI die Regel sind, können von den Kontaktpersonen dort meist nicht gelöst werden – und dann hört man nie wieder etwas von der Firma.
Trotzdem ist es falsch, die Hersteller nicht zu informieren. Keine Firma wünscht verärgerte Kunden, die an ihren Anschaffungen verzweifeln. Das Problem ist nur, dass die Lösung meistens recht lange dauert. Denn vom Service muss die Rückmeldung erst einmal ins Labor der Firma gelangen, wo man die Ursache herausfinden und dann eine Lösung erarbeiten muss. Zum Glück sind heute viele Komponenten per Software upgrade-fähig, so dass auch die Käufer vorhandener Geräte etwas von Weiterentwicklungen haben. Ohne die Rückmeldungen der Kunden gäbe es diese Upgrades aber nicht.  

4. Bildfehler

Wie im Kabel-Kapitel erläutert, kommen Bildfehler bei der HDMI-Übertragung in dem schmalen Bereich vor, der der Klippe, also dem Abbruch, vorausgeht. Typische Erscheinungsform sind winzige helle, meist waagrecht durchs Bild laufende Streifen; auch quer durchlaufende Aussetzer werden dann sichtbar, teilweise nur schwach wahrzunehmen.
Sehen Bildfehler anders aus, kann es sich um Störungen durch Funk- oder Magnetimpulse handeln. Sie treten am ehesten bei langen Kabeln auf, die Ursachen sind aber schwierig aufzuspüren. Wenn man Glück hat, kann man schon durch eine andere Kabelführung den Fehler beseitigen. Um zu testen, ob die Störung von außen kommt, stellt man am besten die Geräte direkt nebeneinander und nimmt ein möglichst kurzes HDMI-Kabel.
Ebenfalls bekannt sind Fälle, in denen die Bildqualität selbst bei kurzen Strecken über HDMI schlechter ist als über YUV. Theoretisch dürfte das nicht sein, denn die Signale sind bis auf den Wegfall der Digital-analog- und der Analog-digital-Wandlung und wieder zurück nahezu identisch. Der Grund dafür liegt dann in einer schlechten Umsetzung der HDMI-Vorgaben – was eine Rechtfertigung dafür ist, das Gerät sofort wieder zurückzugeben. In der Testpraxis ist es aber noch nicht vorgekommen, dass HDMI schlechter ist als die anderen Signalarten. Insofern sollte man bei schlechter Qualität einen Defekt nicht ausschließen – von welcher der beteiligten Komponenten auch immer.


Das Eye-Pattern zeigt am Messgerät ein sauberes Signal (links),
während kurz vor dem Ausfall starke Störungen zu sehen sind (Mitte).




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